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Warum verkaufen Banken Produkte, die niemand haben will?

Marktstand

Stellen Sie sich vor Sie sind Bauer und betreiben einen Marktstand. Jeden Donnerstag und Samstag sind Sie mit diesem Stand auf dem Marktplatz Ihrer Gemeinde präsent und verkaufen dort Obst und Gemüse. Nebenan sind andere Marktstände und auch einige Anbieter, die ebenfalls Obst und Gemüse verkaufen.

Sie haben ein Produkt in Angebot, nehmen wir mal Kirschen, welche alle anderen Marktstände auch anbieten und die dort auch gut gehen, sich also gut verkaufen. Nur bei Ihnen kauft keiner die Kirschen, weil diese viel zu teuer sind. Sie haben schon alles versucht, sind aber nicht in der Lage die Kirschen günstiger zu verkaufen.

Was würden Sie tun? Ich vermute mal, Sie würden das Produkt nicht länger anbieten. Kosten und Ertrag stehen in keinem Verhältnis und dort, wo Sie dem Kunden die Kirschen präsentieren, wäre  mehr Platz für ein anderes gut gehendes Produkt. Vielleicht sogar Sauerkirschen, welche die anderen Marktstände nicht anbieten.

Bank

Stellen Sie sich nun vor Sie arbeiten bei einer Bank und es gibt ein Produkt mit dem Namen Tagesgeld, dass niemand Ihrer Kunden und auch Nichtkunden aktiv anfragt, weil Ihre Konditionen einfach nicht konkurrenzfähig sind und Sie auch keine Möglichkeit haben z.B. durch Einsparungen an anderer Stelle eine attraktive Kondition anzubieten.

Tagesgelder sind Produkte, die es seit dem Beginn unseres in Deutschland bei Internetnutzern steigende Beliebtheit erfahren und vor allem bei reinen Online Banken erworben werden. Die Werbeagenturen und Online Vermarkter/-Plattformen dieser Welt – vor allem natürlich auch google – erzählen den Banken und zwar allen Banken, dass jede Bank ein Tagesgeld haben muss, damit überhaupt Interesse bei den online affinen Kunden entsteht.

Aber ist es sinnvoll ein Produkt anzubieten, dass kaum ein Kunde oder potentieller Neukunde haben möchte und ist es sinnvoll in Adwords und oder Display Ads zu investieren?

Warum also bieten Banken Tagesgelder an, obwohl die Aussicht es zu verkaufen gegen null geht. Das würde doch kein Händler oder Unternehmer dieser Welt machen. Oder ist mir ein Denkfehler unterlaufen?

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • wquadrat

    Alles richtig – nur die Hypothese „Tagesgeld = Kirschen“ ist falsch… Denn: Kunden kaufen tatsächlich auch Tagesgelder mit „schlechten“ Konditionen.
    Der „Bauer“ hat noch Hoffnung.

    • electrouncle

      Hallo,

      ja stimmt. Die Frage müsste ich hier auch mal stellen. Zumal dieses Verhalten sogar ein Argument für die in meiner Frage implizierte These ist, dass Sparkassen und Genossenschafsbanken immer noch nicht den richtigen Weg gefunden haben Ihre USPs ins Internet zu übertragen. Wobei es mit der Übertragung ja leider auch nicht getan wäre.

      Danke für den Kommentar übrigens

  • Wiggo

    Gruppendynamische Zwänge in Verbindung mit Leugnung der Realität ist ein beliebte Verbindung bei Banken. USP können sie nicht übertragen da große Uneinigkeit darüber besteht, welcher es ist. Dazu erhält man auch 5 Meinungen wenn man 3 Verantwortliche befragt.

