title

Blog

Mit Social Banking Paroli bieten

Dies ist eine Auseinandersetzung mit einem Artikel aus der Zeitschrift „Die Bank“

Titel: Dem Social Banking Paroli bieten

Es könnte also sinnvoll sein den Originalartikel vorher zu lesen.

Zur Sicherheit habe ich erst noch mal in ein Lexikon geschaut. Paroli bieten bedeutet demnach: Widerstand leisten bzw. Jemandem etwas entgegenzusetzen.  Über die Überschrift bin ich gestolpert. „Dem Social Banking Paroli bieten“. Das zeigt ja einerseits, dass „Social Banking“ an Bedeutung gewinnt. Da ist offensichtlich etwas, was einigen etablierten Banken Angst macht oder Angst machen sollte und die Beratungshäuser stehen bereit, um den Banken diese Angst zu nehmen.

Leistet dem Social Banking Widerstand.

Ein irgendwie sehr abwegiger Vorschlag, denn Banking beschäftigt sich mit Menschen und basiert auf Beziehungen zwischen Menschen.  Und erfolgreiche Beziehungen basieren wiederum auf Vertauen. Ohne den sozialen Aspekt wäre Banking gar nicht möglich, was ja die Finanzkrise irgendwie auch recht überzeugend belegt.

Überall bröckelt die Vertrauensbasis im Verhältnis zwischen Mensch und Finanzunternehmen und mit aufkommenden Alternativen brechen die Wolkenschlösser der Privatbanken und Direktbanken zusammen.

Liebe Volksbanken Raiffeisenbanken, Sparkassen und neue Anbieter im deutschen Finanzmarkt bitte leistet keinen Widerstand gegen Social Banking. Mach weiter auf eurem Kurs oder  – falls erforderlich – findet wieder zurück zu dem, was Euch einst stark gemacht hat: Seid kundennah, transparent, authentisch, vertrauensvoll, hilfreich, offen, ehrlich, fair und vor allem nützlich.

Bei weiterer Lektüre des Artikels kann man den Eindruck gewinnen, die Wahl der Überschrift können vielleicht auch ein Versehen gewesen sein, denn ganz so viel Widerstand möchte der Autor dann wohl doch nicht leisten. Wobei mir auch im Artikel einige Aussagen ein wenig komisch vorkamen.

in Rückblick auf die kurze Historie der Online-Medien zeigt: Banken waren durchgängig Vorreiter der geschäftlichen Nutzung des Online-Kanals. Getrieben durch enorme Kostensenkungspotenziale nutzten sie BTX und etablierten sichere Transaktionen im Internet.

Natürlich ist es richtig, dass Banken Vorreiter in der geschäftlichen Nutzung von Online Banking waren und deshalb auch das Potential dazu haben, zukünftig eine wichtige Rolle im Internet zu spielen. Man darf allerdings nicht verkennen, dass all diese Innovationen in erster Linie immer den Banken selber gedient haben. Die Gründe für die IT Innovationen waren in der Regel Effizienz- und Effektivitätsverbesserungen zumindest aber Kosteneinsparungen. Beim Social Banking geht es aber um etwas ganz anderes, denn da dreht sich der Spieß um. Der Kunde tritt in Erscheinung und entscheidet mit seiner durch das Internet gestärkten Macht was getan wird. Er übernimmt die Kontrolle. Er kann, will und muss gefragt werden.

Die im Artikel vorgeschlagenen Optimierungen der Online Banking Applikationen der Banken sind sicherlich alle recht pfiffig und durchdacht, sie lösen sich aber nicht aus der typischen Bank getriebenen Entwicklungslogik. Alles wird beim Alten bleiben. Die Provisonslogik des Bankvertriebs wird über technische Systeme einfach fortgeschrieben und optimiert. Zukünftig muss der Bankberater seinem Kunden nicht mehr persönlich das Produkt verkaufen, dass ihm zwar eine Provision dem Kunden aber manchmal wenig Glück bringt. Und geht es dem Kunden wirklich um Produktkauf?

Und ein weiteres Manko: Wenn die Kundenberatung so wichtig ist – das liest man ja immer wieder – warum soll denn zukünftig ein Empehlungssystem ala Amazon die Kundenberatung übernehmen. Übrigens: Ich stelle mir gerade vor in meinem Online Banking bekomme ich einen Hinweis: Personen, die dieses Tagesgeld gekauft haben, haben auch Aktie xy erworben. Das funktioniert vielleicht bei Büchern und CDs, aber doch nicht bei Bank Produkten. Bei allen Büchern, die ich jemals bei amazon gekauft habe, waren immer die Kundenbewertungen wichtiger als der technische Algorithmus. Der Austausch mit anderen Kunden, das Wissen darüber, ob dieser andere Kunde Gemeinsamkeiten mit mir hat oder sich in einem Bereich besonders gut auskennt und mir deshalb als Experte dienen kann, dass wäre ein Mehrwert für mich

