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Social ist nicht gleich social. Social Media + Social Banking basal betrachtet.

Das Wort sozial oder im englischen „social“ wird von vielen Menschen immer vorschnell im Sinne von gut, menschlich oder fürsorglich interpretiert. Es steckt also sofort eine Wertung mit drin oder sogar eine Forderung:  Menschen, Institutionen, Organisationen oder Regierungen mögen sich doch sozial verhalten.

Um Begriffe wie Social Media oder Social Banking zu verstehen, muss man den darin steckenden Teilbegriff „Social“ weiter und zunächst wertfreier betrachten. Hier hilft es, sich auch einmal eine philosophische oder soziologische Betrachtungsweise zunutze zu machen.

Schon die alten Griechen waren sich der sozialen Natur der Menschen bewusst und haben deren Abhängigkeit von sozialen Einbindungen erkannt. Der zur Gruppe der verstehenden Soziologie gehörende deutsche Soziologe Max Weber hat in seiner Handlungstheorie eine Definition von sozialem Handeln entwickelt, die bei einer wertfreieren Betrachtung von Social Media und Social Banking weiter hilft. Eine solche Betrachtung halte ich für wichtig, um begreifen zu können, das diese – uns aktuell so stark bewegenden Phänomene – nicht auf der Basis von gut oder böse bewertet werden sollten, da man sich – insbesondere in einem immernoch sehr Technik skeptischen Land – dadurch gefährlich von der Entwicklung des realen Alltags der Menschen entfernen würde. Die Frage, ob Twitter der neue Hype oder vollständig sinnlos ist, irgendwann von allen Menschen genutzt wird oder nur etwas für Spinner ist, stellt sich aus meiner Sicht deshalb gar nicht. Diese und ähnliche Fragen halte ich sogar für gefährlich, verkennen sie doch, dass es sich beim Twitter durchaus um eine normale, gewünschte und vielleicht sogar sehr befreiende Weiterentwicklung menschlichen Handelns handeln könnte.

Max Weber versteht unter Handeln:

„Handeln, soll dabei ein menschliches Verhalten (einerlei ob äußeres oder innerliches Tun, Unterlassen oder Dulden) heißen, wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden. Soziales Handeln aber soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran orientiert ist.“

Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft (käuflich z.B. bei Zweitausendeins)

Soziales Handeln ist dabei in der Geschichte  immer gewissen Veränderungen unterworfen. Zu Zeiten von Max Weber erforderte soziales Handeln z.B. immer die physische Anwesenheit des jeweils Anderen. Durch sein soziales Handeln bringt der Mensch immer wieder auch neue Werkzeuge hervor, die auch das soziale Handeln selber stark verändern. Technologien wie z.B. das Telefon waren anfänglich sicherlich auch umstritten und wurden von einigen Menschen auch als Kulturverfall bewertet, ganz wie heute twitter, youtube und Co., dennoch wurde soziales Handeln dadurch maßgeblich verändert.

Heute findet das soziale Handeln vor allem durch das Internet ganz neue Formen, die von vielen Menschen nicht verstanden werden, die sogar Angst auslösen, die aber einfach eine kulturelle Veränderung oder Weiterentwicklung darstellen. Gerade Menschen, die den größeren Teil ihres Lebens noch von den alten Formen geprägt wurden, bekommen dann Problee ,bzw. sie neigen dazu, sich diesen Veränderungen zu verweigern oder sich sogar aktiv dagegen zu wehren. Der Ein oder Andere wehrt sich dann eben so lange, bis er den Anschluss an die Gesellschaft oder gar die Realität verliert.

Mit anderen Worten: Netzwerke sind schon immer Teil der Realität. Ohne soziales sinnhaftes aufeinander bezogenes Handeln könnte der Mensch noch nicht einmal überleben. Dieses soziale Handeln hat Social Media und Social Banking hervorgebracht. Das ist zunächst einmal ein Fakt.

In unserer global vernetzten Welt sind Netzwerke allerdings bedeutender und haben mehr Veränderungspotential als jemals zuvor. Durch Technologien und besonders das Internet entstehen soziale Handlungsformen und Strukturen, die ohne diese nicht möglich gewesen werden. Dabei gefährdet das Internet auch überkommene Strukturen. Was für viele ebenfalls sehr beängstigend ist, ist das Tempo der Veränderungen. War es früher keine Seltenheit, dass Unternehmen über mehrere Jahrzehnte oder gar noch länger eine bedeutende wirtschaftliche Stellung einnehmen konnten, so werden wir dies zukünftig sehr wahrscheinlich immer weniger erleben. Allerdings kann man heute ja auch in immer kürzerer Zeit auch immer mehr Geld verdienen. Siehe z.B. google.

Soziale Netzwerke haben das Potential Innovation, Produktivität und Demokratie zu verbessern. Social Media ist nichts anderes als eine moderne Form menschlichen Handelns. Social Media ist Realität und bedeutet keinen Flucht vor der Realität . Social Banking ist ebenfalls nur eine neue Form menschlichen Handelns im Subsystem Finanzen.

Wenn Banken oder andere Finanzdienstleister Social Media einsetzen oder sich mit deren Anwendung beschäftigen, dann bedeutet dies eigentlich nur, auf diese Veränderungen im sozialen Handeln der Menschen zu reagieren. Und dann gibt es bei der Beantwortung der Frage. Soll ich oder soll ich nicht? eigentlich gar keine Wahl. Wer Social Media als Basis für andere Formen menschlicher Kommunikation nicht mitgehen möchte, der verabschiedet sich ganz einfach aus Wirtschaft, Gesellschaft und Realität.

Im herausragenden Social Media Blog „Mashable“ gab es in den letzten Tagen einen sehr interessanten Blogbeitrag: „10 Ways to change the world through Social Media“.

http://mashable.com/2009/05/12/social-media-change-the-world/

Mir haben hier vor allem die einleitenden Sätze gefallen, die frei übersetzt in etwa folgendes aussagen:

Unsere Kinder wachsen in einer Welt auf, die sich durch eine Kombination aus Technologie und Menschlichkeit (genannt Social Media) grundlegend verändert.

Für sie ist es selbstverständlich, dass sie eine Stimme haben, dass sie diese Stimme zu Gehör bringen können und dass sie einen Wert hat. Es ist selbstverständlich, dass soziale Handlungen und Bewegungen vom Laptop aus gestartet werden können. Das Laptop und das Mobiltelefon sind dabei beinahe natürliche Mittel zur Interaktion und Kommunikation. Also moderne Werkzeuge des sozialen Handelns. Für diese Generation ist es auch selbstverständlich in jedem Moment mit Jedem verbunden sein zu können. Sie erleben eine Machtverschiebung von zentralen Institutionen und Organisationen zu den Menschen. Unsere politischen Parteien in Deutschland beweisen tagtäglich im TV, auf ihren Internetseiten oder auch bei Twitter, dass sie diese Veränderungen noch nicht begriffen haben und ich prophezeie, dass der nächste Schritt weitere Warnungenvor dem  und Abwertungen des Internets sein werden, bis hin zu Gesetzen und Verboten.

Demnächst mehr im 2. Teil

Warum Social Media und Social Banking doch „sozial“ sind

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Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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