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Finterview: Finiatas

Finterview: Finiata

Erst vor einigen Tagen machte die Meldung die Runde, dass es Sebastian Diemer gelungen ist eine Series A Finanzierung von 10 Millionen Euro zu bekommen. Der Finletter berichtete heute darüber. Finanzszene.de war etwas schneller, deshalb hier der Link auf mehr Infos. Um Finiata geht es auch im letzten Finterview des Jahres.  Finiatas Country Manager Danel La Marca“erläutert, wieso Bankhäuser mit ihren Factoring-Angeboten zur Rechnungsvorfinanzierung bislang die Bedürfnisse etlicher Marktteilnehmer außen vor ließen. In diese Marktlücke stößt Finiata nun mit einer effizienten digitalen Lösung vor. Unternehmen jeder Größe, sogar Freiberufler, können in wenigen Minuten ausstehende Rechnungen vorfinanzieren. Daniel erläutert die Idee und wie Machine Learning es möglich macht, Beträge für offene Rechnungen bis zu 90 Tage im voraus auszuzahlen.

 

1. Was war der Anlass, Finiata zu gründen?

Nach heutigen Bankenstandards gelten 70 Prozent aller Freiberufler, Selbstständigen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen als kreditunwürdig. Das liegt insbesondere daran, dass die meisten Anbieter mit veralteten Offline-Scoring-Modellen arbeiten. Dabei haben gerade Freiberufler, die bislang kaum eine Chance auf eine rasche Rechnungsvorfinanzierung hatten, die größten Liquiditätsschwierigkeiten bei ausstehenden Rechnungen. Wir möchten Freiberuflern, Selbstständigen sowie KMUs zu Liquidität verhelfen – und so zu ihrem unternehmerischen Erfolg beitragen. Sie haben dadurch die Freiheit, sich auf das zu konzentrieren, was zählt – ihr Unternehmen.

 

Welches Kundenproblem möchtet Ihr lösen?

Finiata hilft Freiberuflern, Selbstständigen und Unternehmen jeder Art, lange Zahlungsziele zu überbrücken. Wir geben ihnen kurzfristig und auf unkomplizierte Art und Weise Zugang zu Working Capital, das sie meist nicht bei einer gängigen Bank erhalten würden. Bis zu 90 Tagen können Unternehmen jeglicher Größe bis maximal 50.000 Euro pro vorzufinanzierender Rechnung erhalten und zwar unabhängig vom Zahlungsziel. Ursachen für kurzfristige Liquiditätsengpässe können dabei ganz unterschiedlich sein: Beispielsweise dringend erforderliche kurzfristige Investitionen im Rahmen eines neuen Projekts, ausstehende Rechnungen oder auch unerwartete Ereignisse wie etwa der Ausfall von Maschinen oder Betriebsschäden. Wer als Unternehmer dann nicht schnell finanziellen Spielraum erhält, gerät rasch in die Bredouille.

 

 Was ist Eure Value Proposition?

Wir bieten Working Capital ohne Papierkram, ohne Laufzeit und innerhalb weniger Minuten. Dies geschieht in Form der Ausweisung eines Finanzierungsrahmens, innerhalb dessen unsere Kunden ihre Rechnungen sofort ausgezahlt bekommen und hiermit verlässlich absehen und planen können, wie viele einzelne Rechnungen sie über uns vorfinanzieren lassen können.

 

Wie finanziert sich Finiata heute?

Wir finanzieren uns durch Gebühren, die wir für das Vorfinanzieren von Rechnungen erhalten. Für unseren Markteintritt konnten wir zudem namhafte Investoren gewinnen. Unter anderem haben uns die Venture-Kapitalgeber dN Capital, PointNine Capital, Fly Ventures,  Redalpine und La Famiglia unterstützt. Jüngst haben wir 18 Millionen Euro eingesammelt, davon zehn Millionen in einer Series A mit alten und neuen VCs. Neu hinzugekommen sind auch zwei strategische Investoren: Kulczyk Investments und Enern. Unsere neuen Investoren sind sehr hilfreich für unsere Vision, da sie uns über den üblichen VC-Mehrwert strategisch und operativ in unseren Zielmärkten Wettbewerbsvorteile verschaffen. Mit Kulzcyk Investments und ENERN haben wir nun Partner an Bord, die ein erstklassiges Netzwerk an Banken, Distribution und Regulation in unseren avisierten Märkten eröffnen können.

