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Finterview: Fundamental Capital

Vom Aufstieg der Algorithmen und der künstlichen Intelligenz konnten in den letzten Jahren zahlreiche Industrien profitieren. Ob bei der Analyse des Online-Shopping-Verhaltens, bei der Entwicklung von selbstfahrenden Autos oder bei einer einfachen Partie Schach – oft hilft die dort eingesetzte Technologie Prozesse und Entscheidungen zu verbessern, um somit ein effizienteres Ergebnis zu erzielen. Auch die Finanzindustrie bleibt von dieser Entwicklung nicht unberührt. Eine zentrale Rolle spielen dabei sogenannte Robo Advisors, die die Technologie von smarten Algorithmen nutzen, um Portfolios kostengünstig aufzubauen und automatisiert verwalten zu lassen. Im Finterview beantworten die Gründer von Fundamental Capital, einem Online-Vermögensverwalter mit Robo-Advisory Solution auf Einzeltitelbasis, meine Fragen.

 

Warum habt Ihr Fundamental Capital gegründet?

Für uns war immer klar, dass gute Investmentprodukte alles andere als komplex sein müssen. Viele aus unserem Verwandten- und Netzwerkkreis sind zu uns gekommen, total aufgewühlt von hundert Seiten Fondsbericht oder falschen Renditeversprechungen, und meinten: „Warum muss das so kompliziert sein?“ Das war der Ansporn für uns, Fundamental Capital zu gründen. Wir wollten endlich ein Produkt, das nicht nur hochprofessionell anlegt, sondern auch für jedermann sofort greifbar ist. Und da wir es nirgends gefunden haben, entschieden wir uns es selbst zu machen.

 

Welches Kundenproblem möchtet Ihr lösen?

Die klassische Vermögensverwaltung ist geprägt durch Intransparenz, hohen Kosten und eher mittelmäßige Ergebnisse. Viele Kunden, die hohe quantitative sowie qualitative Ansprüche an ihre Investments haben, wurden daher bisher enttäuscht. Das Problem sind dabei nicht nur fehlende digitale Angebote ohne Medienbruch, sondern gleichzeitig das Fehlen von intelligenten Investmentstrategien, die automatisiert und ohne emotionale Einflüsse wie Gier oder Angst Chancen erhöhen und Risiken minimieren können. Genau hier setzt Fundamental Capital mit seiner Technologie an, die automatisiert 99 Prozent aller Unternehmen weltweit analysiert und so smarte Aktienportfolios erstellt. Gleichzeitig soll der eigentliche Sinn des Aktienmarktes wieder in den Vordergrund gestellt werden: hervorragenden Unternehmen Kapital zur Verfügung zu stellen, um gemeinsam und vor allem langfristig zu profitieren. Die Kommunikation zwischen Investor, Unternehmen und Fundamental Capital sowie das Eintauchen in die Unternehmen durch exklusive redaktionelle Inhalte spielen dabei eine entscheidende Rolle. Getreu dem Motto: „Smart Investing by Data“ bieten wir dem Kunden die Möglichkeit, hochtechnologisch und trotzdem transparent und verständlich zu investieren.

 

 Was ist eure Value Proposition?

Fundamental Capital kombiniert jahrzehntelange Finanzmarkterfahrung mit einem einzigartigen Investmentansatz und zukunftsweisenden Technologien aus verschiedenen Bereichen in einem Markt, der Wachstumsraten von über 100 Prozent pro Jahr hat und aufgrund der Regulation durch sehr hohe Einstiegshürden für Mitbewerber gekennzeichnet ist. Gleichzeitig ist Fundamental Capital an keine Vertriebsvorgaben gebunden und durch eine schlanke Unternehmensstruktur vollständig unabhängig, wodurch wir auch in schweren Marktphasen flexibler reagieren können als unsere Konkurrenten aus dem Robo-Segment. Fundamental ist somit weder das semi-digitale Nebenprojekt einer klassischen Vermögensverwaltung noch der Online-Vertriebskanal für bestehende Fonds- oder ETFs, sondern eine transparente, unabhängige und vor allem technologische Investmentlösung für eine anspruchsvolle Zielgruppe.

 

Wie finanziert sich Fundamental Capital heute?

Derzeit wird Fundamental Capital durch Business Angels unterstützt. So konnte das Fundament für die Ausweitung der Infrastruktur, für den Ausbau des Teams sowie für den Erhalt der eigenen § 32 KWG Lizenz gelegt werden. Für das weitere Wachstum und die Vision, der quantitative Aktienspezialist in Europa zu werden, laufen zurzeit Gespräche für weitere Finanzierungen.

 

Bitte beschreibt kurz euer Geschäftsmodell?

Fundamental Capital ist eine digitale Vermögensverwaltung, die sich auf die automatisierte Geldanlage in Aktien spezialisiert hat und mit Hilfe von Algorithmen nach den Prinzipien erfolgreicher Value-Investoren handelt. Das Besondere dabei: Die Investmentstrategie wird nicht wie bei den Wettbewerbern mithilfe von ETF-Portfolios umgesetzt. Fundamental investiert unternehmerisch – und kauft Einzeltitel in die Anlegerportfolios. Mit diesem Ansatz ist Fundamental Capital einer der ersten digitalen Vermögensverwalter, der das Geld der Anleger automatisiert und direkt in Aktien investiert und damit überdurchschnittliche Renditen erzeugen kann.

