Trends für das Jahr 2014

Am 13.12.2013 habe ich in meinem alten Blog zu meiner ersten Blogparade aufgerufen: Trends und Wünsche für das Jahr 2014. Nun sind die ersten spannenden Beiträge von Lothar Lochmaier und Thomas Kiefer Online.

 

http://www.socialbanking20.com/2014/01/01/2014-meine-besonderen-wuensche-an-die-finanzbranche/

 

http://blog.thomas-kiefer.de/2014/01/03/trends-und-wuensche-fuer-die-finanzwelt-2014/

 

Aus diesem Anlass hier – im neuen FINANCE ZWEINULL – noch einmal mein Beitrag (aufgeteilt in 2 Posts)  vom 13.12 verbunden mit der Bitte einen eigenen Beitrag in Eurem Blog zu posten und auf diesen Beitrag zu verlinken. Die Blogparade möchte ich auch nochmal verlängern bis zum 31.01.2013

 

 1. Die Digitalisierung schreitet voran

 

Für diese schon seit einigen Jahren andauernde Entwicklung hat Brian Solis den Begriff Digital Darwinismus gefunden und geprägt. Immer mehr Unternehmen, Produkte, Dienstleistungen, Geschäftsmodelle und eigentlich unsere ganze Wirtschaft und Gesellschaft werden durch die digitalen Technologien erheblich verändert.

Auch die Bankenwelt ist davon betroffen und auch  in den nächsten 12 Monaten werden Banken sich auf diese Veränderungen einstellen und darauf reagieren müssen. Einige werden dies gut andere weniger gut hinbekommen. Im nächsten Jahr und wohl auch in den Folgejahren wird noch keine Bank dieser Entwicklung zum Opfer fallen. Aber wer nicht spätestens im nächsten Jahr entscheidende Weichen stellt, sollte sich zumindest schon einmal auf das nahende Ende einstellen.

Banking ist nun „bits and bytes“, wird zum Long Tail Markt und wird immer weniger von einer Banklizenz abhängen, auch wenn dies heute noch eine entscheidende Grundvoraussetzung im deutschen Markt ist. Banking ist – wie Chris Skinner in seinem Buch „Digital Banks“  schreibt – augmented Reality und kann schon heute beinahe vollständig unterwegs und über mobile, ständig mit dem Internet (und hier mit der Cloud) verbundene Geräte erledigt werden.

 

2. Wer Mobile nicht ins Zentrum stellt, hat schon verloren, auch wenn er es noch nicht merkt

 

Womit wir beim zweiten Trend werden. Bei allen Weiterentwicklungen die Banken heute und in den nächsten Monaten angehen, sollte die mobile Nutzung eine wesentliche Rolle spielen. Man könnte von Mobile First sprechen, besser wäre es allerdings von Kunde First zu sprechen, da dieser natürlich auch weiterhin verschiedene Zugangswege zu seinen Finanzen nutzen wird. Allerdings wird es wichtig sein, nicht mehr an Webseiten sondern an nützlichen Kontext bezogenen Lösungen zu arbeiten. Vor allem sollte man nicht mehr aus der Filiallogik heraus entwickeln und dieser alle strategischen Entscheidungen unterordnen. Löst mein Problem oder befriedigt mein Bedürfnis. Dort wo ich es möchte und wo ich gerade bin, möglichst schnell, möglichst bequem, einfach und kostengünstig. Macht es wie Apple!

 

3. Mobile Payment wird sich auch 2014 nicht durchsetzen

 

Das Thema Mobile Payment wird uns auch im Jahre 2014 in Atem halten. Schon in diesem Jahr ist bereits erstaunlich viel passiert und die Frage wer das Rennen gewinnt, bleibt auch 2014 heiß aber sehr wahrscheinlich unbeantwortet. Es wird weiter experimentiert und sicherlich wird es einige Vorstöße geben, die weitere Menschen zur gelegentlichen Nutzung des mobilen Zahlungsweges bewegen werden.

Es wird – so meine vorsichtige Prognose- wohl auch einige Nutzung- und oder Kundenprozesse geben, die- ähnlich wie  mytaxi – nahezu perfekt anmuten und uns zur Nutzung bewegen werden. Sicherlich im Apple Store, vielleicht bei Starbucks oder bei einer anderen Kaffee Kette möglicherweise auch im Supermarkt.

Paypal wird gewiss noch häufiger in den Medien auftauchen. Außerdem der ein oder andere kleinere und neue Player. Eventuell hören wir mehr vom google wallet.  Werden Apple, Facebook, Amazon oder Samsung uns überraschen. Mastercard, Visa oder American Express? Die Telekom und/ oder andere Netzbetreiber. Oder möglicherweise sogar eine Bank?

