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Wo sind die innovativen Banken

Social Media

Wenn man den Begriff Social Media ausspricht, dann schwingt die Bedeutung „Innovation“ immer mit. Social Media steht immer auch für Veränderung, also für die durch Social Media, und wohl auch durch das Internet allgemein, ausgelösten oder angestoßenen Veränderungen, welche die Unternehmen wiederum zu Reaktionen zwingen. Wenn eine Bank sich also mit Social Media beschäftigt, sollte sie nicht nur die Nutzungsmöglichkeiten betrachten.

Ist ein Unternehmen aber innovativ, weil es Social Media nutzt? Und hilft Social Media einer Bank Wettbewerbsvorteile zu erlangen oder verlorene Wettbewerbsanteile zurückzugewinnen? Vor allem aus Sicht etablierter und langjährig agierender Banken muss man dies sehr bezweifeln. Es scheint ja als seien diese Unternehmen dazu verdammt, auf jedes neue Thema oder jede Veränderung nur mit dem Prinzip Anpassung zu reagieren.

Anpassung

Finanzunternehmen verändern sich nur sehr langsam. Eigentlich passen Sie sich immer nur an. Nur äußere Störungen und interner Kostendruck führen zu Anpassungen. Äußere  Störungen sind zum Beispiel neue Technologien, staatliche Eingriffe und sehr selten auch die Macht der Verbraucher. Zumeist bedarf es sogar einer Kombination all dieser Faktoren.

Aber sind diese Veränderungen wirklich Innovationen? Und für wen ist eine Innovation nützlich? Nur für die Bank? Für einige Kunden oder für alle Kunden? Für die lokale, nationale oder gar globale Wirtschaft. Wirkliche Innovationen sollten keine spezifischen Interessenlagen berücksichtigen oder Folgewirkungen ausblenden. Und auch die Frage, ob Anpassungen, die grundsätzliche Strukturen nicht erneuern, angesichts der immer herausfordernderen Umweltbedingungen, überhaupt noch ausreichen, darf gestellt werden

Warum Banken wenig innovativ sind, erklärte Ulrich Linnebank kürzlich in einem Gastbeitrag für diesen Blog . Neben den internen Gründen spielt aber auch die Umwelt bei der Lähmung der Banken eine gewisse Rolle. Denn das System ist weitgehend so angelegt, dass Innovationen eher kontraproduktiv und teilweise gar nicht gewünscht sind.  Die notwendige Regulierung des Systems ist gleichzeitig ein Hemmnis für mögliche Veränderungen und auch der Verbraucher schreit, solange er sich nicht vernachlässigt oder betrogen fühlt, nicht nach Veränderungen. Wer soll die Banken also verändern?

Stillstand

Die deutschen Banken scheinen besonders veränderungsresistent zu sein. Wenig hat sich getan in den letzten zwanzig oder dreißig Jahren: Ein wenig Online Banking, einige Aufkäufe oder Fusionen, die Direktbanken, etwas Finanzkrise und nun einige zarte Finance 2.0 Ansätze. Die Fidorbank, Smava, kontoblick und neuerdings Yavalu  oder stockpulse. Und natürlich spiel auch Mobile Banking und Mobile Payment eine Rolle.

Die etablierten Banken beobachten diese Entwicklungen und überlegen, welche es nachzuahmen oder zu integrieren gilt, denn letztendlich wird der deutsche Durchschnittsverbraucher seine Bank nicht wegen etwas besserer Technologie oder fairerer Produkte verlassen.  Da ist eine herausragende Kondition schon von ganz anderem Kaliber. Die kleinen ehrgeizigen Startups, welche die Finanzbranche in der Regel als Nichtbank innovieren wollen, schaffen es entweder in die Nische oder werden in der Komplexität der Strukturen und regulatorischen Hürden zerrieben.

