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Vom Kleingeld zur Mikrospende

 

 

Gastbeitrag von Marc´o Connor.

Ich freue mich einen interessanten Gastbeitrag ankündigen zu können. Marco Connor arbeitet in einem Jugendtreff und Marc´o Connor hat ein Anliegen. Er wünscht sich eine bessere finanzielle Ausstattung dieses Jugendtreffs und kommt auf eine Idee. Diese Idee hat mit Mikrospenden zu tun und er macht sich – obwohl er nicht für eine Bank arbeitet – Gedanken darüber, wie eine Bank solche Mikrospenden ermöglichken könnten. Er hat eine These und er wendet sich mit dieser Idee an Banken. In seinem Blog Tagebuch eines Mikrospenders und auf seiner Facebook Seite kann man mitverfolgen, wie er mit seiner Idee vorankommt. Da ich hier immer wieder die These vertrete, dass Banken durch eine größere Nähe zu ihren Kunden oder gar der direkten Beteiligung der Kunden  bei der Produktentwicklung (ala Fidorbank) zukunftsfähiger werden, lag es nahe Marco Connor zu bitten, einen Gastbeitrag für meinen Blog zu schreiben. Marco Connor beweist darüber hinaus, dass sich junge Menschen durchaus für Finanzthemen interessieren und auch bereit sind für die Umsetzung einer Idee oder die Verwirklichung ihrer Ideale Zeit und Mühe zu investieren ohne für diesen Aufwand direkt entschädigt zu werden. Und darüber hinaus durch die Internet auch die Möglichkeit haben relativ schnell und einfach Zuhörer und Ansprechpartner innerhalb von Banken zu erreichen, um die Realisieierung möglich zu machen oder zumindest zu prüfen.  Was halten Sie von Marcos Idee. Bitte diskutieren Sie hier, auf Facebook, über twitter oder in Marcos Blog.

Vom Kleingeld zur Mikrospende?

Mikro (gr. μικρός mikrós „klein“, „eng“)

Mikrospende kann als kleine Spende definiert werden, normalerweise auf elektronischem Weg und meistens assoziiert mit der Unterstützung für ein Anliegen, ein Projekt oder einen Menschen. (Quelle: http://fundraising.blumbryant.ch/tag/mikrospenden/ )

Bank-Mikrospenden können in einem automatischen und regelmäßigen Sammelverfahren von Banken für regionale, gemeinnützige Zwecke gesammelt werden. Dabei wird der Kontostand eines Spenders 4 Mal im Monat elektronisch erfasst, die jeweils vorhandene Cent-Mikrospende ermittelt und automatisch auf ein Sammelkonto bei der Bank gebucht.

(Quelle: http://www.mikrospender.de/ )

Was haben Banken eigentlich mit Spenden zu tun? Ich würde sagen, diese Frage lässt sich aus mindestens 3 Perspektiven beantworten:

1.           Die Bank spendet selbst Geld in unterschiedlichster Höhe

2.           Die Bank informiert ihre Kunden über Spenden, warnt

vor„Spendenfallen“ usw.

3.           Die Banken sammeln selbst Spenden ein, wie z.B. die Wolfsburger Sparda-Bank im September diesen Jahres für die Flutopfer in Pakistan mittels Spardose und Überweisungsträgern in der Filiale

„Mit unserer Spardosen-Aktion möchten wir Menschen ansprechen, die sonst nicht spenden würden. Etwas Kleingeld hat doch bestimmt jeder übrig“ so Babet Schaper, Geschäftsstellenleiterin der Sparda-Bank.

Ich denke, man kann behaupten. Banken und Spenden sind sich nicht wirklich fremd. Ich vermute, eher das Gegenteil ist der Fall. Und schließlich, das lässt sich nicht leugnen, haben wir es sowohl beim Bankwesen als auch beim (Geld)Spendenwesen ganz allgemein mit Geld zu tun. Schon allein diese Tatsache sollte eigentlich verbinden.

Und damit verschiebt sich der Spenden-Blickwinkel von der Frage OB? zur Frage WIE?

Wie sammelt eine Bank heutzutage eigentlich Spendengelder?

Ungefähr hier macht es Sinn, sich nochmals die Einschätzung der Sparda- Geschäftsstellenleiterin ins Gedächtnis zu rufen:

„Etwas Kleingeld hat doch bestimmt jeder übrig“

Wer könnte dies besser beurteilen, als eine Bank. Denn die Bank verwaltet die Konten ihrer Kunden und damit auch deren Kleingeld. Und es ist für mich auch die technische Infrastruktur der Bank, die in naher oder ferner Zukunft das Kleingeld ihrer Kunden im Portemonnaie zur automatischen Mikrospende transformieren kann.

