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Kevin und die Provokation?

Der Kevin von der SPD hat letzte Woche einen rausgelassen. Wenn er für Aufmerksamkeit sorgen und eine Diskussion in Gang bringen wollte, dann war er damit erfolgreich. Vergessen wir mal die Provokation mit BMW. Unternehmen mit anderen Eigentumsformen sind keine Utopie. Es gibt sie schon seit mehr als einem Jahrhundert. Sie nennen sich Genossenschaften und Jeremy Rifkin nannte sie die einzige Unternehmensform, die in einer „Null Grenzkosten Ökonomie“ noch überlebensfähig ist.

Die Empörten von links, aus der Mitte und von rechts haben davon noch nichts gehört. Selbst die Genossen aus der ehemaligen Arbeiterpartei glauben, die zunehmenden Ungleichheiten auf dieser Welt und innerhalb der Nationen, durch Reformen und Reförmchen aus den Rezeptbüchern der Vergangenheit lösen zu können.

Nun auf den ersten Blick scheint Kevin ja Ähnliches vorzuhaben, aber die exponentielle Weiterentwicklung von Technologien hat neue Lösungsmöglichkeiten aber auch neue Probleme hervorgerufen.

Genossenschaften und andere Formen von Sozialunternehmen (was ist ein purpose Unternehmen) können heute viel leichter gegründet und organisiert werden, wenn sich nur die Genossenschaften selber und vor allem deren Institutionen der Zukunft öffnen würden. Es ist wohl wie so oft, man möchte die eigenen Privilegien lieber nicht verlieren. Alles soll nur für die Anderen anders werden.  Alte Regeln, Gesetze, Verfahren, Werkzeuge und Haltungen werden erst mal als Waffe gegen die Träumer und Veränderer eingesetzt. Blöd auch, dass sie den Ball von Kevin nicht aufnehmen können, denn wer will sich schon mit Menschen solidarisieren, die heilige Kühe umstoßen möchten. Dabei wäre das ja jetzt eine Chance Genossenschaften und andere Sozialunternehmen in der breiten Öffentlichkeit zu thematisieren und die Menschen über diese Möglichkeiten aufzuklären


If US GDP were distributed equally, every household would make $160,000 per year.

Umair Haque – Are we ready for a post work world

Da war noch was – Worüber schreiben?

Vor einiger Zeit hatte ich meine Leser danach gefragt, worüber ich in Zukunft schreiben solle. Fintech erschien mir als Thema nicht mehr so ergiebig zu sein. Nicht nur, weil es inzwischen mit dem IT Finanzmagazin, dem Finletter, paymentandbanking, finanzszene.de und auch dem guten alten Bankblog genügend bessere Informationsquellen für das Thema gibt.

Vielmehr braucht man zum Schreiben Inspiration und das Herz muss das Thema fühlen. Da sind jedoch nicht mehr viele Gefühle, weil es offensichtlich auch keine Träume mehr in der Fintech Szene gibt. Alles wirkt so logisch und rational. Wir alle wissen, wie sich der Markt weiter entwickeln wird:

Alles was mit Finanzproblemen in Verbindung steht, wird in einem oder mehreren Ökosystemen aufgehen. Die Lösungen verketten nur noch menschliche Lebensbedürfnisse und auch die Lebensbedürfnisse von smarten Geräten und künstlichen Intelligenzen, sie treten immer weniger in unser Bewusstsein, bis sie ganz verschwinden. Dadurch werden immer weniger Unternehmen und Menschen in dieser ehemaligen Branche arbeiten und schließlich gibt es dazu gar nichts mehr zu sagen oder schreiben. Ob dieser Prozess nun 10 oder 50 Jahre dauert, ist egal. Es wird so – oder so ähnlich – kommen.

Also worüber soll ich schreiben. Meine Leser möchten eigentlich nicht so viel verändern. Als ob sie mich beruhigen möchten: „Es ist gut was Du machst, mach weiter wie bisher“. Geht aber nicht und wäre auch dumm, denn dann will doch keiner mehr lesen, was ich schreibe und dann kann ich doch auch ganz aufhören. Mache ich aber noch nicht. Keine Angst und auch keine Vorfreude J

Ich finde wir sollten weniger ernsthaft sein. Weniger auf Logik und Rationalität setzen. Wir sollten mehr träumen. Ich will jetzt hier mehr träumen. Also eigentlich meine ich ja mich, denn vielleicht träumt ihr ja viel und Rationalität und Logik sind bei Euch gar nicht an der Tagesordnung. Allerdings – wenn ihr in einer Bank arbeitet – kann ich das wohl ausschließen.

Und wenn wir träumen würden, wenn es den sicheren Raum gäbe, um die Träume der Nacht und die Tagträume einzubringen und an den Schnittstellen zwischen den Menschen auf eine höhere Ebene zu bringen, dann könnten wir uns Neu erfinden und würden nicht durch Maschinen ersetzt.

Mal ganz ehrlich. Ist eigentlich nicht so schlimm, wenn wir durch Technologie ersetzt werden. Wir verhalten uns ja selber wie triviale Maschinen. Danke Kevin für die Inspiration.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Michael May

    Als Vater zweier mittlerweile erwachsener Kinder beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit der Zukunft. Mit meinem nahenden Unruhestand werde ich dieses und andere Themen intensiver beackern. Stichwort „träumen“. Ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt. Vor lauter Realität und sekündlichen Nachrichten vergessen wir vielleicht, dass wir allein die Gestalter unseres Lebens sind und dies nicht delegieren können.

    Allerdings meine ich, dass wir vielleicht auch Grund zum Optimismus haben. Diese Gedanken habe ich in meinem ersten Beitrag auf Englisch festgehalten. Möglicherweise sind darin einige Dinge angesprochen, die einen Weg aus der Falle des Konsumismus bieten.
    https://mayconsult.wordpress.com/2019/05/17/the-old-will-change-the-world/

    Beste Grüße
    Michael May

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