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Sonntag Nachmittag (mir ist nach Meinung)

Sonntag Nachmittag auf der Couch. Der Hund schläft. Ich höre Musik und aktualisiere meinen Blog. Die Musik höre ich mit meinem iphone und zwar über last.fm. Dort habe ich einfach „The Pastels“ eingegeben und kann nun seit einer Stunde die Musik alter musikalischer Helden hören, ohne dass ich Platten oder CDs wechseln muss. Und dabei entstehen noch nicht einmal Kosten.

Das sind die Momente in denen einem klar wird, wie das Internet unser Leben verändert hat und weiter verändern wird. Ich vertrete ja die These: Das es einem mit zunehmendem Alter immer schwerer wird sich auf Veränderungen einzustellen und diese – wenn man sie für sinnvoll hält – mitzugehen. Ich wundere mich also nicht, warum unsere – doch meistens real oder zumindest gefühlt überalterte politische Elite – mit großer Angst und Unkenntnis auf die durch das Internet verursachten Veräderungen reagiert. Zusätzlich fehlt dann in der Regel noch die Zeit sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen oder die richtigen Experten bzw. zumindest weniger lobbyistische Experten auszuwählen.

Ich wünsche mir deshalb mehr Zeit für Politiker. Zum Beispiel könnten sie dann das Buch „Was würde google tun“ von Jeff Jarvis oder “ Free“ von Chris Anderson lesen und würden dann eventuell verstehen, dass nationale Gesetze auch nicht helfen werden, um überkommene Geschäftsmodelle zu retten. Ich kenne mich ja in Sachen Urheberrechtsschutz nicht so aus, aber wenn die deutsche Linie bedeutet, dass Bücher in Deutschland dadurch auch teurer sein werden, dann muss ich mir die Bücher eben in England oder den USA kaufen. Das geht liebe Politiker. Free habe ich z.B. als englischsprachiges Taschenbuch für gerade mal 18 Dollar gekauft und gleichzeitig kostenlos als Podcast gehört. In Deutschland gibt es ja bisher nur die Hardcover Version für 40 Euro. Konsequenterweise hätte das Buch in Deutschland ja eigentlich gar keinen Verleger finden dürfen. Ist ja ganz schön hart was da so drin steht.

Und hier noch eine weitere Härte. Bankkunden, die das Internet nutzen, um ihre Meinungen zu Banken mitzuteilen.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=jGC1mCS4OVo]

Und Menschen, die sich einfach eigene Währungen schaffen, weil sie vorhandene Währungen für ineffektiv, ungerecht und unzeitgemäss halten.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=ITKJoCLP9Z0]

Bei so viel Innovation ist es doch beinahe beruhigend, dass die politische Elite immer noch mit den gewohnten Mitteln arbeitet. Allerdings gibt es da ja noch dieses beeindruckende EU Projekt.

http://ow.ly/tyjy (via. The Financial Services Blog)

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • genussdenker

    Was hätte eine reine Inernet-Bank für Vorteile?
    Geldtransfer wickelt sich ja sowiso längst electronisch ab.
    Und der Weg zu elektronsichen Zahlmöglichkeiten ist seit Kreditkarte, E-Banking und (in einigen Ländern bereits verbreitete) „Handy-Zahlmöglichkeit“ längst vorgeebnet.
    Man kann also höchstens noch die Noten & Münzen abschaffen. Die Bankschalter ja sowieso. Eine reine Internetbank könnte also vermutlich gar nicht mal so viel an Personal einsparen.

    Und es dünkt mich immer etwas seltsam, wenn ausgerechnet Bürger selber Ideen zu Personaleinsparungen propagieren. Man kann sich ja gleich „selber abschaffen“ . . .

    Ähnlich, eigentlich noch viel schlimmer verhält es sich mit den Medien. „NetworkStreaming“, heisst da wohl das Zauberwort.
    Ein möglichst zentraler Rechner mit möglichst viel Dateien/Werke und daher am besten gleich aus dem Netz.
    Auswahl getroffen per Tags, gestreamt auf möglichst kleine, schmale und designt smarte Geräte. Die natürlich möglichst sämtliche Funktionen beeinhalten und überhaupt . .

