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Social Banking: Volksbanken Raiffeisenbanken

Was der Einzelne nicht vermag, das vermögen viele. Dieses Zitat von Friedrich Wilhelm Raiffeisen einem der Gründer  der genossenschaftlichen  Bewegung , prägt auch heute noch das Handeln  einer der ältesten deutschen Bankengruppen: Den Volksbanken Raiffeisenbanken, gegründet Mitte des 19. Jahrhunderts, einer Zeit als Märkte noch überschaubar und geschäftliches oder kaufmännisches Handeln  in der Regel noch in direkter Anwesenheit von Angesicht zu Angesicht stattfand.

Die Einfachhei, Nützlichkeit und Beständigkeit dieser Idee hat dazu beigetragen, dass die genossenschaftlichen Banken und insbesondere die Volksbanken Raiffeisenbanken auch heute noch eine erfolgreiche Marke und verlässliche Säule im deutschen Finanzsystem darstellen.  Dabei ist   diese Idee sogar aktueller denn je. Nicht nur die sogenannte Finanz- oder Bankenkrise verdeutlicht die Attraktivität und Wichtigkeit von Werten wie Nähe,Transparenz und Vertrauen für die Menschen. Menschen mögen es, wenn sie wie Menschen behandelt werden.

Nachhaltiges Wirtschaften oder konstruktiver Kapitalismus verlangt Werte oder Ideale als Basis unternehmerischen Handelns und diese Werte sollten nicht nur auf dem Papier stehen. Gerade im Zeitalter des Internets – wo das Handeln der Markteilnehmer transparenter und kritisierbarer als jemals zuvor ist – werden reine Marketing Ansätze schnell entlarvt und von den Nutzern auf den zahlreichen Social Software Plattformen publiziert.

Bleiben wir beim Internet. Denn auch dort dürfte der Satz „Was der Einzelne nicht vermag, das Vermögen viele“  nicht unbekannt erscheinen. Erinnert sich noch Jemand an „letsbuyit.com“? Diesem frühen Internet Geschäftsmodell lag die Idee zu Grunde, dass durch die Bündelung von Verbrauchermacht (mehrere Verbraucher interessieren sich für ein Produkt und erzielen durch das gemeinsame Auftreten als Käufer bessere Preise) gemeinsam Vorteile erzielt werden können. Und was ist das Internet Anderes als eine Bündelung von  Verbrauchermacht.

Nehmen wir das Cluetrain Manifest. Das inzwischen fast schon klassische Dokument aus der ersten Boomphase des Internets (1999) spricht davon, dass das Internet Märkte wieder in die Zeiten zurückführt, da diese noch von Menschen definiert wurden, die sich  direkt begegneten und im kommunikativen Austausch  Geschäfte erledigten, indem  Sie auf der Basis von Verkäufer Reputation, Produkt Qualität und Preisen, zu Einigungen kamen. Das Geschäft wurde mit einem symbolischen Handschlag besiegelt.

Zu den Zeiten also als die genossenschaftliche Idee eines W. Raiffeisen bereits existierte und Teil dieser Marktgespräche war. Das Internet entflammt diese Markt- oder Verbraucher Gespräche erneut. Das soziale Web oder das Internet der zweiten und dritten Generation ist ein überall verfügbarer Ort, der es Nutzern ermöglicht gemeinsame Interessen zu finden und darzustellen, Gedanken auszutauschen, Dinge zu kommentieren, Meinungen darzustellen und zu diskutieren. Insofern ist das Internet der PS stärkste Motor für soziale Bewegungen den es jemals gab. Soziale Bewegungen wie die Idee von W. Raiffeisen

Soziale Bewegungen leben von Antrieben und Interessen. Das was Menschen dazu bewegt Dinge zu tun bzw. Handlungen auszuführen, hat in erster Linie (zumindest in demokratischen Staaten) mit Werten und Einstellungen und mit für die Handelnden erstrebenswerten Zielen zu tun.

