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BAD IDEA BOOK

BAD IDEA BOOK

Man braucht viele Ideen, um eine gute Idee zu generieren. Aus einer guten Idee kann eine Innovation hervorgehen, die Wert für Kunden, Unternehmen und auch das umgebende Ökosystem schafft. Viele der eigenen Ideen sind nach dieser – zumindest alltagswissenschaftlichen – Erkenntnis also schlechte Ideen und deshalb empfehlen einige Innovationsexperten ein sogenanntes „Bad Idea Book“ mit sich zu führen.

 

In dieses Bad Idea Book kann man alle seine Ideen erst einmal eintragen, damit sie nicht verloren gehen. Das Mitführen dieses kleinen Buches – dass natürlich auch ein Evernote Book oder ein google Dokument sein darf – ist auch deshalb sinnvoll, weil uns die meisten Ideen eben nicht am Arbeitsplatz kommen oder an anderen Orten an denen wir zum Brainstorming (was leider auch nicht funktioniert) animiert werden.

 

Nach einem festen Zeitraum. Das können eine Woche, zwei Wochen, drei Wochen oder auch 4 Wochen sein, sollte man dann das Buch wieder zur Hand nehmen und die Ideen der letzten Zeit nochmal anschauen. Wenn wir dann die eine oder andere Idee immer noch gut finden, sollten wir weiter damit arbeiten.

 

Die Idee mit den Geldautomatengebühren

 

In den letzten 4 Wochen wurde in diversen Zeitungen und anderen Medien häufig über die Erhebung und Erhöhung von Gebühren an Geldautomaten geschrieben, die vor allem Sparkassen und einige Volksbanken – häufig ohne Information der Kunden oder entsprechender Aushänge an den Geldautomaten – vorgenommen haben. Einige waren sogar so „kreativ“ die Gebühr im Laufe des Tages je nach Nachfrage – so ähnlich wie bei Tankstellen – zu heben oder zu senken.

Viele Kunden waren darüber nicht erfreut. Viele Zeitungen berichteten und in den Kommentaren dieses Artikels bei „Spiegel Online“ kann man erahnen wie hoch der Reputationsschaden ist, den sich die Banken damit erarbeitet haben.

Mit einem „Bad Idea Book“ – noch dazu mit einem kolloaborativ geführten Bad Idea Book – wäre dies wohl nicht passiert, denn schon beim zweiten Lesen hätte doch jeder sehen müssen, wie unklug diese Entscheidung in einer Welt ist, in welcher der Wechsel einer Bank immer leichter wird und in der jede falsche Entscheidung schnell großen Widerhall in den sozialen und in anderen Medien findet. Gut war diese Idee offensichtlich nur für die Konkurrenz, so soll die Commerzbank einige neue Kunden gewonnen haben, die den anderen Banken verloren gingen.

 

Einen Brief von Jeff lesen

 

Wäre doch der  jährliches Shareholder Brief von Jeff Bezos etwas früher gekommen und würden die Mitarbeiter von Banken auch Quellen lesen, die außerhalb ihrer eigenen „Filter Bubble“ liegen, dann wäre die Umsetzung der schlechten Idee vermeidbar gewesen. Nach Jeff Bezos ist „Customer Obsession“ eine von 4 Eigenschaften oder sagen wir besser „Haltungen“ die Unternehmen unbedingt benötigen, um „Day 1“ Unternehmen zu bleiben und nur diese werden in der digitalen Welt überlebensfähig sein. Den Grund dafür beschreibt Jeff Bezos so:

 

„Why? There are many advantages to a customer-centric approach, but here’s the big one: customers are always beautifully, wonderfully dissatisfied, even when they report being happy and business is great. Even when they don’t yet know it, customers want something better, and your desire to delight customers will drive you to invent on their behalf. No customer ever asked Amazon to create the Prime membership program, but it sure turns out they wanted it, and I could give you many such examples.“

 

Und Day One Unternehmen bleiben eben immer im „Experimentier-“ und „Lern““ Modus, und mal ganz ehrlich.: Hat – wer Begriffe wie Omnikanal verwendet – wirklich etwas von Kundenzentrierung verstanden? Ich habe diesen Begriff in jedem Fall noch von keinem erfolgreichen Startup Gründer gehört. Schließlich müssen diese auch keine überkommenen Kanäle am Leben erhalten.

 

Und was sonst noch geschah und zu denken geben könnte

 

Ja dann war da in dieser Woche noch  die Nachricht von der Reisebank, die eine mobile Anwendung für Flüchtlinge mit dem Naman „Bankomo“ enwickelt hat.Das IT Finanzmagazin berichtete und stellte direkt mal den Vergleich mit „Number26“ und „Yomo“ her.

 

Und was sagt uns das dann, über gute Ideen und schlechte Ideen. Denn Gebühren machen doch eigentlich nur Sinn, wenn es für den Kunden keinen Ausweg gibt. Staatliche, regionale und kommunale Institutionen können Gebühren erheben, wenn Unternehmen zu diesem Mittel greifen, wird es hohe Zeit für gute Ideen.

Bleibt noch die Frage: Warum so viele Banken die gleiche schlechte Idee innerhalb  eines so engen Zeitraums hatten? Welches Beratungshaus – das Digitalisierung auch noch nicht verstanden hat- hat hier wohl mit geholfen? Muss ich erwähnen, dass es sich hier natürlich nur um meine ganz persönliche Meinung handelt? Nein!

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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