title

Blog

Eine Vision die keine war

Vor gut zwei Monaten hatte ich die Gelegenheit dem Bankmagazin meine Vision der Bank im Jahr 2020 darzustellen.  Am Anfang des neuen Jahrzehnts scheint es so, dass viele von mir angesprochenen Punkte schon viel schneller Realität werden könnten. Dies betrifft besonders die technologischen Aspekte meiner Aussage, denn Banken waren gegenüber technologischen Veränderungen, welche ihnen Kosteneinsparungen und Effizienzverbesserungen versprechen, schon immer sehr offen. Aber machen sie sich selbst ein Bild:

Die Bank in der Hosentasche

Die Generation der „Digital Natives“, die mit dem Internet aufgewachsen ist, hat deutlich größeres Vertrauen in Handy-Anwendungen als die heute über 40-Jährigen. Daher wagt Boris Janek die Vorhersage: „Mit dem Smartphone – oder wie auch immer das künftige Gerät heißen wird – können alle Finanztransaktionen durchgeführt werden.“
Das gehe sogar so weit, dass „ich über mein Mobiltelefon mein Konto sperren und entsperren kann, wann immer ich es will“.

Persönliches Finanzmanagement in Echtzeit

Künftig auf einen Blick einen kompletten Überblick über alle Finanzen zu erhalten, darauf hofft Boris Janek. Seine Vision: „ Das Mobiltelefon ist direkt mit meinem Konto verdrahtet. Wenn ich also irgendwo bezahle, dann kann ich die Transaktion direkt in Echtzeit auf meinem Konto sehen. Mein Kontostand wird ständig aktualisiert. Dieser Kontostand ist unabhängig von einer Bank. Mein persönlicher Finanzmanager ist zu jeder Zeit über jede einzelne Kontobewegung auf allen meinen Konten informiert.“

Verbindung zum und Abgleich mit dem Kaufverhalten

Boris Janeks Vorstellungen gehen sogar noch weiter: „Der persönliche und mobile Online-Finanzmanager analysiert mein Kaufverhalten. Er vergleicht es mit zurückliegenden Zeiträumen, führt Prognosen durch und ist auch in der Lage festzustellen, ob es ein  ähnliches Produkt woanders zu einem besseren Preis  mit besseren Finanzierungskonditionen gibt.

Austauch mit Dritten (selbst definierte Privatheit)

Noch reine Web 2.0-Zukunftsmusik ist Janeks Vorstellung, diese Information – auf der gleichen Plattform – auch an Dritte wei-terzugeben.„Die anderen Nutzer könnten mir aus eigenen Erfahrungen heraus Tipps geben“, hofft der Volksbank-Visionär. Dabei werde sich künftig dieKommunikation über Finanzthemen längst nicht mehr nur in spezialisierten Geld-Communities, etwa Onvis¬ta, abspielen: „Kontoinformationen kann ich ebenso wie alle anderen Transaktionen über jeden gewünschten Kanal einsehen oder aus-tauschen. Mein Konto ist damit auf Twitter, bei Facebook, wo immer ich es wünsche. Der Besuch einer Banken-Website und das mühevolle Einloggen in meine verschiedenen Banking-Applikationen ist überflüssig.

Filialen

Die Bank ist entraumt“, sagt Boris Janek voraus. „Sie sucht Unterschlupf in Cafés, Einzelhandelsgeschäften und Kiosken. Es gibt nur noch wenige, aber dafür umso luxuriösere Filialen, in denen ich mich von Mitarbeitern in entspannter Atmosphäre beraten lassen kann.

In entvölkerten ländlichen Regionen werden nur noch Self Service Center existieren“, sagt „Electrouncle“ Janek voraus. Hier wird Beratung auch technikgestützt über Online-Beratungs-Terminals stattfinden. Im Zentrum aller Finanztransaktionen wird in zehn Jahren aber das Internet stehen. Jegliche Art von Finanztransaktion kann dann fallabschließend online erledigt werden, und es wird keine Altersgruppe mehr geben, die das nicht nutzt.

Bargeld

Bargeld ist nicht mehr erforderlich. Die Geldbörse ist passé.“ Derzeit wird in Deutschland noch deutlich häufiger mit Bargeld gezahlt als in vielen anderen Ländern. Aber künftig würden die meisten Bezahlvorgänge, für die heute noch Cash benötigt wird, berührungslos vonstatten gehen, meint „Electrouncle“. Auch dabei werde das Mobiltelefon eine
große Rolle spielen.

