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Social Banking Nachwehen

Es sind schon wieder einige Tage vergangen, seitdem ich auf der pre:publica an einer interessanten Diskussion zum Thema „Social Banking“ teilnehmen durfte. Im Rahmen der knapp bemessenen Zeit konnten einige Aspekte des spannenden Themas diskutiert werden. Eine tiefere Betrachtung war indessen leider nicht möglich. Auch weil –was ich etwas schade fand – die Moderation ein wenig polarisierend wirkte und versuchte, die „guten“ neuen Modelle gegen die „nicht ganz so guten“ etablierten Player auszuspielen. Das ist zum Glück nur teilweise gelungen und ich bedanke mich nachträglich noch einmal für die überwiegend sachliche und konstruktive Diskussion.

Leider gab es wenig Fragen aus dem Publikum, was darauf hindeutet , dass „Social Banking“ oder „Banking2.0“ noch nicht zu den spannenden Aspekten der „Social Media Revolution“ gehört. Finanzen sind darüber hinaus kein Thema, dass sich in der Bevölkerung einer hohen Popularität erfreut. Das war schon vor der Finanzkrise so und ist heute eher noch schlimmer. Um das ökonomische und insbesondere finanzielle know how der Deutschen ist es nicht besonders gut bestellt, dass kann man schon seit Jahren immer wieder mal in den entsprechenden Medien nachlesen oder auch in Fernsehsendungen (Peter Zwegert etc.) mit einer gehörigen Portion „Fremd schämen“ verfolgen.

Betrachtet man das Thema Banking 2.0 unter dem Blickwinkel Social Media, dann sollte man nicht unberücksichtigt lassen, dass Finanzen kein außergewöhnlich attraktives „soziales Objekt“ sind, um dass herum sich Gespräche bilden und soziale Interaktion entsteht, die dann wiederum die Basis für Communities bilden können (siehe hierzu: blue monster: why social objects are the future of marketing von Hugh Mac Leod)

http://www.gapingvoid.com/Moveable_Type/archives/004705.html

Große Marken wie Apple oder Nike haben es da sicherlich leichter. Themen wie z.B. Musik und Mode oder eine gemeinsame Lebensphase (studi.vz oder schüler.vz) sind ebenfalls besser geeignet. Der alte Spruch, das man über Geld nicht spricht , stimmt nach wie vor. Über Geld spricht in der Regel nur, wer genügend davon hat. Dieses Klientel wird jedoch nicht zu den Hauptzielgruppen der neuen bankunabhängigen Ansätze in der Finanzwelt zählen. Wer sich regelmäßig mit seinem persönlichen Finanzberater unterhalten kann, muss sich nicht, mit Hilfe von Personal Finance Tools mit anderen Menschen und deren Verhalten vergleichen, um daraus Erkenntnisse für die eigene Finanzplanung zu ziehen. Auf p2p Kreditportalen werden solche Personen allenfalls als Kreditgeber auftauchen, die dann aber auch daran interessiert sein dürften eine maximale Rendite zu erwirtschaften

Hinzu kommt, dass gerade innerhalb der jüngeren Generationen das Thema Geld und Finanzen überhaupt nicht cool und attraktiv ist. Alle Versuche der Finanzdienstleister, diese Zielgruppe anders oder artfremd anzusprechen, (Finanzberater mit Schirmkappe und ohne Schlips) sind bisher mehr oder weniger gescheitert. Und auch Versuche mit Jugendportalen, Communities usw. die jungen Leute auf die Bank aufmerksam zu machen, sind wahrscheinlich nicht vom Erfolg gekrönt, denn wer bei Facebook,studi.vz und Co aktiv sein kann, wird sich nicht mit einer regionalen oder speziellenBanken Community zufrieden geben, welche die Freunde zusätzlich in der Regel noch „uncool“ finden werden. Finanzen sind in der Jugend in der Regel kein Thema mit dem sich in der Peer Group punkten ließe , einmal abgesehen davon, dass Geld zu besitzen, natürlich auch für Jugendliche und auf Jugendliche attraktiv wirkt.