 

Wie setzt sich Euer Team zusammen?

Bei uns beschäftigen sich 45 Prozent unserer Mitarbeiter mit der Software-Entwicklung, 25 Prozent mit dem Produkt und 30 Prozent mit der Kommerzialisierung.

 

Was meint Ihr: Werden Banken disruptieren oder eher integrieren?

Eine marginale Disruption ist notwendig, um zu zeigen, dass unsere Vision funktioniert. Viele Prozesse traditioneller Banken sind heutzutage überholt. Sie brauchen häufig zu lange, um neue innovative Lösungen zu entwickeln, arbeiten größtenteils offline, generell zu langwierig und somit nicht im Kundeninteresse. Allerdings verfügen Banken bereits über einen bestehenden Kundenstamm und genießen Vertrauen auf dem Markt. Daher ist es mittelfristig unser Ansatz, unsere Lösung mit Banken als Partner flächendeckend anzubieten.

 

Was könnt Ihr besser als Banken?

Im Gegensatz zu Banken bieten wir ein flexibles Scoring – online und in wenigen Minuten. Außerdem haben unsere Kunden den Vorteil, dass sie sich nicht mit langen Wartezeiten oder mühseligem Papierkram herumschlagen müssen. Hervorzuheben ist insbesondere, dass wir keine Mindestanforderungen an unsere Kunden haben. Wir bieten die Lösung der Rechnungsvorfinanzierung unabhängig vom Gründungszeitraum, der Größe und der Branche des Kunden an. Das ganze ist so effizient, weil ein selbstlernender Algorithmus innerhalb weniger Minuten automatisch das Scoring vornimmt – Stichwort Machine Learning.

 

Wo seht Ihr die größten Herausforderungen in der Zukunft? Für Fintech und die Finanzbranche?

Auch wenn ich es nicht unbedingt als Herausforderung bezeichnen würde: Meines Erachtens ist es wichtig, dass immer mehr Menschen und Unternehmer Fintechs als echte wie glaubwürdige Alternative zu Bank- oder sonstigen traditionellen Finanzdienstleistungen wahrnehmen. Vertrauen ist gerade im Finanzbereich ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

 

Wie erfolgt eure Marktbearbeitung/-eroberung?

Da unser Produkt eine weit gefächerte Zielgruppe erreicht und ohne Mindestanforderungen wirklich für jeden zugänglich ist, wachsen wir organisch.

 

Welche Pläne habt Ihr konkret für die nächsten sechs Monate?

Neben dem Wachstum in Deutschland planen wir aktuell die Expansion ins europäische Ausland. In Polen haben wir den Markt bereits erfolgreich durchdrungen. Zwei weitere Länder stehen für die nahe Zukunft auf unserer Roadmap.

 

Wer sind Eure Wettbewerber?

Online-Rechnungsvorfinanzierung  ist ein wachsender Markt, wie eine aktuelle Studie des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand gezeigt hat. Neben den traditionellen Banken, gibt es inzwischen einige Unternehmen, die Online-Rechnungsvorfinanzierung  vermeintlich für jedermann anbieten. De facto ist es allerdings so, dass die Mindestanforderungen dieser Online-Anbieter sehr hoch sind. Beispielsweise müssen Rechnungssteller und Rechnungsempfänger oft eine GmbH sein, wodurch Freiberufler und UG automatisch wegfallen. Darüber hinaus müssen die Unternehmen häufig auch noch einen Mindestjahresumsatz vorweisen.

 

Welche Auswirkungen wird die PSD2 Richtlinie auf die Finanzbranche haben? Erwartet Ihr Euch davon Vorteile?

Zahlungsauslösungsdienste sowie Kontoinformationsdienste werden künftig reguliert. Dies wird für uns jedoch keine unmittelbare Auswirkung haben. Da sich insbesondere die Regulierung von Zahlungsauslösungsdiensten vorwiegend im B2C-Bereich erstrecken wird, wir uns aber im B2B-Bereich bewegen, sehe ich hier keinen gesonderten Vorteil.

 

Hier können sich Freiberufler und KMU anmelden.

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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