Anpassungen haben in den letzten Jahrzehnten eigentlich immer genügt. Ob sich das im Internetzeitalter groß ändern wird, bleibt fraglich. Es wäre jedoch wünschenswert, wenn Banken (wieder) zu finanziellen Dienstleistern für die breite Masse der Gesellschaft werden könnten. Einiges spricht dafür, dass Technik eine immer größere Rolle spielen wird und diese auch die Chance bietet Banking transparenter, schneller, einfacher und bequemer zu machen und das mit immer weniger Aufwand und möglicherweise sogar mit immer weniger Banken. Oder vielleicht sogar ganz ohne Banken. Denn meine These ist, dass eine wirkliche Innovation erst dann möglich wird, wenn man sich als Entrepreneur von dem historisch geprägten Begriff und den damit verbundenen Bedeutungen und Bildern wirklich trennt

Also werden Banken gar nicht zu einer fundamentalen Innovation in der Lage sein. Schon mit dem Erwerb einer Banklizenz ist die Entwicklung vorgezeichnet. Was ändert sich beispielsweise, wenn Banken PFM einsetzen, aber dennoch nicht von Provisionsmodellen und der Bevorzugung eigener Produkte abweichen, also darauf angewiesen bleiben, dass Verbraucher nicht den vollständigen Marktüberblick bekommen.

Kann eine Bank einer konstruktiven Strategie folgen. Also – wie Umair Haque in seinem Buch: The new capitalist manifesto definiert – wettbewerbsfähig wird, indem sie radikal nützlicher und hilfreicher für Menschen, Kommunen, Gesellschaft, Umwelt und zukünftige Generationen wird, als die Konkurrenten? Kann das dann wirklich noch eine Bank sein, wie wir sie heute kennen.

Ich will nicht unfair sein. Es gibt Ansätze und nur Schritt für Schritt lässt sich eine so dramatische Veränderung- die nicht weniger ist, als eine Umkehrung der Grundhaltung- vollziehen bzw. intern durchsetzen.

Welche Bank ist nun innovativ?

Da fallen mir ehrlich gesagt in Deutschland nicht so viele ein. Auch im Visible Banking Blog von Christopher Langlois- der sich intensiv mit Innovationen in der Bankenbranche und mit Social Media beschäftigt –werden relativ selten deutsche oder deutschsprachige Banken erwähnt.

Häufiger werden spanische Banken, die Danske Bank oder auch die holländische Rabobank erwähnt. Aus den Niederlanden kommt übrigens auch das Angebot Mone You von ABN Amro, die ihr noch einfacheres, schnelleres und vor allem auch mobiles Direktbankangebot am 01.07.2011 auf den deutschen Markt bringen. Möglicherweise aufgrund der intelligenten und einfachen Apps eine Bank, die vor allem jüngere Menschen anziehen könnte.

Beispiele

BBVA  Crowdfunding: Friends and Family 

Rabobank Community für  kleine Unternehmer: Startercommunity 

Danske Bank Crowdsourcing auf Facebook: Ideabank

Adelaide Bank Crowdsourcing/-funding/-collaboration/-financing?:planbig

Aber auch hier sind erst einmal keine substanziellen Veränderungen von Produkten oder gar des Geschäftsmodells erkennbar. Warten wir also weiter, auf die Bank, die das Banking revolutioniert. Oder brauchen wir am Ende gar keine innovativen sondern nur gute Banken?