Produktverkauf

Die Mitarbeiter können mir aber alle Produkte verkaufen, die ich haben möchte. Das Girokonto von der Deutschen Bank, den Fonds von Union Investment, die Kreditkarte von Amazon, das Online-Banking von Facebook“, sagt Boris Janek voraus. „Damit wird die Bank der Zukunft auch eigentlich keine Bank mehr sein, zumindest nicht im heute üblichen Sinne.“ Jedes Unternehmen könne Bankprodukte anbieten.

Auch branchenfremde Anbieter werden sich in den kommenden Jahren im Finanzsektor ausbreiten. Janek prophezeit: „Wer regelmäßig Bücher bei Amazon oder Musik bei Apple kauft, wird von diesen Unternehmen auch kostenlose Konten usw. angeboten bekommen und diese auch dort erwerben.

Vertrauen spielt dabei durchaus eine Rolle, aber Vertrauen entsteht hier durch Zufriedenheit mit einem anderen Produkt, das einen wahren und emotionalen Wert fürden Kunden hat.“

Die eigene Bank

Konsumenten werden sich überdies vermehrt zusammenschließen, ein eigenes Bankprodukt entwickeln und dieses von einem Partner umsetzen lassen. Dies ist das aktuell als revolutionär angesehen Grund-konzept der Fidor Bank, die für jeden umge-setzten Produktvorschlag 1.000 Euro zahlt. Dabei könnten diese Finanzprodukte nach Janeks Vision sogar weiterverkauft werden. „Die Konsumenten werden so zu Produzenten, die mit eigenen Finanzprodukten sogar selber Einnahmen erwirtschaften.

Die soziale Bank

Die Bank der Zukunft wird transparent, authentisch, nachhaltig und wertorientiert sein, durch das Internet hat der Kunde die Macht übernommen. Er entscheidet wo, wie und mit wem er sich über Finanzen austauscht.

Mehr Staat

Die Bank der Zukunft wird aber nicht nur von Kunden kontrolliert sondern auch verstärkt durch staatliche Institutionen. Es gibt deshalb mehr Banken die nur für die Grundversorgung der Bevölkerung zuständig sind.

Real Banking

Andere Geldinstitute werden erkennen, das ihre eigentliche Leistung nicht nur darin besteht Finanzprodukte anzubieten. Sie kümmern sich um das finanzielle Wohlbefinden des Verbrauchers, insofern steht und fällt sie mit dem Erfolg ihres Kunden. Verliert der Kunde, so verliert die Bank. Gewinnt ein Kunde, dann gewinnt auch die Bank. Dabei sind Bank, Bankberater und deren Leistungsparameter vollkommen transparent.
Der Kunde wird sogar in der Lage sein, die Ähnlichkeit des Beraters im bezug auf seine eigenen persönlichen Wertvorstellungen zu erkennen.

Das vollständige Interview und der sehr interessante Artikel von Anja Kühner findet sich im Original in der Dezember Ausgabe des Bankmagazins und ist auf deren Internetseite auch käuflich zu erwerben.

Was ist ihre Meinung? Wie werden sich Banken und die Bedürfnisse der Kunden in den nächsten 10 Jahren verändern? Die Diskussion ist eröffnet.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Floria S.

    Ich glaube persönlich nicht, dass die Bank weiter „entraumt“ wird. Auch wenn künftige Generationen mit Web 2.0 etc aufwachsen bleibt die Filiale an sich immer noch ein wichtiger Anlaufpunkt und viele Banken, vorallem die Sparkasse punkten mit einer hohen Dichte von Filialen.

    • electrouncle

      Ich stimme in der Hinsicht zu, dass es weiterhin Räume geben wird, in welchen Menschen über Finanzdienstleistungen sprechen und in denen Produkte verkauft oder Verträge abgeschlossen werden. Darüber hinaus ist es immer so, dass es für jeden Trend einen Gegentrend gibt. Ein völliges verschwinden von Filialen oder echten Orten für Bankgeschäfte wird es sicherlich nicht geben. Die Filialen werden aber in jedem Fall an Bedeutung verlieren und ganz anders aussehen. Da halte ich jede Wette!

