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Werden Banken niemals sterben?

Dieser Beitrag wurde sehr stark inspiriert durch einen Artikel von Brett Skinner, erschienen im SAP Blog:

Imagine Less Than 50 Banks Left In The World By 2030.

 

Fintech boomt

 

Vorab einige Leitfragen: Haben Banken gute Ideen? Sind Banken innovativ? Können Banken mit dem Ideenreichtum von startup Unternehmen mit halten und müssen sie dies überhaupt?

 

In den letzten Tagen habe ich viele Unternehmen aus dem Fintech Bereich vorgestellt. Aus reineer Faszination und Begeisterung. Keine Frage: Fintech boomt auch in Deutschland. Dies kann man neben der großen Zahl an Neugründungen auch an einem wachsenden Interesse von Investoren festmachen und an einer erfreulichen Zunahme von Fintech Veranstaltungen( z.B. Execio Fintech, Finance 2.0 Veranstaltung im Mai in der Schweiz,  oder auch das Fintech Froum DACH am 9. Mai in Frankfurt) bei denen man nun auch Mitarbeiter von Banken trifft, die noch dazu einer höheren Hierarchie Ebene zuzuordnen sind und sogar die Aufgabe haben ,offensiv den Kontakt zu den Herausforderern zu suchen. Inzwischen gibt es ja sogar den ersten Fintech Inkubator einer deutschen Bank (Main Inkubator)   Artikel von Andre M Bajorat zu letzten Veranstaltung von Execio

 

„Die haben es ja auch bitter nötig“

 

Mit dieser Aussage reagierte gestern ein Kollege aus meiner Finanzgruppe darauf . Ich hätte antworten sollen: „Manchmal ist es besser wenn man früh genug weiß und erkennt, dass man es bitter nötig hat.“ Möglicherweise wird sich die Krise der Commerzbank noch als ein Vorteil in der Bewältigung der digitalen Transformation herausstellen, denn ohne den finanziellen Druck hätte ein Umdenken wohl niemals stattgefunden und die Bewahrer hätten weiter standhaft auf der Bremse gestanden.

Wie sagt man so schön:Crises creates opportunity. Das wird nur häufig nicht erkannt, wenn man ängstlich im Schloss sitzt und nicht begreift, was Veränderung wirklich ist. Banken denken mehrheitlich, dass sie sich nur leicht verändern oder anpassen müssen. Einfach nachmachen, einfach auch da sein wo die startups sind. Hier ein wenig Online Marketing und Online Vertrieb, dort Social Media, da PFM, eine Prise crowdfunding, vielleicht sogar crowdinvesting. Das wird wohl reichen.Wenn Banken Innovation sagen, dann meine Sie genau das: Anpassen, ein wenig besser, ein wenig anders werden und weiter machen.

Auch hier ein Beispiel: Die mobilen Banking Anwendungen der Banken sind auch heute noch nichts anderes, als eine Übertragung des Online Bankings auf mobile Geräte, erweitert um Features, die man irgendwo gesehen hat, ergänzt um die Lösung von Problemen, die dadurch entstanden sind, dass es sich eben nur um einen neuen Banking Kanal handeln soll: Welches Probleme meine ich? Natürlich die Nutzung der mobilen Tan auf dem gleichen mobilen Gerät. Keiner fragt sich, welchen Mehrwert eigentlich dem Kunden geliefert werden oder welches seiner Probleme gelöst werden könnte. Es ist sogar noch viel schlimmer: Jeder sieht die Entwicklungen und Veränderungen, jeder verhält sich selber wie die Kunden, für die Produkte zu entwickeln sind und wenn dann entwickelt wird, geht die Lösung an all diesen Erkenntnissen und sichtbaren Verhaltensweisen vorbei und ist aus der typischen Inside out Perspektive entwickelt.

 

Banken liefern Vergangenheit und Friktionen

Banken können nicht nur nicht innovativ sein, sie können auch keine Mehrwerte mehr liefern, weil sie nicht die Probleme der Kunden sehen und lösen sondern nur die eigenen. Sie können dies auch deshalb nicht, weil sie immer noch zwischen Banking und Payment unterscheiden und der Meinung sind, dass für die Bank monetarisierbare Kundenmehrwerte nur in den komplizierten und folgenreichen Lebensentscheidungen und den dann entsprechend komplexen Banklösungen lägen. Also durch die 4-5 wesentlichen Lebens Entscheidungen, die hohe Einnahmen versprechen und für die der Kunde natürlich am besten in die Filiale nachfragt. Digitale Banken werden aber vor allem aus der Payment Ecke angreifen, wo sie Friktionen abbauen, Daten auswerten und neue Mikroprodukte anbieten, die sie zum Beispiel mit Mikropreisen abrechnen. und sehr wahrscheinlich sind diese „Digitalen Banken“ dann noch nicht mal Banken und können noch mit Leistungen Geld verdienen, die für die klassischen Banken nicht in Frage kommen oder für welche Kunden allen außer ihrer Bank Geld geben würden. By the way: Auch für die 4 bis 5 Lebensentscheidungen werden digitale Agenten schon bald bessere Lösungen als die Bankberater anbieten können

