title

Blog

Ein bisschen Spaß muss sein

Lob für die Einhaltung eines Versprechens

Kann Banking Spaß machen? Darf Banking Spaß mahen? Als ich im Februar 2009 erstmals mit Matthias Kröner auf der webciety über Banking 2.0 diskutierte, gab es hierüber eine kleine Meinungsverschiedenheit. Sehr schnell wurde jedoch klar, dass uns dieselben Dinge antrieben bzw. umtreiben. Das Banking Spaß machen kann und wahrscheinlich sogar muss, damit Menschen vernünftig mit ihren finanziellen Mitteln umgehen können, hat die Fidor Bank inzwischen eindrucksoll unter Beweis gestellt.

e- wallet macht Spaß

Im Rahmen der Fussball WM habe ich beispielsweise die e- wallet, also die neuste Innovation der Fidor Bank ausprobiert. Matthias Kröner lockte mich mit seiner ebenfalls gelungenen Marketing Idee Kröner zahlt.  Wer würde sich das entgehen lassen? Meine einzige Gegenleistung: Einen Betrag zwischen einem und zehn Cent mit der neuen ewallet an Matthias Kröner überweisen. Allerdings musste ich zusätzlich noch den richtigen Tipp für ein ausgewähltes WM Spiel abgeben und da war ich leider nicht so treffsicher wie das Kraken Orakel aus dem Oberhausener Zoo, welches sich hoffentlich diesmal in seiner Spielvorhersage irrt, denn diesmal wählte es die  Kiste, auf welche die spanische Fahne aufgeklebt war.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=RMjQ1cpvtPk]

Was mir an der Nutzung der e-wallet besonderen Spaß macht, ist vor allem die Einfachheit der Nutzung und zusätzlich die Möglichkeit Geld an SMS Nummern, E-Mail Accounts oder sogar an Twitter Accounts zu überweisen. Durch die Möglichkeit kleinste Beträge überweisen zu können, ist auch das Ausprobieren extrem einfach und ohne Hemmschwellen. Auch die Usability ist auf höchstem Niveau und man ist  – nach der ersten Transaktion – schon fast verwundert, ob des reibungslosen Ablaufes. Die Nutzung der e-wallet ist fast so einfach, wie die Nutzung der eigenen Geldbörse. Diese Einfachheit verleitet geradezu zum Ausprobieren. Tatsächlich empfand ich Spaß bei meiner ersten Transaktion. Das Ergebnis: Der Wunsch, dass mehr meiner Bekannten ebenfalls die ewallet nutzen mögen, damit sponatanes Geld leihen und verleihen unter Freunden möglich wird.

Ist Spaß ein USP?

Spaß könnte ein Argument sein, mit welchem junge Menschen für Finanzthemen interessiert aber auch für Banken  als Kunden gewonnen werden könnten. Der Erfolg der sozialen Netzwerke, aber auch einiger in dieser Zielgruppe erfolgreicher Marken hat sicherlich  viel mit Spaß zu tun. Kaum eine Studie zur jungen Zielgruppe kommt ohne die Erkenntnis aus, dass junge Menschen am liebsten mit Freunden zusammen sind und gemeinsam eine gute Zeit verbringen möchten. Das Finanzthemen dabei bisher keine bzw. kaum eine Rolle gespielt haben, liegt in der wenig interesssanten Vermittlung im Elternhaus, im Kindergarten, in den Schulen, Hochschulen usw. Und natürlich auch in den Banken. Die Vermittlung von Finanzwissen stellt die negativen Folgen falschen Verhaltens in den Mittelpunkt und fokussiert sich nicht auf die positiven Folgen richtigen Verhaltens. Sie ermöglicht darüber hinaus auch keine Auseinandersetzung mit „Richtig“ oder „Falsch“ und noch weniger eine Diskussion über Werte. Ist es zum Beispiel richtig einfach nur viel Geld zu haben oder zu verdienen oder sollte man sich auch damit befassen, welche Folgen das eigene Verhalten in Finanzfragen für andere hat.

Wie vermittelt man Finanzwissen?