Der Weg vom Kleingeld für Pakistan hin zur automatischen Mikrospende für regionale, gemeinnützige Zwecke muss allerdings vorerst ein rein fiktiver Gedanke bleiben, denn auch in einer Welt in der alles möglich zu sein scheint, reicht ein einzelnes Anliegen kaum aus, um seitens Banken in bestehende, (zentral)systemische Strukturen einzugreifen. Zu der Frage, ob denn das regelmäßige Sammeln von Mikrospenden für einen Jugendtreff in einer Modellphase erprobt werden könne, äußerte sich eine regional angesiedelte Bank am 12.03.2010 folgendermaßen:

„Mit unseren derzeitigen technischen Systemen lässt sich Ihre Idee nicht umsetzen. Es müssten daher zunächst aufwändige Subsysteme hergestellt werden, die neben der reinen Buchungsfunktion auch unseren strengen Sicherheitsanforderungen entsprechen müssen. Die damit verbundenen Kosten stünden dann aber in keinem sinnvollen Verhältnis zu dem erwarteten Spendenaufkommen.“

Man sollte die Argumentationslinie der Bank:

➔    Schaffung von Subsystemen

➔    hohe Kosten

➔    geringer Nutzen durch mangelndes Interesse potentieller Spender

nicht einfach von der Hand weisen.

Und es scheint so zu sein, dass ein Anliegen eines einzelnen Bankkunden, wie es ganz konkret und nachvollziehbar auf http://www.mikrospender.de formuliert ist, nicht dazu führen kann, Bank-Mikrospenden von der Fiktion in die Realität zu transportieren. Zusammenfassen kann man den derzeitigen Stand der Dinge mit der Aussage eines Tweets, den ich hier einmal durch Zufall auf Finance2.0 entdeckt habe und dessen Verfasser mir bis dato leider nicht bekannt ist. In leicht abgewandelter Form heißt es:

„Banken und Kunden sind symbiotisch. Die Banken sind immer nur so gut, wie die Forderungen der Kunden“

Zur Person:

Marco Eckle, Jahrgang 1975, hat an der BA Ravensburg Medien- und Kommunikationswirtschaft studiert. Inzwischen ist er Student der Sozialen Arbeit an der Hochschule Ravensburg-Weingarten und arbeitet als Jugendbegleiter bei der Gemeinde Bodnegg. Er hat den dortigen Kinder- und Jugendtreff mitbegründet und stößt bei der Umsetzung verschiedener Projekte immer wieder an finanzielle Grenzen. Deswegen kam er auf die Idee der regionalen und automatischen „Bank-Mikrospende“. Was er genau erreichen möchte, stellt er in seinem öffentlichen Tagebuch unter http://www.mikrospender.de zur Diskussion.

Weitere Links:

Bank-Mikrospenden bei Facebook: http://www.facebook.com/pages/Mikrospenden/156826371002512

Mikrospender bei Twitter:

https://twitter.com/mikrospender

Der regionale Kinder- und Jugendtreff:

http://www.freizeitwiki.jugendnetz.de/wiki/Kinder-_und_Jugendtreff_(Bodnegg)

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Matthias Schubert

    Einen ganz interessanten Ansatz zum Thema „Banken und Spenden“ verfolgt derzeit die Volksbank Bühl auf Facebook: die Bank spendet und die Kunden stimmen auf Facbook ab, wer das Geld erhalten soll: http://www.facebook.com/VobaBuehl?v=app_159012930806022

    Ergebnis der ersten Runde war, dass Sportvereine die Empfänger der Spenden sein sollen. In einer zweiten Runde werden nun fünf Sportvereine durch Abstimmung ermittelt, die jeweils 1.500,– EUR erhalten werden.

    Dabei handelt es sich (derzeitiger Stand) um regionale Sportvereine:
    1. FV Ottersweier e.V. 1953
    2. SV Bühlertal 1922 e.V.
    3. Kehler Fußballverein 07 e.V.
    4. Sportverein Ulm 1948 e.V.
    5. Sportfreunde Goldscheuer

    So wird die Genossenschaftsbank ihrer Förderung der Region gerecht und die Kunden bestimmen, wer das Geld erhält. Eine interessante Variante.

    • Marco Connor

      Hallo Herr Schubert,

      die Volksbank Bühl realisiert hier eine interessante „Mischform“ und ohne hier weiter ins Detail zu gehen kann man behaupten (bzw. lässt sich an den Reaktionen der „voter“ ablesen):

      Menschen in der Region der Volksbank Bühl scheinen großes Interesse daran zu haben, regionale Zwecke zu unterstützen und, was für mich noch wesentlich interessanter ist, dies in Kooperation mit ihrer Bank zu realisieren.

      Ich erwähne das so ausdrücklich, da ein Hauptargument gegen den Einsatz des in meinem Artikel erwähnten Subsystems auf ein als gering eingeschätztes, regionales Spendenaufkommen im Verhältnis zum Kostenaufwand verweist.

      Die Volksbank Bühl und ihr Engagement werde ich heute im Tagebuch näher beleuchten.

      Danke für ihren Beitrag!

      Marco Connor

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