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Unser Problem mit dem realen Leben

Eine Unterscheidung, die keinen Sinn macht

Die Menschen in Deutschland lernen gerade google Street View kennen und langsam macht sich die Angst breit. Das verwundert wenig, denn die Berichterstattung in unseren Medien zielt offenbar genau auf diesen Effekt ab. Der Kölner Express titelte sogar mit einer Schlagzeile der Art: Die Überwachung fängt an. Und ich bin mir sicher, dass es genug Menschen gibt, die glauben, dass google Street View in Echtzeit Straßen und Häuser fotografiert. Die Überwachung in Straßenbahnen, in Geschäften oder an öffentlichen Plätzen (demnächst wird der Belsenplatz in Düsseldorf Video überwacht) und sogar der Körperscanner am Hamburger Flughafen wird aber protestlos akzeptiert, denn da geht es natürlich um eine höhere Sache: Nämlich unsere Sicherheit. Immer schon und sicherlich auch zukünftig ein gutes Argument, um Menschen auch unangenehme und ihre Rechte verletzender Pillen schlucken zu lassen.

Das wahre Problem?

Bezogen auf das Internet haben wir es aber möglicherweise mit einem ganz anderen Problem zu tun. Unser Problem liegt möglicherweise in der Tatsache, dass wir immernoch zwischen einem „virtuellen Leben“ und einem irgendwie davon getrennten „realen Leben“ unterscheiden. Das ist aber eigentlich vollkommener Quatsch, wenn man einfach mal betrachtet welchen zunehmenden Einfluss das Internet in den letzten Jahren auf unser tägliches Leben hat.

Diese künstliche Trennung zwischen realem und virtuellem Leben, die von unseren politischen und gesellschaftlichen Institutionen noch forciert wird, ist möglicherweise der Grund dafür, dass wir uns z.B. in sozialen Netzwerken häufig so unbedacht verhalten und eben Dinge über uns oder uns nahestehenden Personen publizieren, die wir im sogenannten realen Leben nicht preisgeben würden. Wenn das virtuelle Leben wie ein Spiel interpretiert wird, dann müssen wir uns doch eigentlich gar nicht wundern.

Was den meisten von uns fehlt ist die Erfahrung und Kompetenz im Umgang mit dem Intenet und die Bereitschaft dieses Werkzeug zu akzeptieren und professionell zu nutzen. Es führt nicht weiter, wenn Zeitungen, Politiker, Datenschützer, TV Anstalten und wer sich da auch sonst immer tummelt, verdammen, warnen und neue fremdbestimmte Schutzmechanismen fordern oder schaffen. Es geht um Bildung, Kompetenz und die Bereitschaft endlich im 21 Jahrhundert anzukommen.

Bürger müssen Bürger werden

Es geht für den Bürger auch darum wieder zum Souverän zu werden und sich seinen Problemen aber auch den Problemen der Anderen wieder zu stellen. Eine Machtverschiebung über das Internet entsteht nicht allein durch die Möglichkeit. Sie braucht auch den Willen, diese anzuwenden. Die alten Autorätiten und Sicherheiten können uns nicht mehr weiter helfen. Wir müssen erkennen, dass diese eigentlich nichts mehr anderes tun als ihre alte Welt zu erhalten und zwar auf unsere und die Kosten nachfolgender Generationen.

Die Inspiration

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf 2 Artikel hinweisen, die ich in den vergangenen Woche sehr begeistert und die mich zu diesem Blog Post inspiriert haben.

10 reasons for stop apologizing for your online life von Alexandra Samuel. Quelle: Harvard  Business Review

Den zweiten Artikel habe ich gestern in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung gelsen. Habe diesen Online bisher nicht gefunden. Suche aber weiter.

Die reale Musikgruppe

Es gab da auch mal eine Band zum realen Leben, allerdings eher ein „One Hit Wonder“. Hier also das Lied zum Ende des Wochenendes

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=D6zBjYIyz-0]

Learnings für die Finanzbranche

Auch die Finanzunternehmen erkennen gerade, dass das „reale Leben“ anders ist und anderes erfordert, als in ihren Strategiedokumenten niedergeschrieben steht. Der Kunde kann souveräner agieren (wenn er es will). Er wählt den für ihn bequemsten Kanal, um seine Bankgeschäfte zu betreiben und auch wenn die Verantwortlichen in den Banken  es trotz realer Erfahrungen immer noch nicht glauben wollen, wird das Bankgeschäft immer weniger in den klassischen Filialen stattfinden. Es wird Zeit dies zu erkennen und sich vor allen in den Online Kanälen zu professionalisieren.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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