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Banking mit Freunden (v. Mathias Kröner Fidor AG)

So manch eine Bank hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr von den eigentlichen Kunden entfernt. Globale Geschäfte lockten in den letzten Winkel dieser Erde. Und auch eine Filiale vor Ort schützt manches Mal nicht davor, dass man an den Kunden und ihren Bedürfnissen vorbei gearbeitet hat. Gleichzeitig wurden Bankprodukte komplexer statt einfacher. Die Krise – man kann das Thema leider nicht außen vor lassen – ist der letzte Tropfen in das berühmte Fass. Leider leiden auch die Banken und Banker darunter, die einen ehrlichen und guten Job für den Kunden erbringen. Die öffentliche Meinung agiert hier in Form der Sippenhaftung.

Nun gehen wir kritischen Zeiten entgegen. Mit vielen Unsicherheiten und enormen Belastungen. Keiner von uns kann wirklich davon ausgehen, dass die jeweils persönliche

in finanziellen Dingen rosig aussieht. Die persönliche Kaufkraft, so meine These, wird über kurz oder lang abnehmen. Sei es durch Inflation, direkten oder indirekten Einkommensrückgang bzw. Ausfall von staatlichen Unterstützungsleistungen. Denn woher soll denn der Staat das Geld nehmen. Darum ist es – mehr als jemals zuvor – die Aufgabe des Kunden, ja sogar seine Pflicht, sich aktiv um die eigenen Geldthemen zu kümmern! Wer sich jetzt nicht vorbereitet, wird in ein bis drei Jahren große Überraschungen erleben. Die Themen Rohstoffmangel und damit einhergehend steigende Energiepreise, Umweltschutzkosten, Klimawandel und demografischer Wandel habe ich mal außen vor gelassen. Die Lust am Lesen soll nicht vollends verloren gehen.

Zu erkennen ist somit die klare Notwendigkeit sich um Geldthemen zu kümmern. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist: Es besteht mehr denn je die Möglichkeit, das Thema Geld selbst in die Hand zu nehmen. Das Internet macht es möglich.

Der Mensch agiert irrational. Das ist manches Mal verwunderlich, macht ihn aber auch so reizend und liebenswert.

Irrational ist es beispielsweise, kilometerweit zur Billigtankstelle zu fahren. Irrational ist es auch, im Netz stundenlang nach Preisvorteilen unter 20 Euro zu suchen. Gleichzeitig versenkt der Verbraucher jährlich Millionen und Milliarden bei den eigenen Finanzentscheidungen. Die Möglichkeiten sich zu „entreichern“ sind hierbei auch wirklich mannigfaltig. Angefangen bei einer katastrophalen Verzinsung von Spareinlagen (lt. Herrn Mandel, Vorstand der Comdirekt, hätten die Deutschen 600 Mio. Euro mehr an Zinseinnahmen, wenn sie ihr Geld besser und dabei durchaus nicht risikoreicher (!!) anlegen würden.), und bei sinnlosen und nutzlosen Versicherungen nicht endend. Wenn man alleine an den Lebensversicherungs-Wahn der Deutschen denkt, könnte einem schwindlig werden. Aber woher haben das die Deutschen? Wer hat ihnen das eingeflößt? Kommt dieses Denken über das Grundwasser in die Haushalte?? Sicher nicht!!

Das Optimieren, das objektive Optimieren, nicht das Werbeslogan-Optimieren, muss die Aufgabe eines jeden sein. In Sachen Geld und im eigenen Interesse bei allem was man unternimmt, die Spreu vom Weizen zu trennen. Einfache Zielsetzung. Aber wie soll man das machen?

Das Internet wird – genau zu diesem Zweck – eine Menge an Möglichkeiten entwickeln. Erste Ansätze sind bereits gegeben. Ähnlich wie bei Hotel-Seiten besteht bereits heute die Möglichkeit, sich zu Finanzthemen auszutauschen, Produkte und Geld-Berater zu bewerten, um im Nachgang eine Buchung vorzunehmen.

