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Was Banken erwarten

Studien

Es gibt zahlreiche Umfragen oder Studien, in welchen führende Mitarbeiter von Banken danach befragt werden, welche Herausforderungen aus ihrer Sicht die Zukunft ihrer Branche oder auch ihrer Bank bestimmen werden. Eine solche Studie kommt zum Beispiel einmal im Jahr vom Fraunhofer Institut IAO auf den Markt und heisst „Bank und Zukunft„. Eine andere ebenfalls recht populäre Studie kommt von Steria Mummert Consulting:  Branchenkompass 2010 Kreditinstitute.

Nach dieser Studie erwarten die Führungskräfte von Banken in den nächsten Jahrren die folgenden  wesentlichen Herausforderungen:

  • die Bankenaufsicht (37 %)
  • steigende Wettbewerbsdruck  (32 %)(
  • Kundenwertentwicklung  (15 %)

Die Ergebnisse sind irgendwie nicht überraschend und gleichen sich eigentlich von Jahr zu Jahr. In erster Linie ist man auf interne Probleme – aktuell spielen natürlich auch die IT Systeme wieder eine Rolle – bzw. Bedrohungen des internen Status quo durch Externe  – hier vor allem gesetzliche Regelungen – fokussiert. Kunden und deren Erwartungen spielen zwar immer eine Rolle, wobei diese Herausforderungen fast nie an erster Stelle stehen und auch hier geht es in der Regel um das Bändigen störender Bedürfnisse.

Die Distanz nimmt zu

Die mir bekannten Studien sind hervorragende Beispiele für die immernoch vorhandene Entfernung der Interessen von Banken und Bankkunden und darüber hinaus für die fehlende Fähigkeit einer Branche sich neu zu erfinden. Die folgende Aussage bringt es eigentlich ganz gut auf den Punkt:

Zusätzlich treiben die Institute Fragen zum Einsatz von Web 2.0-Elementen um. Eine typische Frage, die sich Banken stellten, lautet zum Beispiel: „Wie bleibe ich Herr des Geschehens?“, weiß Lamprecht.

Die Führungskräfte von Banken stehen offensichtlich unter dem Zwang alles kontrollieren zu müssen oder zu wollen. Wäre es dann nicht eigentlich besser sich mit web 2.0 gar nicht zu beschäftigen bzw. sind Banken durch diese Haltung dazu gezwungen die Innovation der Branche Unternehmen oder Menschen zu überlassen, die selber nicht aus dem Finanzumfeld kommen?

Im Internet haben die Verbraucher schon lange Teile der Kontrolle übernommen, wer – noch dazu in Zeiten steigender Komplexität – von dem Willen getrieben ist, alles zu konrollieren, hat deshalb eigentlich schon lange verloren. Es zeigt sich offenbar, dass unsere Führungskräfte in Wirtschaft und Politik noch nicht auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet sind. Stuttgart 21 ist auch ein Beispiel, welches zeigt wie hilflos die an klassischen Organisationsmodellen orientierten Eliten neuen Formen der Beteiligung gegenüberstehen.

Kontrolle verliert

Wer zukünftig noch die vollständige Kontrolle sucht, sollte überdenken, ob es nicht besser wäre, sich der Wirklichkeit vollständig zu entziehen und sich lieber auf eine einsame Insel zu begeben.

Wer dagegen für die Zukunft gerüstet sein möchte, sollte lernen die Eigenkomplexität durch Einbezug und Einbindung der Umwelt zu erhöhen. Er sollte die neuen Impulse und den direkten Dialog mit den Prosumenten nutzen, um gemeinsam konkurrenzfähige und überlegene Angebote aufbauen zu können. Er sollte sich damit abfinden, dass Problemlösungen immer nur als vorübergehend angesehen werden können und es wichtig wird, entsprechende Anschlusshandlungen zu finden. Die Intelligenz liegt zunehmend in den Nischen und aus Organisation wird die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Unternehmerischer Erfolg wird verstärkt auf tatsächlichen Werten, auf Absichten und dem tatsächlichen Willen etwas zu verändern oder zu bewegen und wirkliche Probleme des Menschen zu lösen.

