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Like Love Social Media changes everything ……

If you are ready to allow that

Die Somesso09 in der Nachbetrachtung

Die Somesso 2009 in Zürich ist vorbei. Es war eine sehr gelungene und hochkarätige Veranstaltung in einem kleinen aber dafür qualitativ absolut hochwertigem Rahmen. Die Teilnehmer setzten sich überwiegend zusammen aus Angehörigen von Beratungsunternehmen, Social Media Profis, Agenturen, einigen wenigen Entrepreneuren und noch weniger Angestellten von Banken.

Die geringe Zahl teilnehmender Banken ist bedauerlich aber leider durchaus üblich für solche Veranstaltungen. Ich habe es bisher noch nicht erlebt, dass Bankvertreter und Vertreter der Internetbranche insbesondere Social Media Enthusiasten auf einer Veranstaltung zusammen gefunden haben. Die Social Media Experten und wohl auch die Verbraucher machen sich offensichtlich mehr Gedanken darüber, wie die Bank der Zukunft aussehen könnte und welche Chancen und Risiken sich durch das transparente soziale Internet für diese ergeben, als die Banken selber. Das ist einerseits gar nicht überraschend, da im Umfeld der schlafenden Banken große Chancen für das Angebot alternativer Finanzdienstleistungen (siehe z.B. smava oder ficoba) entstehen und natürlich auch, weil sie als Menschen vom Handeln der Banken (nicht alle Banken sind gleich) direkt und letzter Zeit überwiegend negativ betroffen sind. Andererseits muss man sich aber auch Gedanken darüber machen, dass die Mehrzahl der Banken Social Media offenbar eher als ein Risiko und weniger als eine Chance betrachten.

Das war – was mich ein wenig verwunderte – auch die Haltung vieler Teilnehmer der Somesso 2009. Bis auf die Social Media Leute – und auch die waren eher vorsichtig – wurden doch mehr Risiken als Chancen für die Banken gesehen, darüber hinaus war immer wieder festzustellen, dass Unternehmen Social Media zwar nutzen möchten und durchaus auch teilweise positiv sehen, aber mehrheitlich dem Versuch unterliegen, das Neue in die alten Strukturen zu zwängen. Social Media wird dabei überwiegend doch als ein Instrument gesehen, dass es einzusetzen oder irgendwie zu kontrollieren gilt. Klassische Organisationsmodelle und herkömmliches „Command and control“ Denken herrschen vor. Nicht verwunderlich deshalb auch Zahlen aus den USA: Dort hat bereits eine große Mehrheit von Unternehmen die Social Media Nutzung am Arbeitsplatz verboten. In der Schweiz – wo die Somesso stattfand – gibt es auch schon erste Fälle.

Der Schluss liegt nahe, dass die meisten Unternehmen die Tragweite der Veränderungen noch nicht erkannt haben und nach wie vor der Meinung sind, es handele sich nur um temporäre Störungen von Organisationen und Institutionen und dann könne man wieder zum Alltag zurückkehren. Übrigens auch eine Haltung, die unsere aktuelle Bundesregierung bzw. die politischen Parteien sehr deutlich und offensichtlich einnehmen.

Ebenfalls eine Haltung  die,  nach der erneut überzeugenden und antreibenden Präsentation von Matthias Kröner, der ficoba.de vorgestellt hat,  mehrheitlich eingenommen wurde:  Ein solches Finance 2.0 Modell, welches sich Transparenz, Authentizitiät, Kundenmitgestaltung und Nachhaltigkeit zum Ziel setzt, könne nur von einem gänzlich neuen Player angestrebt und umgesetzt werden. Dies ist teilweise sicherlich nicht falsch: Banken, die Teil des Problems (Finanzkrise) waren oder sind und deren Vertrauen und Reputation verspielt ist, werden es nicht leicht haben plötzlich in den Transparency Modus umzustellen. Es gibt jedoch auch Banken, die schon immer einen sozialen Antrieb praktiziert haben und die ganzheitlich und wertorientiert agierten bzw. agieren. Diese Banken können sehr wohl von Social Media profitieren, wie zum Beispiel die GLS Bank (monatlich ca. 1000 neue Kunden) eindrucksvoll beweist. Die Genossenschaftsbanken haben hier sehr gute Möglichkeiten, wenn es Ihnen gelingt sich auf ihr Grundmodell zu besinnen, ihre Werte zu schärfen und einheitlich zu leben und sich insgesamt zu modernisieren. Denn Nah vor Ort sein bedeutet: Überall dort zu sein wo die Menschen sind. Und diese Menschen findet man immer häufiger auch bzw. sogar hauptsächlich im Internet. Das Internet ist also nicht die Bastion der großen und intransparenten Privat- oder Direktbanken. Ganz im Gegenteil das Internet ist die Renaissance des genossenschaftlichen Prinzips mit dem Potential zur Selbstorganisation.

