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Weg mit uns

Alte Männer: Weg mit uns

Es gibt keine einfachen Lösungen und jeder Jeck ist anders. Den Satz schicke ich erst mal vorweg. Dann kann ich meine einfache Lösung auf den Tisch legen. Bewegt zu diesem Artikel und zur Entwicklung meines Vorschlages haben mich verschiedene selbst erlebte Ereignisse, sowie Fernseh- und Radiosendungen, Artikel in Print- und Online Medien oder Social Media Kommunikationen.

 

Land mit alten Menschen

Deutschland ist inzwischen eine der am stärksten vergreisten Nationen. Unser Durchschnittsalter liegt bei 47 Jahren. Das Alter der wesentlichen Entscheider in Politik und Wirtschaft dürfte weitaus höher liegen. Bei Banken und Versicherungen – in die ich ein wenig Einblick habe – sind die meisten Vorstände wahrscheinlich 55 Jahre und älter. In der Politik wird ein 63 Jahre alter Sauerländer zum Hoffnungsträger einer Partei und beinahe sogar einer ganzen Nation. Es ist offensichtlich, das in diesem Land etwas nicht stimmt. Ist es vielleicht die Rente oder Pension, die uns von mutigen Entscheidungen abhält oder liegt es daran, dass uns „Skin in the Game“ (Nassem Taleb) fehlt. Die meisten Menschen in Wirtschaft und Politik müssen für die Risiken, die sie eingehen nicht selber haften.

 

Stuck in the past

Das Problem dieser alten Männer – zu denen ich mich natürlich auch zähle – ist, dass wir glauben die Welt zu kennen und auf Basis unserer beruflichen Erfahrungen und unseres Wissens, immer die richtige Lösung für die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft parat zu haben. Ich habe in vorhergehenden Artikeln schon von kognitiven Verzerrungen gesprochen. Es ist aber auch die unheilige Allianz zwischen kein „Skin in the Game“ und der Tatsache, dass unsere Karrieren auf Wissen aufbauten, das heute nicht mehr relevant und ohne Halbwertzeit ist. Wir sind vielleicht in der Lage zu lernen, aber noch nicht zu verlernen. So fallen wir immer wieder in alte Muster zurück und kommen immer mit den alten Lösungen. In der Politik sieht man das aktuell besonders deutlich. 45 Minuten Talkshow mit den Altmaiers, Markworts, Gabriels und den immer gleichen Gesichtern der ewig Gestrigen, sind ein kaum zu ertragendes Beispiel für das Diktat der alten Männer mit den alten Lösungen. Stuck in the past ist das Stichwort.

 

Denken und gesunder Menschenverstand

Auch in Unternehmen z.B. in Banken erlebt man diese Entwicklung jeden Tag. Oft ist man selber in der Rolle. Hält Meinungen für Wahrheit und versucht sich in Diskussionen auf Teufel komm raus durchzusetzen. Alle Kompetenzen und Haltungen, die erforderlich wären, um voneinander zu lernen und gemeinsam zu höheren und besseren Lösungen zu kommen, sind entweder nicht vorhanden oder werden sehr schnell vergessen. Ein weiteres gefährliches Phänomen besteht darin, dass wir das Neue oft anwenden ohne es zu verstehen und direkt  ein Dogma daraus machen ,ohne über den Kontext und die Situation nachzudenken. Dann überhöhen wir Methoden wie „Design Thinking“ „Agilität“ und Co. und vergessen darüber das Denken und den gesunden Menschenverstand.

 

Keine Macht mehr  für uns alte Männer

So geht es nicht weiter, deshalb sollten wir uns ganz einfach zurückziehen. Gibt uns alten Männern das bedingungslose Grundeinkommen, gegen das wir in der Regel ja auch sind, weil wir unser Image als Arbeitstiere und „Workaholics“  doch so wunderbar aufgebaut haben. Oder lasst uns gar nicht mehr entscheiden. Gebt uns nur noch 50 % Stimmanteil oder bitte fangt mit Talk Shows an, in denen keiner mehr über 35 ist.

 

Photo by Caroline Minor Christensen on Unsplash

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Michael May

    Ich bevorzuge gemischte Teams. Auch alte weiße Männer und Frauen kennen noch die Beatles und deren ‚Imagine‘ von einer besseren Welt. Allerdings hat das Leben ihnen gezeigt, dass viele unterschiedliche Kräfte und Interessen die eigene Agenda verfolgen und sind darüber zynisch geworden. Junge Menschen hingegen träumen zu Recht von einer besseren Welt. Allerdings blenden sie nach meiner Erfahrung offensichtlich grundlegende Differenzen des lieben Friedens willen aus. Mir jedenfalls ist es lieber, diese Differenzen werden fair ausgekämpft anstatt unter den Teppich gekehrt. Die Entwicklung an amerikanischen Universitäten mit Safe-Rooms und Diskussionen um Mikroaggressionen führen mittlerweile sogar dazu, dass Professoren eingeschüchtert werden und der freie Geist der Universitäten unter die Räder kommt. „I have a dream“: Das ist sicher ein bindendes Element von alt mit jung. Zynismus auf der einen und haltlose Träumereien auf der anderen Seite binden aber nicht, sondern trennen. Europa (nicht der Bürokratenapparat der EU) ist für mich immer noch eine wunderbare Welt, die es zu verteidigen und zu verbessern gilt. Arbeiten alt und jung dabei nicht zusammen, werden beide gemiensam die Folgen schmerzhaft spüren.

    • Boris

      Boris

      Hallo Michael,

      Danke für Deinen Kommentar. Du hast sicher rech. Der Artikel war ja auch eine Polemik. Allerdings ist es schon so, dass viele sehr wichtige Entscheidungwn von alten und nicht lernwilligen Männern getroffen werden, die noch das Risiko für das Scheitern nicht selber eingehen müssen.

  • Finanzblogroll - Schulterblick - Finanzartikel KW 51 / 2018

    […] Stucked in the past? >>> Alte Männer: Weg mit uns […]

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