    Zuerst Musik, dann Fotos/Bilder und nun sind die Bücher dran. Auch dank akustisch „lesbaren“.
    Das mediale „Zeugs“ soll also möglichst unaufwendig, möglichst kostengünstig und smart den Weg zu unseren Augen und Ohren finden.
    Das was konsumiert wird, hat somit keinen Erinnerungswert mehr. Kein Buch im Regal welches einem an das erste Fachbuch des Studienlehrgangs erinnert, kein bräunliches Verblassen des Papiers mehr, das die Jahre mit einem ging. Keine so teure und seltene Schallplatte die man mit jemandem teilen musstem, sich dafür mit diesem jenen austauschte.
    Früher arbeiteten Entwickler hin zu besseren Qualität, heute hingegen zur speichergünstigeren Komprimierung . . .
    JPEG & MP3 sind traurige Beispiele dafür.

    Und da wundert man sich wo all diese Fotofachgeschäfte und all die Plattenläden wo man sich mal ausgetauscht hat, geblieben sind.

    Hauptsache bequem, Hauptsache gespart.
    Alles was Information ist, kann „synthetisiert“ werden. Auch alles was im entferntestem Sinn „Dienstleistung“, unphysische Arbeit ist.

    • electrouncle

      Hallo,

      ob es am Ende wirklich eine reine Internetbank sein muss, ist letztendlich gar nicht der Punkt und vor allem geht es mir in keinster Weise darum mit der Idee einer Internetbank Menschen überflüssig zu machen, wenn man natürlich eingestehen muss, dass technolgischer Fortschritt eben immer auch Arbeitsplätz gefährdet.
      Vielmehr ist doch die Frage, ob dadurch Finanzberatung fairer, gerechter und besser werden kann. Das Internet steht ja für das Prinzip Selbstorganisation. Das merken ja gerade auch die von Dir genannten Branchen: Musik und Verlage. Schon heute wird das Internet von vielen Menschen genutzt, um sich über Produtke und Diensteistungen zu informieren. Die können dabei auf Bewertungen von andern Kunden zurückgreifen und haben dadurch die Möglichkeit ihre Entscheidungen zu verbessern. Noch nie haben Menschen kostenlos auf so viel Informationen zugreifen können. Das ist doch ein gewaltiger gesellschaftlicher und kultureller Fortschritt, denn schon lange hängt in unseren westlichen Gesellschaften Bildung und Berufkarriere doch vom Geld und von der Herkunft ab.
      So wie das Internet den Zugang zu sowie Produktion und Vertrieb von Musik demokratisiert und vereinfacht, so wird auch im Bereich Finanzen eine wahre Flut von Veränderungen hervorgerufen werden. Durch das Internet ist beispielsweise eine Transparenz gegeben, die es noch nie vorher gegeben hat. Ich kann heute Produkte miteinander vergleichen und dabei auch auf Bewertungen von anderen Menschen zurückgreifen. In der von Dir beschriebenen guten alten Zeit war ich darauf angewiesen den sogenannten Experten zu vertrauen. Wir sehen ja gerade, welche Konsequenzen das haben kann.
      Auch die klassische Musik- und Verlagsbranche arbeitet bzw. muss mit Ausgrenzungen arbeiten. Der Verleger oder Musikmanager entscheidet wer ein Buch oder eine Platte produzieren darf und wann, wo und wie diese vermarktet wird. Heute habe ich stattdessen zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort die Möglichkeit Musik zu entdecken und zu kaufen, die irgendwo auf der Welt aufgenommen und ins Netz gestellt wurde. Das ist sowohl für alle Musiker, die bisher nicht am Musikmanager vorbei kamen und auch für mich als Musikinteressierten, der sich früher auf eine Musikzeitschrift oder einen Plattendealer verlassen musste, besser. Hinzu kam, dass man – wenn Mainstream Musik nicht die bevorzugte Geschmacksrichtung war – im lokalen Plattladen die meisten Platten gar nicht oder nur mit grosser Zeitverzögerung bekam.
      Du merkst ich kann Deine Nostalgie nicht teilen. Wenn ich alleine schon die Mühen betrachtete, die mir meine 500 Schallplatten und mehr als 1000 Cds (früher noch einige hundert Musikkasetten) bei diversen Umzügen gemacht haben. Der Besitz von Musik und auch Büchern ist inzwischen nicht mehr so wichtig für mich. Viele Bücher verschenke ich nach dem Lesen nur die Besten finden den Weg in mein Bücherregal. Für die Musikbranche und die Verlagsbranche habe ich wenig Mitleid. Sie haben ihr Geschäftsmodell nicht rechtzeitig modernisiert und müssen nun um Hilfe betteln. Da musste schon Apple kommen. um zu zeigen wie es gehen könnte.
      Das Internet ist eine disruptive Technologie, die Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur fundamental verändern wird. Es ist legitim dies zu bedauern, was aber auch kein neues Phänomen ist. Jede Kultur und hier vor allem die Etablierten einer Kultur, haben Neuerungen als schmerzlich und sogar als Kulturverfall gesehen. Die Pferdehändler und -kutscher haben sich auch nicht über Autos gefreut und dennoch haben diese sich durchgesetzt. Die EtabWalierten haben eben viel zu verlieren. Was Verlage, Musikunternehmen etc. gerade erleben ist also kein richtig neues Phänomen. Das Internet birgt aber das Potential viele Dinge gänzlich anders oder neu zu machen. Da muss man auch mal die Chance sehen. Grundsätzlich besteht die historische Möglichkeit überkommene Selbstverständlichkeiten, Regeln, Werte oder Übereinkünfte in Frage zu stellen und neu und besser zu machen. Dies gilt für nahezu alle wirtschaftlichen und kulturellen Bereiche und wenn die Mehrheit der Menschen von diesen Entwicklungen profitiert, kann ich das nicht als schlecht oder bedauernswert ansehen.

