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Sollten Banken Facebook nutzen?

Inzwischen gibt es einige deutsche Banken und Finanzdienstleister, welche das „Abenteuer“ Social Media gewagt haben. Die Mehrzahl der Unternehmen nutzt Twitter, einige bloggen und auch auf youtube findet man erste Banken Channel. Unlängst hat z.B. die Volksbank Bühl hier einen eigenen Channel eröffnet

http://www.youtube.com/watch?v=2yBv-5B9PYY

Die Sparkasse Pforzheim Calw, die Landessparkasse zu Oldenburg und auch die österreichische Raiffeisenbank Lustenau haben eine eigene Facebook Gruppe eröffnet.

Die Landessparkasse zu Oldenburg hat inzwischen 15 Fans und ist etwa seit Anfang März mit der eigenen Gruppe bei Facebook aktiv. In den kurzen Beiträgen wird vor allem über die Bank oder Veranstaltungen der Bank berichtet. So wird z.B. dazu aufgefordert StarMobi zu nutzen oder es wird auf eine Knax Fahrt in den Serengtipark berichtet. Die Beiträge wurden in der Regel von keinem der Fans oder Freunde kommentiert.

Ebenfalls 15 Fans besitzt die Gruppe der Sparkasse Pforzheim Calw. Die Bank ist etwas länger bei Facebook präsent und ist insgesamt aktiver, d.h sie postet mehr Beiträge. Auch die Pforzheimer berichten von eigenen Veranstaltungen. Zusätzlich wird aber auch über Veranstaltungen aus der Region, die Aktualisierung des eigenen Blogs oder soziale Aktivitäten der Bank geschrieben. Auch die Beiträge von Pforzheim Calw werden wenig kommentiert.

Die Raiffeisenbank Lustenau war mit ihren Social Media Aktivitäten den deutschen Sparkassen und Volksbnken in der Regel zeitlich immer mindestens einen Schritt voraus. Auch in Sachen Facebook Nutzung ist dies der Fall. Insgesamt 40 Fans. Viele sehr unterschiedliche Kommentare, die sehr stark von Lokalkolorit und Emotion geprägt sind. Es gibt aber auch hier  nur wenig Kommentare.

Alle Banken befinden sich noch in der Phase des Ausprobierens und eine eindeutige Strategie ist bisher kaum erkennbar. Bei Facebook tumeln sich inzwischen einige  Banken, die in der Regel auch  sehr viel Aufwand betreiben (z.B. UBank).  Aus Bankensicht ist es in jedem Fall sinnvoll dort zu sein, wo der Kunde ist. Allerdings sei die Frage erlaubt, ob Facebook überhaupt die geeignete Social Media Plattform ist, oder ob alle Versuche über Facebook das eigene Geschäft zu forcieren von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind.

Auf der Internetseit www.americanbanker.com gab es hierzu kürzlich einen ganz spannenden Artikel mit der Überschrift: Facebook and Banks: Not really friends.

In dem Artikel wird von unterschiedlichen Personen eine gewisse Skepsis im Hinblick auf die Nutzbarkeit von Facebook für das Bankmarketing ausgedrückt. Facebook  dient ja in erster Linie dazu Freunde zu treffen oder Freunde zu finden und sich mit diesen – in der Regel – über eher private Dinge und Interessen auszutauschen. Im besten Falle sei Facebook ein Experimen,t aber kein Weg, um die Profitabilität des eigenen Geschäftes voran zu treiben. Hier könnte man sicherlich entgegen halten, dass auch experimentelles Marketing dem Geschäft dienen kann und man  auch vorausschauend agieren sollte, um neue Chancen oder Märkte zu erschließen. Darüber hinaus gibt es auch  indirekte Treiber von Profitabilität und gerade für Social Media Marketing stehen die Modelle zur Erfolgsanalyse ja noch am Anfang. Wann ist eine „Social Media Marketing“ Kampagne erfolgreich? Was sind die Erfolgskriterien?

Im Artikel wird beschrieben, dass die meisten Banken bei Facebook relativ statische Seiten bereitstellen, die allenfalls belanglose Informationen oder Links auf einfache Produktseiten der Web Auftritte der Banken anbieten. Keine der Präsenzen hat transaktionelle Qualitäten. Viele beschäftigen sich noch nicht einmal mit den eigentlichen Bank Themen. Der Verweis auf Produktseiten wird demzufolge von den Nutzern in Facebook auch nicht honoriert bzw. ganz im Gegenteil eher sehr kritisch gesehen. Werbung bei Facebook funktioniert nach wie vor nur sehr schlecht und als solches werden die Banken Gruppen in der Regel sehr schnell entlarvt oder bewertet.

Banken sollten – so die Empfehlung – einen Grund bieten bei Facebook zu sein und dort zu bleiben. Eine allerdings sehr unpräzise Empfehlung, die zeigt, dass auch viele der sogenannten Experten nicht so recht wissen, wie eine Facebook Präsenz von Banken erfolgreich sein kann. Das wiederum spricht allerdings doch dafür den Mut zu besitzen zunächst einmal doch zu experimentieren.

Das viele Banken – auch die bisher aktiven deutschen oder deutschsprachigen – fast gar nicht auf Produkte eingehen, mag auch damit zu tun haben, dass Facebook nicht unbedingt als sicherer Ort für persönliche Daten angesehen wird.  Die Privacy- und Datenschutzpolitik von Facebook ist inkonsistent und teilweise auch intransparent. In jedem Fall sind gerade die rechtlichen Aspekte vor dem Start sehr genau zu beachten. Sie stellen damit wesentliche Barrieren vor dem Einstieg dar.

Das „Freund sein“ bei Facebook hat auch eine gewisse Oberflächlichkeit. Viele Freunde tauchen nur einmal auf der entsprechenden Seite oder in der entsprechenden Gruppe auf. Die Zahl der Freunde bildet damit auch einen schlechten Maßstab für den Erfolg der Facebook Gruppe.

Wenn die eigene Facebook Gruppe also nur Arbeit macht und keine Ergebnisse liefert, die dem Unternehmen nutzen, dann droht die Aktivität über kurz oder lang nur noch das Hobby eines oder mehrerer engagierter Mitarbeiter zu bleiben.

Überhaupt steht Facebook ja vor allem auch für die Vielzahl von spannenden kleinen Anwendungen. Vielleicht liegt in der Entwicklung und Bereitstellung solcher Apps eine viel größere Chance für die Banken. Das Unternehmen Fiserv hat mit mymoney ein eigenes Banking App für Facebook entwickelt (vor einigen Monaten habe ich hier schon davon berichtet) . Dieses Tool, das demnächst Banken angeboten werden soll, ermöglicht dann den teilnehmenden Banken Transaktonsleistungen in Facebook anzubieten. Der Nutzer kann die Software herunterladen, er findet dort eine teilnehmende Bank, kann diese Bank auswählen oder ihr Kunde werden. Er kann Kontostände abfragen, die Konto Historie abfragen oder sogar Überweisungen tätigen.

Gegenwärtig nutzen 2870 Facebook Mitglieder die Applikation, die aktuell von 32 „Credit Unions“ angeboten wird. Die Applikation kann noch einige Dinge mehr, sie ermöglicht  z.B.auch Bezahlvorgänge von Person zu Person.

In Deutschland wird die Applikation gegenwärtig noch nicht angeboten.

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Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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