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Computer, Blippy, Swiply und emotionale Bankdienstleistung

Computer sagt nein

Ich bin ja ein ausgesprochener Fan der britischen Comedy Serie „Little Britain“, die auf Comedy Central ausgestrahlt wird. In einem wunderschönen kurzen Spot wird ein zugegebenermaßen etwas überspitzt dargestelltes Bankgespräch persifliert. Eine gelangweilte Mitarbeiterin und ein Computer entscheiden über die Vergabe eines Kredites und ratet mal, wem hier mehr Entscheidungskompetenz zugestanden wird. Aber schaut einfach selbst

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Mensch sagt auch nein

Beratung gilt ja als ein wesentlicher USP einiger Banken. Allerdings haben viele Kunden bereits einmal feststellen müssen, dass der menschliche Berater nicht unbedingt menschlicher Handeln muss als der Computer, den wir in der Kundenrolle ja meistens im „Self Service“vor allem bei Direktbanken einsetzen. Immer mehr neue Anbieter innerhalb der Finanzbranche arbeiten mit Modellen bei denen der ausgebildete Bankexperte in den Hintergrund tritt. Stattdessen wird die Weisheit und Unabhängigkeit der Vielen genutzt. Ganz normale – höchstens besonders interessierte – andere Verbraucher geben uns Tipps und Hinweise, die dabei helfen sinnvolle Produktentscheidungen zu treffen oder mehr über Finanzen zu erfahren. Diese Verbraucher sind in der Regel nicht mit einem der anbietenden Unternehmen verbändelt. Wir können also davon ausgehen, dass sie – z.B. auf der Basis eigener Erfahrungen – wertvolle und unabhängige  Informationen parat haben.  Das Ganze wird durch Internettechnologie erst ermöglicht oder abgewickelt.

Selber Nein sagen

Aus deutschen Augen schon fast verrückte Formen  nimmt dies bei Lösungen wie blippy oder neuerdings Swiply an. Auf Springwise wird das neue Angebot wie folgt beschrieben:

Currently in invitation-only beta, Swipely aims to “turn purchases into conversations,” in the site’s own words. Toward that end, it has developed a secure platform for consumers to share their purchase experiences online. Users begin by signing up and importing purchases from their credit or debit card accounts; email can also be used for purchases made online. Users remain in complete control of the purchases they share. For those they do, they can rate the experience and add comments or photos. Many purchases are automatically geolocated to specific store locations, and Swipely supports product details as well by integrating catalogs and menus from more than 250,000 retail and restaurant locations. The result, it says, is that users can start conversations around “specific outfits, meals, songs, movies, gadgets and millions of other products.” Upon seeing a compelling new purchase, other users can click to see the venue on the map and add the item to their own wish list; for music, movies and apps, meanwhile, they can just press play on select purchases to hear a song preview, see a video trailer or browse app screen shots. Swipely places a strong emphasis on protecting consumer privacy, it says, and has passed reviews and audits from leading third-party security and privacy organizations.

Das Angebot ist prinzipiell sehr ähnlich wie blippy, allerdings legt man besonderen Wert auf den Schutz der Privatheit, insofern dies bei einer solchen Idee überhaupt möglich ist. Warum blippy und Swiply bei aller Skepsis aber durchaus Aussicht auf Erfolg haben könnten, zeigt das folgende Zitat aus einem Artikel  (Autoren: Andreas Weigand und Adrian Chan)der aktuellen gdi- Impuls über die sich entwickelnde Social Data Revolution

Wenn Verbraucher sich durch ihre Äusserungen identifizieren, knüpfen  sie dadurch ein Netz persönlicher und sozialer Interessen, dessen Beziehgungsdaten zutiefst menschlich und bedeutungsvoll sein können .

Diese Aussage lässt uns die hinter den beiden Angeboten stehende Idee weniger skeptisch betrachten. Jenseits unserer kulturellen Wertvorstellungen – die uns natürlich weiterhin prägen und beeinflussen -identifiziert sie die grundlegenden Veränderungen in unserem Verhalten als menschlich und damit  auch als natürlich. Es wird nicht weiter helfen kopfschüttelend auf die gute alte Zeit hinzuweisen. Stattdessen müssen wir Wege finden, mit solchen Dingen umzugehen. Wir müssen dann auch Banking neu denken und bisher unvorstellbare Geschäftsmodelle in Betracht ziehen oder neu erfinden. Das spannende an Swiply und Blippy ist ja unter anderem die Verbindung der Kreditkartenfunktion (Transaktion) , mit dem hinter der Nutzung stehenden eigentlichen Bedürfnis ( Wunsch) und der übergeordneten sozialen Handlung (Kontext). Hier erfolgt die Emotionalisierung, welche die meisten Banken so schwer herstellen können, da der Wunsch nach einem Finanzprodukt ja immer nur ein abgeleiteter Wunsch bleibt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit vom Verhalten der Anderen zu lernen.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • florian

    Toller Bericht, und ja das Video passt so gut zum Thema!

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