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Finance Forum in Wiesbaden am 02.06 und 03.06.2009

Am 02.06.09 besuchte ich das erste Finance Forum in Wiesbaden. Danke noch mal an Torsten Hahn für die Freikarte. Da mir das Programm des ersten Tages attraktiver erschien, habe ich mich auch für den Besuch dieses Tages entschieden.  Im Mittelpunkt standen die Themen Innovation und neue Geschäftsmodelle. Ich habe einige Vorträge besucht, viele interessante Gespräche geführt und zum guten Abschluss gab es noch ein kostenloses Bier aus meiner Lieblingsstadt Köln. Ein Kölsch.  Torsten Hahn sei erneut Dank dafür.

Das Publikum bestand übrigens zu gut 98 % aus Männern und diese waren entweder in schwarzen, dunkelblauen oder grauen Anzügen gekleidet. Zumindest in Sachen Kleidung war es mit Innovation also nicht so weit her. Insofern dominerten natürlich auch weisse und hellblaue Hemden und rote Krawatten.

Auch der, zwar sehr schöne allerdings eher traditionelle, Veranstaltungsort, das Kurhaus in Wiesbaden, hatte in Sachen Innovation keinen symbolträchtigen Charakter.

Von den Vorträgen, die ich mir anschauen konnte, war der Beitrag von Axel Liebetrau vom Zukunftsinstitut der spannendste, wenn man auch deutlich den Eindruck gewinnen konnte, dass Herr Liebetrau absichtlich eher zurückhaltend agierte und bei den Anwesenden nicht zu sehr das Gefühl „kognitiver Dissonanz“ erzeugen wollte. Den Vortrag von Herrn Professor Burghof von der Universität Hohenheim konnte ich leider nicht verfolgen. In der anschließenden Diskussionsrunde war Herr Burghof sehr kritisch und wartete mit den- wie ich meine- „richtigen“ Fragen und Antworten auf. Hier kam dann auch mal ein Hauch von Wertedsikussion in Gang, was insgesamt vollkommen auf der Stecke blieb.

Hier  in Stichworten die wichtigsten und interessantesten Aspekte aus dem Vortrag von Axel Liebtrau:

Wie die Bank der Zukunft aussehen könnte

Banken haben die Chance aber auch die Verpflichtung ihre Zukunft selbst zu gestalten.

Banking ist damit vor allem auch eine  gestalterische Aufgabe

Mehrwert wird zukünftig  nicht mehr bzw. immer weniger durch weitere Prozess- oder Kostenoptimierung erreicht.

Mehrwertschöpfung entsteht durch Ideen Generierung.

Wen sollte man sich als Beispiel für die Bank der Zukunft nehmen. Die überraschende Antwort:

Nespresso als Vorbild für eine Bank:

Kaffee als Luxusgut und als Erlebnis. 97 % Verkauf im Internet, nur 3 % im Ladengeschäft. Allerdings wirken vor allem die Ladengeschäfte Marken bildend und sie emotionalisieren das Produkterlebnis.

Sehr einfache Transaktion. Sehr emotionaler Brand. George Clooney als sehr weite Kreise erreichendes Role Model. Nachhaltigkeit (Universal Design)

Beispiele für innovative Ideen in der Finanzwelt:

Über die meisten habe ich hier schon berichtet

Beispiel – Shoe Box – Rundum sorglos Service – Rechnungen im Schuhkarton, werden abgeholt.

Beispiele von expensr oder mint. – Personal Finance Management

Einfachheit als Prinzip.

Beispiel stockflock – Kunden tauschen sich untereinander über Finanzprodukte aus.

Sellaband – neue Finanzierungsformen

Prosper- Angebot Kunden bekommen Infos von anderen Kunden und helfen einander in finanziellen Angelegenheiten – vollkommener Finanz Strip

Käse statt Zinsen der GLS Gemeinschaftsbank

Puma barbeque – mit entwickeln von Produkten

Finanz Soap  mit Produkten die man kaufen kann – Südamerika. (Das fand ich besonders interessant und ungewöhnlich)

Wallstrip – Börseninfos in mtv optik – Investment show für die generation you tube –cbs steht dahinter

Tipps und Tricks um für die Zukunft gerüstet zu sein

Trendnähe steigern – Näher am Trend sein

Perspektive erweitern – nicht nur bankintern denken; auch andere Branchen als Ideengeber  sehen

Neues Denken – z.b. female world.  Kulturelle Vielfalt, branchenfremde mit rein nehmen, neue Lebensstile berücksichtigen.

Das Individuum im Zentrum – Mikro Zielgruppe – kein Schubladen denken.

Ideenaustausch fördern z.B. auch durch Enterprise 2.0 zum Beispiel – Procter & Gamble – Lunch Börse – Onlne Verabredungen

Für Herrn Liebtrau stellt die Finanzkrise auch eine Chance dar, um die vorhandenen Geschäftsmodelle und eingefahrenen Prozesse zu überdenken und sich neu zu erfinden.

Mein Fazit der Veranstaltung:

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Finanzkrise bei den Banken noch nicht so richtig angekommen ist. In jedem Fall hatte ich nicht den Eindruck, dass zum Beispiel eine Werte Diskussion stattfand bzw. stattfindet. Kritische Fragen wurden nicht gestellt oder diskutiert. Fragen wurden ohnehin  – zumindest in den Vorträgen, die ich mir angeschaut habe- nur sporadisch gestellt. Die wenigen Fragen zur Ursache der Finanzkrise und der Verantwortung der Banken wurden in der Regel ausweichend behandelt. Wenn es Kritik gab, dann bezog sich diese eher auf die Eingriffe des Staates. In einem Beitrag wurde dann beispielsweise besseres Riskiomanagement als ein Instrument gesehen, um zukünftig Ereignisse wie die Bankenkrise zu verhindern. Unternehmen, die Kredite aufnehmen möchten, sollen strenger und intensiver geprüft werden. Meine Frage hierzu: War  das Übersehen von Risiken nicht  im System angelegt?  Kein Risikomanagement System hätte diese Finanzkrise verhindern können, da alle bis zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Systeme Blind für diese Probleme waren oder sein mussten.

Es kann eigentlich  auch nicht richtig sein den schwarzen Peter einseitig an die potentiellen Kreditnehmer weiter zu geben. Wer so handelt ist dazu verdammt, den selben Fehler mindestens zweimal zu machen.

Was darüber hinaus noch auffiel, zumidest hatte ich diesen Eindruck, dass einige Branchen Vertreter – wenn sie von Innovation sprechen, eher aus einer Innenperspektive handeln. Innovation ist eher das, was der Bank nutzt. Und diese für die Bank nützlichen Produkte, Dienstleistungen etc. gilt es so zu verkaufen, dass der Verbraucher oder Kunde den Eindruck gewinnt, dies sei dann auch für ihn nützlich.

Aber: Märkte sind Gespräche. Zuhören ist in diesem Zusammenhang keine falsche Aktivität. Wenn man dann noch an der richtigen Stelle zuhört und auch mal mit denen spricht, die nicht Teil des Systems sind, dann könnte man eventuell ganz neue Impulse erhalten. Finanzdienstleister, da bin ich mit Axel Liebetrau einer Meinung,  brauchen Störungen. Sie brauchen zum Beispiel branchenfremde Einflüsse, die Diskussion mit Querdenkern und Kritikern oder die Erkenntnis, dass neue Wege besser sein können als die alten und ausgetretenen, denen schon so viele gefolgt sind

In diesem Sinne

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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