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Werdet „awesome“ Volksbanken

LandlebenNeulich im Zeitungskiosk am Berliner Hauptbahnhof. Eine ganzes Regal voller Landleben: Landlust, Landidee, Servus, Landfee, Landhaus, Land & Berge, usw..Zu kaum einem anderen Thema sind in den letzten Jahren mehr neue Zeitschriften entstanden. Sehnsucht nach dem Land oder im übertragenen Sinne Sehnsucht nach einem anderen – vielleicht ruhigerem oder natürlicher getaktetem – Leben. Die Menschen flüchten in die Stadt aber sehnen sich nach dem Land. Selbst auf dem Land sehnt man dich nach dem Land. So etwas nennt man wohl Schizophren und es lässt sich schwer identifizieren wonach die Menschen sich wirklich sehnen? Schlager und ländliche Traditionen boomen übrigens auch: Helene Fischer, Der Alpen Elvis, Die Zillertaler Bergzigeuner, Almabtrieb, Oktoberfest, Hüttensause in the city, Erntefeste, etc. Sagt mal geht’s noch?

Volksbanken Raiffeisenbanken gehören auch zum Land(leben). Es gibt sie auch in der Stadt, aber die Marktanteile sind dort meistens unbedeutend. Lässt sich daraus was machen? Oder lesen wir Städter bzw. Stadtrandbewohner der Zukunft nur noch in den Landzeitschriften von der Idylle der Volksbanken Raiffeisenbanken, zum Beispiel über die Raiffeisenbank GAMMELSFELD?

Auf der anderen Seite hilft den immer weiter und Druck geratenden Fililalbanken vielleicht auch die Handlungsmaxime: Abwarten und Tee trinken! Denn steigende Mieten und Lebenshaltungskosten werden den Trend zur Landflucht ohnehin irgendwann umkehren, was aber, aufgrund der demographischen Situation und des schleichenden Endes des Wachstums, nicht zu blühenden Landschaften führen dürfte. Lokale Banken müssen sich darauf einstellen. Gerade im ländlichen Raum werden ganz neue Bedürfnisse entstehen, für die es noch keine Anbieter gibt.

„Jeder muss es sich einprägen, um  sich mit dem echten genossenschaftlichen Geist zu erfüllen: Mit vereinten Kräften im engen brüderlichen Zusammenschluss den großen Fragen und Interessen des Menschendaseins gegenübertreten“

Klingt das nach einer Bank? Der Satz stammt von einem der Gründungsväter einer Bankengruppe, allerdings – behaupte ich – hatte dieser Gründungsvater nie die Idee eine Bank moderner Provenienz zu gründen.

Klingt dieses Zitat von Hermann Schultze-Delitzsch wie ein Programm, welchem eine moderne Bank wie es die Volksbanken Raiffeisenbanken sind, folgen könnte?

Was würde Hermann Schultze-Delitzsch wohl heute tun?

Das Bedürfnis der Menschen nach Organisationen und Unternehmen denen sie vertrauen können, wird immer größer. Menschen beginnen sich mit dem einfachen Leben zu arrangieren. Weniger ist Mehr, die meisten von uns werden mit weniger auskommen müssen und dieses weniger ist sogar gut für uns.

gesten bei Arte http://www.arte.tv/guide/de/048214-000/weniger-ist-mehr?autoplay=1

Landzeitschriften sind auch ein Ausdruck dieses Bedürfnisses. Die Rückkehr zu genossenschaftlichen Ursprüngen, zu einer Bank die den Menschen und der Gemeinschaft hilft, z.B. auch mit weniger auszukommen,  ist deshalb eine Chance für die genossenschaftliche Bankengruppe. Dies bedeutet nicht auf moderne Errungenschaften zu verzichten und zu einer Art „Nostalgiebank“ zu werden, die am Wochenende Touristenströme aus den Städten anzieht.

Es geht – wie Brian Solis es formuliert – darum, eine starke Vision zu entwickeln, für einen kurzen Moment alles auf null zu stellen und die Genossenschaftsbank neu zu erfinden, ohne alles was gut war und ist über den Haufen zu schmeißen. Beantwortet die Fragen:

  • Welches Kundenerlebnis möchten wir haben bzw. erzeugen?
  • Welche Rolle möchten wir spielen und was möchten wir nicht mehr tun?
  • Wie können wir uns verändern?
  • Welche Chance liegt in der Digitalisierung?

Die Genoidee ist eigentlich das absolute Gegenmodell zu dem, was wir heute unter banking verstehen. Dieses Gegenmodell muss ausgebaut und als klarer Mehrwert für alle Menschen erkennbar werden. Genossenschaftsbanken sollten sich nach dem Prinzip der „Awesomeness“ weiter entwickeln. Awesomeness – erfunden von Umair Haque- ist eine andere neue Art von Innovation: Kreative Menschen, die lieben was sie tun, schaffen reale bedeutsame Werte und – in Anlehnung an Brian Solis – Erlebnisse. Sie zerstören dabei nicht – wie der liebe Herr Schumpeter – alles  Alte und scheinbar obsolete. Sie suchen auch im Alten den Fortschritt und nutzen die Digitalisierung, um dieses Alte zu modernisieren und besser zu machen.

Crowdfunding, Regionale Vernetzung, Time Banking, die Bank als Plattform, Sharing Economy, Intensivierung der Kundenbeziehung durch Social Media, Cradle to Cradle, Steady state economy. In all diesen Stichwörtern liegen Chancen für die genossenschaftliche Bankengruppe. Nur emotional bewegende Unternehmen haben eine Zukunft. Wenn banking zur Technologie verkommt und zur commodity wird, dann braucht es wirklich keine Banken mehr und dann gibt es vielleicht noch nicht einmal mehr banking als Funktion, weil diese Handlung in unserem Bewusstsein zwischen all den Impulsen und Einkaufsereignissen gar nicht mehr präsent ist.

Interessante Ergänzungen  zu diesem Blog Beitrag:

Awesomeness Manifest von Umair Haque

Eine regionale Plattform für Reparaturen

Four oldschool ways to thrive in any economy

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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