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Verrückt oder notwendig?

Vorsicht Suchtgefahr

Ich sitze gerade am Hamburger Flughafen und trinke noch ein Glas Wasser, bevor es zum nächsten Termin geht. Damit lege ich ein Verhalten an den Tag, welches ich mir noch vor fünf Jahren kaum hätte vorstellen können. Und wahrscheinlich hätten mich damals auch viele Menschen schief angeguckt. Heute ist das benutzen von Notebooks oder der nahezu süchtige Blick auf das Smartphone beinahe schon normal, auch wenn gerade Organisationen und Institutionene Probleme haben, diese – noch relativ neue – Form des menschlichen Handelns, in die alten – man kann fast schon sagen überkommenen – Strukturen zu packen.

So normal man persönlich dieses Verhalten auch empfinden mag. Störungen, die Unsicherheit erzeugen und damit auch Hinterfragung ermöglichen, sind wichtig. Ich halte Sie sogar für überlebenswichtig: In einer Welt, in welcher die eigene Sicht der Dinge immer seltener ins Wanken gerät, weil uns beigebracht wurde zu kleinen „Ich Ags“ zu mutieren.

Diese Störungen sollten auch vor unserem aktuellen Lieglingsthema „Social Media“ nicht halt machen. Eine US Studie von Retrevo hat sich deshalb mit der Frage beschäftigt, ob „Social Media“ auch zur Abhängigkeit führen kann und einige Ergebnisse sollten uns zumindest sensibel machen, für die negativen Seiten der über die Internet Technologie eingeleiteten evolutionären Weiterentwicklung des menschlichen Handelns.

http://www.retrevo.com/content/blog/2010/03/social-media-new-addiction%3F

Wir müssen nicht draussen bleiben

Auf der anderen Seite wird es uns Älteren nicht gelingen die Uhr zurückzudrehen. Wie wesentlich ein Medium, wie ein Buch oder auch das Fernsehen, die Kultur von Generationen und deren Verhaltensweisen prägen kann, wissen wir alle. Weil jede Generation dies am eigenen Leib erfährt. Die Millenials – das sind immerhin mehr als 2 Milliarden Menschen – beginnen die Entscheidung für einen Beruf davon abhängig zu machen, ob sie dort ihre Alltagstechnologien bzw. Handlungsinstrumente auch nutzen dürfen. Wer also den Computer, das Internet oder „soziale Netzwerke“  – aus welchen Gründen auch immer aussperrt – wird möglicherweise nicht mehr die hoch vernetzten Topbewerber erreichen können.

A shocking 21% of young adults said they would turn down a job if it didn’t allow them to access social network sites or their personal email during work hours, according to a new global survey of workplace attitudes and behaviors by Clearswift, a software security company

http://www.mediapost.com/publications/?fa=Articles.showArticle&art_aid=128674

Offenbar befinden wir uns also in einer Zwickmühle und wir sollten unsere Unsicherheit nutzen, um  bestehendes zu Hinterfragen und möglicherweise neue Wege zu finden alte Probleme anzupacken. Darüber hinaus haben wir die Chance auszuhandeln was „Falsch“ und was „Richtig“ sein kann. Allerdings muss alt und neu hier dieselbe Chance erhalten. Oder was denken Sie?

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Jan Manz

    Zunächst die augenzwinkernde Frage, was Sie denn vor 5 Jahren am Flughafen anders gemacht hätten, anstelle „ein Glas Wasser zu trinken“… 🙂

    Jedoch: Die Beobachtung der „Suchtgefahr“ ist m.E. in Bezug auf Social Media richtig. Wobei dann Social Media evtl. der falsche Begriff ist – denn es geht m.E. vielmehr um die Frage der allgemeinen Medienrezeption, sowie der Verteilung/ Kommunikation von Informationen.

    Ich ertappe mich selbst dabei, dass mein erster Weg nach dem Aufstehen zum Smartphone und damit zu Twitter führt. Um Informationen zu sichten, zu bewerten und ggf. weiter zu verteilen/ entwickeln – oder um zu kommunizieren.

    Und es fällt mir schwer, auch mal „die Finger davon zu lassen“ – auch wenn es manchmal definitiv unwicvhtig ist, was es zu lesen gibt.

    Und zu dem zweiten Punkt im Post: Ich bin mir sicher, dass der freie Zugang zu Kommunikation und Information schon heute in den meisten Fällen entscheidend für die Wahl des Arbeitgebers ist, zumindest in Kommunikationsberufen. Und dies wird sich kurzfristig auch auf die meisten anderen Berufszweige ausweiten.