And by the way: Wenn Banken tatsächlich Angst vor Reputationsschäden durch Social Media haben, dann frage ich mich doch, warum Banken offensichtlich keine Angst vor Reputationsschäden durch risikoreiche und nicht kalkulierbares Finanzgebaren hatten. Ich denke, wenn die eigene Reputation schon im Keller ist, dann wird Social Media hier kein zusätzliches Risiko mehr sein. In diesem Zusammenhang ein kurzer Hinweis auf eine am 02. November gestartete Artikel Serie im Blog von Chris Skinner. Er fragt sich darin: Ob Banken einen wichtigen und positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten.  Den ersten Teil der Serie: Are bankers good or bad for society findet man hier:

http://thefinanser.co.uk/fsclub/2009/11/are-bankers-good-or-bad-for-society-part-one.html

Die Veranstaltung bot zahlreiche Möglichkeiten zum Networking und viele sehr interessante Vorträge, die es bereits zum Download gibt:  http://www.slideshare.net/SOMESSO . Es gibt bzw. gab auch einen Livestream:

Das technische Niveau dieser Veranstaltung war überhaupt außergewöhnlich hoch. Ich empfehle zudem den Besuch des Swiss Re Centers am Zürichsee, dass auch architektonisch beachtlich ist.

Benedikt Köhler (Director Digital Strategy & Research bei ethority) offerierte in der keynote einen sehr interessanten Überblick über die aktuellen Media Trends und zeigte darüber hinaus Grundregeln auf, die Unternehmen nun lernen und beherrschen müssen.

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Christopher Langlois (Founder of Visible Banking) zeigte wie Banken vor allem im Service Bereich durch Social Media profitieren könnten. Sehr wichtig seine Botschaft: Nicht zu viel Zeit und Geld in die Entwicklung eigener Tools stecken. Stattdessen die vorhandenen nutzen und mehr auf die Inhalte und Adressaten beziehen: also auf die Menschen. Christopher betreibt den Blog www.visiblebanking.com und verfolgt weltweit die Social Media Aktivitäten von Banken. Im Blog findet man eine beeindruckende Liste, die zeigt, dass bereits weit mehr Banken aktiv sind, als man denkt. Viele allerdings wohl noch ein wenig im verborgenen und viele auch in klassischer Manier: Senden statt Kommunizieren

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Johannes Haus (Director Subscriptions Xing) zeigte, dass die Mitarbeiter von Banken Social Media sehr intensiv nutzen. Viele Banker sind Mitglied bei Xing. Viele finden sich dort in Gruppen zusammen. Eine der grössten Gruppen ist der Banking Club von Torsten Hahn. Auch Volksbanker und Raiffeisenbanker sind aktiv. Ich selber bin hier ebenfalls, teilweise auch als Co Moderator, aktiv. Gerne diskutiere ich dort über Finance2.0 und was mehr oder weniger dazugehört. Was bedeutet diese Erkenntnis aber für die Banken: Einerseits gilt es zu realisieren, dass soziale Netzwerke von Mitarbeitern genutzt werden, und das dort auch überwiegend im Sinne des Unternehmens gehandelt wird. Wie aber leider von den meisten Unternehmen eintrainiert, schaut man aber eher auf die Gefahren und negativen Aspekte. Mitarbeiter könnten dort Internas ausplaudern oder sich negativ über das eigene Unternehmen äußern. Trotzdem eine ganz einfache Erkenntnis und Botschaft: Unternehmen können Social Media nicht ignorieren. Positiv betrachtet auch eine Chance die eigene Lernkurve in der Social Media Nutzung zu verkürzen: Wenn es bereits Mitarbeiter gibt, die hier Erfahrungen gemacht haben, könnte man diese doch nutzen, um so den Umgang mit anderen Menschen im sozialen Internet zu erlernen.

Lee Bryant (Ceo von Heasshift, part of Dachis Group) befasste sich mit der Frage: Was sind eigentlich die richtigen Social Media Tools. Er fand dabei sehr spannende Antworten und gab darüber hinaus praktische Tipps. Lee Bryant und Christophe Langlois waren die einzigen Vortragenden, die interessante Beispiele aus der Bankenwelt zeigten (ich bin allerdings etwas später gekommen). Auf den Download seiner Folien freue ich mich besonders.

