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Brüder im Geiste

Bei Geburt getrennt

Ende August fand die 22 Handelblatt Fachtagung „Banken im Umbruch statt“. Der elitäre Club aus wichtigen Bankern, Politikern, Branchengrößen und Medien – dessen Preismodell alleine schon einen bedeutenden Beitrag zum Elite Charaker leistet -wurde in diesem Jahr vor allem durch Fintech Startups erweitert. Die Berichterstattung in den digitalen Medien vermittelte zumindest eindrucksvoll den Wandel der Branche in Richtung Technologie. Und wenn gerade mal kein Fintech Unternehmen auf Bühne oder Podium stand, dann konnten die Banken selber ihre Digitalisierungs- und Innovationsprojekte präsentieren. Technologie scheint – so Bank- und Fintechexperte Chris Skinner – nicht oder nicht mehr das Problem der Branche zu sein. Stattdessen ist es – wie ich hier auch schon einige Male geschrieben habe – die Kultur.

 


Technologie ist nicht das Problem der Banken, es ist die Kultur“ https://t.co/DxHOpKK4Hi @Chris_Skinner #banking #cultureEatsEverythingElse


 

Wenn Chris Skinner in diesem Zusammenhang von Kultur spricht – ich war nicht dabei,  kenne aber natürlich die Argumentation von Chris Skinner – dann meint er damit, dass die Kultur der Banken den wirklichen Wandel und vor allem die Adaptation neuer Technologien zur Entwicklung kundenzentrierter Geschäftsmodelle verhindert. Eine Kultur, die auf Perfektion, Risikovermeidung, kundenferne, Inside – Out Perspektive, strenger Hierarchie, etc. und vor allem auch den fest im eigenen Selbstverständnis verankerten Glauben, dass eine dezentrale Welt auch noch Banken braucht, basiert und die damit allzu leicht  immer wieder in die gleichen Lösungsstrategien verfällt – so wie sie Jochen Siegert in den Todsünden der Digitalisierung oder ich selber in meinem vorletzten Blogbeitrag beschrieben habe.

 

Ich möchte hier keinesfalls respektlos gegenüber den Entrpreneuren und Gründern sein, welche die Finanzbranche schon seit Jahren in Bewegung halten und die wichtige Innovationen hervorgebracht haben, aber aktuell liest und hört man von Experten und Medien viel über   „Kooperationen“ und „Ende der Fintech Disruption“.

Das kann man natürlich so sehen und wenn sich immer mehr Fintech Unternehmen in Frankfurt ansiedeln, dann ist das natürlich ein deutlicher Hinweis darauf, dass Banken und viele Fintechs zumindest Brüder im Geiste sind und möglicherweise nur bei Geburt getrennt wurden. Sagen wir es mal ketzerisch: Ist ein Fintech erst mal in Frankfurt am Main angekommen, wurden ihm die Flausen ausgetrieben, für sie ist die Disruption vorbei. Ob die kooperierende Bank davon aber gleichermaßen profitiert, lässt sich schwer einschätzen, denn möglich steht ein Fintech mit höherer Schöpungshöhe bereits bereit, um den nächsten Angriff zu starten.

 



 

Den Kultur Begriff kann man natürlich auch noch anders verstehen. Geht die technologische Revolution in der Finanzbranche weit genug bzw. hat sie im Blick, das Technologie kein Selbstzweck ist und gerade digitale Technologien das Potential besitzt, das Wohlbefinden und Glück der 99 % in den Mittelpunkt zu stellen. Die Statistiken, die über die abnehmende Armut der Menschheit berichten, sprechen von Durchschnitten und täuschen über die größer werdende Umverteilung hinweg.  Über die Situation der Umwelt und den Rechtsruck in nahezu allen westlichen Gesellschaft, Terrorismus und Co. müssen wir gar nicht sprechen. Eigentlich ist es an der Zeit nahezu alles zu verändern.

 

Wir erleben hoffentlich nur eine Übergangsphase, eine neue Stufe der Evolution in der Veränderung der Finanzbranche, die aber weiter gehen muss und wird. Bisher haben die  Fintechs nur Crowdinvesting und p2p Banking als wirklich neue Finanzlösungen hervorgebracht. Daneben bauen sie die Infrastruktur für das Banking des 21 Jahrhunderts. Das unendliche Potential der Blockchain Technologie, die aber nur in den richtigen Händen ihr Versprechen auch einzuhalten vermag, könnte die nächste Stufe sein, dabei dürften Kooperationen aber nur dann sinnvoll sein, wenn traditionelle Bank und Fintech die Bedürfnisse aller Menschen in den Mittelpunkt stellen und damit eine andere humane Kultur schaffen. Wir brauchen wirklich anderes Banking und nicht nur mehr Technologie im Banking.

 

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Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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