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Wenn Vorstände twittern,

dann finde ich das eigentlich sehr positiv. In der Finanzbranche gibt es – soweit ich das überschauen kann – bisher 4 twitternde Vorstände oder Geschäftsführer.Bei der Volksbank Bühl, der Fidor Bank, der Noa Bank und inzwischen -als aktuellster Neuzugang –  auch der R+V 24 schreiben die Vorstände eigene tweets. Nun darf man die Bedeutung von twitter nicht über bewerten, ein twitternder Vorstand ist aber zumindest ein Indiz dafür, dass das Unternehmen erkannt hat, dass Social Media mehr ist als ein neues Marketing- oder Vertriebsargument.

Unternehmen die auf twitter oder in anderen Social Media Plattformen agieren wollen und dort auch akzeptiert werden möchten, benötigen eine offene, transparente und weniger hierarchische Unternehmenskultur. Das Alles wurde hier ja schon zur genüge dargestellt. Aber reicht es dann eigentlich aus, wenn der Vorstand twittert? Kann man dann wirklich davon ausgehen, dass diese Kultur auch wirklich vorhanden ist.

Zumindest solange nur der Vorstand twittert oder Social Media nutzt, bleiben Zweifel erlaubt. Zumindest dann, wenn nur der Vorstand twittert. Dies könnte ja auch dem Ziel dienen, die Kommunikation über das Unternehmen und den Dialog mit den Verbrauchern (wenn das überhaupt erwünscht ist) im Griff zu behalten. Möglicherweise möchte man verhindern, dass die vielen unterschiedlichen Positionen und Sichtweisen der Mitarbeiter eines Unternehmens nach aussen harmonisiert werden und dann wäre man eigentlich keinen Schritt weiter gekommen.

In einer offenen Unternehmenskultur sollte die Anwendung von Social Media allen Mitarbeitern erlaubt werden. Wenn Mitarbeiter am Dialog mit Verbrauchern teilnehmen, dann kann das nur gut für das Unternehmen sein. Es ist sicherlich schön wenn der Vorstand oder der Geschäftsführer twittert, aber auch er ist nur ein Teil des Unternehmens

PS Der Einstieg der R + V Versicherung sowie der R+V 24 in das soziale Internet hat an dieser Stelle auch noch mal einen besonderen Respekt verdient. Vor allem der R+V kann man durchaus gelungene Dialog Aktivitäten attestieren. Es ist deutlich zu erkennen, dass hier nicht nur gesendet werden soll

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Jan Manz

    Vieles davon ist richtig, ein paar Punkte sehe ich anders.

    Zum einen ist es mehr als begrüßenswert, wenn Vorstände twittern. Denn dies zeigt a) davon, dass sich Vorstände gegenüber der neuen Kommunikation(srevolution) und deren Möglichkeiten offen zeigen (was nicht selbstverständlich ist, wenn man bedenkt, wie viele Vorstände nicht einmal selbst E-Mails schreiben, ggf. sogar lesen (können)) und b) sind dies unweigerlich Informationen von „ganz oben“, und geben damit Aufschluss UND Dialogmöglichkeit mit den strategischen Lenkern des Unternehmens.

    Anders sehe ich jedoch den oben geäußerten Vorwurf, es wäre „zweifelshaft, wenn nur der Vorstand twittert.“ V.a. in Zusammenhang mit dem Nachsatz, da sonst das Ziel verfolgt werden könnte, die „Kommunikation über das Unternehmen und den Dialog mit den Verbrauchern (… ) im Griff zu behalten“.

    Denn das ist nicht verwerflich – sondern in meinen Augen ein berechtigtes Ziel. Im Griff zu halten heißt ja nicht, die (alleinige) Kontrollfunktion zu haben – die es in Zeiten von Twitter & Co nicht mehr gibt. Sondern viel mehr den Dialog zu moderieren – und zwar mit allen Zielgruppen. Dazu gehören Mitarbeiter, Kunden, Presse, Öffentlichkeit, Multiplikatoren und und und. Und längst nicht jede Zielgruppe kann und darf mit den identischen Kommunikationsmitteln zum Dialog eingeladen werden. Ob und wenn ja wie viele weitere Menschen im Unternehmen Social Media nutzen, bleibt jedem selbst überlassen. Nur dem Kommunikationsmenschen nicht – denn der sollte diese Dialog-Formen nicht nur kennen, sondern auch nutzen.