Um hier noch mal auf die Volksbanken Raiffeisenbanken zurück zukommen. Eine Kampagne, welche die menschlichen Antriebe als Grundlage für das finanzielle Handeln der Menschen in den Mittelpunkt stellt, könnte gar nicht richtiger sein. Natürlich kann man hinsichtlich der Originalität und qualitativen Umsetzung dieser Kampagne auch unterschiedlicher Meinung sein (siehe werbeblogger Diskussion), allerdings gibt es keinen Zweifel:  Die aktuelle Volksbanken Werbung  positioniert  das Produkt wieder dort, wo es hingehört, nämlich bei den Menschen und Ihren Antrieben.BANKING IS PEOPLE

Bei Finanzprodukten geht es ja nicht um das unmittelbare Bedürfnis  sondern in der Regel darum, Mittel zu erhalten, die für die Realisierung eines Wunsches oder Lebenszieles erforderlich sind. Es geht dann eben um die menschlichen Antriebe, welche den Wünschen und Bedarfen zugrunde liegen.

An dieser Stelle seien einige beschreibende Worte zur Gruppe der Volksbanken Raiffeisenbanken erlaubt, denn aus der Perspekive von „Social Finance“ gibt es einige Argumente für das genossenschaftliche Bankmodell.

Volksbanken Raiffeisenbanken sind darum bemüht Bankgeschäfte einfach und verständlich und auf Augenhöhe abzuwickeln. Das Produkt- und Dienstleistungsangebot richtet sich in erster Linie an die breite Bevölkerung. Volksbanken u nd Raiffeisenbanken sichern also die Grundversorgung der Bevölkerung mit Finanzprodukten, die ja teilweise sogar  Voraussetzung sind, um überhaupt am öffentlichen Leben teilnehmen zu können,  denn wer käme heute noch ohne eigenes Girokonto aus? Menschen – denen aus welchen Gründen auch immer – die Eröffnung eines Girokontos verwehrt bleibt, können die, für die meisten Menschen, selbstvertändlichen Dingen des Alltags gar nicht mehr erledigen.

Volksbanken Raiffeisenbanken sind in Deutschland nahezu flächendeckend vorhanden. Durch die regionale Nähe kennt man die Bedürfnisse der Kunden in der Region besonders gut. Viele Kunden kennt man von Angesicht zu Angesicht z.B. durch das gemeinsame Leben in Vereinen und Vereinigungen. Da liegt es auf der Hand, dass man einer Person, die man direkt und persönlich kennt, kein zu risikoreiches Produkt empfiehlt.

Vor allem der Mittelstand wird mit entsprechenden Finanzierungsprodukten versorgt. Viele kleine Untenehmen oder Unternehmensgründer würden bei Direkt- oder Privatbanken keinerlei Chance auf Realisierung ihrer Geschäftsidee erhalten. Und gerade der Mittelstand bietet die Basis unseres Wirtschaftssystems. Die regionale Volksbank oder Raiffeisenbank ist zudem in der Regel selber Teil des Mittelstandes.

Volksbanken Raiffeisenbanken engagieren sich in der Region. Mehr als 90 Millionen Euro werden in jedem Jahr für gesellschaftliche Aufgaben zur Verfügung gestellt. Kinder und Jugendliche oder Vereine profitieren hiervon. Viele Volksbanken Raiffeisenbanken führen Veranstaltungen und Reisen für Kinder und Jugendliche durch, indem sie eigene Jugend Marketing Programme betreiben, von denen viele profitieren ohne dass sie überhaupt wissen, dass sie vom Engagement einer regionalen Bank profitieren.  Genau diese Strategie – kümmert Euch um das was die Menschen wollen, bindet diese ein, seid relevant und behandelt die Menschen nicht in erster Linie als Zielobjekte eurer Marketing- und Vertriebsbotschaften, ist eine der aktuell immer wieder ausgesprochenen Empfehlungen der „Social Media Gurus“ dieser Welt.

