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Finterview: Permagold

Finterview: Permagold

Es gilt jetzt langsam Fahrt aufzunehmen. Nicht nur für mich als Blogger, sondern auch für alle Entrepreneure, Intrapreneure, Genopreneure und alle anderen, die das Gefühl haben, man darf die Digitalisierung nicht einfach über sich kommen lassen. Stattessen ist die 4. industrielle Revolution eine Chance auf mehr Gleichheit, Menschlichkeit und Nachhaltigkeit. Man darf sie einfach nicht den Falschen oder üblichen Verdächtigen überlassen.

 

Ein Grund weshalb es 2018 etwas andere Finterviews geben wird und ich ich vor allem auf der Suche nach besonderen Startups und Startup Ideen bin. Dabei interessieren mich neben der Idee auch für Startups ungewöhnliche Gesellschaftsformen. Bei Permagold bin ich schon einmal fündig geworden.

 

Und hier ist das Finterview mit dem Vorstandsvorsitzenden Jens Uwe Sauer

 


 

Erzähle uns kurz etwas zu Deinem Startup oder Deiner Gründung. Was ist Eure Lösung und welches Kundenproblem löst ihr?

Mit Permagold lassen wir genossenschaftlich konventionell genutztes Agrarland in Permakultur erblühen und erzeugen damit Tonnen unbelasteter, nährstoffreicher Lebensmittel. Unsere Mitglieder profitieren damit von einem vielfachen Impact: sie leisten ihren Beitrag zum Klimaschutz, erhalten die Bio-Lebensmittel zum Vorteilspreis und erhalten ab dem ersten Tag eine Verzinsung von 3 % p. a. auf ihre Einlagen. Sobald dann Gewinne erzielt werden, wird die Rendite rückwirkend ausgezahlt. Die Investitionen in Sachwerte mit dem zukunftsträchtigen Anbaukonzept verbinden wir so zu einer risikoarmen Anlageoption mit wichtigem Impact auf unsere Umwelt.

 

Warum habt ihr gegründet? Was war Euer Antrieb?

Das Insektensterben, überlastete Böden und pestizidbelastete Nahrung sind stark diskutierte Themen. Daher wollen wir mit Permakultur wieder richtig gesunde und nährstoffreiche Bio-Lebensmittel zu einer Selbstverständlichkeit machen. Niemand soll Angst davor haben müssen, dass ihn sein Essen krank macht oder die Umwelt zerstört.

 

Ihr habt Euch dafür entschieden eine Genossenschaft zu gründen. Warum habt ihr Euch für diese Rechtsform entschieden?

Die Genossenschaft passt als demokratischste Rechtsform am besten zu unserem Konzept der Schwarmfinanzierung und den Werten die wir als Unternehmen leben wollen. Die Genossenschaft zieht ihre Kraft aus der Gemeinschaft, in der viele etwas bewirken, was ein einzelner nicht kann. Genauso ist es in der Schwarmfinanzierung. Die Teilhabe auf Augenhöhe ist in unseren Augen zudem ein ganz wichtiger Aspekt der in unserer Gesellschaft noch viel stärker Einzug halten muss.

 

War es schwierig eine Genossenschaft zu gründen? Welche Hürden müsstet ihr überwinden?

Grundsätzlich waren die Gewerbeanmeldung und die Zulassung vom Genossenschaftsverband glücklicherweise sehr problemlos. Lediglich mit unseren Steuerberatern saßen wir lang an der Entwicklung einer geeigneten Lösung für die Verzinsung. Aber auch da haben wir eine gute Lösung finden können, die Mitglieder der ersten Stunde nicht benachteiligt, sondern ihnen einen einmaligen Bonuszins zur ersten Gewinnausschüttung gewährt.
Das erste Funding während der Weihnachtszeit hat uns dann noch vor eine nicht ganz einfache Situation gestellt. Das mediale Feuerwerk aus Werbung, Weihnachtsliedern und Spendenaktionen die auf jeden einzelnen Menschen im Moment hereinprasseln lässt uns nicht viel Luft. Wir bekommen aber wunderbare Unterstützung von allen Seiten, um unsere Botschaft auch in der Weihnachtszeit zu den Menschen zu tragen.

