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Von unten und vor Ort

Wenn man ein Fazit des vergangenen Jahrzehnts ziehen möchte, dann sind exponentieller Wandel und dadurch ausgelöste Angst 2 Aspekte, die mir erwähnenswert und vordergründig erscheinen. Wir erleben die Angst eines ganzen Landes, die Angst vieler Unternehmen und natürlich auch die Angst der Menschen und damit auch persönliche Angst.

Vor jeder Veränderung steht die Überwindung der Angst, die uns zurückhält. Das ist problematisch in Zeiten in denen die anstehenden Veränderungen besonders große Schatten voraus werfen, also sehr herausfordernd sind. Unsere großen Systeme wie Politik, Wirtschaft, Regierung, Bildung, Gesundheitswesen scheinen diesen Herausforderungen nicht gewachsen zu sein, versagen als Problemlöser und vergrößern unsere Ängste, weil sie uns alleine lassen. Sie haben genug mit sich selbst zu tun.

Lieber neu erfinden

Macht es überhaupt noch Sinn diese Systeme zu reparieren? Man schaue sich nur einmal die hilflosen Versuche an unseres Gesundheits- und Rentensysteme zu reparieren. Die alten Werkzeuge versagen. Die Maßnahmen wirken wie ein ewiges Beschäftigungsprogramm für Politiker, Beamten und Lobbyisten.

Deborah Frieze setzt auf Lokalisten

Deborah Frieze sagt, dass es nicht möglich sei, große Systeme zu verändern, wir können sie nur aufgeben und neu anfangen oder ihnen beim sterben helfen. Sie stellt eine radikale Theorie des Wandels vor. Wirkliche Veränderung beginnt im lokalen Raum, bei den konkreten Herausforderungen in den Kommunen. Der Lokalismus macht Hoffnung und Mut für unsere Zukunft.

Wir können nur in kleinen Gruppen gemeinsam das Neue entdecken und lernen – schreibt beispielsweise John Hagel – und nennt Creation Spaces als Kernzellen für eine Bewegung, die durch chancenbasierte Narrative zu Katalysatoren werden können. Diese Narrative schaffen einen Frame, der Menschen zusammen bringt und inspiriert. Von unten lassen sich dann auch große Systeme verändern.

Renaissance statt Revolution?

Wie viele wirklich erfolgreiche Revolutionen, die nicht nach kurzer Zeit wieder den alten Prinzipien der Hierarchie und Bürokratie gefolgt werden, haben wir eigentlich schon erlebt. Technologische Revolutionen – wie wir sie gerade wieder erleben – zermalmen viele menschliche Errungenschaften, verfestigen unsere Abhängigkeiten und vergrößern die Gräben zwischen uns Menschen. Douglas Rushkoff hat eine andere Sicht auf unsere Zukunft. Er wünscht sich eine Renaissance statt einer scheinbaren Revolution. Ich zitiere aus seinem Buch Team Human

„So the digital revolution—however purely conceived—ultimately brought us a new crew of mostly male, white, libertarian technologists, who believed they were uniquely suited to create a set of universal rules for humans. But those rules—the rules of internet startups and venture capitalism—were really just the same old rules as before. And they supported the same sorts of inequalities, institutions, and cultural values.“

Rushkoff, Douglas. Team Human (S.187). W. W. Norton & Company. Kindle-Version.

Und im weiteren Verlauf des Buches:

A renaissance is, as the word suggests, a rebirth of old ideas in a new context. That may sound less radical than revolutionary upheaval, but it offers a better way to advance our deepest human values.

Rushkoff, Douglas. Team Human (S.187). W. W. Norton & Company. Kindle-Version.

„The original Renaissance brought us from a flat world to one with perspective and depth. Our renaissance potentially brings us from a world of objects to one of connections and patterns. The world can be understood as a fractal, where each piece reflects the whole. Nothing can be isolated or externalized since it’s always part of the larger system.“

Rushkoff, Douglas. Team Human (S.189). W. W. Norton & Company. Kindle-Version.

Ted Talk mit Deborah Frieze

Der Wandel beginnt bei mir und dir. Er beginnt in deiner Region vor Ort und muss sich vernetzen. Er ist vielleicht besser eine Renaissance. Eine Chance für die Genossenschaften? Aber nur, wenn sie sich erneuern und mutig sind. Sie müssen dafür auch offen auf die jungen Menschen und neuen Bewegungen von unten zugehen.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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