      PS Es gibt nach meiner Erfahrung kaum einen traditionell ausgrenzenderen Lebensbereich als Musik und Literatur. Wie habe ich die Aufenthalte in Plattengeschäften oder Buchhandlungen gehasst, in denen dem Personal das Fachgespräch mit einem Insider Kunden oder Bekannten wichtiger war, als die Beratung eines anderen, der einfach nur Musik erwerben und nicht darüber diskutieren möchte. Das ist zum Glück vorbei. Die Jungs sitzen nun eben allein in ihrem Geschäft, schauen sich ihre Platten an und warten auf Kunden. Wahrscheinlich vergeblich

  • genussdenker

    Nun, alle Argumente welche pro für das Internet aufgeführt werden können, beziehen sich eben auf die „Verfügbarkeit“.
    Einzig und alleine Verfügbarkeit.

    Ob Information, Kommunikation oder eben Medien-Dateien.
    Nüchtern betrachtet, ist das alles.
    Mit „demokratisch“ hat das gleich viel zu tun, als ob man einfach mehr TV-Sender hat, mehr Radiostationen usw.
    Aber über Qualität sagt diese Verfügbarkeit nichts aus.

    Der Preis dieser „Demokratie“ ist die erhöte Abhängigkeit von Monopolisten.
    Gegenwärtig funktioniert das alles noch, auf Datenschutz etc wird noch Wert gelegt. Dafür gibt es ja auch einige gute Beispiele.
    Was jedoch darunter leidet, ist die Selbstständigkeit. Doch was ich genau damit meine, müsste ich nun präzise und ausführlich beschreiben.

    Diese geschilderten Erfahrungen („zum Glück vorbei“) kenne ich so nicht.
    Das Suchen in der realen welt ist einer der wichtigsten Faktoren der mit der Zeit verloren gehen wird.
    Schon sehr viele Menschen haben es sich angewohnt, ihre Sozialkompetenz in Internetportalen höher zu gewichten, als in der realen Welt.
    Denn zunehmends sind wir ja auf die virtuelle Welt angewiesen.

    Überhaupt bin ich davon überzeugt, dass in den folgenden Dekaden das Internet Menschen in ihrem Verhalten mehr verändern wird, als man es sich heute noch vorstellen vermag.
    Die kommende Soziologie-Forschung wird sich dem annhemen müssen, denn es sind Mechanismen damit verbunden, die anders funktionieren als in der realen Welt.

    Es ist überhaupt nicht so, dass das Internet nur schlecht wäre. Ganz im Gegenteil hat es auch ganz gute Aspekte.
    Doch wenn all die Vorzüge des Internets nur noch dazu dienen, in der realen Welt irgendetwas einsparen können, so kann das zwangläufig nicht wirklich gut kommen.