 

Angesichts der Hürden oder ganz allgemein, was würdet ihr euch wünschen, damit das gründen von Genossenschaften einfacher wird?

Unsere Hürden sind recht speziell und lassen sich nicht ohne Weiteres auf alle Genossenschaften projizieren. Letztlich ist es mit anderen Gesellschaftsformen genauso komplex, die Rahmenbedingungen richtig abzustecken, um das Startup auf ein solides und skalierbares Fundament zu stellen. Da gilt es den nötigen Weitblick mitzubringen, wenn es darum geht den gewerblichen Zweck zu definieren und zu überlegen, was die gewählte Rechtsform für Rechte und Möglichkeiten bietet.
Einen wichtigen Wunsch haben wir aber.

. Hier gab es mit der Gesetzesänderung im Sommer einen herben Rückschritt und lässt uns keine Chance auf ein papierloses Büro.

 

Jeremy Rifkin schreibt in seinem Buch die Null Grenzkosten Gesellschaft, dass Genossenschaften möglicherweise die einzige Unternehmensform sein wird, die in einer digitalen Ökonomie noch tragfähig sind. Wie seht ihr das?

Da die Genossenschaft auf der Teilhabe der Mitglieder und der wirtschaftlichen Förderung möglichst vieler Menschen beruht, bringt sie in jedem Fall wichtige Voraussetzungen für das Bestehen in der digitalen Ökonomie mit. Sie ermöglicht einer breiten Gesellschaftsschicht den Einstieg in eigentlich verschlossene Märkte. Und das schon mit geringem finanziellen Aufwand. Die wirtschaftliche Beteiligung in einer Genossenschaft bildet also die Grundlage für die demokratisierten Märkte und somit durchaus eine sinnvolle Option einer Unternehmensform in diesem Kontext.

 



Sind kooperative Unternehmensformen oder Genossenschaften die exemplarische Gründungsform postkapitalistischen Gründens? Was sind andere Instrumente, die Gründer nutzen könnten, um sozialere, nachhaltigere und weniger dem VC Wachstumszwang ausgesetzte Startups zu gründen?

Im Hinblick auf den Förderauftrag gegenüber den Mitgliedern sind Genossenschaften durchaus als Sinnbild in diesem Zusammenhang zu verstehen. Wobei ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wirtschaftlichkeit und Idealismus unabdingbar ist. Auch wer nicht Gewinnmaximiert handelt, verzichtet dadurch nicht gänzlich darauf, Geld zu verdienen.
Passende Instrumente für eine sozialere und nachhaltige Unternehmensphilosophie, auf die wir selbst auch zurückgreifen, sind meiner Meinung nach die unterschiedlichen Formen der Schwarmfinanzierung oder auch die Komponenten-Gründung. Die wichtigsten Leistungsträger für deine Unternehmung unterstützen dich beim Start mit Know-how oder auch finanziell und wachsen mit dir gemeinsam. Das allein birgt ungeheures Einsparpotential und selbst Posten, die du so nicht abdecken kannst und unentbehrlich sind, gibt es gegebenenfalls staatliche Förderung und Bezuschussung.

 

Welche Rolle spielen Digtale Technologien bei der der Gündung von Genossenschaften. Gibt es Technologien die förderlich sind z.B. Blockchain oder kann es sogar sein, dass die Fähigkeit Kooperationen einzugehen in einer Welt, die sich vom Businessmodel Design zum Value Design entwickelt- sogar wichtiger als Daten werden?