    • electrouncle

      Hallo,

      interessante Position und wohl viel Wahrheit drin. Wie könnte man sowas ändern, denn es wird höchste Zeit. Unklare Geschäftsmodelle ohne Vision sind doch zum
      scheitern verurteilt.

      danke für den Kommentar

      • Wiggo

        Wenn Sie Vision mit Ziel gleichsetzen stimme ich Ihrer Aussage ausdrücklich zu. Erster Schritt ist die Festlegung eines USP (und der Beginn der Schwierigkeiten). Was ist aus Ihrer sicht der USP einer Genossenschaftsbank? Ich bin mir fast sicher, daß wir 2 darüber schon unterschiedlicher Meinung sind. 😉

        • electrouncle

          Hallo,

          vermutlich. Ist ehrlich gesagt auch nicht so einfach. Die Umwelt hat sic hund verändert sich auch schneller als die Genobanken. Wobei der Mensch sich möglicherweise gar nicht so sehr veränderrt hat. Eine Frag ist vor allem auch wie sich lokale Märkte sich verändern und wie die Bank darauf reagieren kann, wenn sie reagieren kann.Da schlagen ja auch Landflucht und Demographie zu. Ist die Kenntnis des lokalen Marktes z.B. ein USP mit dem man arbeiten könnte, so steht es ja in vielen Strategie Papieren der Bank?

      • Wiggo

        Hallo,
        ich habe Zweifel sowohl was die Exklussivität der Kenntnis betrifft, als auch deren Umsetzbarkeit.

        Wie wäre es den Berater Schmidt aus der Filiale an der Hauptstraße als USP zu setzen? Als Flächenbank hab ich den ja da sitzen und den hat da auch kein anderer.

        • electrouncle

          Hallo,

          ja jetzt wird es schwierig. Ist Berater Schmidt wirklich der USP? Dann könnte man ja auch
          in Richtung Honorarberatung gehen, denn Leute müssten doch
          bereit sein dafür zu bezahlen.
          Sind sie aber nicht.

          Ich muss nachdenken!

  • HGO via OckCon

    Moin, moin,

    eine der möglichen Antworten (auf die berechtigte Frage) ist, daß sich der Markt der Gelddienstleistungen geändert hat, ohne daß das (unsere deutschen) Banken wahrhaben wollen.
    Und offensichtlich geht ja auch („woanders“) noch was…!

    Was sich letztlich aus Marktveränderungen ergibt sieht man m. E. sehr gut am Beispiel Apple iPhone: als das Ding vor ca. 5 ( ? ! ) Jahren auf den Markt kam, sagte der (damalige) Marktführer “ .. die haben keine Ahnung ..“ – da hatte er wohl recht, aber nichtsdestotrotz …. !

    Wenn der Zahlungsverkehr und kurzfristige Anlagen heute in der Hand von Spezialinstituten a la ING-DIBA und Paypal liegt, werden über kurz oder lang auch andere Gebiete nicht mehr von unseren (deutschen) Kreditinstuten (.. Sparkassen als auch Volksbanken) „betreut.
    Jacob Fugger würde sich vermutlich im Grabe rumdrehen, aber wenn „Roulettespielen“ mehr Spass macht..!
    Und es keiner hier merkt, auch nicht die Regierung, die nur noch „systembedingt“ denken kann/will.

    Grüße aus den Niederungen der Realität.

    HGO

    • electrouncle

      Hallo,

      stimmt alles. Bleibt die Frage: Was ist mit Werten und wie bzw. wo werden die definiert oder entstehen. Regiefrungen und viele Unternehmen wollen Verhältnisse bewahren, die für die Mehrheit der Menschen
      nur Nachteile bringen. Viele Menschen merken das. Sie ziehen
      sich aber zurück- z. B. auch ins vermeindliche Social Media Paradies- statt etwas zu tun.

      Danke für den Kommentar

  • Uli

    Bankdienstleistungen sind heutzutage Commoditiy. Kunden wollen Einzigartigkeit und Individualität. Die Podukte sollen das Leben der Kunden positiv beeinflussen und der Mehrwert muss einfach kommunizierbar sein. Kunden sind mittlerweile die Usability von iPhondes gewöhnt, bekommen aber quasi das Beschwerdeformular von der Bahn). Einen Mehrwert kann somit kaum eine Bank mit ihrem Produktspektrum bieten.

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