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Credible Finance: 6 Fragen mit Zusatzfrage

Ich freue mich ein weiteres Interview meiner kleinen Fragerunde Online stellen zu dürfen. Diesmal geht es um Glaubwürdigkeit. Es geht um ein Unternehmen, welches sich den Namen „Credible Finance“ gegeben hat und ein solcher Name zeugt von Ambition und Inhalten. Aufmerksam wurde ich auf Credible Finance über Facebook. Das soziale Internet beeinflusst und verändert die Bankenbranche. Social Media ist zwar nicht gleich Social Banking, aber offenbar eine durchaus hilfreiche Vorausssetzung. Aber lesen Sie selber die interessanten Antworten auf meine 6 Fragen und die Zusatzfrage.

Alexandre Janicki (39) und Martin Brombacher (41) haben die Plattform „Credible Finance“ in Juni 2010 live gestellt. Beide waren sie damals am Aufbau des enfant terrible des Baufinanzierungsmarkts „Hypotheken Discount“ beteiligt und haben danach führende Positionen in der Bankindustrie inne gehabt. Martin Brombacher, Informatiker, war Geschäftsführer bei Creditweb. Alexandre Janicki, Franzose, MBA Essec und Universität Mannheim, Geschäftsführer von Kreditwerk Hypotheken Management. Alexandre befasst sich seit Jahren leidenschaftlich mit dem Begriff von „Qualität“ in der Bankenwelt.

Was ist Credible Finance und welche Ziele verfolgen Sie?

Credible-finance.de tritt mit dem Ziel an, die medialen Interessen aller dem regionalen Vertriebsprinzip verpflichteten Banken mit überschaubarem Kostenaufwand zu bündeln und gemeinsam den medialen „Aufstand der Anständigen“ zu wagen.

In zahlreichen Gesprächen mit regional orientierten Häusern wurde uns klar: Einzelne Banken können den direkten „medialen Kampf“ mit den Konditionstreibern (FMH, Biallo, Finanztest,  Focus Money, etc.) aus verschiedensten (politischen, organisatorischen, etc) Gründen nicht selbst mit der medial nötigen Polarität – und vor allem nicht allein – aufnehmen.

Aufgrund der hohen Fragmentierung der regionalen Märkte fehlte in Deutschland bisher die unabhängige Plattform, die sich medial und überregional für die regionale und am Kunden orientierte Banken-Philosophie einsetzt. Ein paar Stichworte, mit denen sich wohl jede anständige Bank herumschlagen muss:

  • Qualität statt Zinstableaus und Schaufensterkonditionen
  • Regionalität statt schiere Größe
  • Kundenbindung statt Verdrängungswettbewerb
  • Verantwortung statt Gewinnmaximierung

Dies sind alles Punkte, die in den letzten Jahren im allgemeinen Kapitalmarkt-Hype untergegangen sind. Stattdessen wird in den Medien darüber diskutiert, ob Eigenkapitalrendite gut oder schlecht ist. Eine Diskussion, die zu nichts führt. Credible-finance ist eine unternehmerische Initiative, die hier ein Gegengewicht setzen will. Wir sehen hier gesellschaftlichen Bedarf und wollen ihn gemeinsam mit den anständigen Banken decken.

Unser Geschäftsmodell ist relativ einfach: Die Volksbank Hintertupfing macht hervorragend engagierte und ethisch korrekte Arbeit für den Kunden. Aber sie hat massenmedial keine Reichweite und kann in der aktuellen Situation nicht polarisieren. In diese Bresche springt Credible Finance. Dazu später mehr.

Welche Bedeutung hat Vertrauen und Glaubwürdigkeit in einer
Kunde/Bank Beziehung?

