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Anonymität, Netzneutralität und Veränderung

Gestern haben drei Artikel oder Themen meine Aufmerksamkeit erregt. Sie alle haben – und das ist die Gemeinsamkeit – mit den Möglichkeiten und Auswirkungen des Internets zu tun. Beschäftigen sich also damit, wie das Internet unseren Alltag verändert und sich dabei natürlich auch selbst verändert bzw. durch Menschen verändert wird. Und natürlich  beeinflussen diese Veränderungen auch die Finanz- und Bankenwelt, was hier aber nur am Rande eine Rolle spielt.

Anonymität

Google Vorstand Eric Schmidt hat auf der Konferenz „Techonomy“ das Ende der Anonymität erklärt. Hier das zentrale Zitat entnommen aus einem Beitrag des basicthinking Blogs, wo man auch diesen interessanten Artikel findet.

Bereits heute sei jeder eindeutig identifizierbar, von dem nur 14 Fotos im Internet verfügbar seien. Ebenso könne über die Standortermittlung nicht nur der aktuelle Aufenthaltsort eines Nutzers bestimmt werden, sondern anhand der bereits verfügbaren Daten auch mit einiger Sicherheit vorausgesagt werden, wohin er sich als nächstes begeben wird.

Naturgemäß hat Eric Schmidt mit dem Ende der Anonymität auch wenig Probleme, was für ein Land, welches aktuell nach dem Motto lebt – Unsere Städte sind in google Street View abgebildet, wir werden alle sterben – natürlich nicht gilt. Wobei, wie anonym könnte wir heute eigentlich noch leben, wenn es das Internet nicht geben würde und welche Probleme schafft eigentlich das Ende der Anonymität? Grundsätzlich sehe ich drei Bereiche, in welchen Anonymität eine Rolle spielt: Das Private, Staat und zugehörige Institutionen und Unternehmen.

Der Staat und die zugehörigen Unternehmen warnen in erster Linie vor den Unternehmen, die ja nur an unser Geld wollen. Allerdings habe ich bei den Unternehmen immernoch die Möglichkeit ein mir unterbreitets Angebot, welches möglicherweise auf meiner Transparenz im Internet beruht, abzulehnen. Deshalb habe ich hier eigentlich das geringste Problem.

Bezogen auf das Private, also Dinge, die möglicherweise nur mich und noch nicht mal meine Familie, Freunde und Verwandte etwas angehen, habe ich ohnehin kein Problem, da ich es für falsch halte Geheimnisse zu haben. Alles was ich im Internet mache ist transparent und das kann auch jeder erfahren. Das gilt im Übrigen auch für meinen jeweiligen Arbeitgeber. Da das Private ja ohnehin geschützt ist, dürfte dies eigentlich auch keinen Einfluss auf meinen beruflichen Weg haben. Was von manchen deutschen Unternehmen aber offensichtlich anders gesehen wird, wie wir in der Presse in den letzten Monaten ja häufiger nachlesen durften.

Und dann wäre da noch der Staat, der ja eigentlich ohnehin schon alles weiß, wenn er nur die vorhandenen Daten zusammen führen würde, was z.B. mit dem neuen Personalausweis möglich wäre und der darüber hinaus an immer mehr Stellen (z.B Internet) kontrollieren und eingreifen möchte (siehe auch Netzneutralität). Und hier fehlt mir die Möglichkeit „Nein“ zu sagen. Und selbst wenn ich Daten im Internet zurückhalten würde, wäre ich verpflichtet diese an bestimmte Institutionen weiter zu geben.

Geht es den ganzen institutionellen Warnern am ende gar nicht darum uns zu schützen, sondern vielmehr darum das Datenmonopol zu behalten. Wenn man die Dinge mal von der anderen Seite betrachtet, könnte es doch auch nützlich sein – so sieht das Eric Schmidt übrigens auch – eben nicht anonym im Netz zu sein, weil man dadurch ja immer offen legen kann, was man, wann, wo, wie und wieso gemacht hat. Wäre doch gut, falls mal jemand fragt. Und grundsätzlich – und damit hat Eric Schmidt auch Recht – entsteht die Gefahr ja erst, wenn es Personen, Gruppen,Institutionen oder auch Staaten gibt, die bereit sind die Daten im eigenen und gegen das Interesse des betroffenen zu nutzen.

Um mal kurz einen Schwenk zur Finanzbranche zu machen. Hier sind ja Staaten (USA) und Finanzämter schon lange mit den notwendigen Rechten versehen, unsere Konten einzusehen (es sei denn es ist in der Schweiz), wogegen die Banken sich übrigens gewehrt haben.

