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Banking braucht Ambition

Über meinen Informationskanal Nummer 1 bin ich heute auf einige deutschsprachige Artikel aufmerksam geworden, die sich mit Banking bzw. Social Banking beschäftigen. Das Netzwerk für deutschsprachige Business Blogger beschäftigt sich beispielsweise mit der amerikanischen „moveyourmoney“ Aktion, die nicht nur viel Aufmerksamkeit erzeugt sondern auch durchaus Wirkung gezeigt hat.Wenn man auch in der amerikanischen Öflfentlichkeit uneins darüber ist, ob diese Aktion wirklich dazu führen kann, die Bankenwelt zu verändern.

Mehr als Aktionismus

In jedem Fall fehlt in Deutschland eine vergleichbare Aktion. Und man muss auch zweifeln, ob bei der vorhandenen Apathie der deutschen Verbraucher wirklich ähnliche Effekte erzielt werden könnten. Zumal mit dem Wechsel zu einer kleinen Bank nicht automatisch alles besser werden wird. Der Wechsel einer Bank sollte überlegt sein und die Menschen sollten auf die  dafür notwendigen unabhängigen Informationen zugreifen und diese verstehen können, um eine wirklich kompetente Entscheidung treffen zu können.

Wenn Menschen über Banken reden

Das Menschen über ihre Bank und das Geld, welches sie dieser Bank anvertrauen, nachdenken, ist eine Tatsache. Die Banken beginnen auch zu begreifen, dass  eine größer werdende Zahl von Menschen das Internet nicht mehr nur nutzt, um sich unabhängig zu informieren und zu vergleichen. Immer mehr Menschen halten ihre Erfahrungen mit Banken fest und posten diese über Twitter, in eigenen Blogs, bei Facebook usw. Insofern ist logisch, dass auch die Banken das soziale Netz nutzen. Bisher leider grösstenteils , um dort Informationen zu posten und  – man verzeihe mir diese  Ausdrucksweise -mit den erlernten und studierten aber veralteten Kommunikations Methoden auch diese Kanäle zu verschmutzen.

Mit neuen Anforderungen muss man sich beschäftigen

Einige Banken erkennen allerdings auch, dass Social Media neue Anforderungen erzeugt, mit denen man sich auch mal inhaltlich auseinandersetzen könnte. Dabei kann dann auch die Verwendung von Social Software innerhalb des Unternehmens auf die Tagesordnung kommen. An der Universität Zürich gab es deshalb einen Workshop mit dem Titel: Banking 2.0: Lernen mit Social Software. Im Blog Bank 2.0 findet man hierzu eine kurze Zusammenfassung.

Nach der Lektüre dieses Artikels kann man auf der Positivseite verbuchen, dass sich Banken offenbar dem Thema zuzuwenden beginnen. Auch wenn sich die Veranstaltung hauptsächlich an die Vertreter von Schweizer Banken richtete und ich nicht sagen kann wie viele Vertreter deutscher Banken anwesend waren.

Lesson not learnt

Nach meiner Interpretation des Artikels ist auf der Negativseite aber deutlich mehr zu verbuchen.Der Artikel vermittelt den Eindruck, dass Social Software überwiegend aus technischer Perspektive betrachtet wurde. Also als ein partiell eventuell sinnvolles Instrument.

Darüber hinaus herrscht die typische Machbarkeits Rhetorik vor. Es wird nach wie vor der Eindruck vermittelt, das soziale Internet und auch der Einsatz von „Social Software“ sei überwiegend steuer- und kontrollierbar und falls dies in bestimmten Bereichen nicht so sei, dann sei es besser dort nicht aktiv zu werden. Die Banken haben also Angst vor Reputationsschäden, deren Verursachung man aber eher von Mitarbeitern erwartet, die nicht in der Lage sind für , im Namen des oder über das  Unternehmen zu kommunizieren. Weil dieser Mitarbeiter das entweder kraft seines Amtes gar nicht tun darf oder aber gar nicht weiss, wie er seinen  Arbeitgeber in der Öffentlichkeit beschreiben oder vertreten kann. Und dann gibt es noch die Angst vor Mitarbeitern, die sich -aus welchen Gründen auch immer – an ihrem Arbeitgeber rächen möchten oder lügen oder an der falschen Stelle dem Kunden die Wahrheit sagen.
Sollte die Veranstaltung wirklich so abgelaufen sein, könnte man zu folgendem Schluss kommen:

Setzen sechs und Thema verfehlt.

Wer – um Social Software nutzen zu können – zunächst mal ein rigides Regelwerk braucht, wer Angst vor den Äusserungen seiner Mitarbeiter oder möglichen negativen Äusserungen der Verbraucher hat und immernoch denkt, das soziale Internet liesse sich einseitig kontrollieren, der hat viel grundsätzlichere Probleme ohne deren Behebung „Social Software“ sowieso keinerlei  Wirkung erzielen kann. Der hat dann – wie im Bank 2.0 Blog sehr treffend festgestellt wurde – kein gutes Produkt. Der hat – wie ich ergänzen möchte – auch keine zufriedenen Mitarbeiter und keine zufriedenen Kunden und der kann im Internet auch nicht mehr länger den Eindruck erwecken, er habe all dieses doch.

