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Banken träumen von Plattformen

Banken träumen von Plattformen


Dieser Artikel ist provokativ und klingt wie ein Abgesang. Er soll es nicht sein. So mancher vermeintliche Abgesang hat Phoenix aus der Asche geführt. Der einzige Anlass diese Zeilen zu schreiben, besteht in der Tatsache, dass sich in den letzten 12 Monaten innerhalb und außerhalb der Bankbranche die Meinung manifestiert hat, dass alle Banken unbedingt zur Plattform werden müssen und können, um noch überlebensfähig zu sein. Nur wie soll man so einem abstrakten Ziel folgen und vor allem die Menschen hinter dieses Ziel bringen? Und was kommt dabei raus, wenn alle das gleiche erreichen möchten?


Diese Träume sind Alpträume, denn Plattformen könnten Banken überflüssig machen. Aber es sind auch schöne Träume, denn wenn Plattformen das Erfolgsmodell der digitalen Ökonomie sind, dann werden wir einfach selber zu Plattform. Das wäre doch gelacht, denn wir haben viel Geld, viele Kunden und die technologische Kompetenz, um Plattformen zu bauen und zu sein. Klingt doch einfach. Ist es das auch?

Maria Callas

Der Wunsch eine dominierende Branchenplattform zu werden ist legitim. Und natürlich könnte dieser Wunsch für wenige, sagen wir besser  ganz wenige, Banken in Erfüllung gehen.

Anders ausgedrückt: Das Banken, die bereits vor der Internetzeit bestanden haben zu einer erfolgreichen Plattform werden, ist ungefähr so wahrscheinlich, wie  aus einem Sieger von Deutschland sucht den Superstar eine neue Maria Callas zu machen.