Bleibt also die Frage, welche Kunden die neuen Social Banking Anbieter erreichen können und ob eine Finanz Community in Deutschland große Erfolgschancen haben wird. Nicht das hier der Eindruck entsteht, ich würde diese neuen Ansätze prinzipiell kritisch oder chancenlos sehen. Ganz im Gegenteil: Ich verfolge die Ansätze mit großer Begeisterung und sehe darin viele Chancen auch für die etabierten Anbieter. Allerdings nur dann, wenn man das soziale Interaktionsmedium Internet auch entsprechend nutzt. Und dann geht es keineswegs darum – und über diese Formulierung – bin ich in der Diskussion ein wenig gestolpert – das die Leute wieder „Bock auf Geld“ bekommen.

Geld ist historisch gesehen erst einmal nur ein Tauschmittel. Ich will nicht abstreiten, dass Geld ein wichtiges Hilfsmittel ist, um in der modernen Welt ein gutes Leben führen zu können. Aber Geld ist eigentlich kein Wert für sich. „Bock auf Geld“ klingt für mich nach Maximierung um jeden Preis und diese Phase haben wir hoffentlich hinter uns.

Hierzu habe ich unlängst einen sehr interessanten Artikel in der GDI IMPULS gelesen. Daniel Gilbert schreibt hier, das Geld – und er belegt dies mit zahlreichen Studien – kein Indikator für Glück ist. Nach Befriedigung der Grundbedürfnisse besteht kein großer Nutzen mehr in der Steigerung des Reichtums. Danach kaufen die ersten 40.000 Dollar oder auch Euro, das ganze Glück, das man aus Reichtum gewinnen kann. Soziale Beziehungen sind hingegen zum Beispiel sehr wohl ein aussagekräfiger Indikatior für Glück.

GDI IMPULS, Winter 2006, Daniel Gilbert: Gefühltes Glück, Seite 37-41

In derselben Ausgabe findet man noch einen weiteren interessanten Artikel, der ebenfalls wichtige Anhaltspunkte für die erforderlichen Veränderungen und die Erfolgsvoraussetzungen in der Finanzbranche gibt. Holger Rust schreibt hier, dass die wichtigste Aufgabe des Managements darin liege, den Alltag der Menschen zu begreifen. Ich interpretiere dies auch so, dass es darum geht wirkliche Lösungen anzubieten, die einfach und transparent genug sind, damit sie als Mittel zum glücklichen Leben und nicht als reiner Selbstzweck genutzt werden können. Und um den Alltag der Menschen zu begreifen, muss ich Gespräche führen und zuhören. Diese Möglichkeit bietet das Internet in Perfektion. Wobei man hinzufügen kann, dass durch das Internet hier eigentlich nur Möglichkeiten zurückgewonnen werden. Volks- und Raiffeisenbanken führen diese Gespräche schon seit dem Tag ihrer Gründung . Durch die Industrialisierung der Bankenbranche ging diese Fähigkeit als besonderer USP aber auc h immer mehr verloren. Nun können diese Gespräche Online geführt werden. Dies gilt es zu verinnerlichen: Zuhören, Verstehen und Mitreden könnten der Schlüssel zu einer erfolgreichen Modernisierung sein.

GDI IMPULS, Winter 2006, Holger Rust: Geist ist eine pragmatische Metapher der Wertschöpfung, Seite 92-97

Beim Social Banking geht es um Qualität und nicht um Quantität. Social Banking basiert dann auch auf einer Modernisierung unseres Wirtschaftsmodells.

Umar Haque, Direktor des Harvard Media Labs hat hierzu einen sehr instruktiven Artikel geschrieben. Seine makroökonomischen Betrachtungen kann man 1:1 auf betriebswirtschaftliche Einheiten übertragen. Beim Social Banking geht es um Auskommen und nicht um Einkommen (also eben nicht um mehr Bock auf Geld). Es geht darüber hinaus um Verbindungen und nicht um Transaktionen. Es geht also darum etwas gemeinsam zu erschaffen, zu kollaborieren und nachhaltige Lösungen zu produzieren. Wert und nicht Geldwert steht im Mittelpunkt. Die gemeinsame Entwicklung von Finanzprodukten wie dies die Fidor AG plant ist da ein richtiger Ansatz.