Auf die Banken wird eine Menge zukommen. Ein erster Schritt könnte darin liegen, wieder mutiger auf Kunden und Mitarbeiter zuzugehen, um zu lernen und das gewaltige brachliegende Potential zu heben. Banking is people und banking is for people. Es braucht neue Inhalte und die Bereitschaft den „Status quo“ zu überwinden. Dabei sind solche Studien nicht besonders hilfeich. Sie machen eigentlich nur Angst

Schafft sich da eine Branche ab?

Auf der anderen Seite könnte die Angst ja sogar berechtigt sein, denn auch die Kunden trauen den Banken ja immer weniger über den Weg. Bleibt die Frage, ob sich da vielleicht eine Branche abschafft?

Inspiration und Fakten via. www.4finance.de

PS – Natürlich sind nicht alle Banken gleich. Bitte also  die Verallgemeinerung als Stilmittel anzusehen.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Redaktion

    Schön auf den Punkt gebracht. Ein markiger Spruch von Dir (oder hast du da kein Copyright drauf?) ist ja auch: „Nur Banker brauchen noch Banken.“ Größtenteils richtig und schon heute nachvollziehbar. Immer mehr Branchenfremde bieten klassische Bankdienstleistungen an, bezahlt wird per Mobiltelefon… und die Denker und Lenker der Kreditinstitute sitzen in ihren Elfenbeintürmen und diskutieren, welche Webseiten für ihre Mitarbeiter gesperrt werden sollen ->ich krieg auch Angst.

    Ausserdem leihe ich mir dein PS: Nicht alle sind so!

  • David

    Schön auf den Punkt gebracht. Ein markiger Spruch von Dir (oder hast du da kein Copyright drauf?) ist ja auch: „Nur Banker brauchen noch Banken.“ Größtenteils richtig und schon heute nachvollziehbar. Immer mehr Branchenfremde bieten klassische Bankdienstleistungen an, bezahlt wird per Mobiltelefon… und die Denker und Lenker der Kreditinstitute sitzen in ihren Elfenbeintürmen und diskutieren, welche Webseiten für ihre Mitarbeiter gesperrt werden sollen ->ich krieg auch Angst.

    Ausserdem leihe ich mir dein PS: Nicht alle sind so!

    • electrouncle

      Hallo,

      ne da habe ich kein Coyright drauf. Danke auch für das Lob. Aber die nur Banker brauchen noch Banken Idee muss ich mal weiter ausbauen.

      gruss Boris

  • Christoph Ahler

    Guter Artikel, trifft genau die Kernproblematik. Banken sollten Ihren Mitarbeitern Möglichkeiten bieten, wieder Kundenbeziehungen aufzubauen. Da bietet SocialMedia ganz neue Wege. In den meisten Banken sind Zugänge zu Facebook usw. jedoch gesperrt. Hoffentlich ändert sich das bald….

    • electrouncle

      Hallo,

      danke für das Lob. Möglicherweise liegt die Kernproblematik sogar noch viel tiefer. Der Kunde das unbekannte Wesen mag man fast sagen. Auf der einen Seite wissen wir zwar durch technische Systeme wie z.B. CRM immer mehr über den Kunden. Wissen damit aber nichts anzufangen. Und Ähnliches gilt für den Mitarbeiter. Grundsätzlich haben alle technischen Systeme in den Banken eher dazu geführt, sich vom Menschen und seinen Bedürfnissen abzuschneiden. Jetzt gewinnen wirklich menschliche und soziale Technologien an Bedeutung und wir merken, dass es uns an Vertrauen fehlt, diese Technoglogien auch zu nutzen oder nutzbar zu machen.

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    […] sie wie ein Ertrinkender versucht, das Geschehen auf dem Rettungsboot zu kontrollieren, orakelt Finance 2.0. Fakt ist, am Ende urteilen die Kunden, sie sind gerade in ihrem internetbasierten Vernetzungsgrad […]

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    […] von Steria Mummert stammte ja das Zitat, welches ich in einem älteren Blogbeitrag hier gepostet habe und das mich zu der These veranlasste, dass bei den Fach- und Führungskräften der Banken […]

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