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Das Phänomen Noa Bank

Auf den ersten Blick wirkt es sehr mutig in diesen Zeiten eine Bank zu gründen. Andererseits ist der Bedarf nach Alternativen Modellen nunmal vorhanden. Egal, ob dies bei der Mehrheit der Verbraucher schon angekommen ist oder nicht. Eine nachhaltiges und verantwortliches Banking ist fast schon eine gesellschaftliche Überlebensstrategie. Nun ist das Geschäftsmodell der Noa Bank eigentlich überhaupt nicht neu und erzielt in den ersten Tagen nach dem offiziellen Marktantritt dennoch bereits eine beachtliche Resonanz.

Hier nur  einige von den doch sehr zahlreichen Beispielen:

Tobias Hurrle beschäftigt sich im Lingner Blog mit der Noa Bank und sagt:

Dennoch erscheint das Kommunikationskonzept mit Sicht auf die Banken und Vertrauenskrise zeitgemäß- eine Bank, die den “Zug der Zeit” verstanden hat?

Werden sich genügend Kunden finden, die dieser Bank ihr Geld anvertrauen?

Ein schnelles Meinungsbild unter meinen Verfolgern auf Twitter ergab ein differenziertes Bild.
“…cooler Spot, aber ich bezweifle mal, dass die mein Geld vermehren.”
“…Bankvideo drückt populistisch jeden angesagten emotionalen Knopf…”
“…unter  Neuromarketing Gesichtspunkten interessant…”

Tobias Köhler schreibt z.B.

Hätte ich Geld, das ich anlegen könnte (bin ein armer Student), würde ich mich mit Sicherheit für die NOA entscheiden. Die treffen mit ihrer Vision und ihren Werten absolut ins Schwarze. In Zeiten, in denen man (oder zumindest ich, wobei ich da glaube ich nicht alleine bin) Banken mehr als skeptisch gegenübersteht, ist man froh ein solch vermeintlich transparentes und gesellschaftsfreundliches Geldinstitut zu haben. Was NOA betreiben will, ist CSR nicht nur als Teil, sondern verschmolzen mit dem Kern des Unternehmens. So stelle ich mir ein idealtypisches gesellschaftlich orientiertes Unternehmen vor. Dass man sich aussuchen kann, wohin das Geld fließen soll, finde ich auch sehr ansprechend. Dabei halte ich allerdings Transparenz für äußerst wichtig und hoffe, dass es eine Art Reporting System gibt.

http://www.tobias-koehler.com/2009/11/noa-bank-csr-und-social-media-best-practice/

Auch Lothar Lochmaier widmet der Noa Bank einige Aufmerksamkeit und bewertet den Marktantritt aus mehreren Richtungen.

http://lochmaier.wordpress.com/2009/11/09/manoverkritik-zur-noa-bank-2-0-wie-gut-ist-die-handwerkliche-adaption-von-social-media/

Auch der Blicklog berichtet über die Noa Bank

http://www.blicklog.com/2009/11/10/es-geht-doch-mehr-beim-banking-2-0-newcomer-noa-bank/

Ohne jetzt bis in jedes Detail vorgedrungen zu sein. Die Noa Bank unterscheidet sich in Ihren Zielsetzungen und Grundwerten kaum von den Genossenschaftsbanken. Vor allem zu den noch stärker „wertorientierten“ Banken wie z.B. der Ethik Bank und insbesondere zur GLS Bank besteht inhaltlich kaum ein Unterschied. Auch wenn man versucht sich von diesen Banken (mit Verlaub die GLS Bank betreibt Social Banking bereits seit 1974)  abzugrenzen.  Zu kritisieren ist die Nähe zu vorhandenen Konzepten prinzipiell nicht, denn man muss die Welt nicht immer neu erfinden. Warum sollte man nicht das Beste der Anderen kopieren und daraus eine neue Bank machen.

