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Wofür braucht „Bank“ noch eine Internetseite?

Eine Frage die beschäftigt

Mit der Frage beschäftige ich mich eigentlich immer öfter. Wofür benötigt ein Unternehmen zukünftig überhaupt noch eine Internetseite? Irgendwann in nicht allzu weiter Zukunft – so meine These – wird sich die Identität eines Unternehmens oder auch einer Person sozusagen automatisch im Internet zusammen setzen. Sie geben bei google oder sonst wo einen Namen einer Person oder einen Unternehmens ein und die Identität wird automatisch in Echtzeit zusammen gesetzt. Dabei  werden alle im Internet auffindbaren Daten zusammen gesetzt, egal aus welcher Quelle diese kommen und das Ganze sieht wahrscheinlich sogar noch gut aus. Das Look and Feel ist sicherlich auch gestaltbar. Zukunftfsorscher Axel Liebetrau (demnächst hier im Interview) fand diese Idee (auf die ich natürlich kein Urheberrecht beanspruchen kann)  ganz interessant.

FHM braucht keine

Aber warum soll man sich mit der Zukunft beschäftigen, wenn wir schon erste Indizien einer solchen Entwicklung erleben können. Gestern las ich die Social Media Kolumne der Welt Kompakt. Überschrift „Websites abschalten“ . Und Jürgen Stübner hatte bereits ein Beispiel parat: Das Männermagazin FHM hat verkündet seine Internetseite abzuschaffen und zukünftig nur noch Facebook zu nutzen. Der Grund: Klassische Internetseiten sind meistens nicht mehr als Online Prospekte mit Abschlussmöglichkeiten, die sozialen Verknüpfungen der Besucher oder auch Käufer sind nicht nutzbar.

Facebook Zeit

Wenn man nun sieht wohin sich das Internet entwickelt, denn wir bewegen uns mit hohem Tempo von der google in die Facebook Zeit und wenn man – wie ich aus der Erfahrung meiner Vorträge vor und Gespräche mit Banken bestätigen kann – das steigende Interesse der Banken an Facebook Seiten  konstatiert, dann sollte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die ersten Banken auf ähnliche Gedanken kommen. Es wird deshalb auch für die IT Dienstleister der Banken Zeit sich mit dem Facebook Zeitalter auseinander zu setzen. Schließlich wissen wir bereits, dass Facebook Nutzer nur ungern ihr soziales Netzwerk verlassen, also Links, die aus Facebook heraus führen, gar nicht oder kaum folgen.

Banken ab ins soziale Netzwerk

Die Konsequenz: Die vollständige Bank muss ins soziale Netzwerk. In den USA sind die Banken hier teilweise ja schon vorangegangen, aber mal eine Frage: Ist es vorstellbar das Banking direkt aus Facebook aufzurufen. Ist das heute bereits technisch möglich und wenn ja, welche Bank wird sich wagen diesen Schritt zu gehen. Vermutlich vorerst keine klassische deutsche Bank. Bisher gibt es beispielsweise gerade mal ein Facebook  App einer deutschen Bank und die meisten Facebook Seiten sind nicht oder nur wenig am Verhalten der Nutzer orientiert. Nur wenige haben sich Gedanken gemacht, nur wenige lernen aus den Facebook Statistiken. Nur wenige verfolgen überhaupt eine Strategie.

Was bremst uns?

Unser grundsätzliches Problem bei der Anpassung unserer Alltagspraxen an die Möglichkeiten und Gesetzmäßigkeiten des Internets ist meiner Meinung nach unser Gehirn. Jede Weiter- oder Neuentwicklung ist zu sehr von unseren vorhandenen Vorstellungen und Modellen geprägt. Besonders in der dynamischen und sich dramatisch beschleunigten Internetwelt ist dies ein Problem.:

Für das Banking brauchte man schon immer einen festen Ort: Zunächst eine Bank unter freiem Himmel, dann ein Bankgebäude, dann die Internetseite, das Online- und MobilBanking. Vielleicht müssen wir uns aber hiervon trennen. Banking ist immer und überall möglich.

Weiterführende Links:

Marcel Weiss auf neunetz.de über die Facebook Zeit

Und ein sehr interessanter Artiel von netzwertig.com über die zunehmende Abhängigkeit von Facebook

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Sven Peter

    Also ich glaube schon, dass der Aufruf der Bankingseiten über Facebook technisch kein Problem darstellt. Die dazugehörigen Schnittstelle (FinTS) ist offen und kann von jedem Anbieter genutzt werden (sofortüberweisung.de).
    Ob und inwieweit die Sicherheitsrisiken und Bedingungen des Onlinebankings eingehalten werden können, steht dann erstmal auf einem anderen Blatt.

    Aber warum nicht….ein Plattform für alle Kunden, egal bei welcher Bank/Sparkasse das Konto geführt wird.

