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Lebenslüge

Ich wollte ja mal Betriebswirtschaft studieren. Entschied mich dann aber für ein Studium der Sozialwissenschaften, weil ich dieses Fach für umfassender und näher an den Menschen und dessen Problemen gehalten habe. Mit dieser Wahl habe ich dann direkt mal gegen das ökonmische Prinzip verstossen, denn die Berufsaussichten eines Sozialwissenschaftlers waren und sind im Vergleich zu denen eines Betriebswirtschaftlers nicht gerade herausragend. Zusätzlich haben mir  natürlich auch alle wohlmeinenden Experten eine andere Auswahl nahe gelegt.

Glauben hilft

Trotz allem haben mich wirtschaftswissenschaftliche Themen – die ja auch ein Teilaspekt der Sozialwissenschaften sind – immer sehr interessiert. Doch schon nach wenigen Vorlesungen in den Fächern Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre  fingen meine Zweifel an. Zunächst einmal irritierte mich die vollkommen andere Herangehensweise der Kommilitonen die VWL oder BWL studierten. Kritisches Hinterfragen des Gelernten kam kaum vor und wurde von den Professoren auch nicht gerade gefördert. Wissen wurde hier eher wie von einer Kanzel (in der Kirche) gepredigt, als interaktiv vermittelt. Grundsätze wurden mit Hilfe rein theoretischer Annahmen und der beliebten „Ceteris paribus“ Klausel auf scheinbar naturwissenschaftliches Niveau gehoben. Viele Studenten wollten dies so glauben, da dieser Glaube die Basis für eine erfolgreiche Karriere und viel Geld versprach.  Über die Jahre scheinen den Wirtschaftswissenschaftlern  ihre eigenen Lügen bzw. die von ihnen künstlich  gesetzten Rahmenbedingungen selbst so in Fleisch und Blut übergegangen zu sein, dass man tatsächlich dazu  wirtschaftliche Gesetze mit Naturgesetezn gleichsetzte. Zweifel war nicht mehr erlaubt bzw. gar nicht mehr möglich, da man einerseits den eigenen Regeln selbst nicht mehr folgen  und die mathematischen Berechnungen nur noch überdimensionalen Computersystemen anvertrauen konnte und andererseits auch keine grundlegenden Störungen auftraten, welche den Zweiflern Raum für Ihre Argumente geboten hätte.

Krisen helfen manchmal auch

Nun taumeln wir von einer Finanzkrise, in eine Eurokrise, in eine Krise der öffentlichen und vor allem kommunalen Haushalte, in eine Staatenkrise, in eine Immobilienkrise…. . Mit anderen Worten von einer Krise in die Nächste. Bald – so könnte man befürchten – ist die Krise der Normalzustand und wir brauchen einen neuen Begriff: Für die Krise oder den Normalzustand.

Zurück zu meinem Studium in dessen Verlauf ich meine Kommilitonen gerne damit geärgert habe Wirtschaftswissenschaften und Theologie gleichzusetzen. Denn nur der Glaube versetzt in unserer Ökonomie noch Berge. Inzwischen zweifeln nicht mehr nur die Sozialwissenschaftler. Mit der postautistischen Ökonomie hat auch das Zweifeln in den Wirtschaftswissenschaften selber begonnen. Und auch die Mathematiker beginnen sich zu wehren. So sagt der Mathematiker Claus Peter Ortlieb in einem FAZ Interview vom 09. Mai 2010 (Titel: „Ökonomie ist eigentlich keine Wissenschaft2):

Zahlen haben in der Moderne einen unglaublichen Bedeutungszuwachs erfahren und gerade die Ökonomie versucht, den Naturwissenschaften nachzueifern, indem sie sich als Sozialphysik versteht. Das führt dann in der Tat zu magischem Denken. Denn es ist ja offensichtlich, dass sich die Gesellschaft als Ganzes nicht allein mit mathematischen Modellen erfassen lässt.

und weiter

Die Frage ist allerdings, in welchen Bereichen und auf welche Probleme die mathematisch-naturwissenschaftliche Methode überhaupt sinnvoll angewendet werden kann. Und da gibt es gelinde gesagt, Übertreibungen. In den mathematischen Naturwissenschaften liegt die Verbindung zwischen Mathematik und Realität im Experiment, in dem die mathematischen Idealbedingungen im Labor erst hergestellt werden. Nur dort tritt ein mathematisches Naturgesetz in seiner vollen Pracht und Herrlichkeit überhaupt in Erscheinung. Oder eben auch nicht, was zur Revision der zugrundeliegenden Theorie führt. Was macht aber nun ein Fach wie die Ökonomie, in dem Experimente nicht möglich sind. Hier fällt das mit der mathematisch naturwissenschaftlichen Methode verbundene Wahrheitskriterium weg – doch was tritt dann an seine Stelle? Daraus ergeben sich schwierige methodische Fragen. Was ich den mathematischen Ökonomen zum Vorwurf mache und mich an ihrem Vorgehen wirklich stört, das ist, dass sie sich mit diesem Problem gar nicht erst auseinandersetzen, jedenfalls ist das für mich nicht erkennbar.

Die Verwendung von Mathematik – so Ortlieb – dient Ökonomen und Politikern als Rationalitätsfassade. Wer mit mathematischen Modellen argumentiert verhält sich rational und seiner Argumentation wird schon deshalb eine höhere Qualität zugesprochen. Es wird Exaktheit und Wissenschaftlichkeit vorgespiegelt und zur Legitimation herangezogen, ohne dass diese wirklich vorhanden wäre. Mathematik wird also als kommunikatives Instrument eingesetzt. Sie dient der Verfolgung von Zielen, die eben nicht exakt und wissenschaftlich abgeleitet sind sondern lediglich persönlichen, organisationalen oder  im besten Fall gesellschaftlichen Interessen entsprechen.

Mythen

Die Ökonomie als Sozialphysik gehört damit wohl in den Bereich dern Mythen. Mit solchen ökonomischen Mythen räum auch das Buch des britischen Autors David Orrel auf. Der Titel: Economyths (gibt es bei amazon). Ten Ways that economics gets it wrong.  Auch David Orrell sieht in der Ökonomie keine exakte Wissenschaft und auch er entlarvt deren pseudo mathematische Genauigkeit als Verkaufstrick, durch welchen die Ökonomie zur Königin der Sozialwissenschaften wurde, wie Norbert Häring im Handelsblatt vom 15.05.2010 treffend zusammen fasst.

Hier geht es zur Economyths Facebook Seite

Womit sich der Kreis mal wieder schliesst.  Denn die beschriebenen Verkaufstricks haben natürlich auch auf meinen beruflichen Werdegang Einfluss genommen bzw. „versucht“ diesen zu nehmen. Die gut gemeinten Ratschläge der gut meinenden Experten beruhten schliesslich auf diesen Verkaufstricks. Aber wir wisse ja alle:

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Also let´s swing.Wäre auch an Eurer swingenden Meinung insteressiert.

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Boris Janek

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