 

4. Bitcoin bleibt das Thema der Stunde

 

Was wird auch bitcoin? Das kann ich ehrlicherweise nicht so richtig einschätzen. Bitcoin nicht nur im Gespräch sondern wird noch intensiver diskutiert werden. Vor allem Staaten werden sich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigen. In Schweden (bitcoin Geldautomaten) wird in den nächsten Tagen der erste europäische bitcoin Geldautomat aufgestellt. Die Anzeichen, dass bitcoin noch stärker in unseren Alltag eindringen wird, nehmen zu. Mit der Fidorbank wird bald auch die erste deutsche Vollbank ein bitcoin Produkt anbieten. Mehr Menschen werden bitcoin als Zahlungsmittel einsetzen. Und ob mehr Staaten den Chinesen folgen oder eher andere Wege gehen, wird sich zeigen. In Sachen bitcoin hat sich die Bundesregierung ja ausnahmsweise einmal modern gezeigt. Das war allerdings vor der großen Koalition (Artikel aus netzpolitik.org)

 

5. Viele Finance startups werden kommen, viele werden gehen

 

Die startups entdecken zusehends den Finanzmarkt. Auch in Deutschland. Rocket Internet hat mit lendico den Schritt gewagt. Das werte ich  als Zeichen dafür, dass die Dynamik im nächsten Jahr nochmal zunehmen wird. Bei vielen startups – Andre M Bajorat hat sich hier die Mühe gemacht eine Übersicht aller aktuellen deutschen finance start ups zu erstellen – stellt sich allerdings die Geschäftsmodell Frage. Manche scheinen sogar zu übersehen, dass für bestimmte Handlungen eine Banklizenz erforderlich sein könnte oder zumindest die BAFIN konsultiert werden müsste. Mit anderen Worten es fehlt manchmal an  der enstprechenden Vorbereitung für diesen komplizierten, regulierten und wohl auch politischen Markt.

Ob es im nächsten Jahr bereits erste Opfer zum Beispiel in der crowdfinance Szene gibt, ist schwer zu sagen. Ich hoffe natürlich nicht, denn die startups Szene ist sehr wichtig für die Bankbranche und vor allem für  den Bankkunden. Eine Konsolidierung wird es jedoch mit Sicherheit geben.

 

6. Crowdfunding kommt in die Region, crowd investing wird Thema für Banken

 

Womit ich beim Thema crowdfinance wäre. Einer der spannendsten Trends mit beeindruckenden Zahlen im zu Ende gehenden Jahr. Viele Banken beschäftigen sich mit dem Thema. In den Niederlanden hat die ABN AMRO inzwischen als erste europäische Bank eine eigene crowdinvesting Plattform ins Leben gerufen. Möglicherweise wird das auch in Deutschland 2014 eine Bank wagen.

Sicher ist aber, dass crowdfunding 2014 in die Regionen kommen wird. Die Volksbank Bühl hat den Anfang gemacht. Weitere Volksbanken Raiffeisenbanken werden folgen. Bis Mitte nächsten Jahres erwarte ich eine zweistellige Zahl. Und wenn ich ganz ehrlich bin, sehe ich auch im regionalen crowdinvesting erhebliches Potential. Dieses Potential können meiner Meinung nach aber eher Banken heben als startups.

Auf der crowdfunding Konferenz in München wurde darüber diskutiert dass aktuell nicht klar erkennbar sei, ob und welche crowdfinance Plattformen überhaupt ein langfristig tragfähiges Geschäftsmodell haben. Einig war man sich darüber, dass es derzeit zu viele Plattformen gibt, dass es eine Konzentration geben wird oder muss, dass beim Markteintritt eines internationalen Players (wie z.B. kickstarter) viele der aktuellen Betreiber Probleme bekommen könnten und das deshalb eine Internationalisierung kommen müsse, da der deutsche Markt zu klein sei. Crowdfinance ist allerdings –welch Wunder – Teil des Koalitionsvertrages der zu diesem Zeitpunkt noch nicht regierenden großen Koalition. Es bleibt also Trend.

Ich wünsche mir aber nach wie vor mehr Community Funding und bin von der Idee regionaler crowdfinance Initiativen geradezu elektrisiert.

 

7. PFM wird schon zum Standard

 

Die Volksbanken Raiffeisenbanken haben es, die comdirect Bank, die Postbank ein wenig und die anderen Banken werden im nächsten Jahr nachziehen. Nun können wir endlich erleben wie intensiv und lange der Bankkunde diese neue Möglichkeit nutzt und wie die Banken davon profitieren. Wenn sie profitieren.

