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Eyjafallajökull und die Finanzbranche

Ich erinnere mich gerade an die Titelmelodie einer meiner Lieblingsfernsehserienaus  meiner Kindheit: Neues aus Uhlenbusch,

Für Gockel Konstantin hat fliegen keinen Sinn, er muss am Boden bleiben und uns die Zeit vertrieben

Am Boden bleiben müssen in Nord- und Westeuropa aktuell auch viele Flugzeuge und damit auch Menschen, die entweder in Urlaub möchten oder beruflich durch die Welt hetzen müssen. Manchmal tut Entspannung ja sehr gut und manchmal wird Veränderung geradezu erzwungen. Man stelle sich mal vor, was passieren würde, wenn der Vulkan und sein nur 20 Kilometer entfernt liegender grösserer Kollege, ähnlich lange und intensiv Lava spucken würden, wie zuletzt im Jahr 1821. Könnte es sein, dass wir dann monatelang nicht mehr fliegen können. Und was wären die Folgen?

Eyjafallajökull und Kaupthing

Schon wieder Island könnte man  denken, denn auch die Finanzkrise haben wir in Europa erst durch das Ende der Kaupthing Bank so richtig mitbekommen. Und auch die Finanzkrise zwingt uns zu Veränderungen. Während uns die Natur aber keinerlei Ausweg lässt, gelingt es im Finanzmarkt den negativen und zerstörerischen Kräften immer wieder notwendige Veränderungen einzufangen und so auszurichten, dass der eigene (und leider nur der eigene) Schaden sich in Grenzen hält.

In der gestrigen Ausgabe des Handelsblattes findet man zahlreiche Beweise dafür, dass Menschen sich mit Veränderungen sehr schwer tun und vor allem gar nicht mehr erkennen, dass prinzipiell alles veränderbar ist. Und man muss schon stark an der Lernfähigkeit der Menschheit zweifeln, wenn Vertreter von Banken jetzt schon wieder Staaten angreifen und Forderungen stellen können.  Der Steuerzahler soll jetzt nämlich noch in den Topf einzahlen, der zukünftig die Banken retten soll, wenn sie sich wieder einmal verspekuliert haben. Was sicherlich schnell wieder passieren wird. Denn wenn man einen vermeindlichen Sicherheitsschirm aufspannt, dann wird die Risikobereitschaft zunehmen.

Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit

Als Menschen lesen wir gerne, dass die Finanzkrise jetzt schon wieder bald vorbei sein soll. Sich die Aktienmärkte erholen, die Arbeitslosigkeit sinkt und das Wachstum wieder zunimmt. Die Mühe der Hinterfragung lohnt sich auch gar nicht, denn Menschen brauchen Sicherheit. Bei Säuglingen nennt man das Urvertrauen und wenn unsere Welt ins wanken gerät und wir kognitive Dissonanz verspüren, machen wir uns auf die Suche nach Konsonanz. Da reicht es dann manchmal schon aus, einfach keine Zeitungen mehr zu lesen oder nur noch bestimmte Fernsehsendungen anzuschauen und auf das Internet verzichtet man besser vollständig. So bekommen nur wenige Menschen mit, dass die Milliardenverluste von Morgan Stanley bei ihren Immobilienspekulationen eventuell schon auf die nächste Stufe der Finanzkrise hindeuten und  manchen Unternehmen – wie z.B. Goldmann Sachs – wohl jedes Mittel recht ist, um das eigene Geschäft anzukurbeln.

Retten oder nicht retten

Wenn man dann realisiert, dass sich eigentlich gar nichts verändert hat und die Rettung der Banken dazu führt, dass es eigentlich weiter geht wie zuvor, erwischt man sich bei dem Gedanken, dass es vielleicht besser gewesen wäre, man hätte die Banken nicht gerettet und hätte dadurch die Welt dazu gezwungen sich neu zu erfinden. Ungefähr so, wie es gerade die isländischen Vulkane tun.

Von Clay Shirky habe ich vor einigen Tagen einen hierzu passenden Artikel gefunden. In „The Collapse of Complex Business Models“ bezieht er sich auf ein Buch von Joseph Tainter mit dem Titel „The Collapse of Complex Societies“. In diesem Buch untersuchte Tainter bemerkenswert weit entwickelte und erfolgreiche Gesellschaften wie z.B. die Römer und die Mayas und ermittelte woran diese Gesellschaften letztlich scheiterten.  Seine Erkenntnis ist dabei recht einfach und nachvollziehbar und sie hat durchaus auch Aspekte, welche für unsere heutige Zeit, die Finanzbranche und auch die Banken gelten könnte.

Nach Tainter erlangt durch eine ideale Kombination aus sozialer Organisation und günstigen ökologischen Umständen zu einem Überfluss an Ressourcen. Um diese Ressourcen zu managen wird eine Gesellschaft immer komplexer. Diese Komplexität ist zunächst eher positiv. Jede zusätzliches Stück an Komplexität führt zunächst zu erhöhtem Output. Doch nach einer Zeit führt das Gesetz des abnehmenden Ertrags zu abnehmenden Grenznutzen, bis er schliesslich ganz verschwindet. Danach führt jede Komplexitätserhöhung zu mehr Kosten.

Gesetze des Scheiterns

Die beschriebenen Gesellschaften scheiterten daran, dass die jeweilige Elite mit jeder weiteren bürokratischen Regel oder neuen Nachfage der Umwelt schliesslich alle Werte entzog, die entzogen oder verbraucht werden konnten. Wenn dann besondere Krisen bzw. ungewöhnliche Herausforderungen entstanden, fehlte die Flexibilität noch entsprechend zu reagieren.

Wir können nicht zurück

Gesellschaften aber auch Unternehmen sind dabei vor allem nicht in der Lage – so Clay Shirky – Dinge wieder zu vereinfachen. Menschen können nicht von Komplexität wieder auf Simplizität schalten.

Bureaucracies temporalily reverse the second law of thermodynamics. In a bureaucracy, it´s easier to make a process more complex than make it simpler, and easier  to create a new burden than kill an old one.

Die vielen dummen Regeln die wir eigentlich „killen“ müssten, bleiben deshalb erhalten oder werden noch verschärft. Hierin liegt offensichtlich auch der Grund, dass so viele Branchen und Institutionen sich den durch das Internet hervorgerufenen Veränderungen so hilflos gegenüber sehen. Bestehende Unternehmen können nicht mit Vereinfachung reagieren. Die neuen Unternehmen haben es da leichter. Sie können einfach anfangen und einfach bleiben. Und in der Tat kommen gerade viele neue und von jungen Menschen gegründete Unternehmen mit Lösungen und Unternehmenspraxen daher, die meine Generation kaum noch zu verstehen scheint.

Bei Clay Shirky klingt dies dann so:

Diller, Brill and Murdoch seem be stating a simple fact  we will have to pay them – but this fact is not in fact a fact. Instead, it is a choice, one its proponents often decline to spell out in full, because, spelled out full, it would read something like this:

Web Users will have to pay for what they watch and use, or else we will have to stop making content in the costly and complex way we have grown accustomed to making it.  And we don´t know how to do that.

Für die Finanzindustrie müsste man zu costly and complex eventuell noch das Wort eigennützig und eventuell sogar noch selbstreferentiell hinzufügen.

Wobei in der Finanzindustrie natürlich auch nicht alle über einen Kamm geschoren werden können. In diesem Sinne jetzt noch mal zu Gockel Konstantin.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=gJHdyBTT-cw]

Und was denkt Ihr?

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Karl-heinz Krönes

    Vulkanes Europa FlugVekehr Störung des
    Luftraum

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