Meiner Meinung nach kann die Ausbildung nur innerhalb der Gruppe der  jungen Menschen selber stattfinden. Sie müssen selber – natürlich durch entsprechende Hilfmittel gestützt – die richtigen Wege finden und diese auch kreativ weiter entwickeln dürfen. Die Kommunikation über Finanzfragen, die tatsächliche – und auch reglmässige  – Auseinandersetzung z.B. in Communities hilft dabei zu lernen und zu verstehen. Sie benötigen dann aber auch Produkte, Services und Angebote, die speziell für die Anforderungen ihrer Generation entwickelt wurden. Die meisten Angebote der heutigen Banken sind von den Bedürfnissen und Lebensumständen ihrer Eltern geprägt. Dasselbe gilt für die Instrumente und Technologien, über welche Bankdienstleistungen nachgefragt, abgewickelt oder eben beraten werden.

Und wer gewinnt den jungen Finanzkunden?

Es bleibt die Frage, wer in der Lage sein wird den erforderlichen Spaß zu vermitteln. Können Banken wirklich in die Rolle schlüpfen oder genauer gefragt: Können unsere alten Banken diese Rolle übernehmen? Brauchen wir neue Banken? Oder werden es die Marken sein, die heute schon das Lebensgefühl der jungen Generation wiederspiegeln und mit entwickeln. Ist es Apple, Facebook, Nike, Coca Cola. Red Bull + Co? Oder – wird die junge Generation unabhängig von alten Bank Playern und alten Marken –  die Finanzwelt über das Internet revolutionieren. Ganz so wie sie es schon mit der Musik- und Filmindustrie gemacht hat?

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Thomas

    die Produkte der Fidor finde ich auch hochspannend. Deshalb habe ich auch vor einiger Zeit mal die Trading-Plattform ibrokr ausprobiert. Vielleicht probiere ich auch demnächst mal die e-wallet. Auf der anderen Seite frage mich, wie sieht ein Fidor-Kunde eigentlich aus und wie finden die beiden zueinander? Das Fidor-Marketing nehme ich sehr vielseitig im Bankenumfeld war, aber sieht das in den relevanten Zielgruppen auch so aus? Xing, Twitter und Blogs werden von Jugendlichen sicher nur unterproportional genutzt.

    • electrouncle

      Hallo Thomas,

      ich denke auch, dass die Fidorbank aktuell die ganz jungen nur marginal erreicht. Allerdings ist sie an den Orten, wo sich viele junge Menschen aufhalten. Sie nutzt darüber hinaus die Medien, welche diese Generation fast schon in den Genen hat. Selbst wenn sie jetzt noch nicht in großer Zahl junge Kunden gewinnen kann, so wird sich dies ganz schnell ändern, denn welche andere Bank schafft es denn überhaupt die Generation richtig anzusprechen. Auf mich wirken jegliche Jugendmarktprogramme hilflos und wie aus einer längst vergangenen Zeit. Wenn es wirklich erfolgreiche Programme geben sollte, dann wird das mehr mit Zufall als mit Planung zu tun haben.

  • Tim

    @Thomas: Ist halt die Frage, ob Jugendliche tatsächlich die relevante Zielgruppe von der Fidor darstellen. Ich behaupte, die Zielgruppe liegt zwischen 25-45 und damit sind die Kanäle 100 % richtig.

    Zum Thema Spaß: keine Ahnung, ob Spaß ein USP darstellt. Aber immerhin ist Spaß überhaupt ein Unterscheidungsmerkmal im Einheitsbrei Banken.

    • electrouncle

      Hallo,

      ich werde diese Frage hier mal mit Matthias Kröner thematisieren. Er wird sich als einer der nächsten meinen sechs Fragen mit Zusatzfrage stellen. Und das Argument mit dem USP im Einhetsbrei der Banken kann ich sehr gut nachvollziehen. An der Q110 Filiale der deutschen Bank kann man ja auch ganz gut nachvollziehen, dass eine angenehme Shopping Atmosphäre aus Sicht einer Bank meilenweit am Geschmack der Verbraucher vorbei gehen kann und Spass eben auch nicht gleich Spass ist.

  • Friederike

    Ich muss gestehen, ich bin noch kein Fidor-Kunde, aber dieser Artikel macht Lust, es zu probieren.

    @Tim Spaß kann schon ein USP sein, wobei es als alleiniges Argument bei einer Bank sicher nicht reicht.