    Da „unser“ Informations-(Such-)-und-Kommunikationsbedürfnis /~Verhalten schon sehr bald vollkommen normal sein wird. Und: Weil sich das Netz nicht beschränken lässt.

    • electrouncle

      Hallo,

      zur ersten Anmerkung. Da kann ich mich eigentlich gar nicht mehr dran erinnern. Aber sicherlich habe ich was anders gemacht. Man lebt und lernt ja.

      Den weiteren Statements stimme ich zu. Auch bei mir besteht ja diese Suchtgefahr und ich befinde mich jetzt in einer Phase, in der ich versuche mir meines Medienverhaltens wieder bewusster zu werden. Die Komplexität wird letztlich immer grösser und ich wünsche mir Verfahren und Praxen mit welchen ich bzw. mein Gehirn die Anforderungen verarbeiten kann. Solche Kompetenzen werden ja heute nirgendwo vermittelt. Die jüngere Generation hat da weniger Probleme. Meine Generation braucht hier wohl auch von dieser Generation Unterstützung. Es wird ja darum gehen unter Verhältnissen kaum noch verarbeitbarer Komplexität Entscheidungen treffen zu können. Eingedenk der Tatsache, das diese Entscheidungen zeitlich immer begrenzter Gültigkeit haben.

      Zum letzten Satz noch eine kurze Anmerkung. Ich lese den Satz der Unbegrenzbarkeit des Netzes immer wieder. Allerdings bin ich da nicht so sicher. Ich hoffe dies auch, denke aber, dass es für die Mächtigen dieser Welt immer Möglichkeiten gibt, Dinge zu unterbinden. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, bringen wir – die wir viel über das Internet diskutieren und Schreiben (zumindes in Deutschland) – bisher kaum Gegenmacht auf die Straße. Ich bin zum Beispiel erschüttert wie wenig das Thema BP im Netz stattfindet.

      Und nochmal Danke für den Kommentar

  • michaela

    Was die Grenzenlosigkeit des Netzes angeht – mal sehen, wie lange noch…

    • electrouncle

      Hallo,

      wenn Du hier auf die Versuche zur Reglementierung abzielst, denke ich auch, dass es durchaus Gefahren gibt, dass diese Grenzenlosigkeit irgendwann einmal von einflussreichen Institutionen negativ beeinflusst werden kann. Prinzipiell müssen wir uns ja ganz grundsätzlich mit den neuen Anforderungen auseinandersetzen und Wege finden, uns an Veränderungen anzupassen oder auch negative Auswüchse einschränken müssen. Alle Sachen haben ja immer mindestens 2 Seiten.

      Damit es aber nicht zu Veränderungen kommt, welche Demokratie und freie Meinung eher einschränken, wird es wichtig sein, dass unsere Diskussionen nicht innerhalb der Community der digitalen Avangarde oder digitalen Profis versanden. Erst wenn man die Mehrheit der Menschen erreicht und dieser Zusammenhänge verdeutlichen kann, werden die positiven Chancen des Internet genutzt werden können.

      Danke übrigens für Deinen Kommentar

  • Jan Manz

    Hallo Electrouncle/ Boris,

    Ich persönliche glaube, dass es zwar komplexer, aber eben auch einfacher werden wird. Ein Widerspruch? Mitnichten.

    Denn: Zwar gibt es jede Menge Informationen, und keine exklusiv meinungsbildenden (Massen-)Medien PLUS Unternehmens-Infos mehr – sondern einen vielstimmigen Chor an Meinungsbildnern.

    Aber: das wiederum wird Auswirkungen auf Medien, und Unternehmen haben. Medien werden gezwungen werden, qua journalistischer Qualität Themen einzuordnen (statt wie bisher zu „machen“), die immer komplexer werdenden Dinge zu erklären, zu kommentieren und die Fragen der Leser/ Zuhörer etc. zu beantworten. Voraussetzung: Sie müssen gehört werden!

    Und Unternehmen – Banken allenvoran 🙂 – müssen sich ebenfalls auf jenen, oben skizzierten „vielstimmigen Chor“ einstellen. Transparenz leben, Fairness zeigen – und den (vergessenen?) Dialog mit den Kunden wieder aufnehmen.

    Und damit auch die Kommunikation verändern: Nicht mehr One-Way, sondern wie ein Medium. Breit und vielschichtig, aggregierend, offen – ohne jedoch die Marke zu gefährden. Online. Und auch offline.

    Spannende Zeiten, in denen wir leben!

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