Es geht um Menschen und nicht um Produkte. Ganzheitliche und nachhaltige Finanzlösungen, die den Menschen und seine besonderen Situationen und Problemlagen in den Mittelpunkt stellen, sind gefragt. Die Unternehmen werden insofern leidenschaftlich und kreativ sein müssen. Sie benötigen menschliche Ziele und werden zukünftig nur so ihre Gewinnziele erreichen können. Erfolg wird sich nur mit dem Kunden und nicht gegen den Kunden einstellen. Langfristige Kundenbeziehungen entstehen nur dann, wenn der Anbieter auch in schlechten Zeiten und persönlichen Krisen ein passendes Angebot bereitstellt, statt Vereinbarungen aufzukündigen. Wenn die Anbieter das nicht begreifen, werden Verbraucher ihre Bankverbindung wechseln, wann immer sie Grund dazu haben. Eine solide Kunde- Bank Beziehung, wie sie heute vor allem die Genossenschaftsbanken und Sparkassen haben, wird gar nicht mehr zustande kommen. Und am Ende werden dann Finanzprodukte bei CocaCola, goolge oder Apple gekauft und nicht mehr bei Banken und Finanzdienstleistern. Banken werden neue Alleinstellungsmerkmale finden müssen, damit sie überhaupt noch eine Rolle spielen können. Nachhaltigkeit könnte hier ein Weg sein. Die GLS Bank ist mit diesem Prinzip aktuell recht erfolgreich, wobei der Erfolg auf einem bereits lange Jahre bewährten Unternehmensprinzip beruht und keine neumodische Modeerscheinung ist. Verbraucher werden sehr schnell reagieren, wenn sie erkennen, dass Unternehmen Werte lediglich zu Marketing Zwecken. Viele der Privatbanken werden es deshalb sehr schwer haben das Vertrauen der Kunden wieder zurückzugewinnen.

Darüber hinaus – oder habe ich das schon gesagt – geht es in der Smart Economy, vor allem um Kreativität und nicht um Produktivität. Kreativität kann man – laut Umar Haque – nur schwer messen, weshalb sich die meisten Unternehmen auf Produktivität fokussieren. Wachstum im Rahmen der „Smart Economy“ besinnt sich allerdings auf Kreativität. Erfolgreich werden zukünftig jene Ökonomien und auch Unternehmen sein, die sich ständig neu erfinden können. Die nicht zu lange auf den alten Pferden reiten und stattdessen immer wieder neue Werte schaffen.

Umar Haque The Smart Growth Manifesto

Unternehmen agieren in Märkten und stehen im Wettbewerb. Dennoch sehe ich in den zahlreichen neuen Ansätzen in der Finanzdienstleistungswelt viele neue Chancen und vor allem auch einen Funken Hoffnung. Nicht alle Modelle werden sich durchsetzen und nur wenige der neuen Anbieter werden sich im Markt etablieren können. Aber schon heute existieren zahlreiche Ideen und Ansätze, die Einzug halten werden in die Bankenwelt. Entweder als eigene Unternehmen oder weil sie von den etablierten Banken übernommen und in deren Konzepte eingebaut werden. Die Finanzkrise bietet hier auch Chancen der Erneuerung. „Banking wird wieder social (sozial)“. Dem Internet und auch der neuen Konkurrenz sei Dank.

electrOUncle

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Peter

    Sehr guter Artkikel. Gehe in allen Punkten mit.

  • Matthias Kröner

    „Die Menschen müssen wieder Bock auf Geld bekommen.“

    Diese Aussage wurde von mir gemacht. Da diese Aussage hier in eine Richtung abgeleitet wird, die so zu keinem Zeitpunkt gemeint war und auch durch den Verlauf der Diskussion in Hannover so nicht zu verstehen war, muss ich doch etwas Klärendes dazu sagen.

    (Gerne lade ich zur Diskussion ein. Die vollständigen Unterlagen und Beiträge/Videos – auch den von Hannover – findet man auf http://blog.fidor.de/).

    Vorab: „Banking 2.0“, wenn man dieses Schlagwort mal so hinnehmen will, hat als oberste Maxime die Kundenzentrierung. Der erste Gedanke gehört dem Kunden. Damit ist der sogenannte Endkunde gemeint, also „Otto Normalverbraucher“ – nicht der Industriebetrieb mit 500 Mio. Euro Kreditengagement. Meine These: Viele Finanzdienstleister beschäftigen sich in ihren Zentralen eben nicht mit den Problemen von „Otto Normalverbraucher“. (Kundenzentrierung ist nur einer von 5 wesentlichen Forderungspunkten zum Thema „banking 2.0)

    Diese gelebte Nicht-Beachtung des Kunden und seiner Interessen in Kombination mit der Finanzmarktkrise (und den populistisch breitgetrenen Tantieme- und Bonuszahlungen) führt/e zu einem gesteigerten, mittlerweile massiven Mißtrauen gegenüber den Banken. Am Tag nach unserer Diskussion in Hannover waren Bilder in der Tagesschau zu sehen, die eine eindeutige Sprache sprechen. Demonstrationen vor Bankzentralen hat es zumindest in meiner Erinnerung noch nicht so viele gegeben. (Herstatt, ja, daran könnte ich mich dunkel erinnern. Das wars dann aber auch.)