  • Dr. Nils Lange

    Kein richtiger Kommentar, sondern nur einige ungeordnete Gedanken:

    Gab es diese Euphorie (wir verändern die Bankenwelt und zwar buttom up!) nicht schon einmal? Als wir im Jahr 1996 mit Consors vom BTX ins Internet gegangen sind, waren wir der Meinung, dass die Sparkasse/Volksbank vor Ort verloren hat. Denn man konnte doch ab diesem Moment sekundengenau an der Börse in Frankfurt oder New York handeln. Die Information über die Aktienwerte und die Storys der Unternehmen lieferte das Internet gleich mit. Selbstverständlich war ich damals der Überzeugung, dass nun wirklich jeder sich selbst informieren und sein Geld vermehren können. Wozu also überhaupt noch Bankinstitute bzw. Bankberater? Und so entstanden eine Vielzahl an Direktbrokerage-Institute, die seitdem eine immer bessere Infrastruktur dem aufgeklärten Kleinanleger anbieten. Folglich müsste nun auch die Anzahl der Aktienbesitzer sich in Deutschland verändert haben.
    Was wurde also erreicht? Nichts, denn die Anzahl der privaten Aktienbesitzer sank von 3,487 Mio (1999) auf 2,219 Mio (Jahr 2009) (Quelle: http://www.DAI.de http://www.dai.de/internet/dai/dai-2-0.nsf/dai_publikationen.htm?openPage&ID=F5C51AE928AA3898C12576AA0050A7B7)
    Daraus ziehe ich folgenden Schluss: Eine gute Infrastruktur wie z.B. DSL-Internetzugang, Discountpreisniveau in den Transaktionskosten, eine grosse Auswahl an Anbietern mit sehr guten Webseiten und freier Zugang zu TradingCommunitys führt nicht zwangsläufig zu einem veränderten Anlageverhalten des durchschnittlichen Sparers in Deutschland. Dies ist jedoch genau heute der Punkt, wenn man eine neue Vision des Bankings entwirft. Also die harte Fragestellung, wird die gesamte Anstrengung, die man beispielsweise in die Entwicklung von social banking Strukturen hineinsteckt, durch ein verändertes Anlageverhalten des Sparers belohnt?
    Es geht also um Verhaltensveränderung in einem Themengebiet, welches sowieso die Mehrheit der Bevölkerung nicht mag und welches auch in den letzten 40 Jahren durchgängig mit schlechten Nachrichten und Skandalen geprägt war – die Finanzwirtschaft.
    Verhaltensveränderung also. Wann wird Verhalten geprägt? Natürlich in der Jugend. Also betrachten wir den Markt und schauen uns einfach an, welches Institut bietet eine social media Ansatz für Kinder und Jugendliche in Kombination mit einem Bankprodukt z.B. einem Girokonto?
    Genau, die Antwort ist schwierig, denn es wird kaum ein Institut geben.
    Nun der social Banking Ansatz wird aktuell nur für Erwachsene angeboten, die verändern zwar schwerlich ihr Verhalten denen kann man (auch aus rechtlicher Sicht) etwas besser verkaufen. Meiner Meinung nach führt dieser „rechtlich einfacherer“ Weg aber nicht zum Ziel.
    Nur weil Dinge jetzt technisch machbar sind, führen sie zwangsläufig zu einer Verhaltensveränderung.
    Folgende Gedanken könnte ein Normalsparer haben:
    >Nur weil es eine Plattform für CommunityBanking gibt, hat mein Tag auch nicht mehr wie 24 Stunden. Und um so mehr Einträge und noch besser widersprüchliche Meinungen dort aufgeführt sind, um so länger benötige ich für die eigene Meinungsbildung und um so kürzer wird meine („finanzwirtschaftliche-“) Freizeit („freie Zeit“). Dann doch lieber nicht verwirren lassen. Wer nichts macht, kann auch keine Fehler machen. Sollte ich nach einem Besuch einer CommunityPlattform etwas selbst entscheiden und es stellt sich später als Fehler heraus, dann habe ich nicht einmal einen Bankberater oder Versicherungsvertreter den ich dafür haftbar machen kann. Dann wäre ich ja selbst schuld, das ist mir viel zu gefährlich. <
    Hier erkennt man, dass es sehr schwer wird, das Kundenverhalten zu verändern, da jegliche Veränderung zunächst als Gefahr wahrgenommen wird.
    Wer sich also über Gedanken über das Banking der Zukunft macht, muss auch die „Brückentechnologien“ mit einbeziehen, die eine behutsame und schrittweise Verhaltensveränderung des Kunden überhaupt erst ermöglicht. Dennoch wird die Finanzwirtschaft immer ein unbeliebtes Randthema der breiten Bevölkerung bleiben.