Außerdem zeigen die Social Media Aktivitäten der Noa Bank, dass man dort die grundlegende Bedeutung des Internets für die Geschäftsmodelle der Banken erkannt hat. Darüber hinaus hofft die Noa Bank – meiner Meinung nach zurecht – im Internet eine Zielgruppe zu finden, die besonders offen ist für nachhaltiges, verantwortliches  und transparentes Banking. Gerade im Internet setzt man sich heute an vielen Stellen damit auseinander wie Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur zukünftig funktionieren sollen. Das Internet ist grundsätzlich der Hebel dafür, alles neu oder anders machen zu können. Dies gilt auch für das Banking, wie zum Beispiel auch die Fidor Bank AG beweist.

Das Geschäftsmodell der Noa Bank scheint dabei aber noch stärker in der klassischen Welt verhaftet zu sein. Einen so konsequenten Ansatz wie dem der Fidor Bank AG hält man dort wohl nicht für erfolgsversprechend. Insofern siedelt sich die Noa Bank irgendwo zwischen den klassischen Bankkonzepten einer Genossenschaftsbank und dem Community Banking Ansatz der Ficoba an.

Interessant ist an dieser Stelle auch die Frage: Ob sich nachhaltiges und faires Banking allein durch die Kooperation mit den Kunden ergeben kann? Diese Frage lässt sich aktuell noch nicht beantworten. Wenn man diese Frage bejahen wollte – was ich schön fände – würde man wohl ein entsprechend idealistisches Menschenbild benötigen.

Beide Bankmodelle können aktuell  in jedem Fall nicht auf attraktive Konditionen verzichten. Es ist also fraglich, ob sich genügend  Kunden finden würden, die sich dafür entscheiden, ihr Geld nachhaltig und sozial verantwortlich zu investieren, wenn sie dabei auf attraktive Konditionen verzichten müssten. Schon heute fällt es wahrscheinlich schwer breite Zielgruppen anzusprechen, wenn man kein kostenloses Girokonto anbieten kann. Ein Dilemma in dem sich ja z.B. gerade die traditionellen Vollversorger Banken wie die Volksbanken Raiffeisenbanken und Sparkassen  befinden. Es könnte also sein – bzw. es ist sogar sehr wahrscheinlich – dass Noa Bank und Ficoba Nischenanbieter bleiben werden. Allerdings ist davon auszugehen, dass eine Ficoba wesentlich bessere Kostenstrukturen haben wird, die es dieser Bank eben auch ermöglichen wird Finanzprodukte wesentlich günstiger anzubieten. Das kostenlose Girokonto  dürfte für eine Ficoba Bank deshalb eigentlich überhaupt kein Problem darstellen. Zumal die Ficoba eben  bisher auf klassische Werbung verzichtet und ausschließlich auf virale Effekte setzt, was sich die Noa Bank offensichtlich nicht getraut hat.

Vom Phänomen Noa Bank spreche ich, weil mich die grosse Resonanz doch ein wenig überrascht hat. Irgendwie scheint man vermarktungstechnisch die richtige Schraube gedreht zu haben.  Die Facebook Gruppe ist zum Beispiel schon recht gross. In vielen Blogs wird über die Noa Bank berichtet und diskutiert und dabei findet diese Diskussion nicht nur in den üblichen Banking und Finance Blogs statt. Vor allem jüngere Leute scheinen den Noa Bank Ansatz zumindest für diskussionswürdig zu halten und insgesamt sind die Online Gespräche eher positiv gefärbt. Anscheinend wirkt hier die Gnade der späten Geburt und das moderne Erscheinungsbild der Bank. Die Nutzung der Online Medien wirkt und auch die klassischen Marketing Maßnahmen scheinen gut funktioniert zu haben. Die Kampagne scheint crossmedial gut angelegt zu sein.

Nur in der Social Media Welt wird aus der Kampagne eine Daueraufgabe. Denn Social Media ist kein Marketing Instrument. Die Bank muss nun das geweckte Interesse und die Erwartungen der Menschen und insbesondere der Internet Community auch erfüllen. Dafür muss sie hochwertige Leistungen erbringen. Warten wir also ab und sprechen wir in einigen Monaten noch mal. Allerdings empfehle ich allen klassischen Banken gut auf die Noa Bank zu schauen und zu prüften, ob durch die eigene Zurückhaltung in Sachen Social Media nicht schon wieder ein Stück Marktanteil dauerhaft abgegeben werden muss.

