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Wird alles Anders?

Finanzkrise

, Griechenland, der Golf von Mexico, Gesundheitsreform, Goldman Sachs, Rihanna*. Dies sind nur sechs Beispiele. Die Zahl der Ereignisse oder Krisen, die uns aufzeigen, dass unsere über Jahrzehnte und Jahre entstandenen Selbstverständlichkeiten des Handelns und Verhaltens, uns langsam aber sicher an den Rand einer nicht mehr zu beherrschenden Katastrophe führen, wird von Tag zu Tag größer. Die warnenden Stimmen, die es schon immer gegeben hat, die aber in guten und auch in nicht ganz so guten Zeiten kaum erhört wurden, gelangen in den Mainstream des gesellschaftlichen Diskurses. Menschen entscheiden sich zum Beispiel immer häufiger dafür, nicht zu wählen, weil sie erkennen, dass unser Parteiensystem und die politischen Strukturen wirklich nachhaltige Verbesserungen und Lösungen verhindert oder unmöglich macht. Nicht wählen ist auch eine Wahl.

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Parteien denken auch nur an sich

Nicht Argumente und Wissen entscheiden über unsere Zukunft, sondern das Bedürfnis der Parteien an der Macht zu bleiben oder ihre jeweilige Ideologie durchzusetzen. Als Oberbau dienen Leitlinien oder Parteiprogramme deren Wurzeln in Zeiten liegen, welche mit der heutigen nicht mehr zu vergleichen sind. Die Institutionen haben sich verselbstständig und neben der Politik versucht auch das Prinzip Wirtschaft 1.0 die Verhältnisse in denen man sich so wunderschön eingerichtet hat zu bewahren. Verzweifelt versucht man mi allen Mitteln die Pfründe zu schützen und die Kräfte der Veränderung einzudämmen. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht hinterfragen, welche Qualfikationen einen Menschen zum Politiker befähigen.

Das  Phänomen lässt sich ganz gut an den CDU Politikern Blüm, Geissler und Biedenkopf darstellen. Alle 3vertreten nach ihrem Aussscheiden aus der aktiven Parteipolitik Meinungen und besetzen Positionen, die sie früher so nicht vertreten konnten und durften. Gestern abend bei „Hart aber Fair“ war ja durchaus zu erkennen, dass es – zumindest in solchen Veranstaltungen – auch zu Annäherungen kommen kann und sich Entscheidungsträger darum bemühen sachlich an ein Problem heranzugehen. Mit einer Ausnahme: Nämlich der in der Politik aktiven und somit eigenen Karrierezielen und der Parteidoktrin verpflichteten Dr. Silvana Koch Mehrin.

Keine Tabus

Es ist an der Zeit sich mit den wirklichen Problemen zu beschäftigen und diese tabulos jenseits von Ideologien und Lobbyismus anzugehen. Noch können wir vermeiden ein zweites – oder wenn es dann soweit ist – fünftes oder sechstes Griechenland zu werden.  Es geht deshalb auch darum sich aus den kleinen Kontexten und den kurzfristigen Strategien herauszulösen. Auch Social Banking verändert nichts und wird auch nie eine herausragende Bedeutung erlangen, wenn nicht die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Grundlagen geschaffen werden. Die kundenfreundlichen Innovationen in der Finanzindustrie – welche ja überwiegend gar nicht von den Banken kommen – werden Banken nicht tangieren. Oder in den treffenden Worten von Chris Skinner:

And the fact that banking protects banks through bank licensing, means that none of the innovative firms – including PayPal – can make much difference to this rotting core.

Schwer

Grundlegende Veränderungen sind notwendig. Diese wird es nur geben, wenn wir anfangen zu begreifen und dazu gehört auch die Fähigkeit zu verlernen. Wir müssen ganz schnell lernen zu verlernen. Wir müssen unser Köpfe von falschen Handlungsprinzipien, Regeln und Vorstellungen befreien und neue – noch nie gegangene Wege – finden. Wir müssen die Angst vor Veränderungen verlieren und lernen nicht alles was wir sehen, fühlen und hören durch unsere vorgeprägte kulturelle Brille zu sehen und danach einzuordnen. Das ist schwer. Das ist vielleicht sogar unmöglich. Aber es ist der einzige Weg.

Die Auseinandersetzungen um die täglich dominierender werdende digitale Kultur sind ein schönes Beispiel für die Notwendigkeit das Verlernen zu lernen. Es wird nicht gelingen und es macht auch keinen Sinn die ausgelösten Veränderungen und neuen Handlungstechnologien in die alten Raster zu packen. Wir verschenken dadurch eine historische Chance zur Veränderung

An dieser Stelle möchte ich Norbert Bolz zitieren.

Das Buch hat unseren Geist geformt; der Computer formt den unserer Kinder. Orientierung haben wir uns in der Gutenberg-Galaxis von Büchern versprochen. Die Kunst des Lesens war Lebenskunst. Doch was heisst lesen heute? In Websites kann man sich nicht versenken, und die Immersion in virtuelle Welten hat nichts zu tun mit dem alten Seelenabenteuer des Lesens. Das ist nicht als Werturteil gemeint. Kultur ist ein Nullsummenspiel. Produziert digitales Lesen digitale Gehirne? Wir müssen darüber nicht spekulieren. Es genügt, einzusehen, dass das Leitmedium einer Kultur ihren.

Quelle: GDI Impuls 1/10, S. 100-103, Norbert Bolz- Flow-Control: Glücklichsein im Fliessgleichgewicht

Zum Schluss muss ich noch kurz erklären, wieso in der obigen Aufzählung die Künstlerin Rihanna aufgetaucht ist. Sie ist der musikalische Prototyp des Wirtschaftssystems 1.0. Eine Künstlerin, die längst vergessen hat für wen sie ihre Leistung erbringt und wer sie dahin geführt hat, wo sie heute ist. Eine Künstlerin deren bombastische und bedenkliche Selbstinzenierung auf der Bühne in keinem Verhältnis zu ihren musikalischen Qualitäten steht.  Panzer, Atomexplosionen, Gewaltanmutungen und martialische militärische Gesten werden einem Publikum dargeboten, das überwiegend aus nicht mal sechzehnjährigen Kindern besteht, die – und das war wohl der Höhepunkt der Respektlosigkeit – geschlagene 75 Minuten auf ihren Star zum „nicht“ anfassen warten mussten. An einem Sonntag. Ohne die Angabe von Gründen. Erst als zu viele Buhrufe aufkamen und erste Bierbecher auf die Bühne flogen, konnte die Künstlerin zum Auftritt bewegt werden. Keine Entschuldigung, kein Verständnis für die Zuschauer. Nichtleistung. „Thin Value“. In den siebziger Jahren war die Musikindustrie in einer ähnlichen Situation. Danach folgte Punk.

Wird alles anders?

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Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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