    Was sagt uns das? Finanzen sind sehr wohl ein soziales Thema. Wir sehen das in den aktuellen Nachrichten, wir haben dies aber auch bei der Gründung der DAB Bank vor mittlerweile rd. 15 Jahren erlebt (damals auch eine belächelte Neugründung, heute ein eigenes Marktsegment neben Consors und Comdirekt etc.).

    Ende der neunziger Jahre haben wir die ersten Foren und Boards eingerichtet. Mit massivem Austausch der User. Wir haben damals schon „Stammtische“ organisiert und Kunden und User haben sich auch „offline“ getroffen. Nichts anderes erleben wir heute mit plattformen wie http://www.sharewise.com oder stockflock. Wenn man sich die Foren auf Wallstreet Online ansieht oder auch die Aktivitäten bei Trading Bird, dann sehe ich eine hohe Aktivität – die natürlich in ihrer Art mit einem Austausch auf Facebook oder StudiVZ nur bedingt zu vergleichen ist. Gleiche Erfahrungsberichte erhalten wir aus USA von einer Vielzahl von Plattformen (www.wesabe.com; http://www.mint.com; http://www.smarthippo.com und viele viele mehr).

    Diese erfolgreichen „brokerage“ Ansätze gilt es nun in andere Bereiche der Finanzwelt zu übersetzen. Keine leichte Aufgabe, aber eine Aufgabe, der man sich stellen sollte. Im Interesse der Kunden und User, und um diese geht es ja.

    „Bock auf Geld“ bedeutet dabei nicht den Wunsch nach „Gewinnmaximierung“. Es bedeutet vielmehr, dass man als es Finanzdienstleister schaffen muss, die Leute zum Thema Geld zu begeistern. Nicht um nun reicher als andere zu werden. Ganz und garnicht. Die Menschen müssen sich zum Thema Geld motivieren, damit sie sich darum kümmern (können und wollen). Es handelt sich in keinster Weise um eine Maslowsche Diskussion der Selbstverwirklichung sondern um eine wirtschaftlich notwendige Vorgehensweise. Denn wir (werden) erleben, dass die Menschen eher weniger als mehr Geld fürs Leben zur Verfügung haben. Und wer sich nicht rechtzeitig darum kümmert, den eigenen Geldhaushalt zu optimieren, wird ein Problem bekommen. Darum geht es und um nichts anderes.

    Dabei helfen Ansätze, die wir aus anderen Branchen aus dem Netz kennen. Beispielsweise der Vergleich mit anderen. Oder aber der Austausch mit Geld-Experten. Denn diese Schritte können mir helfen, einen ersten, einfachen Schritt zu meiner Problemlösung zu machen. Unter maximalem Kundenschutz (www.gemege.de) Oder aber es geht darum, den Ratschlag meines Bankberaters noch einmal von einem zweiten Experten validieren zu lassen. Wenn ich mir die Ergebnisse so mancher Beratung ansehe, würde das durchaus Sinn machen!

    Die Menschen müssen sich um ihr Geld kümmern und (mit maximalen User- und Kundenschutz) darüber reden, sich austauschen und die beste Expertise einholen. Wenn sie das nicht machen, werden sie immer in den Fängen der Banken bleiben, die das Ihnen entgegengebrachte Vertrauen nicht immer positiv beantwortet haben. Um das zu machen, muss ich „Bock auf Geld“ haben, also auf das Thema Geld haben.

    Denn es geht um Menschen, nicht um Organisationen und deren Produkte, die sie abverkaufen müssen. Es geht um das „empowerment“ der Kunden.

    M. Kröner

    PS: Es wäre doch auch mal eine Überlegung, wieso die Kunden, die Bürger, den Hals vom Thema Geld so voll haben und wessen Leistung das war…

  • JereIllilky

    hot side.
    check out Kreditkarten-Vergleich

    hau rein

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