Ein deutscher Begriff für „Social Media“ wie Lothar Lochmaier unlängst in seinem Blog forderte, fällt mir übrigens auch nicht ein. Ich verwende inzwischen gerne auch mal die Formulierung das „soziale Internet“. An Social Media stören mich 2 Dinge. Erstens das Social von vielen mit „sozial „im Sinne  von gut“ verwechselt wird, was in keinster Weise stimmt. Social steht allenfalls für menschliches Handeln, welches sinnhaft aufeinander bezogen und aneinander orientiert ist. Social deutet im Zusammenhang mit dem Internet darüber hinaus darauf hin, dass die technologische Komponente heute keine Rolle mehr spielt und ein Zustand erreicht ist, der vor allem gesellschaftliche und kulturelle Wirkungen erzielt. Und die Dimensionen dieser Veränderung lassen sich noch gar nicht absehen.

Zweitens stört mich irgendwie auch der Begriff Media, da wir damit doch in der Regel Vorstellungen und Funktionsprinzipien verbinden, die mit dem Internet wenig oder gar nichts mehr zu tun haben. In jedem Fall ist das Internet ein Supermedium, welches heute alle klassischen Medien in sich aufnimmt oder sogar aufsaugt ( Und ausspuckt was davon übrig bleibt). Wenn wir das Internet wirklich verstehen wollen, müssen wir uns von der Medien Begrifflichkeit lösen.  In diesem Zusammenhang stellt sich dann auch die Frage der Machbarkeit und Instrumentaliserbarkeit, die ja gerade für Agenturen und Unternehmen sehr wichtig zu sein scheint. Denn ist diese nicht gegeben, dann fallen hier zumindest die „Mittelmänner“ mal wieder weg. Sie werden einfach nicht mehr gebraucht. Wie schon gesagt, das Internet saugt sie auf und spuckt aus, was davon übrig bleibt.

Und eine weitere Frage treibt mich neuerdings noch um. Wie wird sich eigentlich die Wirkung von Mundpropaganda durch das Internet verändern? Kann es durch das wohl zu erwartenden inflationäre Vorkommen dieser – ja gemeinhin als wirkungsvollstes Verkaufmittel bezeichnetes Prinzip – nicht sogar dazu kommen, dass die Wirkung immer mehr abnimmt. Muss ich nicht auch davon ausgehen, dass Personen aus meinem Umfeld, die mir von Produkten vorschwärmen oder gar deren Kauf empfehlen – unter den Bedingungen der Internetökonomie nicht mehr authentisch und vertrauensvoll wirken? Aber das hat mit der Noa Bank ja eigentlich gar nichts zu tun.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Corporate Social Media: Wohin geht die Reise zum Mittelpunkt der Erde? « Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

    […] bei den Banken und der „Finanzindustrie“. Finance 2.0-Blogger Boris Janek hat sich hier anhand des neuen Phänomens NOA Bank eingehend mit dem Status Quo von Social Media bei den Banken […]

  • Francois Jozic

    […] nicht so sehr um diese „neuen“ Faktoren. Der absolute Wille eine Differenzierung zwischen der noa bank und den alternativen Banken in Deutschland zu finden, führt unwiderruflich dazu, den Fokus der Debatte nur auf gutmütige Organisationen wie die GLS- und andere ähnliche Banken zu legen. Jedoch ist das eigentliche Ziel der noa bank, eine Antwort auf die Einstellung der traditionellen Banken zu geben und nicht zu denen, die, wie die noa bank, positive Absichten haben.

  • Francois Jozic

    […] geht es nicht so sehr um diese „neuen“ Faktoren. Der absolute Wille eine Differenzierung zwischen der noa bank und den alternativen Banken in Deutschland zu finden, führt unwiderruflich dazu, den Fokus der Debatte nur auf gutmütige Organisationen wie die GLS- und andere ähnliche Banken zu legen. Jedoch ist das eigentliche Ziel der noa bank, eine Antwort auf die Einstellung der traditionellen Banken zu geben und nicht zu denen, die, wie die noa bank, positive Absichten haben.