Darüber hinaus bietet eine weitere Seite die Möglichkeit, die eigenen Lebenshaltungskosten mit den Kosten der anderen zu vergleichen. Wie bei Dating-Seiten geschieht dies unter Berücksichtigung der jeweils individuellen Profile und persönlichen Lebenssituation. „Profile-Matching“ nennt sich das. Aus diesem Matching abgeleitet ergeben sich – vollkommen anonym – sehr interessante Rückschlüsse. Man kann erkennen, wo man gegebenenfalls zu viel ausgibt. Es besteht dann die Möglichkeit, mit diesem User Kontakt aufzunehmen, um das Optimierungspotentiell genauer einzugrenzen. Dieses Vorgehen kann auf Basis individueller Dateneingabe geschehen. Es kann aber auch automatisiert, beispielsweise durch das Einspielen der Kreditkarten-Daten, funktionieren. Diesen Ansatz gibt es bereits in den USA, in Deutschland arbeitet sicherlich auch jemand daran.

Sollte nun ein User zwar spüren, dass sich etwas verbessern muss, aber nicht genau beschreiben können, wo und was konkret das Problem ist, besteht im Rahmen einer Webseite die Möglichkeit, an eine Reihe dort registrierter Geld-Experten eine Frage zu stellen. Ohne Obligo, kostenfrei, Anonym. Die Berater haben dann die Möglichkeit, auf diese Frage kompetent und kundennah zu antworten, um so – womöglich – einen Kunden für die Zukunft zu gewinnen.

Neben den spezialisierten Seiten sind die mal mehr mal weniger themenfokussierten Social media Plattformen wie twitter, Facebook, Xing uvm. nicht zu vergessen. Die genannten Webplattformen sind die „Fußgänger-Zonen“ des Internets. Dort nicht vertreten bzw. auffindbar zu sein wäre fatal. Für einen Retail-Banking-Strategen wäre es keine Frage, sich massenwirksam in der Münchner Fußgänger-Zone zu positionieren, um möglicht viele Menschen anzusprechen.

Das ist ein Grund. Ein anderer Grund ist die Akzeptanz der Tatsache, dass nicht der User zu einer Bankwebseite kommen muss, sondern die Webseite zum User. Damit stellt sich natürlich die nächste Frage: Wo befinden sich denn die User? Und schon komme ich erneut zur Eingangsthese der „Internet-Fußgänger-Zonen“.

Wer sich also erfolgreich im netz positionieren möchte, muss a. Social Media Plattformen berücksichtigen, b. muss sich dort positionieren und c. muss sich dementsprechend verhalten, was wiederum d. die Fitness der Gesamtorganisation für dieses Unterfangen voraussetzt. Das ist die interne Konsequenz eines Web 2.0 Ansatzes. Unabhängig davon, ob man Bank oder Reiseveranstalter ist.

Vielleicht erklärt sich nun auch so unsere These „Banking mit Freunden“. Der gegenseitige Austausch mit Gleichgesinnten wird dann wertvoll und zum Freundschaftsdienst, wenn man sich so hilft, die bessere Entscheidung zu treffen. Dabei betrachtet sich nicht die Bank als Freund. Das empfände ich als anmaßend und halte ich kommunikativ auch für schwer zu vermitteln. Die Bank stellt aber die Plattform für den Austausch zur Verfügung und verspricht, die miteinander gefundenen Ideen – beispielsweise zu Produkten – umzusetzen. Die Bank verspricht darüber hinaus, als lizenziertes Unternehmen auf die Qualität des Austausches zu achten. Und besonders wichtig: Um keinen Interessen-Konflikt mit den Kunden zu bekommen, sollte ein derartiger Ansatz auf einen aktiven Vertrieb verzichten. Nur so kann es zu einem wirklichen Banking mit Freunden werden.

In den USA habe ich zu Zeiten meines Studiums (damals war ich noch in der Hotellerie) einen Satz gelernt, der mich sehr geprägt hat: „Don´t go after a friend to make a deal, go after a deal to make a friend!“ Den Kern dieser Aussage müssen wir auch wieder auf die Finanzdienstleistung anwenden. Dank des Internets können wir das beweisbar und nachvollziehbar durchführen.

www.gemege.de

www.mint.com

www.wesabe.com

www.sharewise.com

www.brokr.de

www.ficoba.de

www.bonus.fidor.de

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Die Bank der Zukunft

Autor: Lothar Lochmeier freier Wirtschaftsjournalist und Betreiber des Blogs Social Banking 2.0

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Der Arikel ist in gekürzter Fassung auch in der Kundenzeitschrift der VR NetWorld GmbH erschienen.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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