title
Yomo im Mai

Yomo im Mai

Wie ist der aktuelle Stand bei yomo? Was dürfen wir als nächstes erwarten?

yomo wird aktuell mit ca 1.000 Beta-Testern auf Herz und Nieren erprobt und getestet. Ganz im Sinne der Philosophie „Gemeinsam mit unseren Kunden“. Dazu fanden spezielle persönliche Onboarding Termine in vielen deutschen Städten statt. Persönliches und direktes Feedback unserer Zielgruppe hilft uns, das Produkt nutzerzentriert zu entwickeln. Ab Sommer wird yomo in einer Pilotphase in den Investorensparkassen in den Echtbetrieb überführt.

 

Wie viele Sparkassen machen bereits bei yomo mit und gibt es Aussicht auf weitere Teilnehmer?

 

Nach wie vor wird das Produkt in einem gemeinsamen Projekt von 10 Sparkassen mit der FinanzInformatik und dem Dachverband der Sparkassen, dem DSGV, und dem Deutschen Sparkassenverlag, dem DSV, entwickelt. Es wird so konzipiert, dass jede Sparkasse Deutschlands die Integration von yomo in die eigenen Systeme vollziehen kann. Das macht die Entwicklung anfangs sehr komplex, es ist jedoch dem Ziel geschuldet, ein Angebot für die gesamte Gruppe zu schaffen. Dieser Roll-out ist für Anfang 2018 geplant.

 

Wie schaut die yomo-Gruppe auf die gleichzeitig stattfindenden Gebührenerhöhungen bei Sparkassen und anderen Banken. Ist das nicht widersprüchlich? Bzw. wäre es nicht eine Chance für 10 yomo-Sparkassen hierdurch neue Kunden zu gewinnen, wenn diese dann z.B. nicht an eine regionale Sparkasse angebunden würden?

 

yomo ist bewusst nicht als eigene Bank konzipiert, sondern als Produkt für eine Zielgruppe, die für Sparkassen eher schwierig zu erreichen ist. Mobil, digital affin, preissensibel, wenig markenloyal. Dieses Produkt soll bei der jeweiligen Sparkasse geführt werden. Denn auch wenn diese Kunden heute den Bedarf für eine qualitativ hochwertige Beratung nicht erkennen mögen. Wir sind überzeugt, dass diese Erkenntnis über die Zeit bei vielen Einzug halten wird. Das ist der eigentliche Mehrwert für die Gruppe. Wir stehen zum Basisangebot ohne Grundpreis. Die Zielgruppe schaut bei ihrer Wahl des Kontoführers in der aktuellen Lebenssituation stark auf den Kostenaspekt. Darauf reagieren wir.

 

Ist der deutsche Bankkunde nicht eher ‚overbanked’ statt ‚underbanked’? Fintech und Banken wollen Banking doch einfacher machen. Ich habe den Eindruck, es wird  immer komplizierter.

 

Zunächst stimme ich zu. Viele Menschen in unserem Land haben Konten bei verschiedenen Banken. Oft aus guten Gründen, manchmal aus Bequemlichkeit. Es zeigt aber auch, dass das Gut ‚Girokonto’ im allgemeinen zu zu geringen Preisen zu haben ist.  Aufgrund der Verwerfungen an den Finanzmärkten – Stichwort: Nullzinspolitik – werden die Preise für Bankdienstleistungen im Zusammenhang mit Zahlungsverkehr tendenziell steigen. Es wird zu einem Rückzug aus der Fläche einzelner Regionalbanken kommen. Aber: Banking wird immer stärker digitalisiert. Wir entwickeln yomo im Dialog mit der Zielgruppe. Wir wollen genau soviel ins Produkt integrieren wie es von der Masse der Zielgruppe benötigt und nachgefragt wird. Dabei soll es einfach und intuitiv sein. Hier helfen die vielen guten Ideen von Fintechs.

 

Maik Klotz spricht in einem Blogbeitrag von „Wegwerf-Girokonten“, die keine größere Bedeutung als kostenlose E-Mail-Adressen mehr haben. Wie siehst du das und was ist in diesem Zusammenhang yomo?

