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Führen in unsicheren Zeiten

Die Zeiten sind unsicher. Komplexität und Chaos bestimmen dies Zeit. Keine einfache Aufgabe für ein Lebewesen, dessen ältester Teil des Gehirns darauf ausgerichtet ist Sicherheit zu suchen und Unsicherheit zu vermeiden. Dafür hat unser Körper verschiedene eingespielte Verfahren und Prinzipien parat, die uns zumeist nicht bewusst sind und die wir (noch) nicht kontrollieren können. Je wichtiger Technologie in unserem Leben wird, insbesondere Software – die wir nicht anfassen und sehen und damit in ihrer Wirkung auch schlechter verstehen können – desto wichtiger wird es, den eigenen Körper und vor allem das eigene Gehirn kennen und verstehen zu lernen.


„The world is no longer linear, it is no longer relative, it is no longer quantum – it is chaotic! Or more precisely, it is linear and relativistic and quantic and chaotic.“

Marion, Bruno. Chaos, a User’s Guide: Solutions for Developing Ourselves, our Communities and Organizations in a Chaotic World . Unknown. Kindle-Version.


Die Auseinandersetzung mit uns selbst. Neurologische, soziologische, psychologische und anthropologische Kenntnisse, sind auch die Voraussetzung für moderne Führung, die weit über die Orientierung am persönlichen, organisatorischen oder auch nationalen Erfolg hinaus gehen muss, denn in dieser technologisch vernetzten Welt hat alles mit allem und jeder mit jedem zu tun. Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann die Ausgangsbedingungen für die Entwicklung des Wetters fundamental verändern.

Gute Führung muss sich heute an dieser Vernetzung und den Wechselwirkungen orientieren, sie muss über das eigene Ego und die eigene Identität hinausgehen und – wie Margaret J. Wheatley es formuliert – wieder tiefer in den menschlichen Wurzeln verankert sein, damit jeder seine Kraft und seinen Einfluss nutzt, um Inseln der Vernunft zu schaffen, die unsere besten menschlichen Qualitäten hervorrufen. Sie sind die Basis, um zu gestalten, zu erschaffen, zu produzieren oder zu innovieren.

Innovation ist dann auch nicht mehr alles was Neu und machbar ist. Gerade heute muss Innovation auch immer wieder hinterfragt und auf den Prüfstand gestellt werden. Sie muss sich des Zweifels bedienen – wie es Wolf Lotter in seinem Buch Innovation – Streitschrift für barrierefreies Denken – fordert. Was ist dann zum Beispiel Innovation in der Finanzbranche? Was hilft den Menschen wirklich, welche Nebenwirkungen entstehen? Macht uns das Neue wirklich menschlicher bzw. wohnt es unseren menschlichen Qualitäten inne? Oder geben wir mit einer Innovation für unsere Freiheit, Sozialität und Gesundheit wichtiges zugunsten eines oberflächlichen Triebes oder durch künstliche Bildung von Gewohnheiten auf?


Ein neues Innovationsverständnis braucht kritisches Zweifeln: Man soll dem Neuen einiges zutrauen, aber blind vertrauen muss man ihm nicht.“

Lotter, Wolf. Innovation: Streitschrift für barrierefreies Denken (German Edition) . Edition Körber. Kindle-Version.


Die neue Art der Führung

Neben Margaret J Wheatley empfehle ich die Auseinandersetzung bzw. Beschäftigung mit den Arbeiten von Sahana Chattopadhyay. Sie sind das spannendste, das ich in den letzten Monaten über Führung gelesen habe. Ich möchte deshalb Ihre Thesen zur Führung und zur inneren Führung gerne kurz darstellen. Sie entstammen 2 Medium Artikeln, die ihr im Anhang findet.

Führung braucht angesichts einer völlig neuartigen komplexen und chaotischen Umwelt ein anderes Spektrum an Fähigkeiten und Qualitäten.

