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Gefangen im Hier und Jetzt

Mal wieder inspiriert von Chris Skinner

10.000 Jahre

Chris Skinner vom Financial Service Blog war auf einer Konferenz. Dies hat er zum Anlass genommen, um eine neue Artikel Serie anzukündigen, denn die Konferenz mit dem Namen „The long now – long term thinking and responsibility in the framework of the next 10.000 years“ hat wohl viel Stoff für weitere Inhalte geboten. Kein Wunder, wenn man sich über die nächsten 10.000 Jahre Gedanken macht, was sicherlich die meisten Menschen als absoluten Quatsch oder sinnlose Zeitverschwendung abtun würden.

The Long now

Die Konferenz beschäftigte sich – wie der Name bereits erahnen lässt – offenbar mit langfristigem Denken. Illustre Redner wie z.B. Brian Eno (er hielt die Eröffnungsrede) traten auf die Bühne. Brian Eno wird die Urheberschaft an dem Ausspruch „The Long now“ zugeschrieben, der ihm – wie er auf der Veranstaltung darstellte – erstmals in New York in den Sinn kam, als er feststellte, dass die meisten Menschen dort nur von Augenblick zu Augenblick denken und handeln. New York für viele Menschen nur der Arbeitsort, d.h. nur Ort eines temporären Aufenthaltes leidet darunter, dass diese Menschen ihr Handeln eben nur an dieser kurzen Zeitspanne ausrichten. Verantwortlichkeit und Nachhaltigkeit finden in diesem Kontext kaum statt.

Legislaturperiode

Wenn man Menschen – so Brian Eno – weiter heute nach ihrem Plan oder Lebensplan fragt, dann beziehen sich die Antworten meisten nur auf den nächsten Tag, die nächste Woche oder allenfalls noch den nächsten Monat. Keiner denkt an das ganze eigene Leben (z.B. die Versorgung im Alter) oder gar über das eigene Leben hinaus. Dieses kurzfristig Denken ist in der Tat einer der wesentlichen Gründe, warum es nicht zu nachhaltigen Veränderungen auch in der Finanzbranche kommt. Wir denken in Tagen, Wochen und Monaten: Wenn wir Politiker sind denken wir in Legislaturperioden oder bis zur nächsten Wahl (NRW Wahl). Wir versprechen unseren Bürgern Wachstum, weil es früher immer Wachstum gab und weil wir gelernt und gelehrt haben, dass Wachstum immer gut ist. Vor allem dann, wenn die negativen Effekte des Wachstums ausgeblendet werden. Was ja ebenfalls zu unseren unhinterfragten Selbstverständlichkeiten gehört.

Grundprinzipien

Chris Skinner berichtet in seinen beiden Beiträgen noch von einer Uhr, die mit dem Ziel entwickelt wurde 10.000 Jahre zu halten und bei deren Bau deshalb die folgenden Grundprinzipien beachtet wurden:

Langlebigkeit
Wartbarkeit
Transparenz
Entwickelbarkeit
Skalierbarkeit

Dies sind nach Chris Skinner wesentliche Prinzipien für alles was wir mit dem Anspruch der Langlebigkeit (10.000 Jahre) entwickeln. Diese Prinzipien sind vor allem deshalb wichtig, weil Menschen eben nur einen minimalen Bruchteil dieser Zeitspanne leben können und die Praktiken zur Aufrechterhaltung der Entwicklungen somit von Generation zu Generation übermittelt werden können. Am Beispiel des New Oxford Colleges stellt Chris Skinner dieses langfristige Denken dar, denn schon beim Bau dieses Gebäudes wurde ein Wald angelegt, in welchem das Holz wächst, dass heute zur Renovierung bestimmter Gebäudeelemente genutzt wird. Und bei der kürzlichen Renovierung wurde erneut ein entsprechender Wald angelegt.

Solches Verhalten hilft langfrisitg auch viel Geld zu sparen. Auch hierzu gibt es ein schönes Beispiel im Originalartikel. Neben dem Fehlen der Langfristigkeit in unserem Denken fehlt natürlich auch die Fähigkeit auf kurzfristige Gewinne verzichten zu können bzw. diese in der Erkenntnis aufzuschieben, dass die langfristigen Gewinne viel höher sein können. Wir kennen dies ja gerade aus dem Wertpapiergeschäft und auch unsere Unternehmen und das Handeln in diesen ist auf kurzfristigkeit angelegt.

Gefangene

Wir sind – so meine Meinung – gefangen im Hier und Jetzt. Und da muss man sich gar nichts vormachen. Das gilt für fast alle von uns. Ich muss nicht lange nachdenken, um hier ein persönliches Beispiel zu finden. Wir sind darüber hinaus, gefangen durch den Erfolg der Vergangenheit. Nichts macht so schwerfällig und leichtsinnig wie der Erfolg der Vergangenheit.

Ihre/Eure Meinung?

Was können wir also tun, um uns aus der „Hier und Jetzt“ Falle zu befreien. Ich bin gespannt auf die nächsten Ideen und Gedanken von Chris Skinner.Aber würde mich auch über Diskussionen an dieser Stelle freuen

Die Originalartikel von Chris Skinner

http://thefinanser.co.uk/fsclub/2010/02/the-long-now-of-finance.html

http://thefinanser.co.uk/fsclub/2010/02/the-long-now-of-finance-part-two.html

http://thefinanser.co.uk/fsclub/2010/02/the-long-now-of-finance-part-three.html

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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