  • Hans-Florian Hoyer

    Leute, lest das Kleingedruckte im dem Prospekt

    http://www.noabank.de/citizenpartner/vorteile

    Mich hat das zum Grübeln gebracht….

    Über den Komplementär, die noa bank Verwaltungs GmbH, und die Kommanditistin, die noa bank Beteiligungs GmbH, ist die Strategis GmbH, Düsseldorf,
    mittelbar an der noa bank beteiligt. Die Strategis
    GmbH ist Hauptgesellschafterin der Quorum
    AG. Die Quorum AG ist ein mittelständisches
    Finanzdienstleistungsunternehmen und betreibt
    Factoringdienstleistungen als Kerngeschäft.

    Also ganz oben
    Strategis GmbH (99,5 % Dr. Frédéric Lodewyk und Francois Jozic) 0,5 % Private Anteilseigner

    dann
    Quorum AG
    Vorstand: Dr. Frédéric Lodewyk
    Aufsichtsrat: Francois Jozic (Vorsitzender)
    Anteilseigner:
    99,5 % Strategis GmbH (Dr. Frédéric Lodewyk und Francois Jozic) 0,5 % Private Anteilseigner
    Zitat von der Homepage:
    Einführung
    Geld, geschickt eingesetzt, ist der Schlüssel zum Erfolg.
    Erfolgreiche Unternehmer besitzen markante Schlüsselfertigkeiten: eine profunde Fachkenntnis, ein Gespür für Chancen und Gelegenheiten und die Fähigkeit, neue Kunden zu gewinnen.
    Leider bleibt all dies mitunter fruchtlos, wenn nämlich eine wesentliche Eigenschaft fehlt: Der geschickte Umgang mit den Finanzen.

    dann
    noa bank Beteiligungs-GmbH
    Geschäftsführer: François Jozic
    Dr. Frédéric Lodewyk

    und
    noa bank Verwaltungs-GmbH

    zur
    noa bank GmbH & Co. KG

    Schluß daraus im Prospekt:
    Interessenkonflikte
    Es bestehen bei der Emittentin Verflechtungstatbestände in rechtlicher, wirtschaftlicher und personeller Art. Es ist daher grundsätzlich nicht auszuschließen, dass die Beteiligten bei der Abwägung der unterschiedlichen, ggf. gegenläufigen Interessen nicht zu den Entscheidungen gelangen, die sie treffen würden, wenn ein Verflechtungstatbestand nicht bestünde.

    Das soll eine andere Bank werden? Viel Glück!

    • electrouncle

      Hallo,
      danke für die Info. Habe mich selber noch nicht so intensiv damit beschäftigen können. Interessante Hintergründe aber für mich noch kein , um Grund an der Zielsetzung und den Absichten der Noa Bank zu zweifeln. Ich freue mich grundsätzlich über jeden neuen Ansatz im Finance 2.0 Bereich. Augenblicklich ist es ohnehin zu früh eine abschliessende Beurteilung vorzunehmen.

    • MaWo

      Hallo Hans-Florian Hoyer,
      wäre das nicht ein Prüfstein für die „neue“ BaFin, ob sie nun endlich als Aufsichtsbehörde ihren Zweck erfüllen wird?!

  • Hans-Florian Hoyer

    @MaWo
    Das BaFin kann keine Rechtsformen ausschliessen, oder aus Rechtsformen Schlüsse ziehen.
    Die Frage, welche Rechtsform für einen „Umschwung“ im Bankwesen die geeignetste ist, ist nicht leicht zu beantworten.
    Ich persönlich gebe die Antwort: Diejenige Rechtsform, in der eine breite Basis von Bankbesitzern=Eigenkapitalhaltern für den Umschwung stehen wollen und am effektivsten mitgestalten und kontrollieren können, dass alles auch so läuft.
    Ich schliesse nicht aus, dass Einzelpersonen auf diesem Gebiete etwas erreichen können, finde nur die breite Basis zeitgemäßer und nachhaltiger.

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Finance20 und @electrouncle wünscht ein schönes Wochenende. Tiger Bank: Noch eine andere Bank. http://ow.ly/BP30

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