Beides ist für den normalen Bankkunden mit normalem Einkommen und dem üblichen Bedarf an Krediten und Anlageformen eigentlich zentral. Selbst ein wohlhabender Investor, der seine Millionen im sogenannten „private Banking“ mehren will, muss irgendeine Art von Vertrauen haben. Ohne Vertrauen und Glaubwürdigkeit gibt es kein Bankengeschäft. Die Frage ist: Wodurch wird das Vertrauen bestätigt? Lange Zeit schien derjenige das größte Vertrauen zu erheischen, der die günstigen Konditionen und den höchsten ROE auswies bzw. anbot. Das sollte sich ändern. In Deutschland hat man keine Kundenschlangen vor den Banken gesehen, die wie in Großbritannien bei Northern Rock ihr Geld in Sicherheit bringen wollten. Spätestens seit der Finanzkrise ist aber in der Wahrnehmung der Bankenwelt in Deutschland ein deutlich kritischeres Bewusstsein gewachsen.

Der Ankerbegriff für Vertrauen ist in der heutigen Zeit „Qualität“. Allerdings ist der von den Geldmedien inflationär verwendete Begriff der „Qualität im Bankengeschäft“ methodisch nicht gefüllt:

Da wird Beratungsqualität in Stichproben per „mystery shopping“ gemessen und zur Steigerung der Auflagenzahlen möglichst skandalös veröffentlicht. Negative „Testergebnisse“ decken sich dabei selten mit den Kundenbefragungen der getesteten Häuser. Da wird einer Volksbank oder Sparkasse schlechte Beratungsqualität angedichtet – obwohl sie weit über 50% des Marktes abdeckt. Das kann ja nicht zusammen passen. Die Kunden sind ja nicht blöde. Aus unserer Sicht liegt das Problem auch in dem mittlerweile voll etablierten System der Superlative: da werden einzelne Häuser zu „den besten Banken“ erklärt – seltsamerweise meist Groß- oder Direktbanken. Wem nutzen solche Prädikate überhaupt – und was nutzen sie Ihren  Kunden?

Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Banken und Kunden aktuell einschätzen?

Wir wissen, dass es unhöflich ist, aber eigentlich müsste man hier eine Gegenfrage stellen: Welche Banken meinen Sie? Großbanken erzeugen eine Welle des Unmutes. Die regionalen Häuser dagegen werden gewissermaßen passiv als der natürliche Gegenpol zu den Groß- und Direktbanken wahrgenommen. Man erkennt das an den massiven Mittelzuflüssen, die sie im letzten Jahr hatten.

Die Menschen zweifeln zunehmend an der Richtigkeit des von den Medien befeuerten finanzmarktorientierten Systems und der Philosophie der Groß- und Direktbanken, die ihnen jahrelang eingehämmert wurden. Diese Vertrauenskrise bescherte den regional orientierten Häusern – nahezu ohne weiteres Zutun – deutliche Zuwächse in der Geldanlage. Man kann das als einen Ausdruck des aktiven Vertrauens interpretieren. Man kann das aber auch nur als passives Vertrauen interpretieren, dass auf einer Fluchtreaktion basierte. Um es einmal in einem Bild auszudrücken: Das ist quasi der Unterschied zwischen einer Regierung die gewählt wird, weil sie gut ist  – und einer Regierung die gewählt wird, weil die bisherige Regierung abgewählt werden sollte.

Überdies sollte ja klar sein: Ohne Banken geht es sowieso nicht. Sie sind dafür da, einem klaren gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Zweck zu dienen. Dieser Zweck heißt nicht „Eigenkapitalrendite“. Sondern „nachhaltiger Wohlstand für alle“.  Die Banken, die sich dieser Zielsetzung verpflichten und ihr Verhalten danach ausrichten, sind vertrauenswürdig und haben grosso modo auch das Vertrauen des Marktes.

Was können bzw. sollten Banken tun, um wieder mehr Vertrauen und
Glaubwürdigkeit zu erlangen.