    • electrouncle

      Hallo,

      danke für den Kommentar, dem ich inhaltlich in vielen Punkten folge. Ich sage ja hier in meinem Blog immer wieder dass 1. Social Media nicht gleich Social Banking ist und dass 2. Social Media auch nicht zwangsläufig gut ist bzw. sein muss oder und in eine gute, bessere Welt führt.
      Was allerdings Fakt ist, ist dass im Internet die grosse Chance liegt, grundsätzliche Strukturen zu verändern, ohne dafür den Weg über klassische Organisationsformen zu gehen. Wir sind – denke ich – heute in einer Welt , wo Politik bzw. Politiker die wichtigen ja sogar überlebenswichtigen Aufgaben nicht mehr oder nicht mehr allein lösen kann. Das Internet ist eine disruptive Technologie, welches eine soziale Revolution hervorrufen wird. Wir merken schon heute an allen Ecken und Enden, dass das bisher als normal und richtig angesehene durch das Internet in Frage gestellt und sehr schnell auch zerstört wird.
      Die Veränderung des Bankings oder unseres Verhalens in finanziellen Angelegenheiten wird ohne gesellschaftlilche, ökonomische und kulturelle Veränderungen nicht gelingen. Die Banken werden die Welt nicht verändern. Allenfalls werden Sie ihre Geschäftsmodelle behutsam anpassen und auch die Menschen, werden – wir Deutschen sind da ja ein Paradebeispiel – nur dann etwas grundlegend verändern, wenn es ihnen persönlich etwas nützt und sie diese Veränderungen bestenfalls auch nicht selber in die Wege leiten müssen. Gerade hier hat man es ja geschafft uns systematisch unfähiger zu machen, uns selber zu helfen.
      Wohin der Weg gehen wird, kann man heute nicht sagen. Es kann besser es kann aber auch schlechter werden. Noch nie war die Chance aber so gross grundlegende Dinge neu aufzusetzen.

      Ich emfpehle in diesem Zusammenhang das Buch von Clay Shirky: Here comes everybody oder diesen Artikel:

      • Dr. Nils Lange

        Hallo,
        zu Beginn einer Diskussion, sollte man klären, was man unter den Begriff „Banking“ überhaupt versteht. Denn viele Bereiche, die in der Vision angesprochen worden sind, beziehen sich auf den Bereich „Zahlungsverkehr“. Nun wissen wir, dass seit dem 1.11.2009 Zahlungsverkehr nicht zwingend eine Bankdienstleistung sein muss (und zwar Europaweit). Zudem sind im Geldanlagemarkt Bausparkassen, Versicherungen, Publikumfonds und unzählige geschlossene Fondskonstrukte unterwegs. Bleibt also die Frage, was bleibt für eine Bank überhaupt noch übrig?
        Im Endkundenbereich bleibt also nur das Kreditgeschäft: Dispositionskredite, Konsumerkredite und Baufinanzierungen. Mit diesen Produktbereichen ein rundes Geschäftsmodell zu betreiben ist die Herausforderung der Bank der Zukunft.
        Es gibt aber noch eine 2. Möglichkeit: sie stellt sich den Endkunden und erweitert ihr Dienstleistungsangebot. Dann ist es aber keine Bank mehr, sondern ein Allfinanz-Institut oder Finanzwirtschafts-Institut. Natürlich könnte man auch diese Geschäftstätigkeit als „Bank“ definieren, indem man sagt, eine „Bank“ bietet zukünftig über eine Dienstleistung oder eine Plattform Produkte von Kreditinstituten, Zahlungsinstituten, Versicherungen, Bausparkassen, Publikumsfonds etc. an. Hierdurch wird klar, dass ein derartiger Bankansatz („Allfinanz“) breiter aufgestellt ist und es leichter sein wird, („Geschäftsmodell-“) Visionen für diesen Typ von Bank zu entwerfen. In meinen Augen muss bei diesen Bankansatz eine klare Trennung zwischen Produktherstellung und Dienstleistung erfolgen, da sonst immer ein Interessenskonflikt zwischen Produktverkauf und optimaler „Bank-“Beratung vorhanden sein wird.
        Abschliessend möchte nochmals auf den Eingang meiner Ausführung zurückkommen und folgenden Wunsch äussern: Es sollte erst der Begriff „Banking“ definiert und festgeschrieben sein, dann fällt es auch leichter auf dieser Definitonsbasis Visionen zu entwickeln.

Post A Comment

 

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Banken sind Systemrelevant – Menschen leider nicht

Zugegeben der Satz aus dem Betreff ist nicht von mir sondern aus einem Artikel aus der aktuellen Brand Eins. Gerade...

Schließen