Und der Weg wird weiter gehen.  Was folgt auf PFM? Social Financial Management oder etwas ganz Anderes? Viele neue Kunden kann man durch PFM sicherlich nicht gewinnen. Allenfalls mit einem attraktiven Preismodell oder einem originellem Produktbundle. Die Banken sollten auch versuchen die eigene Unternehmensvision in das jeweilige PFM zu übertragen. Außerdem sollten sie vorhandene Beratungsmodelle mit dem PFM verbinden und nicht allzu sehr darauf hoffen, der nunmehr besser informierte Kunde, käme jetzt wieder häufiger in die Filiale, um dort das zu tun, was er eigentlich  auch Online und sogar unterwegs tun kann.

 

8. Große deutsche Banken forcieren mobile Banking

 

Da im letzten Jahr nicht so viel von den Banken gekommen ist. Sie waren wahrscheinlich mit Regulierungsanforderungen, Sepa Umstellung, ein wenig Social Media und größtenteils mit Luft holen beschäftigt, können wir für 2014 einiges erwarten.

Die Hello Bank wird die Workhopergebnisse endlich in die Tat umsetzen,  die Deutsche Bank überrascht uns mit neuen mobilen Andwendungen und Produkten, die Commerzbank startet eine mobile Initiative und die Sparkassen machen natürlich auch etwas Herausragendes?

 

Oder auch nicht.

 

Luft geholt und gesammelt haben sollten sich die Banken aber inzwischen. Und da sie nun agieren statt reagieren müssen, erwarte ich viel mobile Banking, mobile Initiativen und mobile Innovation von den Banken.

 

9. Wir sprechen über Big Data

 

Auch 2014 werden wir viel über Big Data sprechen. Was machen wir mit den Daten, die wir sammeln? Wie lässt sich hieraus Kundennutzen stiften? Welche neuen Produkte und Dienstleistungen können und möchten wir anbieten?

Aber auch Fragen wie: Ist unsere IT – Infrastruktur hinreichend ausgestattet. Wie können wir den Vorsprung von Unternehmen wie Amazon und Co. aufholen? Dürfen wir die Daten unserer Kunden überhaupt nutzen? Wie bringen wir vorhandene Daten mit externen Daten zusammen?

 

Und was erwarten die Kunden eigentlich? Möchten Sie, dass wir ihre Daten verwenden? Wer soll über die Datennutzung bestimmen und, und und.

 

Passieren wird im deutschen Markt – glaube ich – aber nicht viel. Zu komplex, umstritten und vorbereitungsintensiv ist das Thema. Letztendlich beschreiten wir eine neue Welt, auf die wir noch nicht hinreichend vorbereitet sind und an die wir nicht so experimentell und forsch wie google und co. herangehen können. Daten mussten bisher in erster Linie geschützt werden. Das Daten schützen und Daten nutzen kein Gegensatz darstellen, werden Banken und Bankkunden erst noch lernen. Leider in einer politisch und gesellschaftlichen Umwelt, die eher zur Verwirrung als zur  Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen beiträgt

 

10. Macher verzweifelt gesucht

 

Und nun fallen mir keine Trends mehr ein. Den Schluss bildet die verzweifelte Suche nach Machern.  Also nach Menschen, die nicht nur wissen, was zu tun ist – mangelndes Wissen ist nicht mehr das Problem – sondern die Umsetzung.  Ron Shelvin  (www.snarketing 2.0) hat mich mit einem spannenden Artikel – Banks need leaders who get it done)  auf diese Spur gesetzt.

Das Problem der Banken besteht doch eigentlich darin, dass man keinen hat oder findet, der erkennt was zu tun ist und dann auch die Ärmel umkrempelt und den Prozess in Bewegung setzt. Es geht ja – so Ron Shelvin – nicht um Technologie sondern um Geschäftsprozesse, Produkte, Dienstleistungen,  Geschäftsmodelle, kulturelle Anforderungen und Kundenverhalten, welches durch Technologie verändert und möglich wird. Banken, die diesen Macher finden, werden erfolgreich sein. Das ist aber gar nicht so einfach, denn kann der wirklich von außen kommen und kann ein junger Wilder dies bewerkstelligen. Hinzufügen müsste man wohl noch, das eine Person womöglich gar nicht ausreicht. Es müsste vielleicht ein Team  (Starsky + Hutch?) sein aus jung und alt, erfahren und wild, ausgleichend und provokativ….

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

Post A Comment

 

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
2014: Ein Meer voller Fragen

Kopfüber ins Meer   Wieder sind zwölf Monate vorbei und mit einem Meer voller Fragen gehen wir in das neue...

Schließen