16 Millionen Mitglieder sind Mitbesitzer ihrer Bank (30 Millionen Kunden). Jedes Mitglied hat eine Stimme. Fast wie bei Facebook + Co. Was wäre zum Beispiel, wenn die Gruppe dieses Potential erkennen  und nutzen würde, indem die Kraft und Macht der Mitglieder bundesweit gebündelt würde. Wenn nur 20 % aller Mitglieder für eine On- und Offline Community,  also eine Social Finance oder Finance 2.0 Community gewonnen werden könnten, dann wäre man ganz schnell auch eine der modernsten Bankengruppen der Welt, die ihre Gründungsprinzipien in die Neuzeit übersetzt hätte.

Die genossenschaftlichen Banken sind ein wichtiger Arbeitgeber in Deutschland. 2008 absolvierten 11.000 Berufsanfänger ihre Ausbildung, womit die Volksbanken Raiffeisenbanken zu den größten und wichtigsten Ausbildern in  Deutschland gehören. Gesellschaftliches Engagement gehört zu den Grundprinzipien eines nachhaltigen Wachstums. Soziale Spaltungen, dass ist nichts Neues, haben auch zukünftig das Potenital  den Bestand  von Gesellschaften und Volkswirtschaften zu gefährden.

14 Stärken definieren die Volksbanken Raiffeisenbanken. Nachzulesen auf der aktuellen Kampagnen Seite:

Nah vor Ort

Den Mitgliedern verpflichtet

Persönliche Beratung

Dem Mittelstand verbunden

Verantwortungsvoll Handeln

Unabhängig bleiben

Alles aus einer Hand

Demokratische Strukturen

Vertrauchen sichern

Bank gehört den Mitgliedern

Top Arbeitgeber

Eine starke Gemeinschaft

Die Interessen der Menschen vertreten

Eigenverantwortlichkeit aus Tradition

Einige dieser Stärken könnte man als Grundlage für ein Definition von Social Finance (oder Banking2.0) heranziehen. Es ist deshalb kein Wunder, dass  viele der neuen, auch als Banking2.0 Anbieter auftretenden, Unternehmen  sich immer häufiger aus diesem Vokabular bedienen und mit den Möglichkeiten des Internets, das Bankwesen wieder zurück zu den Menschen bringen möchten. Kredite von Mensch zu Mensch (smava.de, zopa.com) sind letztlich auch nur eine Übertragung der Funktionsweise klassischer Märkte auf virtuelle Märkte. Andere Banking 2.0 Unternehmen gründen eigene Genossenschaften (zopa.com) oder nutzen die Idee der Mitgliedschaft (Finanz Communities).

Allerdings bringen die neuen Anbieter viele neue Impulse und Ideen, die weit über das hinausgehen, was z.B. Volksbanken Raiffeisenbanken historisch und aktuell schon praktizieren. Vor allem ist es nicht sinnvoll sich auf alten oder auch aktuellen Lorbeeren auszuruhen. Die Gruppe hat gewaltige Potentiale und Möglichkeiten in das Zeitalter von Banking 2.0 einzutreten. Sie muss dies eigentlich sogar tun, da zumindest die nach 1980 geborenen Menschen zukünftig ganz andere Anforderungen an Banken stellen könnten, als frühere Generationen.  Es könnte gefährlich sein die neuen Modelle und Anbieter zu belächeln und die Möglichkeiten und Herausforderungen des Internets zu unterschätzen. Ganze Branchen werden heute durch das Internet und die damit aufkommende Macht der Verbraucher gefährdet und wissen sich dann häufig nur durch Gesetze oder juristische Wege zu helfen, um ihre überkommenen Geschäftsmodelle zumindest kurzfristig abzusichern (siehe Musikbranche).

Die genossenschaftliche Gruppe hat dies gar nicht nötig, denn das Grundmodell wird gerade durch das Internet akutell und erfolgversprechend wie nie zuvor. Frei nach dem Motto: Was der Einzelne nicht vermag, das vermögen viele.

Die Diskussion ist eröffnet. Was denken Sie?

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Boris Janek

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