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Es gibt keine Todsünden, aber

Es gibt keine Todsünden, aber…

Im Payment Banking Blog schrieb Jochen Siegert über die Todsünden der Digitalisierung. Ich möchte  und kann Jochen nicht widersprechen, denn alles was er beschreibt, findet in Banken tatsächlich tatsächlich statt. Die „Todsünden“helfen nicht dabei sich neu aufzustellen. Stattdessen wiegen sie die Bank in Sicherheit, denn es wird ja etwas gemacht. In Wirklichkeit werden die Probleme dadurch noch größer. Die lange Lunte brennt und es knallt später um so lauter.

 

Todsünden sind eine Todsünde

Nun sind die Todsünden eine Erfindung der katholischen Kirche. Also eine menschliche Erfindung, die wohl dem Zweck diente, viele Menschen dazu bewegen, so zu denken und zu handeln wie es für wenige Menschen, die in erster Linie an Macht, Reichtum und Herrschaft über andere interessiert waren, gut war. Sie sind demnach also auch das absolute Gegenteil von Veränderung und Innovation. Und wer wollte den Banken verbieten, sich zu verändern.

 

Komplex ist nicht kompliziert

Die immer dezentralere Welt aus Augen der auf Zentren ausgerichteten Vergangenheit zu betrachten, scheint mir deshalb keine so gute Strategie  zu sein. Die Führungskräfte – denen hier die 7 Todsünden vor Augen gehalten werden – haben in der Regel gar nicht gelernt, dem Neuen auch mit neuen Mitteln zu begegnen. Sie sehen sich nach wie vor in einer komplizierten statt in einer komplexen Welt.

 

Bevor es weiter geht, hier die Aufzählung der 7 Todsünden, die Banken begehen können:


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Es sind die Glaubensvorstellungen

Das Problem der Führungskräfte und ehrlich gesagt von uns allen liegt aber doch ganz woanders. Unsere grundlegenden Glaubensvorstellungen, die wir im Laufe unserer Sozialisation erlernt und ganz tief in unserem Bewusstsein abgelegt haben und unsere Art zu lernen also uns diese Glaubenssätze immer wieder zu bestätigen, stehen uns im Weg. Denn wir halten unsere Glaubensvorstellungen für exakte Repräsentationen der Welt, während sie eigentlich nur einigermaßen geeignete Modelle sind, um sich in eine komplexen, multidimensionalen und unbekannten Realität zurechtzufinden. Und wenn sich die Welt in den letzten 20 bis 30 Jahren nicht in Richtung erlebbare Exponentialität verändert hätte, dann wäre auch alles vielleicht noch gut.

 

9 Auswege von Dave Gray

Um der rekursiven Zirkularität unser Glaubensvorstellungen zu entfliehen, müssten wir in erster Linie an uns arbeiten. Dave Gray nennt in seinem Buch „Liminal Thinking“ einige Prinzipien als Ausweg:

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  1. Erkenne, dass Du nicht objektiv bist und auch nicht objektiv sein kannst.
  2. Leere Deine Tasse: Du kannst nur neues lernen, wenn Du altes gehen lässt und vergisst. Beobachte, vermeide Urteile, lerne.
  3. Schaffe sicheren Raum. Es ist wichtig, das grundlegende Bedürfnis zu verstehen. Menschen werden ihre tiefsten Bedürfnisse aber nie äußern, wenn sie sich nicht sicher, respektiert und akzeptiert fühlen.
  4. Betrachte Situationen aus möglichst vielen verschiedenen Perspektiven. Ziehe in Betracht, dass andere und auch widersprechende Glaubensvorstelungen vielleicht auch wahr sein könnten. Wenn etwas keinen Sinn für Dich macht, dann hast Du es vielleicht noch nicht erkannt oder durchschaut.
  5. Stelle Fragen, baue Verbindungen auf. Versuche die Hoffnungen, Träume und Frustrationen von Menschen zu verstehen. Erforsche das soziale System und vernetze Dich um neue Möglichkeiten zu kreiieren.
  6. Disruptiere Routinen. Viele Glaubensvorstellungen  sind in tiefe, habituelle Routinen eingebettet, die wie ein Autopilot funktionieren. Disputiere diese Routinen, um neue Möglichkeiten zu erzeugen.
  7. Agiere wie im Hier und Jetzt. Du kannst Glaubensvorstellungen testen, auch wenn Du selber nicht glaubst, dass sie wahr sind. Alles was Du tun musst, ist so zu handeln als wären sie wahr. Dann beobachte was passiert. Wenn Du etwas findest, was funktioniert, mache mehr davon.
  8. Erzeuge Sinn mit Geschichten. Wenn man Menschen Fakten ohne Geschichten gibt, werden sie es in ihren existierenden Glaubensvorstellungen erklären. Der beste Weg um eine neue oder verschiedene Glaubensvorstellung zu erzeugen, ist nicht durch Fakten sondern durch Geschichten.
  9. Entwickle Dich selbst. Wenn Du weißt was Wandel mit Dir persönlich macht, hast Du eine bessere Chance Deine Ziele zu erreichen. Wenn Du die Welt – oder auch nur Deine Branche oder Deine Organisation – verändern möchtest, dann musst Du bereit sein, Dich selber zu verändern

 

Ein Zusatztipp von mir

Und wenn Du dazu nicht bereit bist, dann trete einen Schritt zurück und lass die anderen machen.

 

Photo via Visual Hunt

 

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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