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Finanzgespräche

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich noch nie mit Freunden oder gar Verwandten über Geld bzw. Geldanlagen gesprochen. Ganz im Gegenteil. Ich empfand es immer als eine sehr
schätzenswerte Eigenschaft meines Freundeskreises, dass Geld eigentlich nie ein Thema war. Gespräche über Finanzen nahmen -so meine Sichtweise – in der Regel recht unangenehme Formen an. Die Regel des Volksmundes, „Über Geld spricht man nicht“ ,beherzige ich auch heute noch.

Nur. Wer über Geld nich spricht, kann auch nicht von den Erfahrungen anderer Personen profitieren. Die Gefahr einen Fehler mehrmals zu begehen, steigt potentiell. Auf der anderen Seite kommt es auch nicht zur Belastung einer Freundschaft. Eine schlechte Empfehlung eines Bankberaters kann man bzw. muss man noch aktzeptieren und es gibt prinzipiell Möglichkeiten sein Recht und eventuell auch sein Geld (wieder) zu bekommen. Bei Freunden geht dann doch meistens noch viel mehr verloren.

Gespräche über Finanzen unter Freunden sind heute in Deutschland doch noch eher die Ausnahme. Das liegt sicherlich an ganz vielen unterschiedlichen Faktoren. Was sich dann aber erst einmal kulturell verfestigt hat, wird in der Regel ohne Hinterfragung so lange weiter betrieben, bis – meistens in den Randbezirken – einer Kultur erste Zweifel an der Richtigkeit der „Regel“ oder des „Verhaltens“ entstehen. Dann kann es sein, dass die Diskussion auch bis ins Zentrum der Gesellschaft rückt. Was wiederum eine gewisse Chance bietet, dass es zu Veränderungen kommt. Aber es kann eben nur sein und es besteht eine Chance. Keine Garantie.

Die Chance steigt, wenn es zu krisenhaften Zuständen kommt. Eine Finanzkrise zum Beispiel. In den USA, wo die Finanzrkrise besonders heftig wirkt, waren Gespräche über die persönlichen finanziellen Verhältnisse offensichtlich auch schon immer ein Tabu Thema. Die Huffington Post berichtet nun in einem Artikel von „Tanene Allison“ über ein auch für amerikanische Verhältnisse neues Phänomen. „Talking about personal Finances- the final Taboo?. Geschildert wird ein eher persönliches Erlebnis: Bei einer housewarming Party zeigen die Einladenden den Gästen das Hausprojekt und decken dabei die vollständige Finanzierung und die eigenen finanzielle Situation auf. Das Ziel: Finanzgespräche, um voneinander zu lernen, Wissen zu teilen und einander zu helfen. Dinge für die man heute in der Regel noch zur Bank geht.

Hier ein Zitat aus dem Artikel:

„The recession might have made our country more open to having honest discussions about personal finances, at least in relation mit political conversation about the economy, but the recent economic crisis also highlights how important it is that these discussions become more regular and widespread. At the same time, all these conversations I´v had have highlighted how rare it still is for people to feel safe to regularly engage in such discussions“

Dem ist eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen. Finanzgespräche helfen. Sie können uns ein Stück weit unabhängiger und selbstbewusster bei finanziellen und wirtschaftlichen Entscheidungen machen. Sie finden unter Freunden mit Menschen statt denen man Vertrauen kann und deren Kompetenz man in der Regel – aufgrund langjähriger Bekanntschaft oder entsprechender transparenter Online Tools – auch ganz gut einschätzen kann. Also ich leg dann mal los. Mal gespannt wie meine Freunde so reagieren.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Ronald

    Hallo Boris!

    Da mein Bruder und ich in einer Bank arbeiten bzw. gearbeitet haben und mein Vater im Aufsichtsrat einer Raiffeisenbank tätig ist, sind Gespräche über Geld und entsprechende Diskussionen eher normal.

    Und auch im Bekannten- und Verwandtenkreis wird man als „Fachmann“ gerne mal angesprochen und um Rat gefragt. Dann aber natürlich meist „im Vertrauen“ und nicht vor großem Publikum.

    Bisher las man doch eigentlich immer, dass gerade im anglo-amerikanischen Raum wesentlich offener übers Gehalt und Geld im Allgemeinen gesprochen wird.

    So kenn ich das auch von Freunden in England.

    Vielleicht ist aber gerade dieses „vertrauen“ auf die „guten Tipps“ von Freunden und Bekannten auch eine der vielen Ursachen für die Krise.

    So wie 2000 bei der Internet-Blase, wo hier plötzlich an jedem Stammtisch ein Börseninvestor gesessen hat und sich alle gegenseitig in eine grenzenlose Gier getrieben haben.

    In England und den USA liefs ja mit den Immobilien und den Kreditkartenschulden dann ganz ähnlich.

    Freunde und Banken haben die Menschen da gemeinsam in den Abgrund getrieben… die Gier, sich alles leisten zu wollen und dabei auch noch fette Gewinne zu machen wurden durch niemanden gebremst.

    Da ist man hierzulande doch wesentlich zurückhaltender – sowohl die Kunden, als auch die Banken.

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