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Bankenkrise

Keine Nachrichtensendung, keine Tageszeitung, kein Internet Nachrichtendienst kommt gegenwärtig daran vorbei. Die Banken stecken in einer Krise und ziehen die restliche Wirtschaft mit. Die Welt Kompakt twittert gar „Bankensterben, warum kommt kein Mitleid auf?
Stellt sich mal wieder die Frage, wer das eigentlich sein soll „Die Banken“? In der aktuellen Berichterstattung wird mal wieder vernachlässigt, dass die Ursache doch im menschlichen Handeln zu suchen ist, z.B im Entgleiten der Kontrolle über die selbst erzeugte Komplexität, in ungebremsten Gewinnstreben oder in Profitgier, in vermeindlich kleinen halb legalen oder nur halb illegalen Tricks der Akteure. Wenige handeln und viele sind betroffen. Der Soziologe Ulrich Beck hat dies mal ganz gut analysiert.Auch die Luhmannsche Systemtheorie kommt mir hier in den Sinn. Von Menschen bewußt gesteuert und reguliert wirkt das in jedem Fall alles nicht mehr.

In meinem Blog geht es aber nicht um Politik, sondern um Banken und hier vor allem „Veränderungen“ oder „Veränderungspotentiale“ in einer Branche, die sich mit ihren Angeboten und Handlungen immer stärker von ihren Kunden entfernt. Soweit, dass die Kunden die Dinge selbst in die Hand nehmen und Ideen entwickeln, um Finanzdienstleistungen ohne Banken abwickeln zu können. Gerade in den USA, die ja von der Finanzkrise besonders betroffen sind, vergeht kaum ein Tag ohne die Gründung eines Internet Finanzdienstleisters, den Launch eines neuen Internet gestützten Produktes die Entwicklungvon kleinen nützlichen Tools,welche den Umgang mit Geld erleichtern und und und. Fast gewinnt man Eindruck, die Geldwirtschaft kommt zurück nach Hause, kehrt zu ihren Ursprüngen zurück. Der Austausch von Ware gegen Geld wird wieder
menschlicher bzw. ursprünglicher. Das Internet macht es möglich.

Die Bankenbranche wird einiges tun müssen, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Einst wollte man die Privatkunden loswerden, jetzt möchte man sie wieder zurück haben. So kauft die Deutsche Bank
Teile der Postbank. Die Commerzbank kauft die Dresdner Bank. Womit gleichzeitig weniger Wettbewerber auf dem Markt verbleiben. Dies kann für den Verbraucher eigentlich nicht gut sein, wenn da nicht die ausländischen Konkurrenten wären, die mit attraktiven Angeboten in den Deutschen Markt drängen und eben die neuen Ansätze, die ich hier mal als „Bankless Banking“ bezeichnen möchte. Dieser Bereich
steckt bei uns noch in den Kinderschuhen, wird aber Fahrt aufnehmen. Auch wenn unsere Kultur und unsere geringere Offenheit für Veränderungen, den Prozess sicherlich bremsen wird und einige Dinge sich auch hier niemalsdurchsetzen werden.In Deutschland studiert die Jugend lieber Jura und wählt dann den Beruf, der eher dafür steht Veränderungen zu bremsen, Abmahnvereine zu gründen und Fortschritte auszubremsen. Die Internetbranche kann ja inzwischen ein langes Lied davon singen.

Worin das Problem der Finanzdienstleistungsbranche liegt kann man zum Beispiel ganz gut an der Thematik web2.0 oder Social Media sehen. Die Branche beschäftigt sich mit web2.0, weil Beratungshäuser den Einsatz von web2.0 Technologien für richtig hält und dadurch das eigene Beratunsgeschäft ankurbeln. Social Media Marketing wird betrieben, weil andere Branchen dies auch tun und es oppertun ist oder weil coole Agenturen mit jungen Mitarbeitern dies empfehlen. Das Beispiel „Second Life“ ist hier so wunderschön entlarvend. Was ist aus den Bankfilialen dort geworden und wie hat die Zielgruppe darauf reagiert. Vertrauen gewonnen, Service verbessert oder gar neue Kunden gewonnen?

Keinerlei Gedanken macht man sich über die wesentlich wichtigeren kulturellen Aspekte von web2.0. Das veränderte Verbraucher Verhalten, die dahinter liegende Unzufriedenheit mit dem Herkömmlichen. Die vollkommen andere „Sozialisation“ der Heranwachsenden mit und durch diese Medium und die damit
verbundenen Folgen für deren zukünftiges Konsumverhalten. Und welcher Finanzdienstleister macht sich die Mühe diese neue Kultur zu verstehen, darin zu leben und dadurch eigene Erfahrungen zu sammeln. Welcher Finanzdienstleister fragt sich vorab überhaupt,welche Erwartungen die Kunden und zukünftigen Kunden überhaupt haben.Ob web2.0 oder Social Media ein geeignetes Mittel sein kann, die eigenen Leistungen zu optimieren, um die Kunden menschlich zu behandeln, oder ob es eventuell andere Wege gibt. Ja wer fragt sich überhaupt, was Menschen wollen und geht damit in seiner Betrachtung über die Rolle „Kunde meiner Bank“ hinaus. Banken sollten diese Fragen beantworten und sie müssen selber Erfahrungen sammeln, selber Mitarbeiter im Unternehmen finden, die dies tun bzw. die gesamte Kultur hierauf ausrichten. Sie sollten sich hierbei nicht zu sehr von externen Quellen treiben lassen oder auf diese verlassen.

Soweit so gut bis hierhin. Ich werde in nächster Zeit versuchen mich intensiver und strukturierter mit den Fragen zu beschäftigen. Außerdem werde ich regelmäßig interessante neue Ideen darstellen. Gelegentlich werde ich sicherlich auch noch mal über Mode und Musik schreiben, aber mein Zeitbudget ist nicht unbegrenzt. In wenigen Tagen werde ich hier ein umfassende Präsentation zum Thema „Different Banking“ darstellen. Das soll so eine Art Katalog werden. Neue Inputs sind hier immer willkommen. Damit ist die Blog Saison wieder eröffnet.

Bis dahin
electrOUncle

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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