 

Wie setzt sich euer Team zusammen?

Hinter Fundamental Capital steht derzeit ein zehnköpfiges Team aus Ingenieuren, Data Scientists und Finanzmarktexperten rund um den erfahrenen Vermögensverwalter Uwe Zimmer, der bereits zahlreiche Unternehmen bei der Kapitalmarktbegleitung und Digitalisierung begleitet hat. Der technologische Schwerpunkt des Teams soll in den nächsten Monaten noch weiter ausgebaut werden.

 

 

 

Kurze Antwort: Banken lieber disruptieren oder integrieren (Enabler)?

Allein schon, weil wir für die Konto- und Depotführung unserer Kunden mit einer Bank zusammenarbeiten, sehen wir Banken zuallererst als Partner, nicht als Feinde an. Daher kann von Disruption keine Rede sein.

 

Was könnt ihr besser als Banken?

Während sich die Bank in vielen diversen Felder behaupten muss – und damit oft wenig von den angebotenen Investmentprodukten versteht, können wir uns ausschließlich auf das Investieren konzentrieren. Damit sind wir nicht nur digitaler und wesentlich effizienter als eine Bank, sondern können auch unabhängiger agieren. Bei uns geht es nicht um den Abschluss einer Provision oder um das schnelle Befüllen eines Fonds, sondern ganz einfach um verständliches und profitables Investieren.

 

Wo seht Ihr die größten Herausforderungen in der Zukunft? Für euch und die Finanzbranche?

Die Einführung von quantitativen Methoden an den Finanzmärkten ist die Spitze einer tiefgreifenden Veränderung, die nicht nur die globale Finanzwelt verändern wird, sondern auch Fragen über die heutige Investitionspolitik der Branche aufwirft. Programmierer, Physiker und Statistiker sagen dabei den bisher diskretionären Verwaltern und Investmentmanagern den Kampf an. Fern von klassischer Finanztheorie oder Bankausbildung, schreiben Naturwissenschaftler Algorithmen und selbstlernende Investmentansätze, die die bisherige Leistung von Portfoliomanagern verbessern und letztlich ersetzen soll. Die Arbeit von Hunderten oder gar Tausenden Analysten kann dabei von einer Instanz erledigt werden. Das spart Zeit und Kosten – vor allem auf der Kundenseite. Damit verlagert sich die Macht der Branche auf diejenigen, die über die beste Technologie verfügen.

 

Wie erfolgt eure Marktbearbeitung/-eroberung?

Mit unserem online-basierten Service und einem Mindestanlagebetrag von 50.000 Euro sprechen wir ja vor allem digital-affine Anleger mit besonders hohen Ansprüchen an ihre Geldanlage an. Um sie abzuholen, bieten wir sämtliche Services und Prozesse online an. So versorgen wir unsere Kunden durch unsere App mit umfassenden Informationen zu ihrem Portfolio und den Unternehmen, in die sie investieren. Flankierend dazu setzen wir auch sonst konsequent auf größtmögliche Transparenz und Öffentlichkeit, damit sich auch Nicht-Kunden, etwa über die Finanzpresse, von unserem Angebot überzeugen können.

 

Welche Pläne habt ihr konkret für 2018?

Natürlich möchten wir möglichst viele zufriedene Anleger gewinnen, die sowohl die Performance als auch das Investment-Erlebnis zu schätzen wissen. Anschließend planen wir unser Produkt noch um weitere Anlagestrategien zu erweitern und diese auch in weiteren Ländern anzubieten. 2018 wird also für die langfristige Ausrichtung des Unternehmens ein spannendes Jahr.

 

Wer sind eure Wettbewerber?

Generell konkurrieren wir mit allen Dienstleistern im Bereich Vermögensverwaltung. Hier sprechen wir zum einen von klassischen Vermögensverwaltern und Fondslösungen – Hedgefonds mit eingeschlossen – und zum anderen von digitalen Vermögensverwaltern, vor allem wenn sie um ähnliche Mindestbeträge (ab 50.000 Euro bei Fundamental Capital) werben und eine aktive Anlagestrategie anbieten.

 

Habt Ihr vielleicht einen Tipp für andere Gründer?

Versucht nicht, andere zu kopieren, sondern macht etwas Eigenes. Denn wenn ihr nur das macht, was alle machen, sind eure Erfolgsaussichten immer begrenzt.

 

Welches Fintech Unternehmen (außer das Eigene) oder welche Bank beeindruckt euch aktuell besonders

International begeistert uns vor allem Numerai, da wir hier einen komplett neuen Investment-Ansatz beobachten können. Banktechnisch sind wir Fans von N26 – hier gefällt uns die Einfachheit und Verständlichkeit der Produkte.

 

Link auf die Internetseite von Fundamental Capital

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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