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Social Banking beginnt bei den Mitarbeitern

Worüber schreibt man, wenn man spät von einer kurzen Geschäftsreise zurückkommt und einem ein Thema nicht so recht einfallen möchte. Das Thema Vulkan kann schon fast keiner mehr hören. Vor allem jene nicht, die in Notbetten auf  Flughäfen übernachten mussten oder wichtige Geschäftstermine verpassen mussten. Glaubt man allerdings den Vulkanforschern, dann wird uns das Thema noch länger beschäftigen, denn der große Bruder von Eyjafjallajökull soll angeblich auch erste Anzeichen eines bevorstehenden Ausbruchs zeigen.

Menchen haben ja gelegentlich auch Ausbrüche, die denen von Vulkanen durchaus ähnlich sein können. Diesen Ausbrüchen gehen Ereignisse voraus, die Ärger auslösen. Im gut ausgekühlten Zug – die Klimaanlage war derat aktiv, als führe der Zug direkt durch den Vulkan – ist auch bei mir mal wieder der Ärger ausgebrochen, wobei ich ein recht ausgeglichener Mensch bin und Vulkanausbrüche eher nicht vorkommen.

Der Streit zwischen Commerzbank und Postbank um den Zahlungsverkehr der übernommenen Dresdner Bank ist so ein Ärgernis, denn – so berichtet das Handelsblatt – die Commerzbank möchte bei der Übernahme auf die ehemaligen Mitarbeiter verzichten. Diese sitzen von nun an zwischen den Stühlen, denn auch die Postbank hat keinen Bedarf an zusätzlichen Mitarbeitern.

Ganz im Gegenteil: Beide Banken möchten viele Mitarbeiter entlassen.

Banking hat mit Menschen offensichtlich immer weniger zu tun, dabei scheint es egal zu sein, ob sie die Rolle des Mitarbeiters oder des Kunden einnehmen. Und da wundert es natürlich auch nicht, dass die genannten Banken so zurückhaltend in Sachen Social Media sind. Denn wer möchte schon schlummernde Geister wecken bzw. die Auferstehung der Zombies forcieren.

Auf der anderen Seite ist Social Media kein Kelch, der an den Banken vorübergeht. Chris Skinner hat in einem sehr aktuellen Blogpost einige Thesen zur Zukunft des Bankings gepostet. Er hält vier Grundtechniken für essentiell

* Mobile Services
* Social Media
* Cloud Computing
* Low Latency

Das Internet wird den Druck auf die Qualität und Transparenz von Unternehmen erhöhen. Wer seine Mitarbeiter schlecht behandelt, wird es auch schwer haben Social Media zu nutzen, denn nur wenn ihre Mitarbeiter auch Fans ihres Unternehmens sind, können auch Kunden zu Followern und Fans werden.

Wenn Social eine der Grundtechniken des Bankings der Zukunft sind, dann sind einige Banken dabei ihre Zukunft zu zerstören

Oder bin ich da etwa auf dem Holzweg?

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • kroener

    Stimme vollkommen zu! Grundsätzlich ist jedes Unternehmen von den Mitarbeitern abhängig, Dienstleistung womöglich etwas mehr als andere, da der Kunde in unmittelbarem Kontakt mit dem Anbieter, also dem Mitarbeiter des Dienstleistungsanbieters ist. „Social Banking“ bedeutet u. a. eine hohe Kundenzentrierung, hohe Transparenz und hohe Kommunikationsbereitschaft sowie eine sehr hohe (Selbst)Hinterfragungsbereitschaft. Das braucht die passende KULTUR im Haus. Und das erfordert wiederum die Mitarbeiter, die das auch so WOLLEN! und KÖNNEN! „Human Ressource Management“ ist in diesem Kontext eine Schlüsselfunktion, denn die Anforderungen an die Mitarbeiter sind mehr als „nur“ reine Fachkompetenz.

  • HGO

    Selbstverständlich haben Sie recht.
    Allerdings habe ich den Eindruck, das die Themen „Kultur“ und „Moral“ (mit der Untermenge „Anstand“) zulasten des Ertrages nahezu völlig verdrängt werden!
    Dies erkennt man/frau auch an den Diskussionen im Rahmen der Finanzkrise und den damit verbundenen Auswirkungen.
    Die Auswirkungen werden sein, daß der „Normal“ Kunde zunehmend nach Alternativen sucht. Z. B. Micro-Credits sowie entsprechende Sammeltöpfe auf der Anleger-Seite.
    Und dann ist das „Jammern“ wieder einmal groß!

  • Frank Kleinert

    Auf dem Holzweg? Sicher nicht. Nur wer als Unternehmen nach innen Transparenz und gegenseitigen Respekt lebt, kann, wie ich finde, diese Werte auch glaubhaft (für sich und seine Produkte) nach außen vermitteln. Da ändert auch die teuerste Imagekampagne nichts.
    Als kleinen Hoffnungsschimmer würde ich es vielleicht nicht ganz so pauschal sehen, denn vielerorts gibt es zum Glück auch Mitarbeiter die ein großes Maß an Wertschätzung erfahren; sich wohl fühlen und dementsprechend auch mit den eigenen Kunden umgehen.

  • manuelstolte

    absolut richtig. Sich in Social Media zu engagieren bzw. hier sichtbar zu sein, bedeutet für eine Bank immer in erster Linie auch ein starker Richtungswechsel und Änderung der eigenen Kultur. Wenn das Innere nicht stimmt, kann das Äussere nicht wachsen.

  • kroener

    früher gab es diese reichlich nervige Werbung – ich glaube es war „Hormocenta“ oder so ähnlich – die einen guten Claim hatte: „Schönheit, die von innen kommt!“ Genau diese Schönheit sieht man auch bei Unternehmen! Durch die Mitarbeiter! Wenn man sich dann im HR Prozess überlegt, was hierbei das Wichtigste ist, kommt man sofort auf das „recruiting“. Denn, so meine leicht ernüchterte These, wer nicht die richtige „attitude“ einstellt wird sie im Unternehmen nur schwer erzeugen können.

    • electrouncle

      Hallo Herr Kroener,

      ja das kann ich nur bestätigen. Ich habe meinen beruflichen Weg ja mal in einer Personalberatung begonnen. Man sollte auf die Auswahl der richtigen Leute achten und diese benötigen neben den Qualifikationen heute vor allem auch die richtige Einstellung. Ich will hier aber nicht wie ein Personalberater klingen. Kulturen kann man nicht schaffen, vor allem nicht durch Regeln und dicht beschriebenes Papier. Die richtigen Leute mit dem richtigen Drive machen den Unterschied und eben die Bereitschaft sich von überkommenen hierarchischen Modellen zu verabschieden.

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