Auch hier wieder die unhöfliche Frage: Welche Banken meinen Sie? Wir haben in Deutschland bekanntlich ein dreigliedriges Bankensystem – das von den Massenmedien lange Zeit zu einem einzigen großen Feindbild amalgamiert wurde. Daran sollte man sich nicht beteiligen. Wir sagen: „Die Banken“ gibt es nicht. Gemessen an echten Marktanteilen – also der Anzahl der in Deutschland betreuten Kunden, sind die Genossenschaftsbanken und die Sparkassen Marktführer. Beide sind aufgrund ihres Auftrages klaren, dem Gemeinwohl dienlichen, Zielen verpflichtet. Allein schon deshalb sind sie a priori vertrauenswürdig. Nur sagt das kaum einer.  Das erste was die anständigen Banken tun müssten, wäre eben: Sich von den schlechten und nicht am Kunden orientierten Banken zu differenzieren! Dann fließt ihnen automatisch sehr viel „Vertrauens-Energie“ zu.

Natürlich kann es auch hier zu Abweichungen – und zu unzufriedenen Kunden – kommen. Aber das ändert nichts daran, dass es gute Banken gibt, die sich für ihre Kunden und nicht nur für ihre Shareholder engagieren. Es ist eine Systemfrage: Wem dient die Bank? Dass eine gute und kunden- und gemeinwohlorientierte Bank an den Pranger gestellt und durch den Kakao gezogen wird, kann kaum passieren. Wird sie dennoch an den Pranger gestellt, braucht sie eine Plattform, auf der sie die Dinge klären kann. Eine Bank, die sich auf Vertrauen konzentriert, kann dieses Risiko aber beherrschen.

Die zentrale Frage, die gestellt werden muss: Was geschieht, wenn die Welle des Unmuts wieder verebbt und die Medien- und Politik-Lobby der Groß- und Direktbanken von neuem erstarkt?  Soll es dann wieder nur um fadenscheinige Zins-Hitlisten und „Bank-Bewertungen“ gehen?  Das wäre fatal. An diesem Punkt setzt credible-finance.de an.

Ehrlich gesagt wundern wir uns, warum weder Volksbanken noch Sparkassen im Laufe der Krise(n) die Chance genutzt haben, einfach mal die Hand zu heben und zu sagen: „Wir sind die Guten.“

Welche Rolle spielt oder kann Social Media dabei spielen?

Im digitalen Informationszeitalter ist Sichtbarkeit ein wesentlicher Bestandteil des Vertrauens. Es war die Erkenntnis, dass die Regionalität der guten Banken und die Überregionalität der Massenmedien und ihrer Instrumente nicht zusammen passen, die uns zu unserer Initiative brachte. In den sozialen Medien wird polarisiert und diskutiert. Werbung und die üblichen Maßnahmen sind dafür bis aus wenige Ausnahmen – wie zum Beispiel damals die Kampagne von Benneton – nicht gemacht.

Welche Rolle kann und soll Credible Finance dabei spielen (bezieht 
sich auf Frage 4)
Wir beobachten die Aktivitäten von Volksbanken und Sparkassen, die langsam auch anfangen, sich mit mehr oder weniger Erfolg um dieses Thema zu kümmern. Wir stellten dabei fest. Sie können nicht polarisieren – bzw. tun sie es nicht. Wir können das.

Credible finance nutzt die sogenannten „sozialen Medien“ wie Facebook und Twitter, um die Menschen im Land in die Diskussion zu involvieren und einen medialen Gegenpol zur medialen Lobby der Groß- und Direktbanken zu schaffen. Die „sozialen Medien“ ermöglichen eine einfache Bündelung der Interessen all derer, die „guten Willens“ sind. Innerhalb von 4 Wochen konnte credible finance mehr als 300 Freunde auf Facebook gewinnen. Wir werden aber auch eine direkte mediale Verbindung zwischen der Bankfiliale vor Ort und dem Internet aufbauen. Credible finance ist letztendlich eine Informations-Plattform, die Qualität nicht nur verspricht, sondern bespricht. Es ist insofern auch eine „Social Media“ Plattform für Bankkunden und Banken.