    Richtig ist es daher wiederum, auch Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, sich zu äußern. Dies zu verbieten wäre zudem schlicht dumm – denn das Verbot kann nur während der Arbeitszeit (wenn überhaupt, in Zeiten von iPhone und weiteren Smartphones) nachgehalten werden.
    ABER: Es bedarf klarer Guidelines, was in welcher Form erlaubt ist – bzw. deutliche Hinweise, welche Folgen (nicht zuletzt für die kommunizierende Person!) ein aktives Anstoßen von Kommunikation und Dialog haben kann.

    • electrouncle

      Hallo,

      vielen Dank für die instruktiven und hilfreichen Anmerkungen. Zunächst einmal möchte ich unterstreichen, dass auch ich es grundsätzlich positiv finde, wenn Vorstände bereit sind zu twittern. Dabei möchte ich – wie im Artikel erwähnt – twitter aber auch nicht überbewerten. Ich bin nicht der Meinung, dass Unternehmen twitter nutzen müssen. Wer sich vorab nicht mit der Frage beschäftigt, ob die twitter Nutzung für das eigene Unternehmen einen wirklichen Wert hat, macht meiner Meinung nach einen Fehler. Ich denke auch nicht – in meiner Rolle als Konsument – das ein twitternder Vorstand zwangsläufig etwas an der Kultur und den Werten eines Unternehmens verändert.

      Für mich ist das Internet darüber hinaus mehr als ein Kommunikationsinstrument. Es ist eigentlich sehr allgemein betrachtet eine neue Handlungsebene, deshalb tue ich mich auch immer schwerer mit Begriffen wie web2.0 oder sogar Social Media – obwohl ich diesen Begriff in meinem Blog wirklich strapaziere. Diese Begriffe sind mir inzwischen viel zu technisch und sind zu sehr von der Vergangenheit geprägt. Wir bräuchten eher so etwas wie „Leben“ und als Potenz, also höher gestellt den Begriff Internet. In einer solchen Betrachtungsweise ist die Nutzung von twitter und Co überhaupt nichts aussergewöhnliches und betrachtenswertes mehr, sie ist vielmehr normal und unterscheidet sich nur noch inhaltlich. Ich hoffe demnächst einmal die Zeit zu finden, dies hier näher auszuführen.

      Die Anmerkung mit der E- Mail ist leider wahr. Wenn es zu einem Dialog mit Vorständen kommen kann ist das absolut wünschenswert, wenn aber im Unternehmen nur eine oder wenige Personen offiziell Social Media nutzen dürden (also der Vorstand oder entsprechende Stabsstellen) liegt eben doch der Verdacht nahe, dass es mit der Transparenz und dem Willen zu wirklich menschlichen Gesprächen nicht so weit her ist.

      Kürzlich habe ich bei comsore darüber hinaus von einer Umfrage gelesen, in der Menschen gefragt wurden, warum sie Unternehmen auf twitter folgen. Als Hauptgründe wurden genannt, weil man spezielle und exklusive Angebote wünscht. Gefolgt von: Weil man Kunde des Unternehmens ist. Platz 3: Weil man unterhaltsame Inhalte wünscht. Platz: Weil Freunde der Marke folgen. Der Wunsch von Vorständen Infos über das Unternehmen zu bekommen oder mit diesen in Dialog zu treten kam da nicht vor. Eventuell gibt es diesen Verbraucher Wunsch also gar nicht und bisher lässt sich auch nicht prüfen, wie weit eine solche Diskussion gehen könnte bzw. würde. Auf einige Finanzdienstleister könnten da auch sehr unangenehme Fragen zukommen, die sich allein rechtlich in der Öffentlichkeit gar nicht diskutieren lassen würden

      Natürlich ist es das berechtigte Ziel eines Unternehmens die Kommunikation über das eigenen Unternehmen im Griff zu behalten. Es ist sogar die Pflicht eines Unternehmens dies zu versuchen. Das erreicht man heute aber noch besser indem man den Menschen zunächst einmal zuhört und auf deren Fragen und Nöte eingeht. Reines Senden funktioniert da immer weniger und die meisten Social Media Aktivitäten der deutschen Finanzunternehmen beschränken sich bisher auf senden. Und – das habe ich hier auch schon geschrieben – diesen „Sendungen“ hört niemand zu. Ausser vielleicht andere Banken und Social Media interessierte. Zweifelhaft ist es auch, ob es zukünftig noch gelingen wird den Kommunikationskanal zu bestimmen, über welche man einige oder andere Kunden ansprechen möchte.

