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Warum sich Unternehmen in Desgin Thinking und Agile verlieben

Hauptsache Prozess

Die einen lieben Lebensmittel, die anderen lieben Aktien. Menschenliebe und Kundenorientierung scheinen dagegen weniger verbreitet. Was fast alle Unternehmen oder Unternehmenslenker gemein haben: Sie lieben Prozesse. Prozesse bieten Struktur, Ordnung und einen Verantwortlichen.

Diese Liebe machen sich die Modeschöpfer der Consulting und Managementbranche nur allzu gern zunutze. Aktuell verkaufen sie  agile Methoden als den neuen letzten Schrei oder – wie der Betriebswirtschaftler es ausrücken würde – den neuen „One Best Way“ .

Ich möchte Design Thinking oder agile Methoden  nicht von vorne diskreditieren. Sie machen Sinn. In  bestimmten Situationen Kontexten und bei bestimmten Herausforderungen sind sie  geeignete Werkzeuge. Aber eben nur „Werkzeuge“ die eingesetzt werden, um Lösungen herbeizuführen. Sie sind nicht die Lösung selber und einmal als „One Best Way verkauft“ machen sie die Menschen und Unternehmen gleicher, austauschbarer und damit reifer zur Disruption durch Dritte.

 

Design Thinking ist inkrementell

Design Thinking hat in der Regel weder mit Design noch mit besonders tiefem Denken zu tun, sondern ist stattdessen, zu einem schnell und gerne angewandten Prozess verkommen, der in vielen Unternehmen eher als Schauspiel, statt als ernsthaftes Innovationsinstrument genutzt wird. Auch bei Banken ist Desgin Thinking gerade hochaktuell.

Die Methode wird zudem gerne eingesetzt, weil sie Gleichheit und Hierarchiefreiheit auszudrücken scheint. Sie suggeriert, dass alle Menschen kreativ sind, wenn man uns erst einmal loslässt und uns 48 Stunden ohne Führung in einen Raum mit Klebezetteln und einer Tür zur Außenwelt – also zum Kunden – allein lässt. Zum Schluss bleiben dann einige inkrementelle Innovationen übrig. Die Mitarbeiter sind glücklich und die Unternehmensführung hat ihren Willen zur Innovation für alle sichtbar gezeigt. Natasha Jen kann die Problematik von Design Thinking allerdings besser in Worte fassen.

 

 

Agile Methoden

Da wir Menschen immer zu Übertreibungen neigen und – wenn wir uns erst einmal in etwas verliebt haben – auch zum Dogmatismus, sind auch die agilen Methoden inzwischen zum letzten Schrei der Managementmoden geworden. Die Agenturen und Berater schießen aus dem Boden und treffen auf Unternehmen, die auf der Suche nach schnelleren Arbeitsweisen und intrinsisch motivierten Mitarbeitern sind. In einer solchen Situation schein die Methode dann die Lösung zu sein. So wird das, was eigentlich gut war, schnell zur Übertreibung

 

Alles wird besser, wenn wir erst einmal mit Scrum, Scrumban, Safe und Co. arbeiten. Dabei ist der Wasserfall nur kleiner geworden. Klein genug für Zeiten in denen Software Releases im Minutentakt erscheinen?

 

Fast  immer wird vergessen, dass Agiltiät nur in bestimmten Situationen Sinn macht. Das eigene Unternehmen ist auch nicht google oder Spotify und die anderen  gern gennanten Vorbilder wie buurzorg setzen noch nicht einmal  auf agile Methoden. Vor allem die neuen Aufsichtsrollen wie Scrum Master, Product Owner usw. tauchen dort nicht auf, sind aber wohl ein Grund für die Beliebtheit von Agile.

 

Die große Liebe, die diesen neuen – wobei sie wurden vor fast 20 Jahren erfunden – Methoden entgegengebracht wird, ist dennoch verständlich. Sie sind eine Versprechen auf Erfolg – da viele erfolgreiche Unternehmen die Methode nutzen – sie unterstützen die Tendenz zur Nachahmung und verzichten eben nicht auf Hierarchie und Kontrolle.  Es kann also vieles beim Alten bleiben. In der Organisationsforschung nennt man das Rationalitätsfassaden: Denn Agilität gehört offensichtlich zu den  Anforderungen, die Organsisationen heute nach außen als rational handelnd wahrnehmbar machen. Was passiert, wenn man als Unternehmen derart handelt und den Kontext außen vor lässt, beschreibt Simon Wardley in der folgendne Keynote und zeigt gleichzeitig eine andere Möglichkeit auf.

 

Simon Wardley: Crossing the river by feeling the stones [Keynote] from Lean Agile Scotland on Vimeo.

 

 

Photo by Kyle Glenn on Unsplash

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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