Unternehmen ohne nachhaltige Ambitonen gehört nicht die Zukunft

Solche Unternehmen haben keine Ambitionen und gehören zum Modell Wirtschaft 1.0. Für Unternehmen dieses Modells wird es in der Zukunft immer weniger Raum geben. Wer regelmässig in den Blog von Umair Haque schaut, kann dort nachlesen was „Innovation“ und was „Unnovation“ ist, was „Thin Value“ und was „Thick Value“ ist.

Unternehmen mit einer Strategie für das 21 Jahrhundert werfen veraltete  Mensch, Natur und Umwelt schadende Strategien über Bord. Solche Unternehmen produzieren tatsächliche Werte und verdienen mit überzeugenden Produkten Geld. Dabei muss nichts verschleiert oder im Kleingedruckten der AGB versteckt werden. Die Menschen erhalten dadurch ein Produkt bei dem sie vom ersten Augenblick an wissen, die richtige Wahl getroffen zu haben. Eine schwierige Aufgabe – aber in der Zukunft gibt es keine leichte Aufgaben mehr.

Banking braucht Ambition

Wer heute Bankdienstleistungen anbietet, sollte bereit sein etwas Großes hervorzubringen und eingespielte scheinbar normale Selbstverständlichkeiten zu verändern. Es gibt Ansätze: Noa Bank, GLS Bank, Triodos, Fidor AG, Smava, etc. Aber es gibt auch noch viele Möglichkeiten und Herausforderungen. Banking braucht auch die Vorsilbe Social nicht, denn eine Unterscheidung zwischen Banking und Social Banking macht überhaupt keinen Sinn. Banking ist immer „Social“, da es sich um eine Diensleistung von Menschen für Menschen handelt und es insofern für alle Unternehmen in diesem Bereich darum gehen muss ein nachhaltiges Produkt anzubieten, welches beiden Seiten weiter hilft.

Für ein wenig Inspiration deshalb einige Zitate von Umair Haque. In der Hoffnung, dass diese zu ambitionierten Banken führen mögen, wobei es um wirklich skalierbare und nachhaltige Ambitionen ohne Verlierer gehen sollte.

Today’s innovators are discovering that putting poverty reduction at the heart of what is made, bought, sold, and used isn’t just good business — it’s the key to exploding the economic boundaries of „business“ entirely.

Innovative Unternehmen betrachten Menschen nicht als Konsumenten, d.h. sie reduzieren diese nicht auf ihre Funktion als Nachfrager von Produkten und Dienstleistungen

The war on consumption. Anytime I’m in a boardroom, and a CEO says „consumers,“ I eat his brain. The most fundamental law of demand-side econ today is: there is no consumer. People are lots of things: parents, friends, citizens. But they’re not merely consumers, because an economy driven by naked, aggressive hyperconsumption has had its day. In the 21st century, counterintuitively, it is businesses who can make tinier increments of consumption radically more meaningful that will reap the greatest rewards.

Innovative Unternehmen verändern sich vor allem auch selbst und sie erkennen die blockierende Wirkung der DNA des Industriezeitalters, die nach wie vor und trotz aller Falsifizierungen an einem „one best way“ festhält der immer weniger Menschen nutzt und immer mehr Menschen schadet.

The war on yourself. The real enemy of prosperity is the industrial era DNA of the modern corporation. And the most intense struggle that every organization must fight isn’t external, but internal. It is about building a better kind of business, commerce, and finance. Because those are the building blocks of the better banking, healthcare, energy, transportation, media — the list is seemingly endless — industries that today’s economy so desperately needs. Where does that war begin – and end? Try my post on Twitter’s next-gen DNA for some pointers (and contrast it with Facebook’s to see two very different kinds of organizations).

http://blogs.hbr.org/haque/2010/01/the_scale_every_business_needs.html

Real Ambition

Und an einer anderen Stelle in seinem Blog. Unternehmen, die bereit sind für die Zukunft  haben Ambitionen und den Ehrgeiz Dinge grundlegend zu verändern und das Gute in unserer Wirtschaft zu maximieren. Sie produzieren „thick Value“. Sie verändern die Welt und bieten Alternativen. Sie verbessern unser Leben.

A real ambition, in contrast is a living expression of how an organizaton answers the four-word challenge of 21st Century economics. Twenty-first Century businesses have ambition — at giganto-mega-universe-sized scale instead. „To organize the world’s information and make it universally accessible:“ now there’s an ambition at scale.

Twenty-first Century scale is about ambition, not stuff. So here’s a killer question to kick off 2010: Does your ambition scale?

An ambition that scales is one that takes an organization already creating thick value, and expands it to affirmatively answer the three questions below:

  • Is it globe-spanning?
  • Is it world-changing?
  • Is it life-altering?

For most organizations, the answers are: maybe, nope, not a chance. For a few, even, worse; the answers are: yes, for the worse, for even worse. Most organizations have only the tiniest, puniest, most inconsequential of ambitions. And that, quite simply, is why most are obsolete.

http://blogs.hbr.org/haque/2010/01/welcome_finally_to_today_the.html?

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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Nehmen wir einmal an,…

...diese Studienergebnisse würden auch für Deutschland gelten. Also die jungen Menschen hier wären ähnlich oder gleich eingestellt, wie jene aus...

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