Der Autor rät den Banken im Artikel explizit davon ab zu bloggen oder andere Social Media Dienste zu nutzen, denn da ist das Risiko dem Image zu schaden angeblich größer als wenn die Bank gar nichts macht. Das Online Gespräche über die Bank in jedem Fall stattfinden, hat der Autor anscheinend nicht mit einkalkuliert. Nur ist die Bank ist dann eben nicht dabei. Ein kleiner Tipp: Was man selber nicht hört oder sieht, kann trotzdem passiert sein. Also mal ganz ehrlich: Seit wann ist Nichtstun ein gute Ratschlag.

Ein besseres Online Banking fände ich übrigens auch sehr gut. Wenn das Online Banking wirklich mein Personal Finance Manager wäre, der mir die Möglichkeit geben würde zu jedem Zeitpunkt meine aktuelle finanzielle Situation einzuschätzen, dann wäre das eine gute Sache. Nur würde das bedeuten, dass die Bank akzeptieren müsste, dass ich alle meine Konten und alle meine Bausparverträge und alle Versicherungen egal bei welchem Anbieter ich sie gekauft habe, innerhalb meines Bankings sehen könnte. Und mal ehrlich, welche Bank würde dies heute schon ermöglichen. Darüber hinaus müsste ich die Möglichkeit haben, jede Transaktion, die ich oder meine Frau irgendwo mache, ohne Zeitverzögerung in meinem Banking abzulegen, um dadurch mein Ausgabeverhalten kontrollieren zu können. Da würde man dann auch mehr mobile Applikationen ermöglichen und Schnittstellen wären wohl auch ganz gut. Wobei offene Schnittstellen wären noch viel besser. Mehr Benutzerfreundlichkeit im Online Banking ist übrigens auch eine gute Idee.

Ach ja, noch eine Anmerkung zu den Daten, welche die Bank von mir in meinem Online Banking sammeln und auswerten könnte, um mir dann wahrscheinlich sinnvolle Möglichkeiten zu unterbreiten.

1.)    Im Internet entscheide ich selber, was ich zu welcher Zeit an Informationen oder Daten benötige, deshalb ist google so erfolgreich  und

2.)    ich entscheide auch darüber, was mit meinen Daten gemacht werden soll oder darf und

3.)    um Himmels Willen. Warum fragt man den Kunden nicht einfach was er will, im Internet ist das möglich. Wirklich, Ehrlich, Ja Sie können es mir glauben.

Ich hoffe ich habe nicht übertrieben oder am Ende sogar den ganzen Artikel falsch verstanden.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Elmar Borgmeier

    Ein kleines Feedback zum Titel, der zu Irritationen führte: Zum Titel: Er erklärt sich aus der verwendeten spezifischen Definition von „Social Banking“. Ich verwende den Begriff hier so, wie Gartner ihn in http://www.cio.de/financeit/analysen/849852/ verwendet: als Bezeichnung für Soziale Netzwerke im Web 2.0, die Finanzfunktionen ohne Bank als Intermediär anbieten. Gartner sagt explizit, dass Banken nicht versuchen sollen, soziale Netzwerke zu kopieren.

    Ich denke auch tatsächlich, dass es Unterschiede zwischen Peer-to-Peer-Beziehungen auf Plattformen und Kunde-Anbieter-Beziehungen gibt.

    Insofern müssen Banken die Plattformen ernst nehmen, aber eigene Antworten finden.

    P.S.: Sie schreiben „der technische Logarithmus“. Ich glaube, sie meinen einen Algorithmus.

    • electrouncle

      Das Kopieren von sozialen Netzwerken ist nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss, zumal es die sozialen Netzwerke ja schon gibt. Es ist nicht unbedingst sinnvoll ein eigenes Bank Netzwerk zu entwickeln. In jedem Fall bin ich skeptisch, dass dies dort funktionieren kann, wo es nicht schon eine Grundlage für ein solches Netzwerk gibt. Die großen und funktionierenden Online Communities waren eigentlich schon da, bevor sie im Internet abgebildet wurden. Banking findet – ob Banken das wollen oder nicht – in sozialen Kontexten statt. Handeln im System Finanzen ist soziales Handeln (den Begriff sozial verwende ich hier wertfrei, also nicht im Sinne von Gutes tun). Insofern werden Banken gezwungen sein in sozialen Netzwerken erfolgreich zu sein.

      Die Kunde-Anbieter Beziehung verschwimmt im Netz. Eine strikte Trennung der Perspektiven ist kein Erfolgsmodell für die Zukunft. Die tatsächliche Einbindung des Kunden hat dagegen vielmehr Chancen. Die spanische Bank Caja Navarra lebt dies übrigens schon ganz gut vor.