    Viel wichtiger als den Faktor Spaß würde ich allerdings den Faktor Einfachheit bewerten. Ich denke, „Spaß“ an einem Tool nutzt sich irgendwann ab, aber Bankgeschäfte schnell und unkompliziert zu tätigen wird – zumindest mir – immer ein Anliegen sein.

    Die aktuelle Zielgruppe einer Bank ist natürlich nicht unter 25, aber es ist ja nicht verkehrt, mal an die Zukunft zu denken und an die potentiellen Kunden.
    Ich denke, dass Eltern ihren Kindern im Umgang mit Geld immer ein Vorbild sein werden (ob nun gut oder schlecht). Auf die Vermittlung von Finanzwissen in der Schule oder im Elternhaus kann man nur über Umwege Einfluss nehmen. Damit junge Menschen sich mit etwas beschäftigen, brauchen sie einen Anreiz, d.h. ich denke, hier kommt man mit einem spielerischen Ansatz weiter. Wirtschaftliche Zusammenhänge lernt man viel natürlicher beim Monopoly spielen als beim Diskutieren. (Besser noch natürlich: beides in Kombination.) Ich könnte mir vorstellen, dass man als Bank Online- Gewinnspiele für Jugendliche veranstaltet, wo sie bspw. über einen bestimmten Zeitraum ein virtuelles Kapital verwalten müssen. Also eine Art Finanz-SimCity. Viele Jugendliche spielen mit Begeisterung Fußballmanager u.ä. Strategiespiele, warum nicht ein Finanzspiel. Oder man könnte auch offline-Aktionen an Schulen starten. (Ich weiß, gesponsorten Aktionen im Zusammenhang mit Kindern haftet immer der Ruch von Seelenfang an, aber lieber etwas Gesponsortes als nichts.)
    Ob eine Bank eine hippe Marke sein kann, darüber wage ich nicht, zu spekulieren. Ich vermute, dass bei Finanzentscheidungen auch in Zukunft mehr rationale Überlegungen (Leistungen der Bank) eine Rolle spielen werden als emotionale, würde es aber nicht beschwören. Ich denke aber, dass es bei Banken noch am ehesten ein „Elite“-/“Prestige“-Image sein würde, was Kunden anzieht, als ein „Hip“-Image. (Nur eine These.)

    • electrouncle

      Hallo,

      Banken und Ihre Angebote sollten einfach und leicht verständlich sein. Sie sollten sich einfach erklären lassen. Erklären hängt aber auch immer von der Bereitschaft der Lernenden ab. Menschen lernen besser, wenn lernen Spass macht. Banken können besser erklären, wenn sie Themen darstellen, welche bei den Lernenden auf fruchtbaren Boden fallen. Wir brauchen ein Umfeld, in welchem sich Menschen für Finanzthemen wirklich interessieren und die Auseinandersetzung mit diesen Themen, muss auch dann noch Spass machen, wenn es nicht darum vorhandene Reichtümer zu mehren. Alle Menschen müssen die Chance haben, dass Finanzthemen Spass machen. Also auch dann, wenn man selber nicht viel Geld hat. Es kann aber Spass machen zu wissen, wie man mit Geld richtig umgehen kann.
      Banken brauchen keine hippe Marke zu werden, aber eventuell eine Vertrauensmarke und eine menschliche Marke. Junge Menschen bzw. alle Menschen wollen nicht nur hippe Marken. Sie wollen ehrliche Marken mit wirklich nützlichen Produkten. Und Emotionalität ist untrennbar verbunden mit Rationalität. Es geht nicht darum Dienstleistungen oder Unternehmen künstlich zu emotionalisieren. Es geht darum Menschen durch wirkliche Leistung emotional zu erreichen und zu bewegen und emotional – also menschlich – zu reagieren. Mit fühlen funktioniert besser als nur mit rechnen. Ansonsten Danke für die spannenden Kommenatare. Die Reaktion kommt erst heute – Sommergrippe

Post A Comment

 

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:

Mitmachen: Aufruf zur Mitwirkung an einer Umfrage der Universität Zürich zum Verhalten von Privatanlegern « Blick Log http://ow.ly/27usk

Schließen