Credible-finance geht von einer einfachen Aussage aus:

Es gibt keine besten Banken. Es gibt nur Banken, die gut oder schlecht zum einzelnen Kunden passen.

Dieser ganze Spitzenleistungs-Overkill ist in sich ein falscher Ansatz. Eine Bank gewinnt dauerhaft kein Vertrauen, indem sie irgendwelche Testergebnisse von Geldmedien an ihre Tür nagelt. Solch ein Zeugnis kann man sehr schnell wieder verlieren. Es gibt keine besten Banken. Es gibt nur Banken, die gut oder schlecht für den einzelnen Kunden sind. Um herauszufinden, welche Bank gut oder schlecht für einen ist, braucht es mehr als Mystery Shopping und ein paar Studenten, die in Banken gehen und ein Beratungsgespräch simulieren. Wir haben über 150 objektiv festzustellende Qualitätskriterien entwickelt,  mit denen man Qualität individuell festlegen kann. Ein paar Beispiele: „Schließt die Bank den Forderungsverkauf in ihren Verträgen explizit aus – ja oder nein?“ oder „Hat die Filiale x einen behindertengerechten Zugang – ja oder nein?“ „Ist der Geldautomat außerhalb der Geschäftszeiten zugänglich – ja oder nein?“ Der eine Kunde ist gehbehindert und will einen Baufinanzierungskredit. Der andere will nur abends Bargeld abheben. Und so weiter. So kristallisiert sich die Bank heraus, die gut für einen ist. Weil Angebot und Nachfrage optimal zusammen passen.

Um hier die Spreu vom Weizen zu trennen, haben wir wie gesagt ca. 150 objektive Qualitätskriterien entwickelt, die dem einzelnen Verbraucher – zusammen mit Erfahrungsberichten von realen Kunden – die Möglichkeit geben, die Treue zu seiner Hausbank zu bestätigen
sich (zum Beispiel nach dem Umzug in eine neue Stadt) eine neue gute, lokal engagierte Bank zu suchen.

Wir bieten Banken die Möglichkeit, diese Kriterien – also die ja / nein-Fragen pro Filiale auszufüllen. Damit kann sich jeder Kunde die Filiale suchen, die ihm am besten zusagt. In den ersten drei Monaten kostenlos, danach für eine kleine monatliche Gebühr pro Filiale. Mit Aktionen wie „Deutschland bewertet seine Banken“ wollen wir darüber hinaus in den teilnehmenden Filialen mit Poster und Foldern präsent sein, die auf die Website verweisen. So kommen die Kunden auf die Website.

Der Nutzen, der sich für regional orientierte Banken ergibt:

  • Preisgünstige Möglichkeit zur Erhöhung der medialen Reichweite
  • Zusätzlicher, neuer Kommunikations- und ggf. Vertriebskanal
  • Möglichkeit, Dinge von unabhängiger Seite angesprochen zu wissen, die eine einzelne Bank nicht aussprechen kann
  • Beitrag zur langfristigen Existenzsicherung

und die Zusatzfrage.

Welcher Freizeitbeschäftigung gehen Sie besonders gerne nach und warum?

Der Begriff der Freizeit ist ohnehin künstlich. Als Unternehmer trennt man da wenig. Aber das wichtigste in meinem Leben sind meine Frau und meine drei Kinder Sophie, Clemens und Claire.  Bei der Familie, den Freunden und  den Menschen allgemein versuche ich zu dienen bzw. zu helfen, so viel ich kann. Es ist für mich sinnstiftend. Nur wenn es den anderen gut bzw. besser geht, kann es mir auch gut gehen.

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Hier die weiteren Interviews

Herr Carlo Bewersdorf (Asstel ProKunde)

Die Bankonauten

Marko Haschej (Raiffeisenbank Eberndorf)

Guido Augustin (Bürgschaftsbank Hessen)

Lothar Lochmaier (Social Banking 2.0)

Suitbert Monz (R+V)

Dr. Harald Meissner

Mustapha Behan (whofinance)

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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