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Paypal und die letzte Warnung für Banken

Die Medien sind voll mit Beiträgen zur sogenannten Banken- oder Finanzkrise. Und die Banken und Finanzinstitute benötigen offenbar ihr gesamte Kraft, um die damit zusammenhängenden Probleme zu bewältigen. Allzu oft entsteht dabei der Eindruck, dass man eigentlich nicht viel ändern möchte (oder kann). Die Hoffnung irgendwann einmal so weiter machen zu können wie früher, ist bei einigen Banken wohl noch sehr stark ausgeprägt. Die Entfernung zum Kunden ist dabei indessen so groß geworden, dass man ohne Fernglas nicht mehr auszukommen scheint.

Da ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass Innovationen in der Finanzwelt immer häufiger gar nicht mehr aus der Branche selbst kommen, sondern aus Bereichen, die erkannt haben, dass zukünftig nur noch diejenigen Unternehmen erfolgreich sein werden, die Produkte, Services oder Dienstleistungen anbieten, die für den Endkunden nützlich sind und gewünscht werden.

Im Better Banking Blog wurde in diesen Tagen ein Artikel mit dem Titel Where´s your canary in the coal mine? Der Artikel beschäftigt sich, angesichts der Ankündigung von PayPal ihre Plattform für Fremdprogrammierer zu öffnen und damit jedermann zu erlauben Anwendungen zu entwickeln, welche auf Paypal basierende Zahlungen ermöglichen, mi der Frage, ob Banken eigentlich einen Plan B haben. Denn laut James Gardner seien nahezu alle geschäftskritischen klassichen Kernbereiche- ,-prozesse und -kompetenzen der Banken inzwischen durch externe Ideen oder Anbieter bedroht.

Gardner sieht das Ende von „Command and Control“ in der klassischen Geschäftswelt gekommen. Als Anhänger des Cluetrain Manifestes empfiehlt er das Wissen der „Crowd“ zu nutzen und auf „Crowdsourcing“ zu setzen.

Nochmal zurück zu PayPal. Als PayPal auf den deutschen Markt kam, wurde es milde belächelt. Wie nur wenige Jahre zuvor übrigens auch die Direktbanken. Heute hat PayPal weltweit mehr Konten als die drei größten Banken der Welt. Wäre es vorstellbar, dass eine Bank ihre Schnittstellen für nicht zertifizierte Dritte freigeben und auf Open Source setzen würde. Wahrscheinlich nicht. Und damit ist die Sache schon klar. Über kurz oder Lang wird den Finanzinstiuten ein weiterer Kernbereich aus den Händen gleiten, denn da draussen sind weitaus mehr gute und durchaus auch günstige Programmierer, als eine Rechenzentrale je beschäftigen könnte.

Im Better Banking Blog wird in diesem Zusammenhang auf Jeff Carter (Gründer des Zentrums für Future Banking) verwiesen. Dieser sagt: „ dass Plattform Anbieter wie  Paypal, Google und Facebook nicht so sehr daran interessiert  seien, die nächsten Banken zu sein. Stattdessen werden sie die Art und Weise wie wir über Bezahlen oder Finanzdienste denken, vollkommen restrukturieren. Seiner Ansicht nach wird google nicht versuchen den Markt des Bezahlens zu kontrollieren. Sie werden versuchen alles vor und nach dem Bezahlen zu kontrollieren. Die Abwicklung des Bezahlens selber ist aus googles Sicht nur noch ein Commodity Produkt.

Was wird aber aus den Banken, wenn eines ihrer Kernprodukte nur noch ein einfaches nachahmbares Gebrauchsgut ist?

Die Banken- und Finanzkrise ist demnach auch eine Innovationskrise der Branche und Sie ist auch eine Kundenkrise. Nahezu alle Innovationen der Branche (wenn man die so nennen kann) in den letzten Jahren waren aus Eigeninteresse getrieben und entstanden zumeist unter der Überschrift der „Kostenersparnis“. Hierüber hat man die Bedürfnisse der Endkunden (aber auch der Mitarbeiter) vollkommen aus dem Blick verloren. Zusätzlich hat man das Internet viel zu lange als einen technischen Kanal betrachtet, der Banking eben noch effizienter macht. Die soziale Komponente des Netzes hat man verkannt. Das Cluetrain Manifest (kostet inzwischen über 60 Euro und ist vielerorts vergriffen) hat man nicht gelesen oder wie so oft müde belächelt. Heute wird über das Internet der Verbraucher gestärkt und er rückt sich wieder ins Zentrum. Im sozialen Internet hat der Kunde die Macht und wenn die Bank nicht das entwickelt und anbietet, dann hilft sich der frustrierte Kunde eben selber und macht seine eigene Bank. Auch so etwas, was sich viele Vorstände von Banken niemals vorstellen konnten. In diesem Blog kann ich aber immer wieder von diesen neuen Ansätzen berichten.

Artikelquelle

Charis Palmer

Where´s your canary in the coal mine?

In der Zeitschrift die Bank habe ich gestern einen Artikel gelesen, der im weitesten Sinne in diesen Themenbereich passt. Hier schon mal der Link zur Vorablektüre, morgen gibt es ein paar Anmerkungen von mir zu diesem Artikel dessen Titel mich ein wenig irritiert hat.

Dem Social Banking Paroli bieten von  Elmar Borgmeier, Chief Innovation Officer der syngenio AG, München.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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