Netzneutralität

Das ist das zweite Thema. Hierzu gab es einige interessanten Artikel bei netzwertig.com, die sich immer wieder auch mit den politischen und kulturellen Dimensionen des Internets auseinandersetzen. Schneller als erwartet und befürchtet, müssen wir Internetnutzer uns darauf einstellen, das, über das Internet transportierte, Daten nicht mehr gleichberechtigt übermittelt werden.

Das Ende der Netzneutralität ist in Vorbereitung. Schrittweise, damit der“ Otto Normal Internetnutzer“ es nicht merkt, soll für bestimmte Daten bezahlt oder es sollen Daten – weil laut Definition wichtiger – schneller und höher priorisiert transportiert werden. Da muss man nicht viel Phantasie mitbringen, um zu vermuten, dass hier große und mächtige Unternehmen ebenso wie Staaten (z.B. China wo es ja schon lange keine Netzneutralität mehr gibt) entsprechende Veränderungen herbeiführen möchten (werden). Schrittweise natürlich, wie unlängst von google und Verizon angekündigt, worüber netzwertig.com ausführlich berichtet.

Und auch hier geht es wieder um Interessen und Macht. Die zunehmende wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung des Internets ruft natürlich immer mehr klassische Insitutionen und Machteliten auf den Plan, um das Netz nach ihren Kriterien zu gestalten. Am Ende gilt es sich vor DEM zu hüten, der im eigenen Interesse und nicht im Interesse der kulturellen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung der gesamten Menschheit handelt. Wovon wir uns natürlich alle nicht frei sprechen können. Auch die Netzaktivisten nicht.

Veränderung

Das Internet verändert (Anonymität) und verändert sich dabei selber (Netzneutralität). Es entstehen gänzlich neue Fragen, die gar nicht so einfach zu beantworten sind. Wer soll da noch die Übersicht behalten bzw. wer bleibt und wie bleibt man handlungsfähig als Mensch, Unternehmen oder Institution.

Ebenfalls über den netzwertig Blog bin ich auf diesen Artikel aufmerksam geworden. Es handelt sich um ein Interview mit Charles Leadbeater einem ehemaligen Journalisten der Financial Times, der inzwischen als Unternehmer und Buchautor von sich reden macht.

Die Überschrift des Artikels lautet: Das Internet erleichtert soziale Veränderungen. Dies ist grundsätzlich keine neue Erkenntnis. Im Artikel  – der sich vor allem auf soziales Unternehmertum bezieht -sind einige bemerkenswerte Aussagen, die eine Würdigung und Auseinandersetzung verdienen und die zeigen, dass unsere üblichen und altbekannten Wege Dinge zu tun, durch das Internet optimiert werden. Zum Beispiel auch im sozialen Bereich, weil es uns erlaubt einfach und kostengünstig Gleichgesinnte zu finden und die Lösung von Problemen für- und miteinander ohne institutionelle Hilfe herbeizuführen. Allein schon bei der Entscheidung Dinge oder Missstände überhaupt als Probleme zu erkennen und als veränderungswürdig zu betrachten, weist uns das Internet ja ganz neue Wege, denn auch soziale und caritative Einrichtungen sind ja Filter.

Bei der erstmaligen Nutzung der ewallet der Fidorbank ist mir dies neulich nochmal bewusst geworden, denn der Blicklog hatte die Idee eine twitter Adresse einzurichten, an die man mit der neuen Fidor ewallet Geld überweisen kann. Einfacher und unkomplizierter ist das Spenden von Geld noch nie gewesen Der typische Verwaltungsaufwand aller Spendensammler dieser Welt, würde komplett wegfallen. Zusätzlich wäre die ewallet auch eine gute Möglichkeit zur Monetarisierung von Blog Beiträgen. Wenn Ihr das mal ausprobieren möchtet dann sind hier die twitter Accountnamen, an welche Ihr Geld überweisen könnt.

@kindernothilfe  und @electrouncle

(Sollte mir Geld überwiesen werden, werde ich dieses dann direkt an die kindernothilfe weiterleiten und dies hier transparent darstellen)

Anonymität, Netzneutralität  und Veränderung. Themen, die auch die Bankenwelt heute und zukünftig beschäftigen werden. Wie man sich diese Dinge zunutze macht, hängt von den Menschen und Unternehmen selber ab. Der Verlust der Anonymität ließe sich z.B. einsetzen, um Menschen besser zu beraten und ihnen bessere Produkte anzubieten oder sie einfach besser zu verstehen. Was denkt  Ihr? Ist das nicht auch eine Chance

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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