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Am Nachmittag kamen dann die Entrepreneure zu Wort. Arnould Moyne (Founder + CEO) von Finroad einem Netzwerk für Mitarbeiter der Finanzbranche und Matthias Kröner (Founder + CEO) der meines Wissens weltweit einzigen Online Community Bank, die Schritt für Schritt alle Grundprinzipien des Internets in ein hochmodernes Bankenmodell überträgt. Matthias Kröner war erneut überzeugend und erzeugte bei den Zuhörern auch die meiste Resonanz. Da ich mit Matthias Kröner und Christoph Langlois an einem Tisch saß, konnte ich die anschliessende sehr lebhafte Diskussion über die Fidor Bank AG aus nächster Nähe miterleben. Viele der Zuhörer kamen nach seinem Vortrag zur vertiefenden Diskussion an unseren (seinen) Tisch. Als Tischnachbar hatte ich auch die Gelegenheit einige demnächst verfügbare Weiterentwicklungen der ficoba Community zu betrachten. Die Fidor Bank Ag geht damit einen weiteren logischen Schritt und setzt um, was ich mir schon lange erhofft habe.

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In diesem Zusammenhang eine Frage, die so oder so ähnlich gestellt wurde: Denken Sie wirklich, dass Menschen mit dem Mobiltelefon bezahlen werden oder möchten? Die Antwort kam auch aus dem Publikum: Schauen Sie nach Japan, Indien, Südkorea.

Es ist anscheinend vielen Menschen noch nicht so richtig geläufig. Die Frage der Weiterentwicklung von Finanzlösungen ist heute schon lange keine technische sondern vielmehr eine politische oder regulatorische Frage.

Zum Schluss dann die „Roundtable Discussion“ an der ich persönlich teilnehmen durfte. An dieser Stelle noch mal „ Many thanks to Christophe Langlois and Arjen Striker for giving me this opportunity“. Weitere Teilnehmer neben mir: Wolfgang Jastrowski (Head Unite Communication and Collaboration Swiss Re), Angela Sara Ledda (Associate Director Online Marketing Manager UBS) und zwei weitere Teilnehmer, deren Namen ich noch nachzureichen versuche. Sitze gerade im Zug und habe die Visitenkarten nicht dabei.

Die Fragen der durchaus angeregten Diskussion:

Wie kann man die Annahme von Social Media in der Finanzbranche beschleunigen?

Wie startet man um eine Social Media Strategie für die eigene Bank zu entwickeln

Und weniger eine Frage aber eine These: Es geht weniger um Marketing und eher um Kollaboration.

Alles Fragen, mit denen ich mich hier ja regelmässig beschäftige. Ich werde meine Antworten auf diese Fragen in einem zweiten Teil zur Somesso 09 hier demnächst noch mal veröffentlichen. Ich versuche dies auch in englischer Sprache zu tun. Zusammenfassend ist mir aufgefallen, dass die Vertreter von Unternehmen eher zurückhaltend und überwiegend skeptisch waren, während die Social Media Enthusiasten und Experten einfach mal den Sprung ins kalte Wasser wünschten. Ich fühlte mich als der einzige Unternehmensvertreter, der lieber springen als noch warten würde und demnach eher die Chancen als die Risiken sah. Eine interessante Frage, die mir im Rahmen der Diskussion durch den Kopf ging. Was sind eigentlich zukünftig die Grenzen eines Unternehmens, denn die Formulierung Grenzen des Unternehmens wurde immer wieder verwendet.

Zum Schluss dieses doch sehr langen Artikels – bin gleich schon an meinem Zielort Karlsruhe angekommen – noch mal ein Lob an Arjen Stiker ,Judith Koch und dem gesamten Somesso Team. Die Veranstaltung hat mir sehr viel Spass bereitet. Sie war hervorragend organisert und vorbereitet. Die Location war wunderschön, das Essen war gut der Espresso famos und auch das Glas Pinot Noir (aus der Schweiz) zum Schluss der Veranstaltung hat mir sehr gemundet. Wenn ich darf, werde ich im nächsten Jahr gerne wieder kommen. Hoffentlich dann auch mit etwas mehr Zeit und der Möglichkeit noch einen Tag in Zürich verbringen zu können.

Danke auch noch mal für die nette Rückfahrt im Taxi mit Christophe und Matthias sowie einem Mitarbeiter von Somesso (Name leider vergessen – sorry) und für das Übernehmen der Taxi Rechnung und den Schokoladen Tipp ein besonderer Dank an Matthias. Meine Frau hat sich sehr gefreut.

PS Zum Schluss noch eine kleine Irritation und ein Wunsch, der sich aber auch an mich selber richtet. Gegen 14.00 Uhr habe ich mein Laptop abgeschaltet und nur noch zugehört. Es ist schon irgendwie sehr irritierend, dass während der Vorträge von uns Zuhörern überwiegend getwittert und in die Computer gestarrt wurde. Diese neue Unkultur gefiel mir eigentlich nicht und ich hoffe, dass sich das ändern wird. Ich selber werde in jedem Fall daran arbeiten.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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