 

Banken können mit startups nicht mithalten

 

Banken können mit startups nicht mithalten. Zumindest was deren Fähigkeit angeht Kundenanforderungen zu erkennen, Lösungen anzubieten, agil auf Veränderungen und Wünsche zu reagieren und ständig innovativ zu sein. Sie können startups auch nicht nachahmen und um so klassischer Sie aufgestellt sind (Geschäftsmodell, welches auf Filialen beruht), desto weiter entfernt sind sie von der digitalen Kultur. Die Nachahmung wird dann noch viel unwahrscheinlicher. Der Berg den es zu beseitigen gilt, wirkt unbezwingbar und er wehrt sich sogar mit Lawinen und Felsbrüchen. Denn Unternehmen bemühen sich darum zu bestehen, während startups Unternehmen angreifen und alte Lösungen zerstören müssen, bis sie dann selber einmal zu einem Unternehmen werden.

 

Aber müssen Banken Fintech Unternehmen überhaupt fürchten?

 

Die Antwort ist nein und die Antwort ist es hängt davon ab? Wer Bankgeschäfte betreiben möchte oder eine Vollbank gründen möchte, benötigt eine Banklizenz, mindestens 2 entsprechend geeignete Inhaber oder Geschäftsführer und nicht zuletzt mindestens 5 Millionen Euro Anfangskapital. Damit aber nicht genug: Banken leben – auch wenn man nach manchen Sonntagsreden unserer Politikerschonmal einen anderen Eindruck gewinnen könnte- in einem nahezu symbiotischen Verhältnis mit Staaten und diese werden den Teufel tun, mehr Player zuzulassen und damit mehr Regulierungskomplexität zu erzeugen. Banken – als zwar komplexes- jedoch klar definierbares Gebilde – und davon am besten wenige, lassen sich besser regulieren, als eine Vielzahl kleiner Spezialanbieter, die sich in nicht klar abgrenzbaren Nischen bewegen. Obwohl Wettbewerb und Vielfalt wohl die bessere Lösung wären

 

Womit wir beim hängt davon ab wären.  Natürlich können einzelne Banken auch sterben und viele haben dies ja bereits getan. Und die Digitalisierung wird viele weitere Opfer fordern. In manchen Märkten geht dies schneller, in anderen (z.B. Deutschland) langsamer, da man in unserem eher veränderungstesistenten Land noch eine Weile auf Institutionen und gut zugerichtete Verbraucher bauen kann. Gerade die Godzilla Banken – Groß und gefährlich – werden uns aber erhalten bleiben. Da beißt keine Fintech Idee den Fäden ab.

Ich behaupte aber auch, die Banken mit den zufriedensten und meisten Kunden werden am schnellsten Probleme bekommen, denn ihre digitale Reise ist lang und führt durch gefährliche Gebiete. Und gerade die großen Banken können schnell mal ein Unternehmen kaufen ( Simple oder vielleicht auch Square), nicht lukrative Bereiche schließen oder mit hohen Investitionen IT und Filialstruktur auf den neusten Stand bringen oder gar das Geschäftsmodell wandeln.

Liest man die vielen Studien der Beratungshäuser , die aktuell zu diesem Thema den Markt fluten, dann liegt in der digitalen Transformation für alle Banken eine Chance. Na klar, schließlich sollen Beratungsaufträge an Land gezogen werden. Stimmt aber nicht. Für manche gibt es Chancen für die meisten wahrscheinlich nicht. Zeigen sie mir die digitalisierte Branche, die nicht zur Monopolisierung neigt oder in welcher der Große nicht  die kleinen frisst oder kauft.

Kommt Apple, google, Facebook und Co, um die Arbeit der startups fortzusetzen, dann wird es für viele hart. Chris Skinner prophezeit in seinem Artikel schon für 2030 weniger als 50 Banken. Ergänzt wird das Angebot dieser Banken durch technische Funktionen, mit denen zumindest Banken kein Geld verdienen können und die wir unbewusst nutzen und die vor allem von Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, die weit davon entfernt sind Bank zu sein.

 

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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