  • Volksbank

    Lieber Herr Janek,
    diesen Beitrag haben Sie nicht zu Ende gedacht:

    1. begibt sich jeder der sich facebook untertan macht in ein Abhängigkeit. Es ist viel zu riskant, dafür eine eigene Präsenz aufzugeben.
    2. nutzen Bankkunden die Internetseiten der Banken. Warum sollte man dies ändern.
    3. sind technische Hürden mit einer eigenen Präsenz am leichtesten zu überwinden.
    4. kann aus dem heutigen Dienstleister facebook über nacht ein Konkurrent werden. Was machen Sie, wenn es morgen die Facebookbank gibt? Wollen Sie dann dort Untermieter sein?
    5. gab es schon viele Wellen im Web. Wer sagt Ihnen, daß facebook in 5 Jahren noch genutzt wird?

    Eine Bank, die Ihre eigene Webpräsenz aufgibt, macht einen Schritt in die falsche Richtung.

    • electrouncle

      Hallo Herr Peter,

      danke für den Kommentar und die gänzlich andere Sichtweise. Natürlich habe ich etwas zu kurz gedacht, dabei ging es mir aber auch ein wenig um die Provokation. Auf der anderen Seite fehlt mir natürlich auch die Perspektive eines Bankers bzw. eines Bankmitarbeiters. Sehr gut nachvollziehen kann ich allerdings Ihr Argument, dass es ja durchaus sein kann das Facebook irgendwann in vielleicht gar nicht so langer Zukunft nicht mehr gibt, denn das Entwicklungstempo im Internet ist ja in der Tat sehr rasant.

      Beim zweiten Punkt ihrer Argumentation muss ich widersprechen. Natürlich nutzen Bankkunden die Internetseiten der Banken, aber dies galt oder gilt auch für Filialen. Es verändert sich jedoch einiges durch das und auch im Internet. Für die Zukunft gilt mehr als je zuvor: Sie müssen überall dort sein wo ihre vorhandenen und potentiellen Kunden sind. Wenn man nun bedenkt, dass immer mehr Menschen immer mehr Zeit in Facebook verbringen und diese noch dazu Facebook nur ungern verlassen, kann es durchaus Sinn machen hier sehr präsent zu sein. Die Website muss man sicherlich nicht abschalten, aber sie wird nur ein Ort unter vielen sein und wie in meinem Artikel geschrieben Banking wird ohnehin enträumlicht und entstofflicht werden.
      Zu Punkt 3: Facebook ist schon heute wesentlich leichter zu handhaben – auch für Entwickler – als die meisten Internetseiten. Technisches know how wird hier ohnehin eher unwichtiger werden. Das ist ja eigentlich das Grundprinzip des Internets
      zu 4: Das haben Sie gut erkannt und es wird wohl auch dazu kommen, aber die Antwort hierauf kann nicht sein sich zu verstecken. Sollte die Facebook Bank dann mal da sein – mal vorausgesetzt das Internet wird die Gesellschaft weiter so rasant durchdringen – dann ist ein Untermieter Verhältnis immernoch besser als nichts.

      Ansonsten wie gesagt, muss man sich diese Fragen stellen und jede Bank wird ihre Entscheidung selber finden müssen. Ich denke in den nächsten Jahren wird kein Kanal verschwinden. Solange die Banken dies erkennen und die Kunden in allen Kanälen entsprechend gut beraten und behandeln sind wir auf dem richtigen Weg.

  • Thomas

    Hallo Boris,

    ob der Rückzug von FMH wirklich so schlau war, möchte ich mindestens bezweifeln. Einige Argumente gibt es in diesem Post http://www.seo-strategie.de/blog/fhm-kapituliert-im-internet/1546.html
    Ich würde keinem Webseitenbetreiber raten, seine Seite aufzugeben. Einer Bank schon gar nicht.

    • electrouncle

      Hallo Thomas,

      ich denke da hast du durchaus recht. Dennoch wird für Unternehmen und natürlich auch Banken die Fixierung auf die eine Internetseite als Ort zur Erledigung der tansaktionsbezogenen Bankgeschäfte obsolet. Es ist an der Zeit – und ich behaupte dass viele Banken hier grosse Defizite haben – sich intensivst mit ihrer Internetstrategie zu beschäftigen. Nein, ich gehe noch einen Schritt weiter, die Banken müssen sich am Kundenwunsch und Kundenerlebnis orientieren und deshalb kann es sich keine Bank mehr leisten, dass Internet lediglich als Alternativkanal zu verstehen. Und innerhalb ihrer Internetstrategie müssen sie sich auf viele Orte des Kontaktes und auch des Abschlusses eintstellen. Einer dieser Orte kann z.B. Facebook sein. In Sachen SEO bringt Facebook sicherlich nichts (Danke übrigens für den Link), aber Facebook liefer ja neue Wege des Auffindens. Man wird das beobachten müssen. Ich will nicht sagen, dass Suchmaschinen in naher Zukunft keine oder nur noch eine untergeordnete Rolle spielen werden. Fakt ist aber, dass SEO ein Instrument des Suchmaschinen Zeitalters ist. Sollte dies einmal enden ist auch SEO nicht mehr relevant

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