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Keine Veränderung von Innen

Karriereratgeber oder Karriere Zeitschriften sind auch so eine Lektüre bei der sich mir regelmässig die Haare zu Berge stellen. Im Handelsblatt konnte der Berufsanfänger bzw. der an beruflicher Weiterentwicklung interessierte Mensch am vergangenen Freitag nachlesen, welche Qualifiktationen und Eigenschaften Banken von Bewerbern erwarten und was zu tun ist, um einen beachteten, anerkannten und geschätzten Karriereweg einschlagen zu können. Es ging kurz gesagt also darum: Welche Leistung sich eigentlich wieder lohnen soll oder kann.

Der erste Eindruck

Zunächst einmal dachte ich: Das habe ich doch schon einmal oder auch mehrere Male gelesen. Und – War das mit der Finanzkrise nur ein Traum?

Die nächste Frage, die mir direkt in den Sinn kam: Wie soll es in der Finanzbranche zu Veränderungen kommen, wenn die Ausbildungsgänge immer stärker durchstrukturiert und immer stärker auf Tugenden und Eigenschaften ausgerichtet sind, die den Prinzipien Befehl und Kontrolle folgen.

Was sagt der Ältestenrat

Ein erfahrener Personaler und Personalvermittler beschreibt die Anforderungen an Bewerber folgendermaßen:

Eine exzellente Berufsausbildung oder ein hochwertiges Universitätsstudium in den üblichen Fächern. Eventuell noch Mathematik und Physik.

Und als Soft Skills die Kompetenzen: Charakter, Persönlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Ehrbarkeit und Teamfähigkeit.

Nun will ich diese Kriterien und Eigenschaften nicht in Abrede stellen. Für mich klingt das aber wie das übliche „Mehr vom Gleichen“. Jenes Prinzip, dass gerade deutsche Unternehmen so sehr beherzigen, wenn es nicht mehr gut läuft.

Das alles klingt nach noch mehr Vorsicht, nach noch weniger Öffentlichkeit. Es klingt nicht nach Transparenz, Authentizität und Öffentlichkeit. Es klingt vor allem, als seien alle Banken gleich. Brauchen wirklich alle Banken Menschen vom selben Schlag, um zu bestehen?

Gesucht werden offenbar Menschen, um auf die Störungen von außen zu reagieren. Nicht erwünscht sind Mitarbeiter, die für Störungen sorgen, die neue Inputs bringen, die Banken und Geschäftsmodelle verändern möchten. Die Dinge besser, nachhaltiger und werthaltiger durchführen möchten.

Zudem blockiert die Branche mit eigenen auf die jeweilige Bankengruppe zugeschnittenen und für die Karriere innerhalb der  Bank unverzichtbaren Ausbildungsgängen, das Anziehen von Querdenkern und Innovatoren. Die beschriebenen Tugenden und Eigenschaften dürften zusätzlich nicht sehr attraktiv für die Generation „web2.0“ sein.

Geld regiert die Karriere

Neben dem Artikeln prominent platziert: Die Einstiegsgehälter der Branche. Damit wird sehr schön demonstriert. Das Einkommen spielt eine wichtige Rolle. Es wird als ein wesentlicher, wenn nicht sogar der wesentlichste Faktor für die Wahl des Berufes dargestellt. Qualitative Werte und Leidenschaft, Spass oder der Wunsch wirklich sinnvolle und nachhaltig werthaltige Arbeit zu verrichten werden an keiner Stelle erwähnt.

Zwar wird darauf hingewiesen, dass Genossenschaftsbanken vertrauen genießen und auch für Absolventen aktuell attraktiver werden, aber auch hier findet man nur wenig zu Anforderungen und Persönlichkeitsbildern die geeignet wären, an eine grundlegende Veränderung der Branche zu glauben.

Da wird ein rasanter Aufstieg in die Chefetage beschrieben, der Bedarf nach IT Kräften wird dargestellt, die langsame Genesung der Investmenthäuser wird  behauptet. Und auch hier sind vor allem hervorragende Noten und Finanzaffinität bevorzugte Eigenschaften und die Deutsche Bank wird mit der Aussage zitiert: “ Trotz der Finanzkrise planen wir langfristig und bilden unverändert jedes Jahr 600 junge Menschen aus.“ Sollte man nicht gerade wegen der Finanzkrise langfristig planen.  Darüber hinaus wollen sich die Investment Banken gar nicht so offen über ihre Personalentwicklung äußern. Schweigen ist offenbar Gold in diesen Zeiten.

Man darf gespannt sein, welche Risiken sich Banken mit solcherart rückwärts gerichteten und nach Innen orientierten Personalstrategien aussetzen. Zumindest muss befürchtet werden, dass auf eine sich immer schneller verändernde Umwelt immer schlechter reagiert werden kann. Die Innovatoren werden in anderen Branchen arbeiten und von dort die Banken verändern.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Ralf

    Mit einer solchen Personalstrategie hole ich mir die Leute ins Boot, denen Geld, Karriere und ein sicherer (langfristiger) Arbeitgeber wichtig sind. Von diesen Menschen darf man aber keine Veränderungen erwarten.

    • electrouncle

      Hallo Ralf,

      das denke ich auch. Und was denkst Du? Braucht man nicht auch Menschen, die bereit sind etwas zu verändern und kann Karriere und Veränderung nicht auch zusammen funktionieren? Was muss sicht tun?

  • Ralf

    Menschen können sich ja auch ändern. Und wer ein, zweimal eine positive Veränderung erlebt hat (z.B. Arbeitgeberwechsel, Aufgabenwechsel, …), der wird schnell merken, dass Flexibilität mehr bringt als Beharrlichkeit.

    Viel wichtiger ist es aber, schon bei der Auswahl des Arbeitgebers darauf zu achten, dass Wert auf Flexibilität gelegt wird. Und im Gegenzug sollte ein in die Zukunft blickender Arbeitgeber eher mit „Chancen“ um die Gunst neuer Arbeitnehmer buhlen als mit „Sicherheit“.

    „Kontinuität“ ist sicherlich wichtig, aber „kontinuierlich flexibel reagieren zu können “ ist besser 😉

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