Die Gründe

  • Eine Plattform entsteht nicht einfach dadurch, dass man Technologien nutzt, die in der Lage sind, einen Zwei- oder Mehrseitigen Markt zu bedienen oder zu entwickeln
  • Nicht alle erfolgreichen Plattformen haben offene APIs. Offensichtlich sind offene APIs auch keine hinreichende Bedingung für den Erfolg
  • Der Erfolg von Plattformen besteht im Aufbau und in der Pflege von eleganten Online Beziehungen und der Aktivierung des Engagements der späteren Nutzer. Die Pflege von Kundenbeziehungen in Filialen ist aber nicht zu vergleichen mit dem Aufbau und der Pflege von Nutzerbeziehungen. Leiser ist es nahezu allen Banken nicht gelungen tiefe Nutzer Beziehungen aufzubauen. Stattdessen gibt es digitale Verkaufskanäle, davon getrennte Kommunikationskanäle wie whats app, wiederum davon getrennte Marketingkanäle wie Facebook und Co. mit jeweils voneinander getrennten Teams.
  • Der Erfolg von Plattformen beruht auf Daten und daraus entwickelten, überlegenen Algorithmen, welche wirklichen Nutzen für den Kunden stiften. Banken haben zwar viele Daten aber keine Möglichkeiten (Regulatorik, Fehlende Kompetenz, etc.) und Phantasie, wie sie diese Daten zur Schaffung von Kundennutzen einsetzen.
  • Plattformen entstehen durch kleine und kleinste Schritte über einen langen bis sehr langen Zeitraum. Banken kennen aber nur große Projekte und alles was sie anfassen, wird zu einem großen Projekt vor dem man dann wie das Kanninchen vor der Schlage erstarrt. Lange dauernde Projekte und in kleinsten Schritten über einen langen Zeitraum zu experimentieren, zu scheitern und zu lernen, sind natürlich 2 verschiedene paar Schuhe.
  • Der Trend zum Kleinen bezieht sich natürlich auch auf das Arbeiten und die Softwarentwicklung. Aus Agile wird Minimum Agile. 2 oder 3 Wochen Sprints waren zur Jahrtausendwende hilfreich, aber nicht zu Zeiten in denen jede Interaktion mit einem Interface eine Echtzeit Information liefert und ein Echtzeit Experiment ermöglicht
  • Plattformen entstehen nur durch Interdiziplinarität. Technologie-experten alleine können keine erfolgreiche Plattform ins Leben bringen. Auch Marketing Experten nicht. Auch Vertriebsexperten nicht. Auch XYZ Experten nicht. In Banken gibt es aber nach wie vor kaum selbstorganisierte und interdisziplinäre Teams, die noch dazu nicht wirklich in der Welt der Plattformnutzer leben. Es gibt also keine Kundenexperten.
  • Plattformen brauchen wenig Ressourcen. Weder viele Mitarbeiter noch teure Eigenentwicklungen. Stattdessen setzen sie auf Open Source, Cloud, Community und Co. Die meisten Banken müssten also erst extreme Effizienzprogramme und schmerzhafte strategische Shifts durchführen, bei denen sie Kontrolle abgeben müssten, viele vorhandene Kunden und den gefühlten Vertrauensvorschuss verlieren würden. Banken können aber keine Kontrolle abgeben – die Regulatorik ist dabei noch der unwichtigste Grund.
  • Banken haben nicht die richtigen Talente und können den Kampf um die wenigen vorhandenen Talente nicht gewinnen
  • Grösse ist Nachteil und nicht Vorteil. Neu ist Vorteil, Alt ist Nachteil.
  • Die Banken haben zu viel Geld und verstehen das Prinzip des „Metered Funding“ nicht. Alle Prozesse sind auf große, statt auf kleine Schritte ausgerichtet.
  • Plattformen existieren in Ökosystemen und sie ziehen ihre Kraft daraus. Die einzelnen Teile der Ökosysteme brauchen einander und nutzen einander. Dafür braucht es ein Kooperations-Gen. Banken sind gerade erst dabei dieses Gen auszubilden, insbesondere im Hinblick auf Partner, die bisher nicht auf ihrer Agenda standen. Also kleine und fundamental anders denkende und handelnde Einheiten. Aber auch komplett andere Branchen, deren Unternehmen bisher nur als Kunden wahrgenommen werden. Sie müssen erst Demut lernen um dann in den systemischen Zyklus des „Unlearnings“ einzutreten.
  • Strukturen und Hierarchien verlieren immer gegen loose gekoppelte Netzwerke, es sei denn man heißt China 🙂
  • Plattformen sind international. Sie lösen zwar durchaus regionale Kundenprobleme, aber Plattformen können nicht regional überleben, wenn dann nur mit Commons orientierten Geschäftsmodellen.
  • Banking kennt keine Grenzen mehr. Und kennt Banking eigentlich noch Banking? Paradoxien sind leider Teil der exponentiellen Welt.
  • Welches wirkliche Kundenproblem, dass nicht fast jedes andere Unternehmen auch lösen könnte, lösen Banken überhaupt noch.
  • Digitalisierung kennt keine Pause, sondern beschleunigt sich weiter. Aufholen ist da eigentlich gar nicht möglich, zumindest nicht durch Nachahmung.
  • Es gibt keine wirklich bedeutende in Deutschland entstandende und skalierende Plattform. Zumindest nicht im Consumer Bereich
  • Plattformen stellen Unternehmen auf den Kopf und wann wurde mal eine Bank auf den Kopf gestellt? Besser: Wann hat sich mal eine Bank selber auf den Kopf gestellt?
  • Inzwischen beweisen wenige, aber immerhin genug „Nicht Banken“, dass sie sehr wohl skalieren können und auf Kooperationen mit Banken nicht angewiesen sind. Zumal. Das Plattform Geschäft tendiert ja zur Monopoliserung
  • …..

Ich mach jetzt Schluss

Denn sonst wird der Artikel so lang, dass ihn keiner mehr lesen möchte. Wahrscheinlich könnte ich noch stundenlang weiter schreiben. Eine Challenge die ich noch mitgeben möchte: Wie können wir mit der Überwindung von Plattformen Mehrwert für Menschen schaffen, indem wir Ihnen dabei helfen ihre Alltagsjobs besser, schneller,einfacher, intelligenter, etc. zu lösen? Im besten Fall sind Plattformen nur ein Übergang in eine dezentrale Welt.

Auch Markus Perlwieser hofft im Bankblog auf die Monetarisierung der Plattform Ökonomie durch die Banken

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Hansjörg Leichsenring

    Ja,. das Thema Plattform Banking kann man mit gutem Gewissen kritisch sehen. Wir stimmen da vollkommen überein.
    VG
    Hansjörg Leichsenring
    Der Bank Blog

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