      Ich stimme auch zu, dass es keine Pflicht ist das viele Mitarbeiter eines Unternehmens Social Media nutzen. Man kann ja auch nicht affine Mitarbeiter nicht dazu zwingen. Es sollte auch so etwas wie ein Regelwerk geben. In erster Linie geht es aber um Erfahrung und Übung auf der einen Seite und auf der anderen Seite auch darum seine Mitarbeiter so zu behandeln, dass diese auch keine Gefahr für das Unternehmen darstellen können. Denn Social Media fängt im Unternehmen an. Und da sieht man dann auch, dass Social Media viel mehr als ein neues Kommunikationsmittel oder eine neue Technologie ist, welche es für Unternehmen zu beherrschen gilt. Für mich geht um eine neue nachhaltige Form des Wirtschaftens, die nirgendwo mehr so weiter macht wie bisher. Die erkennt, dass Langfristigkeit in unser Denken einkehren muss und dass Erfolge und sogar Gewinne auch dann erzielt werden können, wenn man gemeinsam mit dem Kunden und Angestellten handelt und nicht gegen diese.

      Es ist doch heute leider so, dass viel zu viele Unternehmen eine Kultur entwickelt haben, die davon ausgeht, dass man mit Ehrlichkeit, Transparenz, Authentizität und menschlichem Verhalten kein Geld verdienen kann. Unternehmen ohne echte Ambitionen und ohne wirklich wertige Produkte sind heute in der Mehrzahl. Aber das ist eigentlich ein anderes Thema.

      Noch ein kleines Beispiel zum Schluss: Der Lufthansa unterstellt man in Deutschland eine professionelle Nutzung von Social Media und insbesondere twitter. Am Mittwoch bin ich nach Berlin geflogen und habe einen Tag vorher über das Internet eingecheckt. Am nächsten morgen hat man dann meinen Flug gestrichen und vergessen mich per Mail zu benachrichtigen. Das habe ich dann mal getwittert und was war die Reaktion. Keine Reaktion! Offenbar kann oder möchte man also auf twitter nicht zuhören. Mein Wunsch wäre deshalb: Vorstände sollten auf twitter auch mal zuhören.

      Denn das ist nicht verwerflich – sondern in meinen Augen ein berechtigtes Ziel. Im Griff zu halten heißt ja nicht, die (alleinige) Kontrollfunktion zu haben – die es in Zeiten von Twitter & Co nicht mehr gibt. Sondern viel mehr den Dialog zu moderieren – und zwar mit allen Zielgruppen. Dazu gehören Mitarbeiter, Kunden, Presse, Öffentlichkeit, Multiplikatoren und und und. Und längst nicht jede Zielgruppe kann und darf mit den identischen Kommunikationsmitteln zum Dialog eingeladen werden. Ob und wenn ja wie viele weitere Menschen im Unternehmen Social Media nutzen, bleibt jedem selbst überlassen. Nur dem Kommunikationsmenschen nicht – denn der sollte diese Dialog-Formen nicht nur kennen, sondern auch nutzen.

      Richtig ist es daher wiederum, auch Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, sich zu äußern. Dies zu verbieten wäre zudem schlicht dumm – denn das Verbot kann nur während der Arbeitszeit (wenn überhaupt, in Zeiten von iPhone und weiteren Smartphones) nachgehalten werden.
      ABER: Es bedarf klarer Guidelines, was in welcher Form erlaubt ist – bzw. deutliche Hinweise, welche Folgen (nicht zuletzt für die kommunizierende Person!) ein aktives Anstoßen von Kommunikation und Dialog haben kann.

  • Webschau Wirtschaftsblogs am 17.02.2010 « Blick Log

    […] Wenn Vorstände twittern […]

  • Tim Rombach

    Habt Ihr ein Links zu den Twitter-Accounts von deutschen CEOs und Vorständen?

    LG Tim

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