Diese sind:

  • Unnachgiebiger Glaube an das menschliche Potenzial
  • Wirkung ist wichtiger als Einfluss nehmen oder gewinnen und sollte insofern auch mehr wertgeschätzt werden.
  • Wir brauchen ein tiefes Verständnis für unsere (die menschliche) Zusammengehörigkeit, Verbundenheit und Interdependenz.
  • Wir müssen Unsicherheit akzeptieren und als nicht vollständig auflösbar erkennen und deshalb lernen in Unsicherheit zu verbleiben. Antworten kommen möglicherweise auf natürliche Weise. Es gibt eine Kohärenz des Universums, eine verborgene Ordnung, die Einzelpersonen und Organisationen ständig auf die nächste Entwicklungsstufe treibt.
  • Wir sollten aus einem offenen Geist und einem offenen Herzen handeln. Loslassen was uns zurückhält.
  • Vertrauen in die Emergenz. Dafür ist es wichtig vom Experten zum Lernenden zu werden, im Sinne eines aktiven Prozesses, bei dem wir im Liminalraum bleiben, tief zuhören und alle unsere Sinneswahrnehmungskapazitäten nutzen und offen bleiben für das, was sich manifestieren will.

„Das Leben verändert sich durch Emergenz, nicht schrittweise. Statt der einfachen Summe von Einzelteilen mischt das Leben alles in Beziehungsgeflechten und produziert etwas Neues.“

Wheatley, Margaret J…. Wen wollen wir sein? (S.226). Berrett-Koehler Verlag. Kindle-Version.


Die innere Reise der Führung
Die innere Reise der Führungskraft

Die innere Reise der Führungskraft

Bevor eine Führungskraft diese neuen Fähigkeiten und Qualitäten anwenden kann, muss sie eine innere Reise machen und diese ständig wiederholen.

Die Veränderung beginnt bei uns und nicht bei der Frage: Wie wir die Anderen verändern können bzw. warum die Anderen sich nicht verändern?

Wahre Führung entsteht, wenn man Menschen dazu anregt und inspiriert, ihr höchstes Selbst zu sein, ihre tiefsten Träume und Wünsche zu erfüllen.

  • Wir brauchen also  eine Sensibilisierung für Verzerrungen und Muster. Unser Unterbewusstsein entscheidet für uns. Wir müssen unser Verhalten wieder ans Licht bringen. Warum entscheiden wir, wie wir entscheiden? Warum handeln wir, wie wir handeln? Warum nutzen wir Praktiken, die erlebbar nicht mehr funktionieren?
  • Wir benötigen Empathie für unsere eigenen innere Ängste. Wir müssen und dürfen diese zulassen und auch offen zeigen. Eine Führungskraft muss nicht hart, durchsetzungsfähig, sicher, stark und unverwundbar sein. Sie darf überzeugbar sein. Sie darf etwas nicht wissen, verwirrt und ratlos sein. Dadurch eröffnen sich Chancen, auch für die Mitarbeiter, die so mutiger eigene Ideen und Gedanken einbringen werden.
  • Wir sollten uns nicht zu sehr mit der eigenen Position identifizieren ,stattdessen auch auf Distanz zu dieser Position gehen können, um damit neue Entscheidungs- und Verhaltensräume zu eröffnen und nicht von falschen und überhöhten Erwartungen und Eigen -Zuschreibungen erdrückt zu werden.
  • Geführt von einem inneren Kompass. Wir brauchen eine Art inneren Kompass und sollten wieder ganzheitlich leben.

  • Ganzheitlich Leben. Intakte Integrität. Seele und Rolle wieder miteinander verbinden. Auf die künstliche Trennung zwischen den Rollen, die wir einnehmen, verzichten. Wir dürfen ein ganzheitlicher und integerer Mensch sein. Seele und Rolle dürfen sich wieder miteinander verbinden.

Quellen:

https://medium.com/age-of-emergence/leading-in-uncertain-times-48a688f05f8e

https://medium.com/activate-the-future/leading-in-uncertain-times-the-journey-within-d0d28d2c1884

Who do we choose to be, Facing Reality, Claiming Leadership, Restoring Sanity. Margaret J Wheatley

Innovation, Streitschrift für barrierefreies Denken. Wolf Lotter

Marion, Bruno. Chaos, a User’s Guide: Solutions for Developing Ourselves, our Communities and Organizations in a Chaotic World . Bruno Marion


Photo by Kim Teves on Unsplash

Photo by Ivan Jevtic on Unsplash

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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