Etablierte digitale Technologien binden wir selbstverständlich wie jedes andere Unternehmen ein und setzen schon aus Ressourcengründen auf ein fast papierloses Büro und eine digitale Generalversammlung. Auch später in der Vertriebs-Logistik wird ein sinnvolles Steuerungstool zum Einsatz kommen. Speziell für Genossenschaften bieten sich allerdings schon jetzt Blockchain und ähnliche Instrumente an. Eine Arbeitsgruppe erarbeitet für uns daher gerade testweise ein internes Währungsmodell für den Kauf unserer Lebensmittel, Anteile oder auch die Verzinsung. Der Apfel wird sinnbildlich zur Währung und wir könnten uns Transaktionskosten über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg sparen. Das ist für uns ein wahnsinnig spannendes Experiment und wir sind neugierig darauf, ob und wie es sich in die Realität umsetzen ließe.

 

Was würdet ihr herkömmlichen Genossenschaften empfehlen im Hinblick auf die digitale Ökonomie? Was wünscht ihr Euch von Ihnen?

Dass sie sich die Vorteile der digitalen Ökonomie entsprechend auch zu Nutze machen. Sei es in der Verwaltung oder in der Usability für ihre Mitglieder. Wer nahbar und lösungsorientiert kommuniziert, stärkt nicht nur die Attraktivität der Mitgliedschaft sondern kommt eben diesem Codex nach, den eine Genossenschaft erst ausmacht.

 

Was muss passieren, damit mehr junge Gründer genossenschaftliche Startups gründen?

Es müsste vermutlich nur die Schere zwischen dem angestaubten Image der Genossenschaften und dem Hype um Crowdinvesting weiter geschlossen werden. Beides ist sich sehr ähnlich, aber wir sehen den deutlichen Vorteil bei den Genossenschaften durch das Mitspracherecht der Mitglieder. Denn der Kern ist letztlich die Sicht und Wahrnehmung des Kunden. Deine Mitglieder sind immer auch die erste Zielgruppe für eine Genossenschaft. Eine sehr wohlwollende und leicht erreichbare Zielgruppe.

 

Welche Ziele verfolgt ihr mit eurem Unternehmen im nächsten Jahr?

Wir wollen mit den ersten Projekten bereits kommendes Jahr in den Markt und die ersten gesunden Lebensmittel anbieten. Dazu arbeiten wir stark daran mit unserer Botschaft eine bis zu fünfstellige Mitgliederzahl zu gewinnen und dann auch bereits ins vierte Projekt starten.

 

Wie organisiert und führt ihr euer Unternehmen? Gibt es so etwas wie kooperative Organisations- und Führungsregeln?

 

Unser gesamtes Handeln bestimmt vor allem das Empowering und die Kooperation. Von unseren Mitarbeitern bis zu unseren Landwirten stellen wir alle verfügbaren Ressourcen und Werkzeuge zur Verfügung, damit sie selbst aktiv werden können. Wir befähigen Menschen und gehen den Weg mit ihnen in Partnerschaft statt in Konkurrenz. Und das ganz ohne Abhängigkeiten zu etablieren. Diese Gratwanderung beschreibt vielleicht am besten, dass wir im Vorstand zwar alleinvertretungsberechtigt sind, also im Zweifel möglichst schlank agieren können, aber regulär jeden Beschluss gemeinsam fassen möchten.

 

Letzte Frage: Wie wird man Mitglied und sucht ihr aktuell Mitglieder?

Jederzeit nehmen wir Mitglieder auf. Interessierte entscheiden selbst wie viele Anteile für je 50 Euro sie zeichnen wollen und senden uns ihre ausgefüllte Beitrittserklärung. Sobald unsere Vorstände den Antrag unterzeichnet haben und die Zahlung bei uns eingegangen ist, zählen wir bereits ein weiteres Mitglied. Es gibt keine jährlich geforderte Zahlung oder eine Nachschusspflicht, wobei die Einlagen natürlich ebenso jederzeit erhöht werden können.

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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