    Was mir bei den Befürwortern fehlt : der Begriff „Ergänzung“.
    Das Internet mit all seinen Formen ist für erstaunlich viele Menschen längst zur Essenz geworden.

    Der Aufwand gehört zum Leben dazu.
    Das Internet suggeriert jedoch das Gegenteil.
    Lediglich noch basale Dinge müssen noch real geschehen. Arbeit, Ernährung usw.
    Das ist jetzt zwar sehr starkt überzeichnet, doch es geht ja darum, was psychologisch in den Köpfen der Menschen vor sich geht, was suggeriert wird, was in’s Verhalten der Menschen einfliesst.

    Wirtschaftlich ist es ziemlich simpel : es wird einfach weniger Leute geben, die vom Handel mit Medien profitieren.
    Wer jedoch meint, Knebelverträge gehörten in’s Reich der historischen Nostalgie, liegt falsch. Solche wird es in Zukunft sogar noch mehr geben.

    Und wenn wir schon bei „Nostalgie“ sind :
    ein schöner Vergleich in der Musikbranche ist ja die Produktivität der Künstler. Aber auch deren im Publikum geforderten Atrtibutionen.
    Zum ersten sei mal die enorme Produktivität der Musiker der 60er Jahre genannt. Mir ist kein aktueller Musiker bekannt, der pro Jahr ein Album schafft und jedes zweite davon ein Meilenstein ist.
    Musiker werden heute mehr denn jeh nach ihrer Biografie beurteilt. Nach ihren persönlichen Eigenschaften und Lebenswandel usw.
    Dafür ist das Internet keinesfalls Schuld (!) doch seither hat dieses Phänomen stark zugenommen.

    Auf eine Entwicklung folgt meist eine Gegenentwicklung. Diese kulturhistorische Tatsache stimmt mich diesbezüglich zuversichtlich.

    In diesen Tagen schliesst hier in Zürich ein so genannter „insider-Plattenladen“. CD’s & Vinyl.
    Als es vor Wochen bekannt wurde und die Preise dort ein wenig gesenkt wurden, rannten Kunden den Laden regelrecht ein. Wo vor einem Jahr noch gähnende Leere herrschte, musste man wieder an der Kasse anstehen. Zürich mit der einst europaweit grössten Dichte an Plattenläden hat heute nur noch ein ein paar wenige. Das wurde nun Vielen erst bewusst und genossen es wieder einmal richtig „real zu stöbern“.
    Und eben auch der Onlinehandel wird zunehmends monopolisiert.

    Tja, diese Verfügbarkeit hat weitreichende Folgen. Hautpsache es ist bequem . . .

    • electrouncle

      Hallo,
      das ist alles schön und gut. Die weitere Diskussion könnte spannend werden, allerdings empfehle ich statt einer weiteren langen Antwort den Blog netzwertig.com der sich mit all diesen Fragen auseinandersetzt und gute Antworten liefert.
      Ich stimme Dir übrigens zu, dass das Internet das Verhalten der Menschen nachhaltig verändern wird, während ich bei Dir aber ehrer Befürchtungen heraushöre, bin ich eher optimistisch. Was das Internet wirklich bewegen wird, hängt natürlich von uns Menschen ab.
      Ein Satz ist mir in Deiner Antwort übrigens noch besonders aufgefallen. Du unterscheidest zwischen realer Welt und virtueller Welt. Das Internet ist aber reale Welt, ob Du es wahrhaben willst oder nicht. Allein 300 Millionen Facebook Nutzer sollten Dich überzeugen. Und zudem ist das Internet mit den alten Sendemedien ebenfalls nicht zu vergleichen. Dein Argument mit den sechziger Jahren habe ich ehrlicherweise nicht verstanden. Wenn Du der Meinung bist, dass die Musiker damals besser oder produktiver waren, dann ist das eben Deine Meinung, aber andere sehen dies möglicherweise auch anders. Ich denke zum Beispiel, dass man mit zunehmenden Alter dazu neigt anzunehmen, dass Musik sich nicht mehr weiter entwickelt und keine neuen Impulse bekommt. Das ist sicherlich teilweise auch richtig, denn seit Techno gab es keine richtige Jugendbewegung mehr. Aber auch das ist letztendlich nur Kulturpessimismus und eben auch persönliches Gefühl.

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