 

Ich stimme Maik in Teilen zu. Wenn die Kontoeröffnung innerhalb weniger Minuten vollständig vollzogen wird und die Kontoführung zunächst mal nichts kostet, liegt die Annahme auf der Hand, dass ich mich von Konten trenne wie von E-Mail-Accounts. Aber wir reden von Banking. Banking fusst heute und wohl auch in Zukunft auf Vertrauen zwischen Bank und Kunde. Jedenfalls dann, wenn der Kunde Geld ausgeben möchte, das er nicht hat. Loyalität und Bindung sind in diesem Zusammenhang Werte von Wert. Wenn ich als Bank weiß, mit wem ich es zu tun habe, bin ich auch  bereit ins Risiko zu gehen. Dies gilt es mit den Kunden zu besprechen. yomo ist in diesem Zusammenhang ein preiswertes, digitales Einstiegsangebot mit Zugang zu Leistungen der größten deutschen Bankengruppe.

 

Ergänzend hierzu: Welches Geschäftsmodell strebt yomo an? Wenn man ganz ehrlich ist, gibt es ja einen wesentlichen Unterschied zwischen einer Bank, die eine Girokonto-App anbietet und einem mobilen und digital first Startup, das darüber hinaus nicht den Spagat zwischen unvereinbaren Kundengruppen  und –wünschen machen müssen?

 

In der Tat. Kodak hat den Einstieg in den digitalen Markt verschlafen, verhindert, weil sie  ihre Gewinne vollständig aus dem analogen Fotogeschäft gezogen haben. Jeder digitale Umsatz hätte den analogen kanibalisiert. Das ist im Prinzip im aktuellen Bankgeschäft nicht anders. Fintechs haben es hier leichter was den Fokus auf den Scope angeht. Sie entwickeln schnell, gut, kundenzentriert. Aber ihnen fehlt der Markt. Sie sind darauf angewiesen, den Schulterschluss mit den Etablierten zu suchen. Die Banken hingegen müssen raus aus ihren tradierten Strukturen. Nicht von jetzt auf gleich, aber sie müssen sich auf den Weg machen. Das ist eine ganz andere Nummer. yomo ist für uns daher beides, vieles: digitales Produkt, kundenzentriert und agil entwickelt und eine Idee, die Zusammenarbeit in der Gruppe auf neue Füße zu stellen. Die Frage nach dem Geschäftsmodell stellt sich – ähnlich wie bei Fintechs, aber aus anderen Motiven – so zunächst nicht.

 

Aktueller Stand der Anwendung?

 

Wir hatten die Wahl, alles in einer App darzustellen was es heute am Markt gibt. Beispiel gini, Abfotografieren von Rechnungen. Aber mal ehrlich, wieviele Rechnungen erhält ein Mitglied unserer Zielgruppe heute? Das meiste wird doch am POS mit Karte bezahlt oder per Lastschrift eingezogen. Wir haben uns daher zunächst gegen die Integration in yomo entschieden, obwohl wir als Banker begeistert von der technischen Lösung sind. So ist der aktuelle Beta-Umfang begrenzt: online-Kontoeröffnung, Geld senden, Geld empfangen, Lastschriftrückgabe, Dauerauftragseinrichtung. Aber auch Karte sperren, freischalten aus der App heraus. In unseren intensiven Gesprächen mit den Beta-Testern erfahren wir die wahren Bedürfnisse. Diese werden wir über die Zeit in das Produkt integrieren, damit wir genau das richtige Angebot für diese Zielgruppe haben. Unser Anspruch als Marktführer ist genau damit richtig definiert.

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Hansjörg Leichsenring

    Wer war denn der Interview-Partner?

    • Joachim Hunold

      Das war ich :-))
      Joachim Hunold
      Sparkasse Paderborn-Detmold

Post A Comment

 

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
FINTERVIEW: RIOPO
FINTERVIEW: RIOPO

Viele Menschen bevorzugen offenbar nach wie vor den Kontakt zu einem Berater, um zum Beispiel eine Entscheidung fürdie Wahl einer...

Schließen