      Eine Nachahmung der Social Banking Modelle wäre für die meisten Banken ohnehin schwer. Eine jahrzentelang betriebene Geschäftspolitik kann man nicht von heute auf morgen verändern und vor allem auch nicht ungeschrieben machen. Die Kunden vergessen nicht so schnell. Die Voraussetzungen im Internet ein adäquates Geschäftsmodell zu finden, sind für alle Unternehmen mit einer solchen Historie schwer. Die Musikindustrie hat dies erfahren müssen, die Verlage beginnen gerade mit ihrem Kampf gegen google. Wer viel zu verlieren hat, ist meistens nicht so schnell bereit, das lange Zeit erfolgreiche Handeln aufzugeben. Das ist menschlich hat aber häufig verherrende Folgen.

  • Max

    Tja traurig das Unternehmen mit sovielen Möglichkeiten das nicht verstehen (wollen)

  • Andreas Liebhart

    @Elmar Borgmeier

    Zitat aus ihrem Artikel: „Banken nutzen ihre Websites aber seit jeher zur Kommunikation mit den Kunden – außer einem persönlicheren Stil offeriert ein Blog hier nichts wirklich Neues.“

    Welches Unternehmen nutzt seine Website nicht zur Kommunikation mit den Kunden? Die Kommunikation ist auf den klassischen Websites aber nur einseitig. Der Kommentar, den sie selber geschrieben haben, zeigt doch das große Potential von Blogs und Co. Sie können öffentlich, für alle sichtbar ihre Meinung unmittelbar zum betreffenden Artikel im Blog anbringen. Klar können auch negative Kritiken kommen, die Herausforderung liegt im Umgang damit. Niemand glaubt doch, das negative Erfahrungen nicht auch über sonstige Kanäle weitergegeben werden, nur weil es keine nBlog gibt. So hat aber das Unternehmen die Chance ebenfalls öffentlich auf diese Kritiken zu reagieren. Was mich ein wenig stört: Warum redet man immer über 5% Risiken, wenn sich 95% Chancen auftun? Es könnte doch jemand etwas Negatives schreiben, deswegen lassen wir überhaupt kein Feedback zu????

    Ich bin für den Web 2.0 Auftritt der Raiffeisenbank Lustenau in Österreich verantwortlich. Unser Web 2.0 Auftritt stellt wesentlich stärker auf das „Cluetrain Manifest“ ab, als auf einen weiteren Verkaufskanal. Wobei wir als kleine Regionalbank vielleicht eine Ausnahme sind.

    Was alle Banken im Web 2.0 wirklich lernen müssen: Wir wollen die Kunden mitreden lassen, wir wollen, dass sie ihre Meinung sagen. Nun müssen wir den Weg finden, die Kunden davon zu überzeugen, dass sie wirklich etwas zu sagen haben und die Web 2.0 Auftritte nicht nur eine weitere Marketingmassnahme sind.

  • Peter Corticelli

    Ich wage mal die Behauptung, dass je kleiner die Bank, desto einfacher ist die Botschaft dem Top-Management zu vermitteln. Und gerade die Genobanken sollten eigentlich mit dem Konzept „wir hören den Kunden zu“ am wenigsten Berührungsängste haben. Was Ihren Verdienst, Herr Liebhardt, einer der Vorreiter zu sein, in keinster Weise schmälert:)

  • Martina Goehring

    @ Elmar Borgmeier

    Nur am Rande zum Thema „ein Blog nichts wirklich Neues“. Die Kundenbefragung, über die Sie so glücklich berichten: http://bit.ly/98ihv könnten Sie mit einem Blog jeden Tag haben.

  • Banking 1.0 meets Banking 2.0 « Blick Log

    […] Offen bleibt, ob die klassischen Banken tatsächlich den Zug verpassen. Kröner selbst äußerte dazu auf der NextBanking die Vermutung, dass sich viele Banken ähnlich verhalten, wie zu Zeiten als die Direktbanken aufkamen: “Ablehnen, kritisieren, nachmachen.” Einen Geschmack, wie derzeit solche Diskussionen zwischen Banking 1.0 und 2.0 ablaufen, geben übrigens Lothar Lochmaier im Beitrag Starker Tobak: Bankenberater ExPacto dämonisiert Social Lending oder Boris Janek im Blog Finance 2.0 “Mit Social Banking Paroli bieten”. […]

Post A Comment

 

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Paypal und die letzte Warnung für Banken

Die Medien sind voll mit Beiträgen zur sogenannten Banken- oder Finanzkrise. Und die Banken und Finanzinstitute benötigen offenbar ihr gesamte...

Schließen