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Wofür brauchen wir eigentlich noch Bargeld?

Bargeld ist gefährlich

Die Zeiten für Räuber werden nicht einfacher. Wer heute illegal und vor allem schnell reich werden möchte, der muss sich schon mit High Tech auskennen und den IT Sicherheitsexperten  der Unternehmen immer einen Schritt voraus sein. In den öffentlichen Verkehrsmitteln Stockholms ist das Bezahlen mit Bargeld zum Beispiel nicht mehr möglich. Aus Sicherheitsgründen.

Bei der Lektüre eines Artikels der „Süddeutschen Zeitung“ vom vergangenen Mittwoch, wurde die Frage wieder aufgeworfen: Wofür brauchen wir eigentlich noch Bargeld und damit verbunden: Was bleibt den Banken, wenn es tatsächlich in absehbarer Zeit kein Bargeld mehr geben wird? Werden sie auch im Zahlungsverkehr  von den Mobilfunkanbietern oder Unternehmen wie apple oder amazon verdrängt werden?

Wollen Datenschützer Raubüberfälle?

Die schwedische Bankgewerkschaft – so schreibt Gunnar Herrmann – im besagten Artikel der Süddeutschen – fordert die Einführung der bargeldlossen Gesellschaft. Und diese Forderung hat eigentlich einen ganz banalen Grund: Die Angst vor Raubüberfällen. Eine bargeldlose Gesellschaft so die These, wird kriminelle Praktiken unterbinden, die durch die Existenz von Bargeld begünstigt werden: Raubüberfälle, Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Schwarzarbeit usw. An die Stelle von Bargeld soll und wird das Internet treten. Das Mobiltelefon bietet sich hier geradezu an.

Gefährden die Alten unsere Zukunft?

Natürlich werden neue Formen von  Krimialität entstehen oder erleichtert und auch die Datenschützer sind  – wie der Artikelt „Schlechte Zeiten für Räuber“ (Süddeutsche Zeitung Nr. 165, Seite 26) darstellt – wenig erfreut. Darüber hinaus sperren sich vor allem die älteren Bürger gegen diese und wohl auch andere Veränderungen, was die aus meiner Sicht interessante Frage aufwirft, welche Chancen überalterte Gesellschaften – wie z.B. die Deutsche – überhaupt haben, dem steigenden und sich beschleunigenden Innovationsdruck zu folgen. Sind überalterte Gesellschaften auch sterbende Gesellschaften? Weil die Beharrungskraft der etablierten und gut vernetzten „Machteliten“ jede Veränderung im Keim erstickt. Unsere Gesundheitsreform, die unterirdische und teilweise schon schwachsinnige Internetpolitik könnten Indizien dafür sein und man muss sich wohl auch fragen, ob die gerade aufkeimende Wachstumseuphorie nicht ein falsches Signal geben kann, nämlich, dass es eigentlich gar nichts zu verändern gibt in Deutschland.

Sind Banken rasant?

Und wo wir schon beim Thema Veränderung angekommen. Banken stehen ja auch nicht gerade dafür sich besonders rasant und Verbraucher orientiert zu verändern. Die Cash Kühe werden gerne geritten, bis sie ins Gras beißen, aber nicht um zu essen. Und die Frage nach dem Zweck des Ganzen stellen sich viele Finanzunternehmen genausowenig, wie die modernen Volkswirtschaften. Ihr einziger Antrieb: „Wachstum“ . Aber warum?

Social Media Grief

Brett King hat ja mit dem Buch Bank 2.0 ein für Bankmitarbeiter unverzichtbares Buch geschrieben. Ich habe ehrlicherweise gerade erst mit der Lektüre begonnen, bin allerdings regelmässiger Besucher des Autoren Blogs. In einem ebenfalls sehr lesenswerten aktuellem Artikel für die Huffington Post schreibt er über die 5 Stufen des Social Media „Kummers“: The five stages of Social Media grief :

  1. Totale Ignoranz
  2. Es ist nur eine Modeerscheinung
  3. Ich weiss immer noch nicht wieso es wichtig sein soll, wie macht man Geld damit?
  4. Das Ende der Igonranz (The Sonic Boom)
  5. Das böse Erwachen (The mad scramble)

Social Media braucht Hilfe

Nun gelten diese Punkte sicherlich nicht nur für Social Media und als einsamer Rufer möchte ich auch hier noch mal hinzufügen. Social Media ist nicht genug, denn es braucht ein neues Kundenverständnis, ein neues Unternehmensmodell und eine neue Form des Wirtschaftens. Deshalb wird es Zeit mal wieder auf einen Artikel von Umair Haque hinzuweisen, der nach dem Zweck des Wirtschaftens fragt und zurecht feststellt, das ohne Verständigung über einen solchen Zweck keine zukunftsfähige und nachhaltige Form des Wirtschaftens möglich ist. Wir müssen über Werte sprechen. Wir müssen über Inhalte sprechen. Umair Haque fordert eine neue Form oder Richtung des wirtschaftlichen Denkens:

I’d like to propose a third position in this great debate. Call it „prosperianism.“ Prosperians believe the economy’s central problem isn’t a lack of demand, or a lack of supply — but a lack of purpose. Prosperianism’s foundation can be summed up in a single sentence: 21st century economies can, should, and must have a higher purpose than product.

Und es gibt sie auch schon: Die Vertreter dieser neuen Wirtschaftsrichtung:

Who might be said to be a prosperian? The economist Richard Florida, whose work discusses the central role of creativity in prosperity; the eminent Peter Senge, whose The Necessary Revolution fleshes out a wholer prosperity; John Hagel, whose The Power of Pull explains how to redraw the boundaries of industrial age business as usual; Gary Hamel, whose The Future of Management is an ode to higher purpose; and a raft of visionary CEOs including Timberland’s Jeff Swartz, Interface Carpet’s Ray Anderson, and Nike’s Mark Parker. Not all prosperians agree on exactly what the „right“ higher purpose should be, but what they do agree on is the need to move past yesterday’s tired debates about product, and begin having a better one, about purpose.

Das ist doch mal eine Menge Lesestoff für das  Wochenende und wer dann noch Zeit hat, sollte mal wieder bei Christophe Langlois im Visible Banking Blog vorbeischauen oder diesen interessanten Artikel über das Facebook Jahrzehnt aus dem Neunetz Blog lesen.

  • 24% of Bank Customers in Germany are Happy to Communicate with their Bank on Twitter or Facebook
  • // 500 Millionen: Nach dem google Jahrzehnt kommt das Facebook Jahrzehnt.
Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Volksbank

    Wofür brauchen wir Bargeld? Blöde Frage, natürlich zum anonymen Bezahlen. Für einen Rest von Privatsphäre, der uns im heutigen Schnüffelstaat noch bleibt.

    • electrouncle

      Hallo,

      von dieser Seite habe ich das noch gar nicht betrachtet. Ich bin schon so transparent, da kennt man den Begriff Anonymität schon fast gar nicht mehr. Und auch blöde Fragen müssen mal gestellt werden

  • Thorten

    Aber wie kann ich denn jetzt als Tourist in Stockholm eine Fahrkarte kaufen?

    • electrouncle

      Hallo,

      es soll wohl zunächst nur in den Bussen selber nicht mehr mit Bargeld bezahlt werden soll. Ansonsten kann der Ticketkauf wohl über das Internet erfolgen. Für Touristen kann dies aber in der Tat eine unangenehme Überraschung sein

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