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Majonek

    Was man unter Innovation wertet, begründet sich ja darin was einer breiten Masse von Menschen Mehrwert schafft. Wenn man sich also als Bank Wettbewerbsvorteile durch Kundenmehrwert verspricht, dann könnte Innovation ein geeignetes Mittel sein. Innovation kann man aber nicht direkt anfassen wie z.B. „Geldautomat“. Hat auch enorm Mehrwert gebracht, für Banken und für Kunden, das ist aber nun schon Jahrzehnte her. Innovation ist eine Unternehmenskultur und ich möchte auch behaupten, dass die meisten Banken bisher nicht darauf eingestellt sind, ihre Unternehmenskultur auf „Innovation“ zu ändern. Einen sehr wichtigen Grund sehe ich in den bereits genannten Regularien, die eine Banklizenz mit sich bringt. Hier hole ich aber auch direkt zum Gegenschlag aus, denn die Fidor besitzt als Community auch eine Banklizenz powered by BaFin und wird ihren regulatorischen Anforderungen gerecht und das offensichtlich ohne dabei zuviel Overhead aufzubauen. Banken können innovativ sein und sie müssen es auch, wenn man die stetig sinkenden Erträge im Retail Banking der großen Universalbanken im Auge hat. Preis als einziges Abgrenzungskriterium in einem total vergleichbarem Markt? Also ich bin vollkommen indifferent egal ob ich ein Sparkassen, Volksbank, Commerzbank oder Deutsche Bank Konto habe. Die Unterschiede sind marginal und werden größer gefeiert als sie letztendlich sind. Innovation muss nicht viel Geld kosten, es braucht nur den „Innovateur“ der seine Idee als Wettbewerbsvorteil im Markt einschätzen und umsetzen kann. Ohne das jetzt herab zu würdigen – ich habe kürzlich einen Vortrag eines Produktmanagers einer großen deutschen Bank gehört. Die große Innovation waren individuelle Kreditkarten mit Bildern, Fotos usw. und auch individuelle Formen … Ich habe einen Moment gedacht ich sei im falschen Film, habe aber gleichzeitig auch viel über Innovationskultur gelernt. Man muss hier aber dazu sagen, dass diese „Erfindung“ in Deutschland vlt. lächerlich klingen mag, im asiatischen Markt aber einschlagen kann wie eine Bombe. Wer mal duch die Straßen Hong Kongs gelaufen ist hat erkannt wie man mit „Individualisierung“ Kunden gewinnen kann. Für mich und hier in Deutschland ist das allerdings kein großer Schritt auf der Funktionsebene. Hier wurde im gleichen Vortrag auch der Schnell – Kreditantrag vorgestellt. Da ich dafür aber nichtmal den neuen Personalausweis verwenden kann, sondern unglaublicherweise etwas ausdrucken und zur Post bringen muss, sehe ich auch hier keine messbare Verbesserung. Potential ist da, Themen auch, sie sollten langsam mal umgesetzt werden.

    • electrouncle

      Hallo Herr Majonek,

      man müsste ja ohnehin mal definieren, was eigentlich eine Innovation ist. Da steckt ja zumeist eine Wertung drin. Eine Innovation für die Bank muss noch lange keine für Kunden und umgekehrt sein. Ich denke wir bewegen uns in einem Umfeld, bei dem Werte eine immer größere Rolle spielen. Es geht ja zum Beispiel nicht um die Technologie sondern nur wozu sie dient und wem sie nützt. In unserer Zeit müssen wir – dass ist meine Meinung – Innovationen ganzheitlich betrachten. Die Berücksichtigung menschlicher oder auch umweltlicher Kosten ist erforderlich. Eine Innovation muss deshalb eigentlich vom Menschen aus und nicht aus Richtung Unternehmen gedacht werden. Nehmen wir nur mal Stuttgart 21. Dieses Beispiel zeigt ja, wie kompliziert dies ist und welche Faktoren man eigentlich einbeziehen müsste. Das ist auch mathematisch hoch anspruchsvoll. Was wäre zum Beispiel ein neuer Arbeitsplatz im Vergleich zu dauernden Umweltschäden, die auch nachfolgende Generationen betreffen wert?

      Die Fidorbank – um hierauf auch kurz einzugehen – ist zwar eine Bank. Aber eine Bank die bei null gestartet ist und es deshalb leichter hat, als alle etablierten Banken mit vielen Mitarbeitern, vielen zurückliegenden Erfolgen und damit auch viel Widerstand gegen Veränderung, die noch dazu noch gar nicht zwingend notwendig erscheint.

  • AP

    Für Zufall bin ich auf einen Bericht über wirklich innovative Konzepte in den USA gestoßen. Die Innovationen gehen zwar nich von den Banken aus, haben jedoch das Potenzial den Zahlungsverkehr auf eine neue Basis zu stellen: http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=16653&seite=1

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